Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)

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Filmdaten
Deutscher Titel Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)
Originaltitel Birdman or (The Unexpected Virtue of Ignorance)
Birdman logo.png
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2014
Länge 119 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[1]
JMK 10[2]
Stab
Regie Alejandro González Iñárritu
Drehbuch Alejandro González Iñárritu,
Nicolás Giacobone,
Alexander Dinelaris, Jr.,
Armando Bó junior
Produktion Alejandro González Iñárritu,
John Lesher,
Arnon Milchan,
James W. Skotchdopole
Musik Antonio Sánchez
Kamera Emmanuel Lubezki
Schnitt Douglas Crise,
Stephen Mirrione
Besetzung
Synchronisation

Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) ist eine US-amerikanische schwarze Komödie von Alejandro González Iñárritu. Der Film, der Michael Keaton als Titelhelden sowie Zach Galifianakis, Edward Norton, Andrea Riseborough, Amy Ryan, Emma Stone und Naomi Watts in weiteren Rollen zeigt, wurde bei der Oscarverleihung 2015 als bester Film ausgezeichnet.

Der Film wurde 2014 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig uraufgeführt und lief am 17. Oktober 2014 in den nordamerikanischen Kinos an. In den deutschen Kinos war Birdman ab dem 29. Januar 2015 zu sehen.[3]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schauspieler Riggan Thomson war vor langer Zeit weltbekannt für seine Darstellung des Comic-Helden Birdman in dem gleichnamigen Blockbuster und dessen beiden Fortsetzungen. Danach verlief seine Karriere zunehmend trostlos; seine psychische Bindung an diesen Superhelden nahm hingegen überhand und kontrolliert nun sein Leben. Er hört Stimmen seines Alter Ego und glaubt, er habe telekinetische Fähigkeiten.

Um seine Karriere wiederzubeleben, versucht sich Thomson als Bühnenschauspieler, Autor und Regisseur. Sein aktuelles Projekt ist eine Rolle in der von seinem besten Freund Jake produzierten Bühnenadaption von Raymond Carvers Kurzgeschichte What We Talk About When We Talk About Love.

Kurz vor der Premiere braucht man dringend Ersatz für die wichtigste Nebenrolle, die schließlich mit dem erfolgreichen Broadway-Schauspieler Mike Shiner besetzt wird, der nicht leicht zu handhaben ist und Thomson womöglich in den Schatten stellen wird. Zudem wird Thomson mit einer Anklage konfrontiert, die ihn finanziell in Bedrängnis bringt. Problematisch ist auch das Verhältnis zu seiner Tochter Sam, die er nach ihrer Entlassung aus der Entzugsklinik als Produktionsassistentin angeheuert hat.

Im Laufe der Proben und Vorpremieren ergeben sich weitere Verwicklungen innerhalb der Theatertruppe und Rückschläge von außen – die einflussreiche Times-Kritikerin Tabitha Dickinson kündigt einen Verriss an, Thomson gerät versehentlich halbnackt auf den Broadway und wird durch Handyvideos zum landesweiten Gespött. Gleichzeitig gerät Thomson mit fortschreitender nervlicher Zerrüttung weiter in den Bann von Birdman und er hat Phantasien, in denen er durch die Straßen von New York fliegt.

In der Schlussszene der Premiere schießt sich Thomson schließlich mit einer echten Pistole in den Kopf. Es folgt der erste sichtbare Schnitt im Film. Die abschließende Sequenz im Krankenhaus zeigt Thomson in einem Krankenbett liegend – offenbar hat er sich lediglich die Nase weggeschossen. Das Stück indes wird in einer wichtigen Tageszeitung als „superrealistisches Theater“ bezeichnet.

Als seine Tochter das Krankenzimmer betritt und ihn sucht, findet sie es leer und mit geöffnetem Fenster vor. Zuerst blickt sie ängstlich nach unten, dann richtet sich ihr Blick nach oben wie auf etwas in der Höhe Schwebendes und sie lächelt.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dreharbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dreharbeiten begannen im März 2013 in New York, wobei Szenen im Theater über dreißig Drehtage in Anspruch nahmen.[4][5] Ein Großteil des Films wurde im und nahe dem St. James Theatre in der 44th Street in New York gedreht. Die Sequenzen in einer nahegelegenen Bar wurden im Rum House in der 48th Street gedreht; mit digitalen Tricks wurde sie anschließend in die Nähe des St. James Theatre gerückt.

Abgesehen von den Eröffnungsszenen und dem Schluss erweckt der Film den Eindruck, er wäre ohne Schnitt in einer einzigen Einstellung gedreht worden. Die Kamera von Emmanuel Lubezki vollzieht im Theater und rund um das Gebäude große dynamische Fahrten, die per digitalem Schnitt unsichtbar miteinander verbunden wurden.[6] Die Drehbuchautoren behaupten, die Idee dieser Tricktechnik wäre von Regisseur Iñárritu, dem allerdings von „großen“ und „wichtigen“ Leuten abgeraten worden sei, diese Technik einzusetzen.[7]

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 7. Januar 2014 stand Antonio Sánchez als Filmmusikkomponist fest.[8] Der Soundtrack wurde kurz vor der Veröffentlichung des Films, am 14. Oktober 2014, veröffentlicht.[9]

Einspielergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Produktionskosten von Birdman wurden auf 18 Millionen US-Dollar geschätzt.[10] Weltweit spielte er über 103 Millionen US-Dollar wieder ein, davon knapp 42,3 in den USA und Kanada.[11]

Synchronisation [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Synchronisation entstand nach einem Synchronbuch und der Synchronregie von Marius Clarén, im Auftrag der RC Production Kunze & Wunder GmbH & Co. KG.

Rolle[12] Darsteller[12] Synchronsprecher[13]
Riggan Thomson Michael Keaton Joachim Tennstedt
Jake Zach Galifianakis Michael Iwannek
Mike Shiner Edward Norton Andreas Fröhlich
Laura Andrea Riseborough Anna Grisebach
Sylvia Amy Ryan Sabine Falkenberg
Sam Thomson Emma Stone Anja Stadlober
Lesley Naomi Watts Claudia Lössl
Annie Merritt Wever Friederike Walke
Tabitha Dickinson Lindsay Duncan Katharina Lopinski

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Birdman wurde überwiegend positiv aufgenommen. Filmkritik-Aggregator Rotten Tomatoes errechnete 93 % positive Bewertungen, basierend auf 172 Rezensionen,[14] während Metacritic 89 von 100 Punkten vergab.[15] Lob gab es für nahezu alle Aspekte des Films, vor allem für die Regie, die Story, die Kameraführung, das Konzept, die Musik und die Darstellung der Charaktere. Gerade Michael Keatons schauspielerische Leistung wurde immer wieder hervorgehoben.

Barbara Schweizerhof von epd Film vergab 4 von 5 Sternen und zeigte sich ebenfalls begeistert von dieser „technisch virtuose[n] Satire zum Los der Schauspieler und der Filmbranche heute, […] die in meisterlicher Weise gleichzeitig feiert, was sie beklagt.“ Neben dem Drehbuch, in dessen Dialogen sich „Scharfzüngigkeiten, Geistesblitze und trockene »Oneliner« in so dichter Weise“ drängen, „dass man den Film – allein, um alles mitzubekommen – ein zweites und drittes Mal anschauen“ müsse, lobte sie vor allem auch die technische Umsetzung, die „der Erzählung den Charakter eines fiebrigen Bewusstseinsstroms“ verleihe.[16]

Auszeichnungen und Nominierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oscars[17]
Golden Globe
Gotham Award
  • Auszeichnung in der Kategorie Bester Film
  • Auszeichnung in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für Michael Keaton
Independent Spirit Award[18]
  • Auszeichnung in der Kategorie Bester Film
  • Auszeichnung in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für Michael Keaton
  • Auszeichnung in der Kategorie Beste Kamera für Emmanuel Lubezki
  • Nominierung in der Kategorie Beste Regie für Alejandro González Iñárritu
  • Nominierung in der Kategorie Bester Nebendarsteller für Edward Norton
  • Nominierung in der Kategorie Beste Nebendarstellerin für Emma Stone
Internationale Filmfestspiele von Venedig
  • Nominierung für den Goldenen Löwen
  • Auszeichnung mit dem Kleinen Goldenen Löwen für Alejandro González Iñárritu
  • Auszeichnung mit dem P. Nazareno Taddei Award für Alejandro González Iñárritu
  • Auszeichnung mit dem Future Film Festival Digital Award für Alejandro González Iñárritu
  • Auszeichnung mit dem Soundtrack Stars for Best Score Award für Antonio Sánchez
National Board of Review[19]
Satellite Award[20]
  • Auszeichnung in der Kategorie Bester Film
  • Auszeichnung in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für Michael Keaton
  • Auszeichnung in der Kategorie Beste Filmmusik für Antonio Sánchez
  • Nominierung in der Kategorie Beste Regie für Alejandro González Iñárritu
  • Nominierung in der Kategorie Bester Nebendarsteller für Edward Norton
  • Nominierung in der Kategorie Beste Nebendarstellerin für Emma Stone
  • Nominierung in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch für Alejandro González Iñárritu, Nicolás Giacobone, Alexander Dinelaris junior & Armando Bó
  • Nominierung in der Kategorie Beste Kamera für Emmanuel Lubezki
  • Nominierung in der Kategorie Bester Filmschnitt für Douglas Crise & Stephen Mirrione
  • Nominierung in der Kategorie Bestes Szenenbild für George DeTitta junior, Kevin Thompson & Stephen H. Carter
Screen Actors Guild Award
Weitere

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikiquote: Birdman – Zitate (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit). Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, November 2014 (PDF; Prüf­nummer: 148 401 K).
  2. Alterskennzeichnung für Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit). Jugendmedien­kommission.
  3. Alejandro González Iñárritu: Birdman (oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit). In: filmstarts.de. 29. Januar 2015, abgerufen am 26. Februar 2015.
  4. By Hanna Flint: Batman’s hair... won’t return: Michael Keaton reveals his thinning pate on set of new film Birdman. In: dailymail.co.uk. 2. April 2013, abgerufen am 26. Februar 2015 (englisch).
  5. Los Angeles Times: In 'Birdman,' Broadway’s St. James Theatre plays itself. In: latimes.com. 10. November 2014, abgerufen am 26. Februar 2015 (englisch).
  6. By Kristopher Tapley: Is 'Birdman' a one-shot 'magic trick' that could win Chivo Lubezki his second Oscar in a row? In: hitfix.com. 21. Juni 2014, abgerufen am 26. Februar 2015 (englisch).
  7. Birdman: “Completely one shot? Don’t even try it”. In: creativescreenwriting.com. 26. November 2014, abgerufen am 26. Februar 2015 (englisch).
  8. Alejandro Gonzalez Inarritu’s ‘Birdman’ to Feature Music by Antonio Sanchez. In: filmmusicreporter.com. Abgerufen am 26. Februar 2015 (englisch).
  9. ‘Birdman’ Soundtrack Details. In: filmmusicreporter.com. 18. September 2014, abgerufen am 26. Februar 2015 (englisch).
  10. Human foibles give 'Birdman' its superhuman wings. In: latimes.com. 30. August 2014, abgerufen am 26. Februar 2015 (englisch).
  11. Birdman bei BoxOfficeMojo.com, abgerufen am 4. Februar 2016
  12. a b Besetzung und Crew für „Birman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“. Internet Movie Database, abgerufen am 20. Juni 2016.
  13. in der Deutschen Synchronkartei
  14. Birdman. In: rottentomatoes.com. 17. Oktober 2014, abgerufen am 26. Februar 2015 (englisch).
  15. Jamie Graham: Birdman or (The Unexpected Virtue of Ignorance). In: metacritic.com. 17. Oktober 2014, abgerufen am 26. Februar 2015.
  16. Kritik zu Birdman (oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) bei epd Film, abgerufen am 22. April 2015
  17. Oscars 2015: Das sind alle Gewinner – Kino. In: tz.de. 23. Februar 2015, abgerufen am 26. Februar 2015.
  18. Film Independent Spirit Award Nominations 2015 – Full List. In: Deadline.com. 25. November 2014. Abgerufen am 13. Dezember 2014.
  19. National Board of Review Announces 2014 Award Winners. In: NationalBoardofReview.org. Abgerufen am 13. Dezember 2014.
  20. Satellite Awards 2014. In: PressAcademy.com. Abgerufen am 4. Dezember 2014.