Harvey Weinstein

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Harvey Weinstein (2011)

Harvey Weinstein, CBE ([ˈhɑːvɪ ˈvaɪ̯nstiːn]; * 19. März 1952 in Flushing, Queens, New York) ist ein US-amerikanischer Filmproduzent.

Leben und Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harvey Weinstein wurde als ältester Sohn in eine gutsituierte jüdische Familie im New Yorker Stadtteil Queens geboren. Sein Vater Max war Diamantenschleifer. Harvey studierte an der State University of New York; er besaß bereits während seines Studiums zusammen mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Bob ein kleines Theater, das Century Theater, in dem sie unter anderem kleine Filmfestivals veranstalteten.[1] Die Brüder wurden zu den erfolgreichsten Filmproduzenten der USA; dabei lag der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit stets in New York, nicht in Los Angeles.

Im Jahr 1979 gründeten Harvey und Bob Weinstein das Produktionsunternehmen Miramax, das sie 1993 an Disney verkauften. Zu den erfolgreichsten Filmen von Miramax und den Weinstein-Brüdern zählen Chicago (2002), Shakespeare in Love (1998, Oscar und British Academy Film Award für den besten Film, Satellite Award für die beste Komödie oder Musical), Scary Movie (2000), Der englische Patient (1996) und Gangs of New York (2002). Trotz der großen Erfolge von Miramax kam es häufig zu künstlerischen Differenzen zwischen den Weinstein-Brüdern und dem Miramax-Partner Disney. Der Konflikt um die Dokumentation Fahrenheit 9/11 (2004) von Michael Moore, die Disney nicht veröffentlichen wollte, führte dazu, dass die Weinsteins die Rechte des Projektes von ihrem Privatvermögen kauften. Im September 2005 verließen Harvey und Bob Weinstein ihr Unternehmen Miramax und gründeten mit der erhaltenen Ablösesumme von 140 Millionen US-Dollar die Weinstein Company in New York.

Seine Fernseh-Castingshow Project Runway war fünfmal für den Emmy nominiert, Project Greenlight dreimal. Bislang (Stand 2017) waren Weinsteins Produktionen 19-mal für den Oscar als Bester Film nominiert, fünf der Filme erhielten die Auszeichnung. Er selbst erhielt 1999 den Oscar für die Produktion von Shakespeare in Love. Bis auf wenige Ausnahmen (wie Gangs of New York) wird Harvey Weinstein in den Film-Credits als Executive Producer oder Co-Executive Producer bezeichnet.

Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Weinstein-Skandal

Im Oktober 2017 wurde Weinstein beschuldigt, eine große Anzahl Frauen vergewaltigt oder sexuell belästigt zu haben; Vorwürfe wurden unter anderem von den Schauspielerinnen Asia Argento, Ashley Judd, Gwyneth Paltrow, Rosanna Arquette, Angelina Jolie, Léa Seydoux und Cara Delevingne erhoben.[2][3][4][5][6] Die Vorfälle sollen bis in die 1980er Jahre zurückreichen und in der US-Medienbranche lange ein offenes Geheimnis gewesen sein.[7]

Am 8. Oktober 2017 wurde Weinstein aus der Produktionsfirma The Weinstein Company entlassen. Weinstein entschuldigte sich und kündigte eine Auszeit an, um seine „Dämonen“ in den Griff zu bekommen.[8] Eine Woche später wurde er aus der AMPAS, der Oscar-Akademie, ausgeschlossen.[9]

The New Yorker enthüllte am 6. November 2017, dass Weinstein offenbar frühere Mossad-Agenten auf seine mutmaßlichen Opfer angesetzt hatte.[10] Eine israelische Sicherheitsfirma entschuldigte sich daraufhin für ihre Beteiligung daran.[11]

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harvey Weinstein war von 1986 bis 2004 mit Eve Chilton Weinstein verheiratet. Aus der Ehe gingen drei Töchter (* 1995, 1998, 2002) hervor. Im Jahr 2000 überlebte er einen Herzinfarkt. Seit 2007 ist er mit der Modedesignerin Georgina Chapman (* 1976) verheiratet. Sie haben eine Tochter (* 2010) und einen Sohn (* 2013). Nach Bekanntwerden der Vergewaltigungsvorwürfe gab Chapman am 10. Oktober 2017 die Trennung von ihrem Mann bekannt.[12]

Weinstein hat große Summen für Wahlkämpfe der Demokratischen Partei gesammelt, unter anderem für den Wahlkampf 2012 von Barack Obama, den Wahlkampf 2016 von Hillary Clinton und die beiden Wahlkämpfe von Bill Clinton. Er selbst spendete seit 1990 fast 1,5 Millionen Dollar an demokratische Kandidaten.[13] Er war mehrmals Obamas Gast im Weißen Haus. Obamas Tochter Malia absolvierte ein Praktikum bei der Weinstein Company. Weinstein gilt als langjähriger Freund von Bill Clinton und dessen Frau Hillary.[14]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harvey Weinstein (in Cannes, 2002)

Produzent

Executive Producer

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Biskind: Sex, Lies & Pulp Fiction. Hinter den Kulissen des neuen amerikanischen Films. Rogner & Bernhard, 2005, ISBN 3-807-71004-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Harvey Weinstein – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Till Brockmann: Der Produzent als Kreativer. In: nzz.ch. 1. Oktober 2013; abgerufen am 24. November 2017.
  2. Gwyneth Paltrow, Angelina Jolie and Others Say Weinstein Harassed Them. In: nytimes.com
  3. Kultur der Komplizenschaft. In: spiegel.de
  4. Ronan Farrow: From Aggressive Overtures to Sexual Assault: Harvey Weinstein’s Accusers Tell Their Stories. The New Yorker, 10. Oktober 2017; abgerufen am 11. Oktober 2017 (englisch).
  5. Lea Seydoux: I had to defend myself': the night Harvey Weinstein jumped on me. In: The Guardian, 11. Oktober 2017
  6. „Ich habe mich sehr machtlos gefühlt“. In: FAZ.net, 12. Oktober 2017
  7. Gewusst und verschwiegen. In: spiegel.de
  8. Vorwürfe der sexuellen Belästigung: US-Produzent Weinstein gefeuert. In: tagesschau.de, 9. Oktober 2017.
  9. Harvey Weinstein aus Oscar-Akademie ausgeschlossen. In: kurier.at
  10. Harvey Weinstein’s Army of Spies
  11. spiegel.de 19. November 2017: Weinstein soll Spitzelliste mit fast hundert Namen geführt haben
  12. "Ich habe entschieden, meinen Mann zu verlassen". In: spiegel.de, 11. Oktober 2017, abgerufen am 15. Oktober 2017
  13. Hollywoods schmutziges Geheimnis. In: spiegel.de, abgerufen am 14. Oktober 2017
  14. Hillary Clinton, Obamas condemn longtime Democratic donor Harvey Weinstein. In: cnn.com, abgerufen am 13. Oktober 2017