Kasachstan Temir Scholy

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Kasachstan Temir Scholy
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Rechtsform Geschlossene Aktiengesellschaft
Gründung 31. Januar 1997
Sitz Astana, Kasachstan

Leitung

Mitarbeiter 146.449 (1. Jan. 2011)[1]
Umsatz 583,9 Mrd. Tenge (2010)[1]
Branche Transport und Logistik
Website www.railways.kz

Kasachstan Temir Scholy (kasachisch Қазақстан темір жолы (ҚТЖ), russisch Қазақстан темір жолы (Қтж), englisch Kazakhstan Temir Zholy (KTZ)) ist die staatliche Eisenbahngesellschaft Kasachstans mit Sitz in Astana.

Eckdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Streckennetz 2017
Das Railways Building (links) ist seit 2009 Hauptsitz von KTZ

Das Streckennetz der KTZ umfasst etwa 16.000 km und ist in russischer Breitspur gebaut. 4.800 km sind zweigleisig, 4.200 km elektrifiziert. Die Bedeutung des Eisenbahnverkehrs in Kasachstan ist hoch: 52 % des Personen- und 49 % des Güterverkehrs werden auf der Schiene abgewickelt. Die KTZ beschäftigt rund 137.000 Mitarbeiter.[2]

Der Umsatz des Unternehmens betrug im Geschäftsjahr 2010 rund 584 Milliarden Tenge.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Bahnstrecke in Kasachstan war die 1893/94 eröffnete, 369 km lange meterspurige Schmalspurbahn von Pokrowskaja Sloboda nach Uralsk. 113 km der Strecke verliefen in Kasachstan. Später führte dann auch ein 190 km langer Abschnitt der Transsibirischen Eisenbahn durch Kasachstan. 1904 bis 1906 entstand die Strecke von Orenburg nach Taschkent, 1914 bis 1924 die Semiretschenskaja-Bahn von Aris nach Pischpek, später Teil der Turksib. 1915 wurde die Bahnstrecke TscheljabinskQostanai gebaut, 1915 bis 1917 die Altai-Bahn (NowosibirskSemipalatinsk), von der 122 km über kasachisches Gebiet verlaufen. Bis 1930 entstand die Turksib mit einer Länge von 1.444 km.[3]

Zur Zeit des Bahnbaus gehörte Kasachstan zunächst zum Russischen Kaiserreich, dann zur Sowjetunion. Trassenführungen mussten auf die – damals innerstaatliche – Außengrenze Kasachstans keine Rücksicht nehmen und wurden für direkte Verbindungen zwischen den russischen Zentren und den Landwirtschaftsgebieten Kasachstans verlegt. In Zeiten der Sowjetunion wurde das in Kasachstan betriebene Streckennetz von drei – in der Sowjetunion relativ selbständigen - Eisenbahndirektionen betrieben. Nach dem Zerfall der Sowjetunion zerschnitten die nun internationalen Grenzen diese Bahnstrecken. Das Netz im Staatsgebiet von Kasachstan war auf die Bedürfnisse des neuen Staates nur unzureichend zugeschnitten: Durchgehende Züge verkehrten nun als Transitzüge über ausländisches Staatsgebiet fahren, Grenzkontrollen verlängerten die Fahrzeit und die Reisenden benötigten Reisepässe. Dieses Defizit ließ sich nur durch den Bau von Ergänzungsstrecken beheben (siehe unten „Infrastruktur“).[4]

Gründung der KTZ[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen „Kazakhstan Temir Zholy National Company“ JSC[Anm. 1] (KTZ NC JSC) wurde am 31. Januar 1997 gegründet. Es ist seit 2004 eine geschlossene Aktiengesellschaft.[Anm. 2] 100 Prozent der Anteile befinden sich im Besitz des kasachischen Staatsunternehmens Samruk-Kazyna.[5]

KTZ[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Unabhängigkeit Kasachstans bis 2017 wurden 2.500 km neue Eisenbahnstrecken gebaut.[6] Von 2008 bis 2016 wurden zudem 4.700 km Strecke saniert.[7] Die wesentlichen Neubaustrecken sind:

  • Im Juni 2001 wurde die Strecke AqsuDagelen in der Nähe von Kurtschatow mit einer Länge von 187 km fertig gestellt.[8] Damit wurde der kasachische Norden mit Ostkasachstan verbunden.
  • Am 18. Oktober 2003 kam der 404 km lange Abschnitt ChromtauAltinsarino im Gebiet Qostanai dazu. Dieser verbindet die nördlichen Regionen mit dem Westen des Landes.
  • Die dritte Strecke verbindet über 150 km[9] seit dem 9. Oktober 2008 die ostkasachische Gebietshauptstadt Öskemen mit Schar an der Turksib.
  • Am 9. Dezember 2011 wurde die 298 Kilometer lange Strecke vom kasachischen Schetygen bis in den chinesischen Grenzbahnhof Korgas eröffnet. Diese verläuft südlicher als die seit 1991 bestehende Verbindung über den Grenzort Dostyk.
  • Am 11. Mai 2013 wurde die 146 Kilometer lange grenzüberschreitende Strecke vom kasachischen Uzen (Schangaösen) bis in den turkmenischen Ort Serhetyaka nach dreieinhalb Jahren Bauzeit in Betrieb genommen. Sie wird vor allem zum Transport von Öl sowie Getreide genutzt und wurde 2014 um 470 Kilometer bis zur iranischen Grenze verlängert, wo – nach Umspurung – eine Verbindung zur iranischen Eisenbahn besteht.[10]
  • Am 22. August 2014 eröffnete Staatspräsident Nursultan Nasarbajew die Bahnstrecke SchesqasghanSaksaulskij nördlich des Aralsees (517km) und
  • die Strecke SchalqarBeineu (496km), die den Gütertransport aus China zu den Häfen am Kaspischen Meer (Aqtau) oder über Russland nach Europa verkürzen. Damit wurde eine Ost-West-Achse von Dostyk über Aqtogai, Balqasch, Schesqasghan, Schalqar, Beineu nach Aqtau geschaffen.
  • Ebenfalls am 22. August 2014 nahm die 214 Kilometer lange Strecke ArqalyqSchubarkol ihren Betrieb auf.

Weitere Streckenabschnitte werden zweigleisig ausgebaut, so zwischen Almati und Schu (110,7 km), den Bahnhöfen Almati 1 und Almati 2 (8,5 km) und eine Umgehungsbahn um Almati (78 km).[11] Für die Elektrifizierung weiterer Strecken wurde ein Konsortium mit Siemens gebildet.[12] Projektiert ist weiter eine Schienenanbindung des Hafens Kurik am Kaspischen Meer (14 km).[13]

Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2006 bestellte die KTZ vom US-amerikanischen Konzern General Electric insgesamt 310 Lokomotiven der Evolution Serie. Mit der Auslieferung der ersten Exemplare wurde im März 2009 begonnen.[14]

Im Februar 2009 unterzeichneten Askar Mamin und der Vorstandsvorsitzende von Siemens, Peter Löscher, einen Vertrag über die Lieferung von 22 elektrischen Lokomotiven der chinesisch-deutschen Baureihe KZ4A zwischen 2009 und 2010.[15]

Im Juli 2009 gab das Unternehmen bekannt, bis zum Jahr 2020 Investitionen in Höhe von 5,5 Billionen Tenge für die Modernisierung der kasachischen Eisenbahn tätigen zu wollen. Im Zuge der Modernisierungen sollten auch 512 neue Lokomotiven angeschafft werden.[16]

Im Oktober 2010 wurden 200 elektrische Güterzugloks KZ8A sowie 95 Schnellzugloks KZ4AT von einem Konsortium bestellt, an dem neben der KTZ Alstom und Transmashholding beteiligt sind. Die Auslieferung der überwiegend in einem neuen Werk in Astana endmontierten Loks soll sich von 2012 bis 2021 erstrecken.[17][18]

2008 bis 2016 wurden 1.000 Lokomotiven, 37.500 Güter- und 1.500 neue Personenwagen beschafft. Parallel dazu wurde eine eigene Industrie zur Fertigung entsprechender Fahrzeuge aufgebaut.[19]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Personenverkehr sind alle größeren Städte des Landes mit 14 Linien durch Schnellzügen verbunden.[20] Seit dem 21. März 2017 verkehrt im internationalen Personenverkehr der Internationale Personenzug Nr. 1 / 2 zwischen Almati und Taschkent. Er verkehrt zwei Mal pro Woche und Richtung. Gefahren wird er mit einem Talgo-Zug mit erweitertem Profil für Breitspurbahnen. Er benötigt für die 964 km lange Strecke planmäßig 16½ Stunden. Zwischenhalte sind: Otar, Schu, Taras, Schimkent und Sariagasch. Drei Klassen werden angeboten: Zweibettabteile mit eigener Nasszelle, Zweibettabteile mit Waschbecken im Abteil und Vierbettabteile. Der Zug ist (theoretisch) 200 km/h schnell, und auch für die Eisenbahnen in Russland, Weißrussland und Kirgistan zugelassen. Seine Klimaanlage ist für Außentemperaturen von -50C bis +45C ausgelegt.[21] Darüber hinaus gibt es eine Schlafwagen-Verbindung nach Moskau.

Im internationalen Güterverkehr sieht sich die KTZ als Drehscheibe zwischen China, Russland, dem Iran und im größeren Maßstab zwischen Europa und Ostasien. Hier stehen insbesondere der Container-Verkehr und Ganzzüge im Fokus.[22] Im grenzüberschreitenden Verkehr mit China wird die Bahn 2017 knapp 11 Mio. Tonnen Güter transportieren.[23]

Außerdem betreibt die KTZ Schiffe auf dem Kaspischen Meer. Ihre Zahl soll bis 2020 auf 20 erhöht werden.[24]

Tochterunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu KTZ gehören 21 Tochterunternehmen. Das Unternehmen Lokomotiv JSC betreibt die Lokomotiven, das Unternehmen Kaztemirtrans die Eisenbahnwagen.[25] Kaztransservice sind im Güterverkehr aktiv. Transtelecom ist für die Modernisierung des Telekommunikationssnetzes von Kasachstan Temir Scholy zuständig. Weitere Tochterunternehmen sind Temirsholsu, Temirsholshylu und Temirzhol zhondeu. Darüber hinaus ist das Unternehmen an den Joint Ventures Yuxinou und United Transport and Logistic Company[26] (UTLC) beteiligt. Letzteres will regelmäßig Container-Züge zwischen Europa und China anbieten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • NN: 20 Years in OSJD: History of Developement of „Kazakhstan Temir Zholy National Company“ JSC. In: OSJD Bulletin 3/ 2017, S. 10–19.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Zusatz „JSC“ ist die Abkürzung für die Rechtsform der „geschlossenen Aktiengesellschaft“.
  2. Eine „geschlossenen Aktiengesellschaft“ ist eine Rechtsform, die es in einigen Nachfolgestaaten der Sowjetunion gibt. Es handelt sich in der Regel um Aktiengesellschaften, deren Anteile sich alle in staatlichem Eigentum befinden.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b KTZ: Годовой отчет за 2010 год (russisch, PDF; 2,8 MB)
  2. NN: 20 Years, S. 10.
  3. NN: 20 Years, S. 11.
  4. NN: 20 Years, S. 11.
  5. NN: 20 Years, S. 10,12.
  6. NN: 20 Years, S. 13.
  7. NN: 20 Years, S. 14.
  8. NN: 20 Years, S. 13.
  9. NN: 20 Years, S. 13.
  10. NN: 20 Years, S. 13.
  11. NN: 20 Years, S. 12.
  12. JSC "NC "KTZ" and "Siemens AG" company have signed an agreement establishing a joint venture
  13. NN: 20 Years, S. 12.
  14. Business Wire: GE Transportation liefert 3000. Lokomotive der Serie GE Evolution® an Kazakhstan Temir Zholy (KTZ)
  15. Website von KTZ: MEETING OF “KAZAKHSTAN RAILWAYS” JSC & “SIEMENS AG”
  16. Silk Road Intelligencer: Kazakhstan Temir Zholy presents $36.5 billion modernization program
  17. Kazakhstan entrusts the modernisation of its rail industry to KTZ and Alstom-Transmashholding
  18. To the future - on new locomotives
  19. NN: 20 Years, S. 14.
  20. NN: 20 Years, S. 14, 18.
  21. NN: 20 Years, S. 18.
  22. NN: 20 Years, S. 14ff.
  23. NN: 20 Years, S. 17.
  24. NN: 20 Years, S. 16.
  25. NN: 20 Years, S. 12.
  26. NN: 20 Years, S. 17.