Dürnau (Landkreis Biberach)

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Wappen Deutschlandkarte
Dürnau (Landkreis Biberach)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Dürnau hervorgehoben

Koordinaten: 48° 4′ N, 9° 33′ O

Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Biberach
Höhe: 597 m ü. NHN
Fläche: 7,28 km2
Einwohner: 468 (31. Dez. 2021)[1]
Bevölkerungsdichte: 64 Einwohner je km2
Postleitzahl: 88422
Vorwahl: 07582
Kfz-Kennzeichen: BC
Gemeindeschlüssel: 08 4 26 036
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathaus
88422 Dürnau
Website: www.duernau-bc.de
Bürgermeister: Bernhard Merk
Lage der Gemeinde Dürnau im Landkreis Biberach
BayernAlb-Donau-KreisLandkreis RavensburgLandkreis ReutlingenLandkreis SigmaringenUlmAchstettenAlleshausenAllmannsweilerAltheim (bei Riedlingen)AttenweilerBad BuchauBad SchussenriedBerkheimBetzenweilerUmmendorf (bei Biberach)Biberach an der RißBurgriedenDettingen an der IllerDürmentingenDürnau (Landkreis Biberach)EberhardzellErlenmoosErolzheimRiedlingenErtingenGutenzell-HürbelHochdorf (Riß)IngoldingenKanzachKirchberg an der IllerKirchdorf an der IllerKirchdorf an der IllerLangenenslingenLaupheimLaupheimMaselheimMietingenMittelbiberachMoosburg (Federsee)OchsenhausenOggelshausenRiedlingenRiedlingenRiedlingenRot an der RotSchemmerhofenSchwendiSeekirchSteinhausen an der RottumTannheim (Württemberg)Tiefenbach (Federsee)Ummendorf (bei Biberach)UnlingenUnlingenUttenweilerWainWarthausenKarte
Über dieses Bild

Dürnau ist eine Gemeinde im Landkreis Biberach in Baden-Württemberg.

Kirche St. Johannes Baptist in Dürnau

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt, vier Kilometer vom Federsee und der Stadt Bad Buchau entfernt, in einer flachhügeligen Grundmoränenlandschaft und berührt das Federseeried.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Westen beginnend grenzt Oggelshausen an eine Exklave der Stadt Riedlingen, die Gemeinde Kanzach, die Stadt Bad Buchau und die Stadt Bad Saulgau im Landkreis Sigmaringen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Mittelalter bis zum Untergang des alten Reichs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vermutlich im Hochmittelalter als Ausbausiedlung gegründet, wurde der Ort 1171 erstmals als Dornon urkundlich erwähnt. Ortsadel ist 1171 und 1239 erwähnt, als die Herren von Dornon Ministerialen der Grafen von Veringen beziehungsweise der Grafen von Württemberg-Grüningen waren. Im 14. Jahrhundert war der Ort unter der Herrschaft der Grafen von Hornstein, die ihn 1387 an die Äbtissin des Stifts Buchau verkauften. Als Erbe kam der Ort so zum Stift Buchau. Im Dreißigjährigen Krieg starben viele dort ansässige Geschlechter – vor allem in der männlichen Linie – aus. So gab es bis zum Jahre 1700 einen starken Zustrom von Einwanderern aus der Schweiz. Dies ist noch in zwei Hofnamen erhalten: Zürchers und Schweizers Haus.[2] Mit der Säkularisation kam Dürnau wie das Stift 1803 an die Fürsten von Thurn und Taxis.

Seit württembergischer Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1806 hatte das Königreich Württemberg die Staatshoheit und verwaltete Dürnau ab 1810 für mehr als ein Jahrhundert als Teil des Oberamts Riedlingen. Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg kam der Ort 1938 zum Landkreis Saulgau. Im Jahre 1945 wurde Dürnau Teil der Französischen Besatzungszone und kam somit zum Nachkriegsland Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Bundesland Baden-Württemberg aufging. Seit der Kreisreform von 1973 ist Dürnau Teil des Landkreises Biberach. Durch die Gründung des Gemeindeverwaltungsverbandes Bad Buchau, welchem Dürnau angehört, konnte die Selbständigkeit der Gemeinde bis heute erhalten bleiben.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1827: 307 Einwohner
  • 1871: 371 Einwohner
  • 1910: 375 Einwohner
  • 1939: 294 Einwohner
  • 1950: 343 Einwohner
  • 1961: 285 Einwohner
  • 1970: 311 Einwohner
  • 1991: 388 Einwohner
  • 1995: 441 Einwohner
  • 2005: 457 Einwohner
  • 2010: 454 Einwohner
  • 2015: 416 Einwohner
  • 2020: 469 Einwohner

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde ist Sitz der katholischen Pfarrei St. Johannes Baptist. Kirche und Pfarrei sind schon 1275 belegt. Ab 1313 gehörten sie dem Kloster Salem, ab 1353 den Kröwel von Ravensburg, ab 1390 dem Saulgauer Spital, das die Pfarrei 1430 angliederte. 1694 ging die Dürnauer Pfarrei als Pfand an das Stift Buchau und wurde von diesem 1745 endgültig übernommen. Bis 2007 gehörte die Kirchengemeinde St. Johannes der Täufer zum Dekanat Riedlingen. Seither ist die römisch-katholische Kirchengemeinde Teil der Seelsorgeeinheit Federsee im Dekanat Biberach der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Die evangelischen Christen gehören zur Kirchengemeinde Bad Buchau im Dekanat Riedlingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Dürnau hat acht Mitglieder. Er besteht aus den ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 wurde der Gemeinderat durch Mehrheitswahl gewählt[3]. Mehrheitswahl findet statt, wenn kein oder nur ein Wahlvorschlag eingereicht wurde. Die Bewerber mit den höchsten Stimmenzahlen sind dann gewählt. Die Wahlbeteiligung betrug 71,2 % (2014: 73,6 %).

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1866–1869 Schultheiß Josef Lutz
  • 1869–1885 Schultheiß Joh. Georg Laub
  • 1886–1893 Schultheiß Konrad Laux
  • 1893–1917 Schultheiß Johann Strohm
  • 1918–1925 Bürgermeister Vinzenz Huckle
  • 1925–1936 Bürgermeister Joseph Widder
  • 1936–1945 Bürgermeister Karl Kohler
  • 1946–1961 Bürgermeister Wendelin Straub
  • 1961–1977 Bürgermeister Emil Huckle
  • von 1977 bis zu seiner Pensionierung im Januar 2007 war Karl Sontheimer (sen.) Bürgermeister in Dürnau
  • von 1. Februar 2007 bis 31. August 2014 war Jürgen Köhler Bürgermeister
  • seit September 2014 ist Bernhard Merk Bürgermeister

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen 1968–1992

Die Gemeinde führte von 1968 bis 1992 folgendes Wappen:

In Gold ein schwarzer Dornzweig, wurde 1968 verliehen und bis 1992 von der Gemeinde geführt.

Seither führt sie folgendes Wappen:

In gespaltenem Schild vorne in Rot ein goldener Zinnenturm, hinten in Silber ein blauer Wellenpfahl (Quelle: GABl 419/1993).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fachwerkhaus in Dürnau

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sehenswertes Ortsbild mit stattlichen Fachwerkhäusern aus der Zeit nach einem umfangreichen Dorfbrand 1746 bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
  • Katholische Kirche St. Johannes Baptist, Anfang des 18. Jahrhunderts anstelle eines Vorgängerbaus errichtet
  • Ehemaliger Pfarrhof aus dem frühen 18. Jahrhundert mit:
    • Pfarrhaus, wohl vor 1725, mit zahlreichen barocken Stuckdecken
    • Scheune, 1678 erbaut, 1851 verkleinert, 1979 eingestürzt, verändert als Leichenhalle wiederaufgebaut
    • Waschhaus mit zwei Backöfen, erbaut 1755

Hofnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Hofnamen sind noch im Gebrauch. In der Schrift von F. X. Müller sind 37 Namen aufgeführt, mit je einer kurzen Beschreibung des Hofs und seiner Besitzer. Die Hofnamen sind: Oberes Bastes-, Kaprals-, Jergenbauern-, Zürchers-, Schmidhansen-, Kaspers-, Mesmers-, Sylvesters-, Lenzenbauern-, Nehers-, Käsers-, Straußen-, Hepplers-, Fischers-, Michlers-, Peters-, Wagners-, Kreuzwirts-, Schweizers-, Bäckers-, Schultesentonis-, Theisen-, Bäuerles-, Neubauern-, Obern Bachbauern-, Unteren Bachbauern-, Huckles Franzen-, Wohlebe-, Alte Schultese-, Karls-, Joben-, Alte Lehrers-, Strohms-, Huckles-, Hirten- und Lippe-Haus.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dürnau hat eine Musikkapelle mit rund 45 aktiven Musikern, sie spielen meist Kurkonzerte in Bad Buchau und Bad Saulgau, in den Frühlings- und Sommermonaten auch gelegentlich Unterhaltungsmusik bei Festzeltveranstaltungen sowie als Höhepunkt ein Jahreskonzert am Vorabend des ersten Advents. Außerdem ist zur Fasnetszeit die Guggamusik Xälzbära mit ihren rund 40 Laienmusikern auf Abendveranstaltungen und Umzügen umgebender Narrenzünfte aktiv. Gegründet wurde diese 1987 hauptsächlich von damals aktiven Mitgliedern der Musikkapelle. Als weitere Vereine können ein Jugendzentrum, Feuerwehr, Backvereinigung, Frauenturnverein und ein Verein Flurdenkmale genannt werden.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg war Dürnau durch die Landwirtschaft geprägt. Da keine Erbteilung stattfand, waren die Höfe relativ groß. Die stattlichen Fachwerkhäuser zeugen noch davon. Im Rahmen der Flurbereinigung wurden einige Aussiedlerhöfe gebaut.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die letzte Schmalspurstrecke Württembergs, die Federseebahn Bad SchussenriedBuchauRiedlingen, wurde 1915 bis Dürmentingen verlängert. Von dort wurde 1916 das letzte Reststück bis Riedlingen fertiggestellt. 1960 wurde die Strecke stillgelegt. Es gab keine Haltestelle für Dürnau.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Dürnau gibt es einen katholischen Kindergarten. Die Schüler aus Dürnau besuchen die Schulen in Bad Buchau.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1973 gibt es einen Gemeindesaal im Gebäude des Kindergartens.

Im Keller des Rathauses ist seit 1979 ein Jugendzentrum eingerichtet.

Bekanntheit durch Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Filmemacherin Eva Witte hat im Abstand von 13 Jahren zwei Filme über das Dorfleben gedreht. Der zweite Film entstand 2008 und wurde im Januar 2009 veröffentlicht.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dürnau. In: Johann Daniel Georg von Memminger (Hrsg.): Beschreibung des Oberamts Riedlingen (= Die Württembergischen Oberamtsbeschreibungen 1824–1886. Band 4). Cotta’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart / Tübingen 1827, S. 153–154 (Volltext [Wikisource]).
  • Hans Willbold: Dürnau einst und jetzt. Gemeinde Dürnau, Dürnau 1987
  • Sabine Kraume-Probst, Michael Ruhland: Im Schatten des Kirchturms. Drei ländliche Pfarrhäuser in Oberschwaben. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg. (PDF; 9,7 MB) 32, Nr. 2, 2003, S. 173–181

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Dürnau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2021 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. F.X. Müller: Die alten Haus- und Hofnamen in Dürnau, Eigenverlag des Verfassers, 1937.
  3. Vorläufiges Ergebnis der Gemeinderatswahlen 2019 beim Statistischen Landesamt
  4. IMDb