LafargeHolcim

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LafargeHolcim Ltd.[1]

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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN CH0012214059
Gründung 1912/2001 (Holding)
Sitz Rapperswil-Jona, SchweizSchweiz Schweiz
Leitung Jan Jenisch
(Vorsitzender der Geschäftsleitung)
Beat Hess
(VR-Präsident)[2]
Mitarbeiterzahl 72'452[3]
Umsatz 26,7 Mrd. CHF[4]
Branche Baustoffe
Website www.lafargeholcim.com
Stand: 31. Dezember 2017

Holcim-Werk in Dotternhausen (2019)
Logo der Marke Lafarge
Logo der Marke Holcim
Luftbild des Steinbruchs vom Zementwerk Dotternhausen

Die LafargeHolcim Ltd. mit den Marken Holcim und Lafarge gehört zu den größten Baustoffproduzenten der Welt und hat ihren Hauptsitz in Rapperswil-Jona in der Schweiz.

Der Name Holcim leitet sich aus der früheren Unternehmensbezeichnung Holderbank (nach dem gleichnamigen Ort) und vom französischen ciments für Zement ab.

Am 7. April 2014 teilten Holcim und Lafarge mit, einen «Zusammenschluss unter Gleichen durch Aktientausch» anzustreben. Der neue Synergien nutzende Konzern LafargeHolcim soll seinen Sitz in der Schweiz, fast 140.000 Mitarbeiter und über 30 Mrd. Euro Jahresumsatz haben.[5][6] Die Fusion der beiden Unternehmen wurde am 14. Juli 2015 mit der Umbenennung der Holcim Ltd. in LafargeHolcim Ltd. und der zusätzlichen Notierung der Aktien an der Euronext Paris abgeschlossen.[7] Die Forbes Global 2000 des Jahres 2020 benannte LafargeHolcim als das 280st größte börsenorientierte Unternehmen der Welt.[8]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dorf Holderbank im Kanton Aargau in der Schweiz wurde das Unternehmen 1912 als Aargauische Portlandcementfabrik Holderbank-Wildegg gegründet.[9] In den 1920er Jahren – bereits unter dem Firmennamen Holderbank respektive Holderbank Cement und Beton (HCB) bekannt – expandierte es nach Europa und 1927 nach Ägypten. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Beteiligungen im nord- und südamerikanischen Raum hinzu, ab den 1970er Jahren auch solche in Asien. Seit 1958 ist der Konzern börsennotiert. Anfang 2005 übernahm Holcim für insgesamt etwa 3,5 Milliarden Euro die britische Aggregate Industries und die indische ACC-Gruppe. 2005 begann eine strategische Allianz mit Cemento de El Salvador, die 2010 übernommen wurde. Die Familiendynastie Schmidheiny besitzt seit Oktober 2011 mehr als 20 % der Aktien.[10]

Holcim war 2005, 2006 und 2007 Leader of Industry im Dow Jones Sustainability Index und hat sich verpflichtet, bis 2010 den konzernweiten Ausstoss von Kohlendioxid gegenüber 1990 um 20 Prozent zu senken. Für das Verhalten der neu zugekauften indischen Tochtergesellschaft wurde Holcim allerdings 2008 für den Public Eye Awards (siehe Public Eye on Davos) nominiert. Dem Konzern wurde damals vorgeworfen, sich in Indien nicht an die Mindestlöhne zu halten, zweifelhafte Methoden beim Ankauf von Land anzuwenden sowie die Preise für Zement in die Höhe zu treiben.[11]

Im Jahr 2016 gab es erste Berichte wonach Lafarge vor der Fusion mit Holcim in den Jahren 2013 und 2014 Schutzgeld an den Islamischen Staat (IS) gezahlt hatte, um so ein Zementwerk in Syrien vor der Schließung und eventuellen Einnahme des IS zu schützen.[12] Das Werk wurde im September 2014 geschlossen und die Mitarbeiter evakuiert. Nach einer internen Untersuchung der Geschehnisse in Syrien, gab LafargeHolcim im März 2017 zu, dass in Syrien Gelder an „Dritte“ geflossen sind um den Betrieb aufrechterhalten zu können, sowie den Mitarbeitern sicheren Zugang zum Werk zu gewährleisten. Die Empfänger der Gelder seien jedoch nicht mehr genau ermittelbar.[13] Man gab auch an, dass die getroffenen Maßnahmen „nicht akzeptierbar“ gewesen seien.[14] Im Zusammenhang mit der Syrienaffäre gab LafargeHolcim im April 2017 bekannt, dass Eric Olsen (CEO) im Juli des Jahres das Unternehmen verlassen wird.[15] Im Mai wurde außerdem bekannt gegeben, dass Jan Jenisch, zuvor CEO der Sika AG, zum 16. Oktober 2017 den Posten als CEO übernimmt[16].

Aktionäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konzernstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor der Fusion mit Lafarge war Holcim alleine bereits in mehr als weltweit 70 Ländern tätig.

Deutsche Holcim-Werke befinden sich unter anderem in der Nähe von Hannover in Sehnde-Höver, dem Werk der ehemaligen Nordcement AG (später Alsen AG), in Lägerdorf nördlich von Hamburg,[18] dem Werk der ehemaligen Alsen-Breitenburg GmbH, sowie seit 2004 im baden-württembergischen Dotternhausen, südwestlich von Balingen, dem Werk der früheren Rohrbach Zement GmbH & Co. KG. Auch die mittlerweile stillgelegte Zementfabrik in Hemmoor der früher börsennotierten Hemmoor Zement AG gehörte seit 1972 zur Holcim-Gruppe. Daneben unterhält bzw. unterhielt Holcim eine Reihe von Abbaubetrieben für von Bau- und Baustoffindustrie benötigte Rohstoffe, darunter die Schinkel Grube, die Kreidegrube Saturn und die Höver Grube. Im seit 2008[19] zur Gruppe gehörenden Kieswerk in Rheinzabern fällt als Nebenprodukt Gold aus Sekundärablagerungen des Rheins (Rheingold) an. Dieses Werk ist gleichzeitig der einzige offizielle Goldproduzent Deutschlands.[20]

In der Schweiz kontrolliert Holcim heute mehr als die Hälfte des Zementmarktes und hält bedeutende Anteile im Kies- und Betonmarkt. Das schweizweit älteste Werk des Konzerns in Brunnen wurde im Juni 2008 geschlossen, da zur Verbesserung der Energieeffizienz und zur Einhaltung der neuen Vorgaben der Luftreinhalteverordnung für die nicht mehr zeitgemässe Anlage hohe Investitionskosten angefallen wären.[21] Für die verbliebenen 44 Mitarbeiter wurde in Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften Syna und Unia ein Sozialplan ausgearbeitet.[22]

Kennzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wiederkehrender EBITDA: 6,153 Milliarden CHF
  • Konzerngewinn: 2,072 Milliarden CHF
  • Wertminderungen/Abschreibungen: 3,501 Milliarden CHF
  • Produktionskapazität Zement: 318,4 Millionen t
  • Absatz Zuschlagstoffe: 278,7 Millionen t
  • Absatz Transportbeton: 50,6 Mio. m3

Stand: 31. Dezember 2017[23]

Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Baustoffkonzern gründete 2003 die Holcim Foundation for Sustainable Construction, welche im Oktober 2015 in LafargeHolcim Foundation for Sustainable Construction umbenannt wurde. Die Stiftung veranstaltet einen globalen Architekturwettbewerb zum Thema nachhaltigen Bauens (Holcim Awards). Alle drei Jahre werden zunächst in den fünf Weltregionen jeweils drei Architekturprojekte prämiert. Beurteilungskriterien sind Nachhaltigkeit, ökologische und ästhetische Qualität, ethische Anforderungen und Wirtschaftlichkeit. Die 15 Gewinner nehmen anschliessend an der globalen Endausscheidung teil, die erstmals im April 2006 stattfand. Das Preisgeld ist für die Branche ungewöhnlich hoch, es beträgt pro Wettbewerbsrunde insgesamt 2 Millionen US-Dollar. Zu den Preisträgern gehören unter anderem Christoph Ingenhoven, Diébédo Francis Kéré und realities:united.

Startup- und Digitalisierungs-Initiative[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende 2018/Anfang 2019 startete das Unternehmen die „Plants of Tomorrow“-Initiative, um Automatisierungstechnologie und Robotik, Künstliche Intelligenz, prädiktive Instandhaltung ("Predictive Maintenance") und digitale Zwillingstechnologien ("Digital Twins") im gesamten Produktionsprozess seiner 270 Werke einsetzen.[24] LafargeHolcim verspricht sich davon dauerhaft operative Effizienzsteigerung von 15 bis 20 Prozent.[25] Im Rahmen der Digitalisierungs-Bestrebungen gründete LafargeHolcim die "LH Maqer"-Plattform als Digital- und Startup-Accelerator. Unter anderem soll LH Maqer Startups Zugang zum Baustoffsektor bieten, um gemeinsam mit dem Konzern Innovationen in großem Umfang voranzutreiben. Unterhalb der Marke LH Maqer wurden industrie-spezifische Segmente wie der "LH Manufacturing Maqer" gegründet.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Holcim wird vorgeworfen, in der Gemeinde Schalkholz in Schleswig-Holstein einen Kiesabbau illegal als Mülldeponie genutzt zu haben. Dort sollen Bauschutt, Teerbrocken und Kunststoffe vergraben worden sein. Holcim hatte geplant, die Kiesgrube dementsprechend zu nutzen, allerdings keine Genehmigung beantragt. Holcim kündigte 2015 gegenüber dem NDR-Magazin Panorama 3 an, die Vorgänge zu prüfen und vorhandene „Fremdmaterialien“ zu entfernen.[26]

Für Wilkenburg bei Hannover reichte das Unternehmen 2014 einen Antrag auf Kiesabbau im Landschaftsschutzgebiet Obere Leine ein, an dem es seit der Entdeckung des römischen Marschlagers von Wilkenburg im Jahr 2015 im geplanten Abbaugebiet festhält.[27] Der Abbau würde die archäologischen Reste des Lagers zerstören. Archäologen des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege möchten die Fundstelle als Forschungsreserve für zukünftig verbesserte Untersuchungsmethoden erhalten.[28]

Holcim wird vorgeworfen, im Südwesten Nigerias ein Dorf mit Feinstaub zu vergiften. Ärzte berichten, dass die Menschen Schäden an Leber, Lungen und Milz davontragen. Eine Petition fordert: "Der Konzern muss endlich sicherstellen, dass die Menschen in Ewekoro nicht weiter mit Feinstaub vergiftet werden."[29]

2018 hat alleine die Holcim (Schweiz) AG über 527 Tausend Tonnen Kohlendioxid (CO2) emittiert. Dazu kamen im selben Zeitraum fast 618 Tonnen Stickstoffoxide, rund 544 Tonnen Kohlenmonoxid, knapp 38 Tonnen Ammoniak (NH3) und fast 5 Tonnen Benzol.[30]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Internet-Auszug: CHE-100.136.893. (Nicht mehr online verfügbar.) Handelsregister des Kantons St. Gallen, 4. Juni 2012, ehemals im Original; abgerufen am 14. Januar 2014.@1@2Vorlage:Toter Link/sg.powernet.ch (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  2. Vernetzt: Dieses Machtnetz pflegt der LafargeHolcim-Präsident, Artikel über Hess vom 11. Mai 2016 in der Zeitschrift Bilanz.
  3. Integrated Annual Reporting 2019
  4. Record net income and free cash flow
  5. Zementriesen Holcim und Lafarge fusionieren. ORF.at vom 7. April 2014
  6. Zusammenschluss zu LafargeHolcim, des fortschrittlichsten Konzerns der Baustoffbranche. Medienmitteilung vom 7. April 2014 (PDF)
  7. Lafarge-Holcim feiert. In: nzz.ch. 15. Juli 2015, abgerufen am 14. Oktober 2018.
  8. Forbes Global 2000. Abgerufen im 31 October 2020.
  9. Kleine Zementgeschichte, Holcim AG (Memento des Originals vom 24. September 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.holcim.ch vom 24. März 2010
  10. Schmidheiny kauft wieder Holcim-Aktien. In: 20 Minuten, 6. Oktober 2011.
  11. Public Eye Swiss Award (PDF-Datei; 104 kB)
  12. http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/standard/Lafarge-machte-angeblich-Geschaefte-mit-dem-IS/story/25374933
  13. http://www.n-tv.de/wirtschaft/Lafarge-zahlte-Schutzgeld-in-Syrien-article19726964.html
  14. http://www.lafargeholcim.com/sites/lafargeholcim.com/files/atoms/files/03022017-press-lafargeholcim-syria-de.pdf
  15. http://www.lafargeholcim.com/sites/lafargeholcim.com/files/atoms/files/04242017-press-lafargeholcim-ceo-departure-de.pdf
  16. http://www.lafargeholcim.com/new-ceo-jan-jenisch
  17. http://www.lafargeholcim.com/major-shareholders
  18. 150 Jahre Zementproduktion in Lägerdorf
  19. Holcim Kies und Beton GmbH erwirbt neue Kieswerke und ein Trockensandwerk (Memento vom 28. Juni 2012 im Internet Archive). Pressemitteilung Holcim-Süd. 1. April 2008, abgerufen am 23. August 2012.
  20. Christoph Seidler: Schatzsucher heben das Rheingold. Spiegel Online, 23. August 2012. abgerufen am gleichen Tage.
  21. Medienmitteilung der Holcim (Schweiz) AG (Memento des Originals vom 12. Dezember 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.holcim.ch, 16. Januar 2008
  22. Gemeinsame Medienmitteilung der Gewerkschaften Syna, Unia und der Holcim (Schweiz) AG (Memento des Originals vom 12. Dezember 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.holcim.ch, 15. Februar 2008.
  23. Holcim Ltd.: Jahresbericht 2013. (PDF) Abgerufen am 30. April 2014.
  24. LafargeHolcim: "Plants of Tomorrow" Industry 4.0 for cement production. In: https://www.lafargeholcim.com. LafargeHolcim, abgerufen am 18. Juli 2019 (englisch).
  25. LafargeHolcim: Industrie 4.0 für die Zementproduktion: LafargeHolcim lanciert die „Plants of Tomorrow“. In: https://www.lafargeholcim.com. LafargeHolcim, 9. Juli 2019, abgerufen am 17. Juli 2019 (deutsch).
  26. Jörg Hilbert: Auf der Spur eines Müllskandals. In: NDR.de. 10. Februar 2015, abgerufen am 11. Februar 2015.
  27. Holcim ist weiter am Kiesabbau interessiert in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 21. August 2017.
  28. Römerlager: Region will Kiesabbau genehmigen bei ndr.de vom 2. Februar 2017
  29. Petition LafargeHolcim. In: Konzern-Initiative. Abgerufen am 12. Juli 2020 (deutsch).
  30. Eintrag der Holcim (Schweiz) AG im Schadstoffregister SwissPRTR. In: admin.ch. Abgerufen am 17. November 2020.