Karst (Südeuropa)

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Schlucht des Flusses Reka im Karst-Plateau

Der Karst (von slowenisch kras, kroatisch krš und serbisch крш, was etwa „steiniger und unfruchtbarer Boden“ bedeutet) ist eine Landschaft in Slowenien, in der historischen Landschaft Krain, und in Italien, die sich im Hinterland der Triester Bucht befindet. Es handelt sich um die nördliche Spitze der Dinarischen Alpen. Die Landschaft ist namensgebend für das geologische Phänomen Karst, das hier von Wissenschaftlern der Habsburgermonarchie erstmals eingehend wissenschaftlich erforscht wurde. Da diese in deutscher Sprache publizierten, hat sich international der deutsche Name Karst gegen das slowenische und kroatische kras und das italienische carso durchgesetzt. Alle stammen von lateinisch carsus ab. Der Name wird abgeleitet von einer (erschlossenen) Wortwurzel *kar- in der Bedeutung Stein, Fels[1].

Lage und Abgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landschaft im Karst nahe .Doberdò del Lago

Der Karst ist ein im Zentrum aus Kalkstein der Kreidezeit, vom Aptium bis zum Maastrichtium zu den Rändern hin des Tertiär (Paläogen, bis ins Eozän)[2] aufgebautes Kalksteinplateau. Es erstreckt sich parallel zur Adria in Nordwest-Südost-Richtung („dinarisch“). Umgeben ist es mit Ausnahme der Südostseite von Landschaften, deren Untergrund aus dem jüngeren, leichter verwitterbaren Tonsteinen des Flysch gebildet wird. Die Grenze des Karst-Plateaus im Südosten ist der niedrige, aus Flysch im Untergrund gebildete Küstenstreifen zur Bucht von Triest. Im Nordwesten grenzt das fruchtbare Schwemmland im Tal des Flusses Isonzo/Soča an. Der westliche Rand des Plateaus und das Tal liegen auf italienischem Staatsgebiet. Nördlich und nordöstlich liegt das Tal des Flusses Vipava. Das südlich anschließende, höher gelegene Hügelland im Flysch grenzt es von der Pivka-Region ab. Das Hügelland an der Reka und deren Flusstal als Teil des Brkini-Hügellands grenzen im Südosten an. Während das Plateau in diese Richtungen durch die geologische Grenze zum Flysch und die damit verbundene Höhenstufe klar erkennbar begrenzt ist, geht es im Südosten ohne klare Grenze in das angrenzende Ćićarija-Karstgebiet über, die Karsthügel setzen sich letztlich im Velebit als Teil des Dinarischen Gebirges fort. Das Plateau ist etwa 40 Kilometer lang und 13 Kilometer breit, es nimmt eine Fläche von etwa 440 Quadratkilometer ein. Seine größte Höhe, im Südosten, erreicht etwa 450 Meter. Es fällt nach Nordwesten hin ab, die letzten Ausläufer erreichen noch 168 m Höhe.[3]

Trotz der geringen Höhe hebt sich das Plateau markant von den umliegenden Landschaften ab. Die Flusstäler und Hügelländer im Flyschgürtel sind grüne, dicht besiedelte und relativ wasserreiche Landschaften mit intensiver Landwirtschaft. Im Karst bildet überwiegend der teilweise bizarr verwitterte, nackte Kalkstein die Oberfläche, der ungeschützt dem heftigen Nordwind (Bora) ausgesetzt ist. Der früher vorhandene Waldbestand ist vermutlich schon in prähistorischer Zeit durch menschliche Einflüsse verloren gegangen[4], der dadurch ungeschützte Boden abgetragen worden. Durch die unterirdische Entwässerung gibt es kein Wasser. Das Hügelland war daher trotz seiner geringen Höhe ein markantes Hindernis für den Verkehr in historischen Zeiten. Die spärliche menschliche Besiedlung ist an abflusslose Senken in Dolinen gebunden, in denen der erodierte Boden, eine Terra Rossa, der Hänge zusammengeschwemmt wurde. Größere Täler oder Karstebenen (Polje) fehlen. Teilweise werden Gärten oder Baumpflanzungen durch mächtige Trockenmauern aus Kalkstein gegen weitere Erosion und gegen den Wind, früher gleichzeitig gegen Schäden durch das Weidevieh, geschützt.

Reka-Timavo-Flusssystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fluss Reka entspringt am Snežnik (Krainer Schneeberg) etwa 50 Kilometer vom Karst-Plateau entfernt. Er verläuft durch die Hügellandschaft von Brkini im Flysch auf das Plateau zu. An der geologischen Grenze zwischen Flysch und Karst bei der Ortschaft Brenski Britof beginnt er, eine etwa zwei Kilometer lange, tiefe Schlucht in den Kalkstein einzuschneiden, um schließlich in den Höhlen von Škocjan, auf einer Höhe von 323 Metern über Meereshöhe, im Untergrund zu verschwinden. Auf der Westseite des Plateaus, bei der Ortschaft San Giovanni al Timavo, kommt das Wasser in drei großen Karstquellen (den Foci del Timavo) wieder zum Vorschein und bildet den Fluss Timavo, der nach nur zwei Kilometer Fließstrecke in die Adria mündet. An der Oberfläche wird der unterirdische Fluss teilweise durch eine Reihe von eindrucksvollen Dolinen nachgezeichnet. Die größe, die 116 Meter tiefe Einsturzdoline Velike Doline („große Doline“) lässt einen großen Wasserfall, der in einen Höhlensee mündet, erkennen. Der Verlauf des Höhlenflusses ist nur in den ersten Kilometern erforscht, der Zusammenhang mit den Karstquellen ist aber durch Markierungsversuche sicher nachgewiesen. Es wird aber angenommen, dass das unterirdische Gewässersystem mit weiteren in Kontakt steht und dass es sowohl Zuflüsse wie auch Abflüsse zu anderen gibt.[5]

Beschreibungen der Karstquellen des Timavo liegen bereits aus der Antike, etwa im Periplus des „Pseudo-Skylax“ (eines unbekannten Autoren, der unter dem Namen des Skylax von Karyanda publizierte), aus dem vierten Jahrhundert vor Christus vor. Poseidonios von Apameia erwähnt später neben diesen auch bereits die Höhlen von Škocjan. In der Aeneis des Vergil werden die Quellen „Mutter des Meeres“ genannt. Sie sind in der Tabula Peutingeriana, der mittelalterlichen Kopie einer römischen Karte, verzeichnet.[6] Dies sind die ältesten geographischen Angaben aus der Region. Das Plateau selbst wird erst mit der beginnenden Erforschung in der Neuzeit erwähnt.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der italienische Teil der Landschaft gab auch dem gleichnamigen Wein Carso den Namen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andrej Kranjc (2011): The Origin and evolution of the term “Karst”. Procedia - Social and Behavioral Sciences 19: 567-570. doi:10.1016/j.sbspro.2011.05.170
  2. Bogdan Jurkovšek, Sara Biolchi, Stefano Furlani, Tea Kolar-Jurkovšek, Luca Zini, Jernej Jež, Giorgio Tunis, Miloš Bavec, Franco Cucchi (2016): Geology of the Classical Karst Region (SW Slovenia–NE Italy). Journal of Maps 12, Supplement 1. doi:10.1080/17445647.2016.1215941
  3. F. Cucchi, A. Mihevc, F.Ferrarese, U.Sauro (1997): Classical Karst. Guide for the excursion. Fourth International Conference on Geomorphology, Italy 1997. Supplementi di Geografia Fisica e Dinamica Quaternaria 3 (2): 167-180.
  4. Ivan Gams & Matej Gabrovec (1999): Land Use and Human Impact in the Dinaric Karst. International Journal of Speleology 28 B (1/4): 55-70.
  5. Paul B. Alexander (1970): The Reka-Timavo River System of the Yugoslavian and Italian Karst. Yearbook of the Association of Pacific Coast Geographers 32: 157-165.
  6. Andrej Kranjc: Short History of Research. In Andrej Mihevc, Mitja Prelovšek, Nadja Zupan Hajna (Editors): Introduction to the Dinaric Karst. Postojna, Inštitut za raziskovanje krasa ZRC SAZU (= Karst Research Institute at ZRC SAZU), 2010. ISBN 978-961-254-198-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Italienischer Karst – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Slowenischer Karst – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien