Glan (Nahe)

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Glan
Einzugsgebiet und Flussverlauf[1]

Einzugsgebiet und Flussverlauf[1]

Daten
Gewässerkennzahl DE: 2546
Lage Saarland, Rheinland-Pfalz (Deutschland)
Flusssystem Rhein
Abfluss über Nahe → Rhein → Nordsee
Quelle in Höchen
49° 23′ 29″ N, 7° 16′ 33″ O
Quellhöhe ca. 480 m ü. NHN[2]
Mündung unterhalb von Odernheim von rechts in die NaheKoordinaten: 49° 46′ 34″ N, 7° 42′ 52″ O
49° 46′ 34″ N, 7° 42′ 52″ O
Mündungshöhe ca. 131 m ü. NHN[3]
Höhenunterschied ca. 349 m
Länge 89,7 km[4]
Einzugsgebiet 1221,976 km²[4]
Abfluss am Pegel Odenbach[5]
AEo: 1088 km²
Lage: 14,5 km oberhalb der Mündung
NNQ (04. Sep. 1964)
MNQ 1956–2013
MQ 1956–2013
Mq 1956–2013
MHQ 1956–2013
HHQ (21. Dez. 1993)
650 l/s
2,15 m³/s
9,61 m³/s
8,8 l/(s km²)
127 m³/s
332 m³/s
Abfluss an der Mündung[6]
AEo: 1222 km²
MQ
Mq
10,07 m³/s
8,2 l/(s km²)
Linke Nebenflüsse Kuselbach, Steinalp, Jeckenbach, Kohlbach, Ohmbach
Rechte Nebenflüsse Mohrbach, Reichenbach, Lauter (Waldlauter), Odenbach, Talbach
Kleinstädte Bexbach, Lauterecken, Meisenheim
Die Glanquelle in Höchen

Die Glanquelle in Höchen

Brücke über den Glan in Meisenheim

Brücke über den Glan in Meisenheim

Naturschutzgebiet im Mündungsbereich

Naturschutzgebiet im Mündungsbereich

Der Glan ist ein 90 km langer Fluss im Saarland und in Rheinland-Pfalz. Mit einem mittleren Abfluss von 10 m³/s ist er der stärkste Nebenfluss der Nahe; er entwässert den größten Teil der Landschaften rechts von ihr. In seinem Einzugsgebiet von 1201 km² fließen ihm vor allem aus dem Nordpfälzer Bergland aus südlichen und westlichen Richtungen zahlreiche Wasserläufe zu.

Die Quelle des Glans liegt im Saarland, doch 68 km weit fließt er – zunächst im Nordpfälzer Bergland und dann an dessen Nordwestrand entlang – durch den Nordwesten der Pfalz, deren längster Fluss er damit ist. Der Mündungsteil verläuft in der Naturraum-Einheit des Glan-Alsenz-Berg- und Hügellandes.

Verlauf und Zuflüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzugsgebiet der Nahe mit dem Glan als größtem Nebenfluss

Der Glan entspringt in 480 m ü. NHN[2] auf dem Höcherberg im Ortsteil Höchen der saarpfälzischen Stadt Bexbach. Bereits nach rund 2 km verlässt er das Saarland und erreicht bei Waldmohr rheinland-pfälzischen Boden.

In der Pfalz durchfließt der Glan Bruchmühlbach-Miesau, wo von links der von Schönenberg-Kübelberg kommende Kohlbach einmündet, und nimmt dann bei Elschbach ebenfalls von links den Ohmbach auf. Anschließend wendet er sich in einer markanten Doppelschleife bei Gries in das Nordpfälzer Bergland. Dieses durchquert er von Süd nach Nord und passiert dabei Nanzdietschweiler, Glan-Münchweiler, Altenglan und Ulmet. Dort ändert sich die Laufrichtung nach Nordosten. Der Glan fließt durch Offenbach-Hundheim und Lauterecken, wo von rechts die aus Süden kommende Lauter („Waldlauter“) einmündet. Ebenfalls von rechts nimmt der Glan 6 km weiter bei Odenbach den gleichnamigen Bach auf.

Nach dem Eintritt in die Hunsrück-Nahe-Region durchfließt der Glan die Kleinstadt Meisenheim, bevor er unterhalb von Odernheim auf 131 m Höhe[3] von rechts in die Nahe mündet, einen linken Nebenfluss des Rheins.

Name und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lauterecken mit der Mündung der Lauter in den Glan (Stich von Matthäus Merian, 1645)

Der Name „Glan“ kommt aus dem Keltischen und bedeutet wohl „hell, klar, glänzend, fließend“; zudem war „Glan“ Bestandteil des Namens des keltischen Wassergottes Glanos.[7] Andere Wasserläufe dieses Namens sind vom grammatischen Geschlecht weiblich, dieser Fluss nur gelegentlich: In einem Buch von 1719 heißt es „die Glan“.[8] Entlang des Glans führte eine alte Handelsstraße von Südwesten her ins Nahetal, die in Bingen endete. Außerdem bildete der Glan im 1. Jahrtausend v. Chr. die südöstliche Grenze der Hunsrück-Eifel-Kultur; damals siedelten hier Kelten. Später hinterließen die Römer ihre Spuren.

Ab 1890 wurde die Glantalbahn als strategische Bahn errichtet, um Truppen an die Front mit einem möglichen Kriegsgegner Frankreich verlegen zu können. Die Strecke wurde seit den 1960er Jahren streckenweise stillgelegt und wird seit 1986 nur noch zwischen Glan-Münchweiler und Altenglan betrieben.

Von 1834 (im Bereich des Fürstentums Lichtenberg) bzw. von 1866 (im Bereich des Oberamtes Meisenheim) bis 1945 verlief im Glanabschnitt Niederalben–Odernheim die Grenze zwischen der bayerischen Rheinpfalz und der preußischen Rheinprovinz. Weil nicht der Wasserlauf die Grenze bildete, sondern die Dorfgemarkungen maßgebend waren, wurde der Fluss mehrfach von der Grenze überquert, so dass die Dörfer abwechselnd zu Preußen bzw. Bayern gehörten. Mit der alten Landesgrenze identisch war noch bis zur Gebietsreform 1969 die Grenze zwischen den Kreisen Birkenfeld und Bad Kreuznach im Regierungsbezirk Koblenz einerseits und Kusel und Rockenhausen im Regierungsbezirk Pfalz andererseits; heute noch gilt sie für die pfälzische und die rheinische evangelische Landeskirche sowie für die katholischen Bistümer Speyer und Trier.

Historischer Grenzverlauf von 1866 bis 1945


Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tourismus und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Touren

Der Glan kann streckenweise mit Kanus befahren werden, örtliche Verleiher bieten dazu Touren an. Entlang einer beträchtlichen Strecke des Flusses verläuft die alte, heute meist eingleisige Trasse der Glantalbahn; der Abschnitt von Altenglan bis Staudernheim ist für Draisinentouren freigegeben. Der Glan-Blies-Weg begleitet als Radweg den Glan von der Mündung bis zur Quelle und führt weiter in die Aue der Blies.

Wildpark

Oberhalb der Einmündung des Reichenbachs erhebt sich das Massiv des 562 m ü. NHN hohen Potzbergs mit Wildpark und Aussichtsturm.

Historische Altstadt

Sehenswert ist die historische Altstadt von Meisenheim mit zahlreichen denkmalgeschützten Bauten, darunter die Schlosskirche, die ehemalige Synagoge, das Rathaus und der Bahnhof, außerdem die Reste der Stadtmauer mit dem Bürgerturm.

Klosterruine

Auf der Anhöhe über dem Zusammenfluss von Nahe und Glan liegt die Ruine des Klosters Disibodenberg. Seine ältesten Gebäude wurden Anfang des 8. Jahrhunderts zu Ehren des Mönchs Disibod errichtet, der dort im Jahre 700 als Einsiedler gestorben war.

Weinbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Raumbach

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in den Steillagen am mittleren und unteren Glan verbreitet Wein angebaut. 1925, als die Interessenvertretungen der Nahe- und der Glan-Winzer zum Winzerverband für Nahe und Glan fusionierten, gab es zwischen Offenbach-Hundheim und der Glanmündung etwa 400 – meist kleinere – Weinbaubetriebe. Heute sind noch zwei – größere – in Meisenheim bzw. Raumbach übriggeblieben; das Wappen von Raumbach enthält eine Traube als Weinbau-Symbol.

Die Weinlagen am Glan liegen zwar überwiegend auf pfälzischem Boden, gehören jedoch nicht zum Weinbaugebiet Pfalz, sondern zum Weinbaugebiet Nahe. Aus diesem Grund war es möglich, dass die Naheweinkönigin 2005/2006, Karina II. (Karina Krauß), aus Raumbach am Glan kam.

Naturschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blauflügel-Prachtlibelle
Eisvogel

Der Glan wurde seit der Römerzeit intensiv genutzt. Vor allem zahlreiche Wassermühlen und Triebwerke (z. B. Hammerwerke) bedienten sich seiner Wasserkraft; zu diesem Zweck wurden Wehre errichtet und Kanäle gezogen. Obwohl die Ära der Mühlen längst zu Ende ist, blieben 93 Querbauwerke bestehen. Sie sind weiterhin als Hochwasserschutz notwendig, weil die Landwirtschaft im 20. Jahrhundert für Begradigungen des Gewässers gesorgt hat, die mit einer starken Abnahme von Überschwemmungsräumen einhergingen. Die Bestandsaufnahme des Landes Rheinland-Pfalz für die Europäische Wasserrahmenrichtlinie stuft deshalb den Glan als HMWB („Heavily Modified WaterBody“) ein, als „erheblich verändertes Gewässer“.

Um die Behinderungen der Fischwanderungen zu verringern, werden nun im Wege der Renaturierung vermehrt Wehre beseitigt oder zumindest durch Fischtreppen umgestaltet. Begradigungen werden rückgebaut und Uferstreifen an die Natur zurückgegeben. So bilden sich an den wieder durchflossenen Mäandern erneut Prall- und Gleithänge, und Steilufer mit Nistmöglichkeiten bewirken die Rückkehr des Eisvogels. Auch Prachtlibellen, insbesondere die Blauflügel-Prachtlibelle, werden wieder beobachtet.

Im Ortsteil Gumbsweiler von St. Julian hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) das alte Schrankenwärterhäuschen neben der Draisinenstrecke zu einem kleinen Naturschutzzentrum umgebaut, das zu besonderen Gelegenheiten der Öffentlichkeit zugänglich ist.

Rinderzucht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glanrind auf der Weide bei Raumbach

Im Gefolge der BSE-Problematik besinnt sich die Landwirtschaft wieder vermehrt auf die alte Rasse des Glanrinds, das einst gezüchtet wurde, um das Weideland am Fluss von Büschen und Bäumen freizuhalten. Die Rinder bleiben in der Regel das ganze Jahr über im Außenbereich.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der obere Glan fließt etwa 10 km weit parallel zur Autobahn 6 (SaarbrückenMannheim); von der A 62 (LandstuhlNonnweiler) wird der Fluss bei Glan-Münchweiler überquert. Ab diesem Ort verläuft rechts des Glan die Bundesstraße 423, die in Altenglan in die B 420 (St. WendelBad Kreuznach) mündet. Diese begleitet den Glan – nun links des Laufes – bis nach Meisenheim. Unterwegs bei Lauterecken überkreuzt ihn noch die B 270, die von Kaiserslautern nach Idar-Oberstein führt.

Zwischen Glan-Münchweiler und Altenglan verläuft parallel zum Glan die Steinbahn von Landstuhl nach Kusel. 1904 bis 1961 war dieser Abschnitt der Glantalbahn. Während der südliche Abschnitt der Glantalbahn von Glan-Münchweiler nach Homburg heute Teil eines Radwegs ist, wurde nördlich von Altenglan ein Gleis erhalten, auf dem heute ein Draisinenverleih stattfindet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Glan (Nahe) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die farbliche Änderung auf der Karte beim Zufließen der – ebenfalls hervorgehobenen – Lauter entspricht der Einstufung des Glans unterhalb als Gewässer 1. Ordnung; Analoges gilt auch für den Vorfluter Nahe.
  2. a b Topographische Karte 1:25.000
  3. a b Kartendienst des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (LANIS-Karte) (Hinweise)
  4. a b GeoExplorer der Wasserwirtschaftsverwaltung Rheinland-Pfalz (Hinweise)
  5. Pegeldaten des LfU Rheinland-Pfalz
  6. Pegelwert Odenbach, vermehrt um den Gebietsabfluss 3,25 l/s km² des Resteinzugsgebietes von 134 km²; er ergibt sich aus dem Zwischeneinzugsgebiet der Pegel Boos (Nahe), Kellenbach (Simmerbach), Kallenfels (Hahnenbach) und Oberstein 2 (Nahe).
  7. Abbildung des Informationssteins an der Kärntner Glan
  8. Georg Christian Joannis, Johann Philipp Crollius: Kalender Arbeiten: Die Geschichte des Herzogth. Zweybrücken. Zweibrücken 1719, S. 13 (Neudruck Zweibrücken 1825).