Persisch-arabisch-islamische Medizin

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Die persisch-arabisch-islamische Medizin befasst sich mit der Medizin des persischen und arabisch-islamischen Kulturraums vom siebten bis zum dreizehnten Jahrhundert. Sie entwickelte sich aus der antiken und byzantinischen Medizin und beruhte insbesondere auf Galens Lehre der vier Temperamente. Im Laufe der Zeit entwickelten sich jedoch auch eigenständige Ergänzungen und Erweiterungen.[1]

Die arabische Medizin übte großen Einfluss auf die scholastische Medizin des westlichen Mittelalters aus.[2]

Begriff[Bearbeiten]

Der Begriff ist nach modernen Forschungen fehlerhaft, da es keine arabische Medizin, sondern nur Medizin aus dem arabischsprachigen bzw. orientalischen Raum gab. Diese Definition schließt auch Christen, Juden und andere Gruppierungen ein, die arabisch sprachen.

Geschichte[Bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten]

Nach innerpolitischen Spannungen im Byzantinischen Reich wanderten Mitte des fünften Jahrhunderts die Nestorianer nach Syrien und Persien aus und gründeten dort nach byzantinischem Vorbild Xenodochien und medizinische Ausbildungszentren in Gundischapur und Nisibis. Zunächst übersetzten sie die medizinischen Texte aus ihrer Heimat vom Griechischen ins Syrische. Weitere Übersetzungszentren entstanden in Damaskus, Kairo, Antiochia und Basra. In Bagdad wurde das Haus der Weisheit durch den Kalifen Al-Ma'mun gegründet, wo der Mediziner Hunayn ibn Ishaq Galens Lehren ins Arabische übersetzte. Johannitius erwähnt ein Werk namens Summaria Alexandrinorum, das die Werke Galens und Hippokrates enthielt, und in den medizinischen Zentren der Zeit verwendet wurde.

Erste Phase (10. Jahrhundert)[Bearbeiten]

Ihre erste Blüte erreichte die arabische Medizin im 10. Jahrhundert, in dem die antiken Schriften übersetzt, systematisch zusammengefasst, aber auch ergänzt wurden. Zu den berühmtesten Rezeptoren dieser Zeit gehören:

Der Canon medicinae von Avicenna wurde wegen seiner geschlossenen und einheitlichen Darstellung das grundlegende medizinische Werk des Mittelalters. Er bestand aus fünf Büchern, die sich der theoretischen Medizin, der Arzneimittelkunde, der speziellen Pathologie und Therapie, der Chirurgie und der Arzneimittellehre widmeten.

Zweite Phase (11.–12. Jahrhundert)[Bearbeiten]

Über Nordafrika erreichte der Islam das heutige Spanien. In Córdoba befand sich ein kulturelles Zentrum, in dem die angesehensten Universitäten des zehnten Jahrhunderts bestanden, außerdem 70 öffentliche Bibliotheken und 50 Krankenhäuser. Hier fand der erste friedliche Zusammenschluss islamischer, jüdischer und christlicher Tradition zum Nutzen der Medizin statt. Im elften und zwölften Jahrhundert entfaltete sich in Spanien die zweite Phase der arabischen Medizin, die sich durch mehr Eigenständigkeit in Theorie und Praxis auszeichnete, insbesondere in den Bereichen Medizintheorie, Botanik, Diätetik, Drogenkunde, Materia medica und Chirurgie. Zu den bedeutendsten Vertretern zählen:

Auf dem Gebiet der Anatomie war auch der syrische Universalgelehrte Ibn an-Nafis von Bedeutung, der Galens Übertragungen von der Tieranatomie auf den Menschen korrigierte und eine Theorie des kleinen Kreislaufs entwickelte.

Ärzte[Bearbeiten]

Arabische Ärzte durften ihren Beruf erst nach Ablegen des Hippokratischen Eids ausüben.

Doch die Ärzte Arabiens kopierten nicht nur das Wissen der Griechen, sondern bereicherten die Medizin auch, zum Beispiel im Bereich der Augenheilkunde. Die Perser Rhazes und Avicenna beschrieben zahlreiche Krankheitsbilder wie z. B. über Masern und Pocken, ihre Werke galten auch im gesamten westlichen Mittelalter neben denen von Galenos, Celsus und Hippokrates als Standardwerke der Medizin.

Medikamente[Bearbeiten]

Die arabische Medizin verfügte über ein großes pharmazeutisches Wissen. Man stellte Medikamente aus Kräutern, Mineralien und Tieren her. Das Dispensorium enthielt Rezepte für die Herstellung von Medikamenten und wurde in der gesamten arabischen Welt verwendet.

Ausbildungszentren[Bearbeiten]

In Gundischapur im heutigen Iran befand sich die erste, noch aus sassanidischer Zeit stammende Akademie, in der Theorie und Praxis gleichzeitig gelehrt wurden. Diese kann als erste Universität betrachtet werden. Ab 825 übernahm allmählich das Haus der Weisheit in Bagdad diese Rolle. Im Gegensatz zu Christen war es Juden und Moslems nicht verboten, Sektionen durchzuführen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Donald Campbell: Arabian medicine and its influence on the Middle Ages, I-II, London 1926, Neudruck Amsterdam 1974.
  • Wolfgang U. Eckart: Geschichte der Medizin, Springer-Verlag 1998, 3. Auflage, ISBN 3-540-63756-7, S. 101–103.
  • Kay Peter Jankrift: Krankheit und Heilkunde im Mittelalter, Darmstadt 2003.
  • Heinz Schott (Hrsg.): Meilensteine der Medizin. Harenberg, Dortmund 1996. ISBN 3-611-00536-3.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eckart: Geschichte der Medizin, 1998, S. 101–103.
  2. Eckart: Geschichte der Medizin, 1998, S. 103.