Ebstorf

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Wappen Deutschlandkarte
Ebstorf
Deutschlandkarte, Position des Fleckens Ebstorf hervorgehoben

Koordinaten: 53° 2′ N, 10° 25′ O

Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Uelzen
Samtgemeinde: Bevensen-Ebstorf
Höhe: 70 m ü. NHN
Fläche: 27,29 km2
Einwohner: 5387 (31. Dez. 2021)[1]
Bevölkerungsdichte: 197 Einwohner je km2
Postleitzahl: 29574
Vorwahl: 05822
Kfz-Kennzeichen: UE
Gemeindeschlüssel: 03 3 60 006
Fleckengliederung: 3 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Lindenstr. 12
29549 Bad Bevensen
Website: www.ebstorf.de
Bürgermeister: Heiko Senking (UWG)
Lage des Fleckens Ebstorf im Landkreis Uelzen
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Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Flecken

Ebstorf ist ein Klosterflecken inmitten der Lüneburger Heide im niedersächsischen Landkreis Uelzen. Der Klosterflecken Ebstorf gehört zur Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf.

Fleckengliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der auf fruchtbarem Kleiboden[2] liegende Klosterflecken Ebstorf besteht aus dem Kernort Ebstorf und dem bis zur Gebietsreform 1972 selbständigen Ort Altenebstorf sowie Tatendorf. Bis zum 31. Oktober 2011 war er Mitgliedsgemeinde und Sitz der Samtgemeinde Altes Amt Ebstorf, die zum 1. November 2011 in der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf aufging.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Ebstorf besiegte im Jahre 880 ein Heer von Wikingern ein sächsisches Heer unter dem sächsischen Grafen Brun. Das Heer der Sachsen erlitt eine furchtbare Niederlage. Der Herzog fiel im Kampf; mit ihm Bischof Theoderich von Minden, Bischof Markward von Hildesheim, die elf Grafen Wigmann, Bardo, Bardo und Bardo, Thiotrich und Thiotrich, Gerrich, Liutolf, Folkward, Awan, Liuthar, sowie die 14 namentlich bekannten Ministerialen Bodo, Aderam, Alfuin, Addasta, Aida, Aida, Dudo, Wal, Halilf, Humildium, Adalwin, Werinhard, Thiotrich und Hilward.[3]

Seit dem 24. Juni 2010 führt der Flecken offiziell den Namen Klosterflecken Ebstorf.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1972 wurde Altenebstorf in den Klosterflecken Ebstorf eingegliedert.[4]

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Bezeichnungen des Ortes sind 1084 Ebbekestorp, 1131 Ebbikesdorp, 1136 Ebbekesthorp, 1152 Ebbekesdorf, 1156 Ebbecstorp, 1195 Dingelstide, 1196 Ebekestorp, 1212 Ebbikestorp, 1225 Ebbekestorp und 1270 Ebekestorp. Beide Namen enthalten niederdeutsch „t(h)orp“ für „Dorf, Siedlung“ und einen Personennamen „Eb(b)ek-“, eine Verkleinerung, Verkosung (Element „-ek-“) von einer Basis „Ab-“ (entstanden aus Verkleinerungen von Adal-, Athal-, Adel-).[5]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kloster Ebstorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kloster Ebstorf, Ansicht des Innenhofes

Vor 1150 gründeten Prämonstratenser ein Kanoniker-Doppelstift für Männer und Frauen, aber nach einem Brand verließen die Männer Ebstorf, um am Bau des Ratzeburger Doms mitzuwirken. Spätestens ab 1197 war Ebstorf ein benediktinisches Frauenkloster. 1565 hatte sich im Kloster Ebstorf endgültig die protestantische Reformation durchgesetzt. Noch heute wird das Kloster bewohnt und bewahrt von evangelischen Konventualinnen im Rahmen einer selbständigen Körperschaft des öffentlichen Rechts innerhalb des 1818 gegründeten Verbundes der Klosterkammer Hannover. Die heutigen Klostergebäude stammen überwiegend aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Die Konventualinnen bieten Führungen durch das Kloster an, bei denen sie auch zahlreiche Ausstattungsstücke zeigen wie zum Beispiel Skulpturen, Glasmalereien, Textilien, Gemälde, Möbel und Altargerät vorwiegend aus dem Mittelalter; berühmteste Sehenswürdigkeit ist eine Nachbildung der 1943 verbrannten Ebstorfer Weltkarte.

Ebstorfer Weltkarte

Ebstorfer Weltkarte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ebstorfer Weltkarte war eine Rundkarte von 3,57 m Durchmesser auf 30 Pergamentblättern mit Jerusalem als Mittelpunkt. Es soll sich dabei um die Nachahmung einer römischen Weltkarte aus dem vierten Jahrhundert handeln. Es ist die größte Radkarte und Darstellung des Weltbildes aus dem Mittelalter. Sie ist nach ihrem Fundort, dem Benediktinerinnenkloster Ebstorf, benannt. Dort wurde sie 1830 in einer Abstellkammer gefunden; zwei Stellen der Karte waren durch Mäusefraß zerstört, darunter auch das Gebiet des heutigen Brandenburgs. Zudem wurde ein ca. 50 × 60 cm großes Kartenstück in der oberen rechten Hälfte im Gebiet des heutigen Indien kurz nach der Wiederentdeckung aus ungeklärten Gründen herausgeschnitten.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Königseiche“ mit einem im Jahr 2016 ermittelten Brusthöhenumfang von 8,50 m und einer Höhe von 34 m. Die als Naturdenkmal (ND UE 00037) ausgewiesene und in die Liste markanter und alter Baumexemplare in Deutschland eingetragene Stieleiche gilt als die höchste bekannte Eiche in Deutschland[6]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rathaus in Ebstorf

Rat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rat des Klosterfleckens Ebstorf setzt sich aus 17 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

Wahljahr UWG CDU SPD Grüne FBE Gesamt
2021[7] 6 (33,8 %) 5 (26,5 %) 4 (22,8 %) 1 (8,5 %) 1 (8,3 %) 17 Sitze
2016[8] 4 (23,8 %) 5 (28,1 %) 4 (24,1 %) 2 (9,3 %) 2 (14,7 %) 17 Sitze
2011[9] 3 (18,0 %) 5 (30,0 %) 4 (24,3 %) 1 (7,1 %) 4 (20,6 %) 17 Sitze
________________________
FBE: Freie Bürgerliste Ebstorf

Letzte Kommunalwahl am 12. September 2021

Bürgermeister/Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister ist Heiko Senking (UWG). Er wurde im November 2016 zum Nachfolger von Uwe Beecken (FBE) gewählt.[10]

Die Fleckenverwaltung befindet sich im Gebäude des alten Rathauses in der Hauptstraße 30. Hier unterhält die Samtgemeindeverwaltung auch ein Bürgerbüro.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ebstorf ist ein Standort der Georgsanstalt, Berufsbildende Schulen II des Landkreises Uelzen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof

Ebstorf hat einen Bahnhof[11] an der Bahnstrecke Uelzen–Langwedel, der durch die Linie RB37 der Regionalverkehre Start Deutschland bedient wird. Das am 15. April 1873 eröffnete Empfangsgebäude ist als das Denkmal der Amerikalinie und zu besonderen Veranstaltungen geöffnet.[12]

Über die Landesstraßen L 250 bzw. L 233 ist Ebstorf an die Mittelzentren Uelzen und Lüneburg angebunden. Diese Strecke Melbeck–Uelzen dient vielen Autofahrern als Ausweichroute zur stark befahrenen Bundesstraße 4.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Ebstorf befindet sich die evangelisch-lutherische Mauritius-Kirchengemeinde, ihre Gottesdienste finden in der St.-Mauritius-Kirche des Klosters Ebstorf am Kirchplatz statt. Die Kirchengemeinde gehört zur Region West des Kirchenkreises Uelzen, zu ihr gehören neben Ebstorf noch die Ortschaften Altenebstorf, Haarstorf, Linden, Luttmissen, Melzingen, Oetzfelde, Stadorf, Tatendorf, Wessenstedt und Wittenwater.

Um 1918 wurde in einem an der Hauptstraße stehenden Wohnhaus eine römisch-katholische Kapelle eingerichtet. 1966 wurde das Gebäude abgerissen, und 1967 an dessen Stelle die heute noch bestehende römisch-katholische Kirche Mariä Heimsuchung erbaut. Seit 2006 gehört sie zur Pfarrgemeinde Zum Göttlichen Erlöser in Uelzen.

Das Kloster Ebstorf gehört zu den sechs Lüneburger Heideklöstern.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Zeiller: Ebstorff. In: Matthäus Merian (Hrsg.): Topographia Ducatus Brunswick et Lüneburg (= Topographia Germaniae. Band 15). 1. Auflage. Matthaeus Merians Erben, Frankfurt am Main 1654, S. 76 (Volltext [Wikisource]).
  • Lutz Mohr: 2. Februar 880: Die Wikingerschlacht von Ebstorf oder Hamburg. In: Carfunkel-Combat. Das jährliche Special zu Militärgeschichte… Wald-Michelbach, Nr. 2/2006, S. 4–6.
  • Wilhelm Spangenberg, Sophia Wichelmann: Ebstorf. Aus der Chronik. 6., erweiterte Auflage. Becker, Uelzen 1982.
  • Sophia Wichelmann (Hrsg.): Ebstorf. Aus der Geschichte des Klosterfleckens. Becker, Uelzen 1994, ISBN 3-920079-34-5.
  • Michael Wolfson: Ein Rundgang durch Kloster Ebstorf (= Die blauen Bücher). Aufnahmen von Jutta Brüdern. Langewiesche, Königstein im Taunus 2001, ISBN 3-7845-2403-6.
  • Heinrich Porth, Dieter Boe: Die Familien und Einwohner des Kirchspiels Ebstorf. Ortsfamilienbuch 1627–1875 und Untersuchung zur Bevölkerungsgeschichte. Zu den Orten Altenebstorf, Ebstorf, Haarstorf, Linden, Luttmissen, Melzingen, Oetzfelde, Stadorf, Tatendorf, Verhorn, Wessenstedt und Wittenwater (= Quellen und Darstellungen zur Geschichte von Stadt und Kreis Uelzen. Band. 4). Museums- und Heimatverein des Kreises Uelzen, Uelzen 2005, ISBN 3-929864-07-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ebstorf – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesamt für Statistik Niedersachsen, LSN-Online Regionaldatenbank, Tabelle A100001G: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Stand 31. Dezember 2021 (Hilfe dazu).
  2. Friedrich Winterhager: Lateinunterricht für Nonnen im Kloster Ebstorf um 1490 unter dem Einfluß der Bursfelder Reformbewegung. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 34, 2015 (2016), S. 79–85, hier: S. 79.
  3. Ökumenisches Heiligenlexikon Theoderich heiligenlexikon.de am 18. März 2007.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 236.
  5. Jürgen Udolph (Recherche): Der „Ortsnamenforscher“. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Webseite NDR 1 Niedersachsen. Archiviert vom Original am 3. Dezember 2016; abgerufen am 4. August 2019.
  6. Eintrag im Verzeichnis Monumentaler Eichen. Abgerufen am 10. Januar 2017.
  7. Ergebnis Kommunalwahl 2021. Abgerufen am 3. August 2022.
  8. Ergebnis Kommunalwahl 2016
  9. Ergebnis Kommunalwahl 2011
  10. az-online.de
  11. Ebstorf (Kr Uelzen) auf bahnhof.de
  12. America Line Depot Monument, abgerufen am 12. Februar 2018.