Dieter Nuhr

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Dieter Nuhr (2013)
Unterschrift

Dieter Herbert Nuhr (* 29. Oktober 1960 in Wesel) ist ein deutscher Kabarettist, Comedian,[1] Autor und Moderator.

Leben[Bearbeiten]

Bis zu seinem vierten Lebensjahr wuchs Nuhr in Wesel auf. Danach zog seine Familie nach Düsseldorf, wo er den Rest seiner Kindheit verbrachte. Dort besuchte er das Leibniz-Gymnasium. Von 1981 an studierte er an der Universität-Gesamthochschule Essen (ehemals Folkwang) Bildende Kunst und Geschichte auf Lehramt; 1988 legte er das Erste Staatsexamen ab.

Nuhr hatte seine ersten Bühnenauftritte mit einer Schülertheatergruppe. Während eines Projekts der Theatergruppe am Düsseldorfer Schauspielhaus schrieb er erstmals auch eigene Texte. 1986 gründete er mit seinem Partner Frank Küster das Kabarettduo V.E.V.–K.Barett. Ab 1987 absolvierte man erste gemeinsame Auftritte mit dem Programm Haben Sie sich Ihre Schranknummer gemerkt?. 1989 entstand das Programm Pralle Pracht, und ab 1990 trat man unter dem leicht geänderten Namen V.E.V.–Kabarett mit dem nächsten Programm Schrille Stille auf. Zipfeltreffen hieß dann das letzte gemeinsame Programm des Duos.[2][3] Ab 1994 war Nuhr mit seinem ersten Soloprogramm Nuhr am Nörgeln unterwegs. Zur Frage, wie er seinen eigenen Stil fand, antwortete Nuhr 2006 gegenüber der Westdeutschen Zeitung:

„Das war, als ich ein Soloprojekt machte. Dazu hat mich ein Theaterleiter aus Mönchengladbach überredet. Er stellte das Theater zur Verfügung und führte Regie. Während der Vorbereitung hat er mir immer mehr von meinen Requisiten weggenommen. Das hat er sehr geschickt gemacht. Drei Tage vor der Premiere stand ich dann da und hatte gar nichts mehr, habe nur erzählt. Das war im Prinzip die Form, die ich auch heute noch habe. Ich dachte, das kann gar nicht funktionieren. Aber je weniger ich gemacht habe, desto besser hat es geklappt. Da habe ich gemerkt: Ich muss mich auf das verlassen, was ich kann – einfach reden. Nicht dicke Brillen anziehen oder komische Mützchen.“

Dieter Nuhr im Interview mit Sven Gantzkow, Westdeutsche Zeitung, 28. Januar 2006

Für sein Programm Nuhr weiter so bekam er im Jahr 1998 den Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte Kabarett. 2003 erhielt er den Deutschen Comedypreis für den besten Liveauftritt. Nuhr ist bis heute (2014) der einzige Preisträger, der beide Preise verliehen bekam. Zahlreiche Fernsehauftritte machten ihn auch über die Kleinkunst-Szene hinaus bekannt, etwa in Scheibenwischer, Hüsch und Co., Die Harald Schmidt Show, Quatsch Comedy Club, Genial daneben, Schillerstraße oder 7 Tage, 7 Köpfe. Nuhr gehört mit jährlich mehr als 200.000 Zuschauern zu den erfolgreichsten Kabarettisten in Deutschland. Sein Programm Ich bin’s nuhr besuchten etwa eine halbe Million Menschen.

Nachdem er im Jahr 2004 erstmals bei Sat.1 einen humorvollen Jahresrückblick präsentierte,[4] ist er seit 2006 am Ende jedes Jahres mit einem ähnlichen Programm im ZDF zu sehen.[5] Am 24. Oktober 2008 moderierte Nuhr erstmals – wie dann auch in den fünf Folgejahren – den Deutschen Comedypreis.[6] Vom 3. November 2009 an war er mit der vierteiligen Comedy-Reihe Nuhr so an vier Dienstagabenden live im ZDF zu sehen.[7][8]

2009 wurde Nuhr angesprochen, ob er sich nicht an dem Tributalbum zum zwanzigsten Jubiläum der Hip-Hop-Band Die Fantastischen Vier beteiligen wolle. A Tribute to Die Fantastischen Vier ist eine Kompilation, auf der Künstler aus unterschiedlichen Richtungen Lieder der Stuttgarter covern. Nuhr spielte bei Buenos Dias Messias alle Instrumente selbst und nahm das Lied in seinem Arbeitszimmer mit der sonst für Radiobeiträge genutzten Technik auf.[9][10] Zusätzlich ist auf dem Album ein Gespräch zwischen Nuhr und dem Initiator des Albumprojekts Andreas „Bär“ Läsker enthalten.

Von Januar 2011 bis 2014 moderierte er die ARD-Sendung Satire Gipfel.[11] Er löste Mathias Richling ab, dessen Vertrag im Dezember 2010 endete.[12] Im Oktober 2014 wurde das Format durch Nuhr im Ersten ersetzt, welches er ebenfalls moderiert. Volker Pispers bezeichnete den Entertainer als "humoristischen Arm der Pegida-Bewegung". Christine Prayon bekannte sich zu einer "Nuhr-Allergie" und schloss Auftritte in Sendungen mit dem ARD-Star aus.[13] Auch der Kabarettexperte Jürgen Kessler kritisierte Nuhr.[14]

2010 produzierte Nuhr für RTL ein zweiteiliges Special zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010, in dem er das Thema Fußball ironisch kommentierte. Außerdem produziert er für den Hörfunksender WDR 2 wöchentlich kabarettistische Beiträge.[15] Von Juli 2012 bis März 2013 moderierte er zusammen mit Ralph Caspers die Quizshow Null gewinnt im Vorabendprogramm der ARD.

2012 war Dieter Nuhr Pate für die ARD-Themenwoche mit dem Schwerpunktthema Leben mit dem Tod. Für die Themenwoche steuerte er die Fernsehsendung Nuhr am Leben bei, die in der Berliner St.-Elisabeth-Kirche aufgezeichnet wurde und am 19. November 2012 in der ARD gesendet wurde.[16] 2013 nahm er ebenfalls an der Themenwoche teil, als es um das Schwerpunktthema Zum Glück ging. Sein Sendebeitrag Nuhr im Glück wurde in der Orangerie der Biosphäre Potsdam aufgezeichnet und am 22. November 2013 ausgestrahlt.[17] Die Themenwoche 2014 fand im November 2014 mit dem Thema Anders als du denkst statt und beschäftigte sich mit dem Thema Toleranz. Zu diesem Thema erschien der Sendebeitrag Nuhr mit Respekt. Die RBB-Sendung von und mit Dieter Nuhr wurde im Jüdischen Museum Berlin aufgezeichnet und am 20. November 2014 ausgestrahlt.[18]

In der RTL-Sendung Mario Barth deckt auf! ist Nuhr seit dem 26. März 2014 regelmäßig zu Gast und präsentiert gemeinsam mit Barth Fälle von Steuerverschwendung.

Im Mai 2014 erhielt Dieter Nuhr den Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache. Die Jury begründete die Ehrung mit den Worten:

„Dieter Nuhr macht intelligentes Kabarett. Seine Stücke sind wortgewandt, die Pointen treffsicher. Aber er achtet nicht nur sorgfältig auf die sprachliche Qualität dessen, was er sagt: er bringt seinem Publikum auch Sprachkritik nahe und regt es an, über die Wirkung von Sprache nachzudenken“

Jury des Kulturpreises Deutsche Sprache[19]

Kontroverse um islamkritisches Kabarett[Bearbeiten]

Dieter Nuhr ist laut Reinhard Mohr einer der wenigen Kabarettisten in Deutschland, die sich in ihren Programmen und Büchern mit Aspekten des radikalen Islams satirisch auseinandersetzen.[20] Im Oktober 2014 erstattete ein Salafist[21] Anzeige gegen Nuhr. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück gab am 5. November 2014 bekannt, dass sie das Verfahren gegen Nuhr einstellt.

Fotografie und politisches Engagement[Bearbeiten]

Nebenbei fotografiert Dieter Nuhr und stellt seine Fotokunst in Galerien und Museen aus; zuerst 2008 in Hamburg, 2010; und erneut 2015, im Museum Ratingen in Ratingen[22], wo er mit Frau und Tochter lebt, und im Stadtmuseum von Siegburg. Ihm sei die bildnerische Arbeit genauso wichtig wie die Arbeit auf der Bühne, sagte er selbst darüber.[23]

Dieter Nuhr ist einer der Erstunterzeichner des Appells gegen die Prostitution der Zeitschrift Emma aus dem Jahr 2013.[24]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Bühnenprogramme[Bearbeiten]

DVDs[Bearbeiten]

  • 2000: Quatsch Comedy Club – Das Beste Vol. 1
  • 2001: Quatsch Comedy Club – Das Beste Vol. 2
  • 2004: Nuhr vom Feinsten. Random House Audio, Köln 2004, ISBN 3-86604-135-7.
  • 2006: Ich bin’s nuhr
  • 2009: Nuhr die Wahrheit
  • 2011: Nuhr die Ruhe
  • 2013: Nuhr unter uns

TV-Moderationen[Bearbeiten]

  • 2011–2014: Satire Gipfel, Kabarettsendung beim Fernsehsender ARD[29]
  • 2011: Typisch Frau, Typisch Mann, Quizshow beim Fernsehsender RTL[30][31]
  • 2012: Null gewinnt, Quizshow beim Fernsehsender ARD
  • seit 2014: Nuhr im Ersten, Nachfolgesendung des Satire Gipfels im ARD[32]

Bücher[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Melanie Ehler, Klaus Thelen (Hrsg.): Nuhr fotografiert! Fotokunst von Dieter Nuhr. Kerber Verlag, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-86678-396-6 (im Auftrag der Stadt Ratingen, mit einem Textbeitrag von Dieter Nuhr).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dieter Nuhr – Sammlung von Bildern
  Wikiquote: Dieter Nuhr – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Comedian
  2. Frank Küster – Vita, abgerufen am 31. Oktober 2014.
  3. Frank Küster – Wie alles anfing (Plakat-Vita), abgerufen am 31. Oktober 2014.
  4. Nuhr – Der Jahresrückblick auf wunschliste.de
  5. NUHR 2008.
  6. Comedypreis für „Heute Show“, Cindy und Nuhr. 24. Oktober 2009 auf DWDL.de
  7. Nuhr so – ZDF.de
  8. Nuhr so in der IMDB
  9. kulturfalter.de: Dieter Nuhr im Interview – Mich fragt ja keiner!, abgerufen am 28. Oktober 2014
  10. „A Tribute To Die Fantastischen Vier“, abgerufen am 28. Oktober 2014
  11. Nuhr übernimmt „Satire Gipfel“ von Richling
  12. Dieter Nuhr erklimmt den „Satire Gipfel“
  13. Heise.de: Dieter Nuhr hält nicht die Fresse.
  14. Spiegel 18.Mai.2015: Kabarettexperte Kessler-kritisiert Dieter Nuhr
  15. WDR 2 Kabarett: Es geht Nuhr nach vorn.
  16. ARD-Themenwoche 2012 „Nuhr am Leben“, abgerufen am 27. Oktober 2014
  17. ARD-Themenwoche 2013 „Nuhr im Glück“, abgerufen am 27. Oktober 2014
  18. rbb-online: Nuhr mit Respekt, abgerufen am 5. Dezember 2014.
  19. Kulturpreises Deutsche Sprache: Pressemitteilung vom 15. Mai 2014, abgerufen am 26. Oktober 2014
  20. Die Welt: Islam-Satire – Herr Nuhr, sind Sie ein islamophober Hassprediger?, abgerufen am 26. Oktober 2014
  21. Hassprediger-Vorwurf Nuhr: „Als ob Nazis für Meinungsfreiheit eintreten“, abgerufen am 27. Oktober 2014
  22.  „Das klappt. Die können das.“. Interview mit Dieter Nuhr. In: Rheinische Post. 25. Februar 2010, S. D5 (Ausgabe Ratingen). auf rp-online abgerufen am 28. Februar 2011
  23. Ausstellung in Essen/Ruhr: „Dieter Nuhr – Fremdes Terrain“ 31. Januar – 11. März 2015
  24. Emma.de: Appell gegen die Prostitution Website der Zeitschrift Emma. Abgerufen am 27. Juni 2015.
  25. Videoaufzeichnung der Verleihung des IQ-Preises 2008, abgerufen am 24. Januar 2015
  26. Datenbank des Bundesverbandes Musikindustrie, abgerufen am 28. Mai 2011
  27. Health Media Award
  28. RP Online: Dieter Nuhr hat jetzt einen Vogel, abgerufen am 15. Mai 2012
  29. Der Moderator: Dieter Nuhr bei daserste.de
  30. Bericht über verkürzte Staffel bei DWDL.de
  31. Typisch Frau – Typisch Mann bei RTL.de
  32. Nuhr im Ersten bei daserste.de