Frank Richter (Theologe)

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Frank Richter, 2016

Frank Richter (* 20. April 1960 in Meißen) ist ein deutscher Theologe und seit dem 1. Februar 2017 in der Geschäftsführung der Stiftung Frauenkirche in Dresden. In der Friedlichen Revolution in der DDR wurde er als Gründer der Gruppe der 20 in Dresden bekannt. Auf Vorschlag des sächsischen Kultusministeriums war Richter von 2009 bis Anfang 2017 Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung.

Leben und Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Abitur 1978 in Großenhain war Frank Richter von 1979 bis 1981 Bausoldat der NVA in Stralsund, studierte am Priesterseminar Erfurt und in Neuzelle Theologie und wurde 1987 zum katholischen Priester geweiht. Im Herbst 1989 nahm er als Kaplan an der Dresdner Hofkirche an den Demonstrationen gegen das DDR-Regime teil. Von 1994 bis 1996 war Richter Diözesanjugendseelsorger des Bistums Dresden-Meißen und anschließend bis 2001 Pfarrer in Aue.

Von 2001 bis 2005 war Richter Referent für Religion und Ethik am Comenius-Institut in Radebeul. Im Jahr 2005 ließ er sich laisieren, um zu heiraten. Er wechselte zur Altkatholischen Kirche, für die er von 2006 bis 2007 als Pfarrer in Offenbach tätig war. Im Folgenden arbeitete er einige Zeit als Lehrer in Hessen.

Von Februar 2009 bis Anfang 2017 war Frank Richter Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung. 2011 wurde er zum Moderator der von der Dresdener Oberbürgermeisterin Helma Orosz 2009 ins Leben gerufenen Arbeitsgruppe 13. Februar berufen, die eine Koordination der demokratischen Initiativen für das Gedenken an die Bombenangriffe auf Dresden im Februar 1945 anstrebt. Nach Unstimmigkeiten über die Ziele der Arbeitsgruppe verließ er diese im Oktober 2013.[1]

In der Asyldebatte in Sachsen hat sich Richter seit 2013 als Vermittler und Moderator profiliert. Wegen seines auf Verständnis und Dialog zielenden Umgangs mit fremdenfeindlichen Haltungen und Protesten wird er bisweilen als „Pegida-Versteher“[2] eingeordnet, wogegen der Chef des Kuratoriums der sächsischen Landeszentrale Lars Rohwer seine vermittelnde Arbeit lobte: „Er ist der beste Diplomat, den wir derzeit in Dresden haben.“[3] Am 24. August 2016 berichteten die Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Richter die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung zum Jahresende verlässt und zur Stiftung Frauenkirche wechselt.[4]

Richter wurde Anfang der 1990er Jahre Mitglied der CDU, trat aber 2017 aus der Partei aus. Zur Begründung verwies er unter anderem auf die seiner Meinung nach fehlende Streitkultur im sächsischen CDU-Landesverband.[5]

Politische Wahrnehmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beteiligung an der Bürgerbewegung in Dresden 1989[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frank Richter nahm an der Demonstration am 8. Oktober 1989 auf der Prager Straße in Dresden teil, bei der die Volkspolizei am Sonntagabend hunderte Menschen einkesselte. Aus der Menge heraus gelang es dem damals 29-jährigen Richter gemeinsam mit Kaplan Andreas Leuschner, in Verhandlungen mit den Polizisten einzutreten.[6] Richter und Leuschner bildeten die aus Demonstranten bestehende Gruppe der 20, die als erste oppositionelle Gruppierung offiziell als Gesprächspartner der Staatsmacht, in Dresden in Person des Oberbürgermeisters Wolfgang Berghofer, akzeptiert wurde. Bis zu den ersten freien Wahlen im März 1990 blieb Richter einer der wichtigsten Exponenten der Bürgerbewegung in Dresden.

Asyldebatte und fremdenfeindliche Proteste in Sachsen ab 2013[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im Konflikt um eine Asylbewerber-Unterkunft in Chemnitz wurde Frank Richter im Oktober 2013 als Vermittler zwischen den Verantwortlichen und beunruhigten Anwohnern eingeschaltet.[7] Nach Beginn der Pegida-Proteste in Dresden setzte sich Richter für einen Dialog zwischen allen Seiten ein. Zu diesem Thema nahm er auch an mehreren Talkshows teil, unter anderem an der Sendung von Günther Jauch am 18. Januar 2015, zu der auch die damalige Pegida-Mitorganisatorin Kathrin Oertel eingeladen war.[8] Als Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung organisierte er mehrere Dialogforen, bei denen jeweils rund 150 Pegida-Befürworter und -gegner sowie Politiker miteinander ins Gespräch kommen sollten. Kritisiert wurde Richter vom Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, sowie aus den Reihen von SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen dafür, den damaligen Pegida-Organisatoren Lutz Bachmann und Kathrin Oertel am 19. Januar 2015 nach der Absage der Demonstration wegen Anschlagsdrohungen nach dem Terroranschlag auf das Pariser Redaktionsbüro von Charlie Hebdo Räumlichkeiten der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung für eine Pressekonferenz zur Verfügung gestellt zu haben.[3] Richter wies die Kritik zurück und erklärte, sein Vorgehen sei mit dem Kuratoriumsvorsitzenden Lars Rohwer abgestimmt gewesen. Er stehe zu seinem Entschluss und würde unter den gegebenen Umständen wahrscheinlich wieder so entscheiden.[2][9]

Nach Einschätzung des Mitteldeutschen Rundfunks genießt Frank Richter „in der Bevölkerung offenbar großen Respekt“ für seinen Umgang mit Pegida.[9] An seinem Wohnort Freital nahm Richter während der Flüchtlingskrise in Europa 2015 mehrmals an Bürgerversammlungen teil, auf denen von anderen Einwohnern Kritik gegen die Unterbringung von Flüchtlingen laut wurde, und versuchte moderierend auf einen sachlichen Dialog hinzuwirken.[10] Nach dem Ausbruch der bundesweit beachteten fremdenfeindlichen Proteste in Freital sprach Richter im Anschluss an die durch Tumulte und lautstarke Proteste von Asylheimgegnern geprägte Bürgerversammlung vom 7. Juli 2015 von einem „harten Kern von Menschen, die sich menschenfeindlich artikulieren, die identifiziert werden müssen, isoliert und von der Gesamtgesellschaft geächtet werden müssen.“[11]

In Interviews äußerte er sich zu den historischen und politischen Hintergründen der Fremdenfeindlichkeit in Sachsen. Das Land leide seit Jahren unter einer hohen rechtsextremistischen Belastungsquote. Die Gesprächs- und Diskussionskultur, die eine offene Gesellschaft auszeichne, sei schwach ausgeprägt. Die Abwehr des Fremden sichere vermeintlich die schwach ausgeprägte Identität, die ihrerseits mit mangelnder Geschichtsaufarbeitung zu tun habe. Richter forderte eine offensivere Kommunikation gegenüber Bürgern und Aktivisten, um Hetze gegen Flüchtlinge zu ächten und rechtsfreie Räume im Internet und auf der Straße zu bekämpfen. Gleichzeitig müsse man die Motive der Proteste verstehen, um Menschen für den Diskurs zu gewinnen und Verständnis für die humanitäre Verpflichtung zu wecken, Flüchtlinge aufzunehmen. „Verstehen heißt nicht akzeptieren. Verstehen zu wollen, ist die Voraussetzung für den vernünftigen Diskurs.“[2]

Im Herbst 2015 erklärte Richter, er habe seinen Lebensmittelpunkt nach Markkleeberg verlegt, inzwischen „eine gewisse Distanz“ zu Dresden und „das Gefühl für diese Stadt verloren“: „Dresden genügt sich zu oft selbst, darüber sollte die Bürgerschaft nachdenken.“ Die Pegida-Organisatoren hätten auf ihn den Eindruck von „Neonazis in verändertem Outfit“ gemacht.[12]

In seiner neuen Tätigkeit als Geschäftsführer der Stiftung Frauenkirche wolle er, so Richter im Februar 2017, weiter für Verständigung und Versöhnung eintreten: „Ich sehe aktuell großen Bedarf, die Zerrissenheit innerhalb der Gesellschaft zu benennen und zu überwinden.“[13]

Hobbys[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für mehrere Kompositionen des Großenhainer Musikers Stefan Jänke schrieb Richter die Texte, darunter drei Musical-Oratorien und ein Kindermusical.[14]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Worte wachsen langsam – aus dem Herbst ’89, 2. Auflage, Hille, Dresden 1998, ISBN 3-932858-04-2.
  • In den Purzelbaum meiner Gefühle, Hille, Dresden 2004, ISBN 3-932858-06-9.
  • Werterziehung an der Schule – Möglichkeiten und Grenzen (Hrsg. CDU-Fraktion des Sächsischen Landtages), Schriftenreihe zu Grundlagen, Zielen und Ergebnissen der parlamentarischen Arbeit der CDU-Fraktion des Sächsischen Landtages, Bd. 39, Dresden 2005.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Frank Richter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dominik Brüggemann: Inhaltliche Differenzen mit Oberbürgermeisterin – Frank Richter nicht mehr Moderator der AG 13. Februar. In: DNN. 2. Oktober 2013, abgerufen am 7. Februar 2014.
  2. a b c Warum Sachsen ein Nährboden für Fremdenhass ist. In: Die Welt. 26. August 2015, abgerufen am 2. November 2015.
  3. a b Elisa Simantke, Matthias Meisner: Nach Pegida-Pressekonferenz: Landeszentrale für politische Bildung Sachsen unter Druck. In: Der Tagesspiegel. 21. Januar 2015, abgerufen am 4. Februar 2015.
  4. Peter Stawowy: Frank Richter verlässt Sächsische Landeszentrale für politische Bildung (SLpB). In: Flurfunk Dresden. 24. August 2016, abgerufen am 24. August 2016.
  5. Annette Binninger: Ein Austritt als Weckruf. In: Sächsische Zeitung. 10. August 2017, abgerufen am 10. August 2017.
  6. Harald Lachmann: Der Vermittler Frank Richter. In: Schwäbisches Tagblatt. 24. Januar 2015, abgerufen am 4. November 2015.
  7. Martin Fischer: Asylbewerber-Unterkunft Chemnitz: Frank Richter soll den Konflikt schlichten. In: DNN. 28. Oktober 2013, abgerufen am 4. November 2015.
  8. Nils Minkmar: Stuhlkreis statt Aufklärung. In: FAZ. 19. Januar 2015, abgerufen am 2. November 2015.
  9. a b Frank Richter weist Kritik an Pegida-PK zurück. In: MDR.DE. 21. Januar 2015, abgerufen am 4. Februar 2015.
  10. Thielko Grieß: Tragödie von Freital. In: DLF. 7. Juli 2015, abgerufen am 2. November 2015.
  11. Heftiger Streit wegen Flüchtlingsunterkunft in Freital. In: N24. 7. Juli 2015, abgerufen am 2. November 2015.
  12. Stefan Locke: Die unerträgliche Seichtigkeit des Seins. In: FAZ.net. 19. Oktober 2015, abgerufen am 4. Mai 2017.
  13. Stefan Seidel: Dresden und der Hass. In: Der Sonntag, 07/2017. Evangelische Medienhaus GmbH, Leipzig, 19. Februar 2017, abgerufen am 4. Mai 2017.
  14. Stefan Jänke: Lebenslauf. Männerchor Großenhain-Reinersdorf, 6. November 2010, S. 2, archiviert vom Original am 12. Februar 2014, abgerufen am 31. Oktober 2011 (PDF; 44 kB).