Public Eye on Davos

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Das Public Eye on Davos wurde jährlich von 2001 bis 2015 als Gegenveranstaltung zum World Economic Forum (WEF) in Davos abgehalten. Sie war Plattform für Kritik an derselben Veranstaltung und an der Globalisierung im Allgemeinen.

Ab 2005 wurde während der Veranstaltung mit dem Public Eye Award ein Negativpreis an Unternehmen verliehen, die zuvor durch eine besonders menschen- und umweltschädigende Geschäftspolitik in die Kritik geraten waren. Im Januar 2015 wurde die Veranstaltungsreihe mit einer Schlussveranstaltung und der Verleihung des Public Eye Lifetime Awards abgeschlossen.[1][2]

Das Projekt involvierte Nichtregierungsorganisationen (NRO) aus der ganzen Welt und wurde von der Erklärung von Bern (heute «Public Eye») ins Leben gerufen. Bis 2008 war Pro Natura Projektpartnerin, seit 2009 war Greenpeace Schweiz die zweite Trägerorganisation des «The Public Eye on Davos».

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

«The Public Eye on Davos» wurde im Herbst 1999 mit dem Ziel lanciert, das WEF mit einer Gegenveranstaltung vor Ort kritisch zu begleiten und Alternativen für eine sozial und ökologisch verträgliche Wirtschaft aufzuzeigen.[3] Im Januar 2000 luden die Initiatoren zu einer zusammen mit der WOZ organisierten Veranstaltung «Wer regiert die Welt?» ein. In Davos stellte sich Klaus Schwab dem «Public Eye» in einer öffentlichen Diskussion.[4] Die Erkenntnis, gemäss eigener Aussage der «Erklärung von Bern», war, «dass sogar eine wesentliche NGO-Vertretung im WEF kaum helfen würde, das WEF herauszufordern und zu verändern».[3] In der Folge organisierte «Public Eye» selber eine – im Gegensatz zum WEF – öffentlich zugängliche internationale Konferenz parallel zum WEF.

Die erste als Alternativkonferenz organisierte Veranstaltung fand im Januar 2001 statt. Es nahmen daran rund 20 NGO-Vertreter sowie kritische Wissenschaftler teil, die im Rahmen der Veranstaltung Alternativlösungen für eine nachhaltige Wirtschaft präsentierten und ihre Kritik an der in ihren Augen einseitigen wirtschaftlichen Globalisierung und deren Folgen für Mensch und Umwelt darlegten. Diese Veranstaltung fand in diesem Rahmen während dreier Jahren zeitgleich mit dem WEF statt und folgte diesem 2002 auch nach New York. Dort eröffnete der damalige Schweizer Bundespräsident Kaspar Villiger vor seiner Eröffnungsrede beim WEF das «Public Eye».[5]

Im Gegensatz zum «Oltener Bündnis», das sich generell gegen das WEF, «selbst ernannte Eliten» und NATO richtete, war Pro Natura als Nichtregierungsorganisation in New York 2002 nicht nur an der «Public Eye»-Konferenz, sondern auch direkt am WEF vertreten[6] 2003 unterstützte «Public Eye» den Demonstrationsaufruf des «Oltner Bündnisses» nicht, weil ein Bekenntnis zur Gewaltlosigkeit fehlte.[7] 2004 wurde die Eröffnungsrede von der UNO-Hochkomissarin für Menschenrechte Mary Robinson gehalten[8] und die Konferenz wurde auch von den Veranstaltern des WEF anerkannt, so sprach der WEF-Direktor 2004 von einem Wandel «von dialogloser Konfrontation hin zum kritischen Dialog».[9]

Nach den ersten fünf Ausgaben wurde das Erscheinungsbild der Veranstaltung geändert. Es sollten gemäss den Veranstaltern weniger «trockene Globalisierungsdebatten» geführt und die Veranstaltung einem breiterem Publikum zugänglich gemacht werden.[10] Die bisherige Form als Gegenkonferenz hatte nicht die gewünschte Medienaufmerksamkeit gegenüber dem WEF erhalten, zugleich gab es mit dem Weltsozialforum bereits eine weitere Veranstaltung, die eine ähnliche Ausrichtung wie das «Public Eye on Davos» hatte. In der Folge wurde im Jahr 2005 mit dem Public Eye Award erstmals ein Negativpreis an Unternehmen verliehen, denen die Nominatoren eine menschen- und umweltschädigende Geschäftspolitik vorwarfen. Diese «Auszeichnungen» wurden in verschiedenen Kategorien durch eine Jury vergeben, wobei in den ersten zwei Jahren der Preis in verschiedenen Sachkategorien vergeben wurde. Ab 2007 wurde jeweils ein Negativpreis für Schweizer und globale Unternehmen vergeben, ab 2008 kam noch ein Publikumspreis hinzu. Von 2006 bis 2009 wurde auch ein Positivpreis an der Veranstaltung vergeben.

Im November 2014 gaben die «Erklärung von Bern» und Greenpeace Schweiz bekannt, dass das «Public Eye» im Januar 2015 zum letzten Mal stattfindet. Als Hauptgrund für die Einstellung der Veranstaltungsreihe wurde die damals in der Vorprüfung befindende Konzernverantwortungsinitiative sowie das WEF selbst genannt, das nach Überzeugung von Public Eye on Davos als «Privatveranstaltung» an Bedeutung verloren hatte.[11][12] Insgesamt erhielten 23 Unternehmen einen Award des «Public Eye», wobei Chevron während der Abschlussveranstaltung den sogenannten Lifetime Award erhielt.

2016 hat sich die bisherige Mitveranstalterin des «Public Eye on Davos», die «Erklärung von Bern», in «Public Eye» umbenannt.

«Public Eye Awards»[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Public-Eye-Award-Logo

Mit den Public Eye Awards wurden Konzerne ausgezeichnet, die sich laut den Initianten besonders verantwortungslos gegenüber Mensch und Umwelt verhielten. Der Fokus der Public Eye Awards lag somit auf dem Thema unternehmerische Gesellschaftsverantwortung. Die aufgeführten Begründungen sind jene, die aus der jeweiligen Laudatio zur Verleihung hervorgehen.

2015[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lifetime Award: Chevron erhielt bereits 2006 den Public Eye Jury Award in der Kategorie Umwelt für die Verschmutzung des Urwalds im Norden Ecuadors. 1964 hatte Texaco dort mit der Erdöl-Exploration im Gebiet von Lago Agrio begonnen. 1972 wurde mit dem Partner Gulf Oil die Produktion aufgenommen. Im Jahr 1976 wurde der ecuadorianische Staat Mehrheitseigner der Unternehmung. Eine Sammelklage gegen Chevron als Rechtsnachfolger von Texaco führte in den USA zu einem Entscheid zu einem Verfahren in Ecuador. Eine von einem ecuadorianischen Gericht auferlegte Strafe von 8 Milliarden focht Chevron an. Die Jury argumentierte, der Chevron-Fall zeige auf, wie transnationale Unternehmen «das Recht auf Wiedergutmachung jener Menschen untergraben, deren Menschenrechte durch transnationale Unternehmen verletzt» würden.

2014[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • People’s Award: Gazprom erhielt den Public Eye People’s Award für ihre Pläne, in der Arktis nach Öl zu bohren, obwohl unabhängige Studien bestätigt hatten, dass noch keine umfassende Methode existiert, um in Meereis ausgelaufenes Öl zu beseitigen.
  • Jury Award: Gap erhielt den Jury Award, da sich der amerikanische Textilgigant weigerte, das rechtlich verbindliche Abkommen «Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh» zu unterzeichnen und stattdessen mit einem eigenen Pseudo-Abkommen aktiv die Bemühungen für wirksame Reformen in der Textilindustrie unterminierte.[13]

2013[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • People's Award: Royal Dutch Shell hätte die erneuerbaren Energien vollständig aus ihrer langfristigen Strategie entfernt und war die erste Ölgesellschaft, die in ökologisch empfindlichen Arktis-Regionen nach Öl suchen wollte. Die «Erklärung von Bern» formulierte: «Möglich wurde diese Suche ihrerseits nur dank der rapide schwindenden arktischen Eisdecke, also just dank den Auswirkungen des Klimawandels.»
  • Jury Award: Goldman Sachs wurde vorgeworfen, aus Krisen Profit zu schlagen. Genannt wurden die Hypotheken-, Banken- oder Euro-Krise. Goldman Sachs hatte beispielsweise zwischen 1998 und 2009 mit Buchungstricks die Hälfte von Griechenlands Staatsdefizit gegen horrende Honorare versteckt. Die pointierte Formulierung der EvB lautete «Regierungen wechseln, aber Goldman Sachs bleibt».[14]

2012[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • People's Award: Vale (People’s Award): Der weltweit zweitgrösste Minenkonzern und grösste Eisenerzhersteller der Welt hat sich gemäss Nominationstext in seiner 70-jährigen Geschichte immer wieder Menschenrechtsverstösse, unmenschliche Arbeitsbedingungen und rücksichtslose Naturausbeutung zuschulden kommen lassen. Vale ist am verschiedentlich kritisierten Belo-Monte-Wasserkraftwerk mit Zwangsumsiedlungen mit beteiligt.
  • Jury Award: Barclays ist gemäss ihrer Nomination ein Nahrungsmittelspekulant: «Allein im zweiten Halbjahr 2010 wurden weltweit 44 Millionen Menschen durch steigende Nahrungsmittelpreise in extreme Armut gedrängt». Die britische Grossbank hätte bei der Regierung in London gegen staatliche Regulierungen lobbyiert, während sich der Markt von Indexfonds von 2003 bis 2012 verdreissigfacht hatte.[15][16] Nach der Awardverleihung stieg die Bank im Frühling 2013 aus dem Handel mit Agrar-Index-Fonds aus.[17]

2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • People’s Award: Neste Oil ist einer der grössten Palmölabnehmer und Agrotreibstoffproduzenten der Welt und verkaufte unter der Bezeichnung «Neste Green Diesel» europaweit Biodiesel aus Palmöl. Der Hauptlieferant von Neste Oil – die IOI Group – hatte prompt seine Palmöl-Konzessionen verdoppelt und die so gesteigerte Palmöl-Nachfrage hatte in Indonesien und Malaysia Landvertreibungen und Regenwaldzerstörungen zur Folge. IOI wurde von «Public Eye» bei Prozessen wegen Landenteignung in Malaysia Bestechung lokaler Behörden vorgeworfen. Zudem sei die CO2-Bilanz von Neste Oils Kraftstoff gar schlechter als die von herkömmlichem Diesel. Alleine ein Versuch in Stuttgart mit Biotreibstoff von Neste hätte gemäss Greenpeace 5 Prozent der globalen Produktion verbraucht.[18]
  • Jury Award: AngloGold Ashanti vergifte gemäss «Public-Eye»-Nominierung beim Goldabbau in Ghana die Umwelt. Hochtoxischen Minenabfälle würden unkontrolliert und unsachgemäss gelagert. Flüsse und früheres Kulturland würde kontaminiert. AngloGold Ashanti hätte von der ghanaischen Umweltbehörde die schlechteste mögliche Bewertung was Soziales und Umweltschutz anbelangt erhalten.[19] Eine von der norwegischen Regierung angeordnete Untersuchung zwang den Bergbaukonzern dazu, Verhandlungen mit den Geschädigten aufzunehmen und sie zu entschädigen.[20]

2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Swiss Award, People's Award: La Roche wurde als Sieger der Kategorie Swiss und People ausgezeichnet für Forschungs- und Handelstätigkeit mit dem Medikament CellCept in China, dass die Abstossung transplantierter Organe verhindert, obwohl das Land für seine fragwürdige Organtransplantationspolitik bekannt ist. Ende 2008 hat der chinesische Vize-Gesundheitsminister in einer medizinischen Fachzeitschrift eingeräumt, dass mehr als 90 % aller transplantierten Organe von hingerichteten Gefangenen stammen. Die Verwendung von solchen Organen wird von der World Medical Association abgelehnt. Darüber hinaus erforschte La Roche die Wirkung ihres Medikaments in zwei Studien mit etwa 300 transplantierten Organen auch in zahlreichen chinesischen Kliniken unter Verwendung von ebensolchen Organen. Als Folge der Kritik nahm die Triodos Bank La Roche aus ihrem Aktienportfolio. [21]
  • Global Award: Die Royal Bank of Canada (RBC) finanzierte den Abbau von Öl aus dem Athabasca-Ölsande im kanadischen Alberta mit 20 Milliarden US-Dollar an Investitionen in den letzten zwei Jahren vor der Preisverleihung. Diese Abbautechnik verursacht dreimal so hohe CO2-Emissionen wie konventionell gewonnenes Öl und führte ein Jahr nach der Preisverleihung zum Austritt Kanadas aus dem Kyoto-Protokoll. [22] Für den Abbau wird dem Athabasca River fortlaufend gleich viel Wasser abgepumpt, wie gemäss Public Eye für eine Millionenstadt verbraucht wird. Dieses Wasser muss danach wegen seiner Giftigkeit in einem extra dafür gebauten Stausee aufbewahrt werden und führt wegen seiner toxischen Stoffe zu Verkrüppelungen bei Wildtieren und bei den Indigenen der Region traten vermehrt bisher kaum bekannte Krebsarten auf.
  • Greenwash Award: Das CEO Water Mandate (CWM) von UN Global Compact war eine nicht-bindende, freiwillige Initiative der weltweit grössten Trinkwasser-Unternehmen wie Nestlé, Coca-Cola, Pepsi und Danone. Das CWM formulierte ökologische und soziale Minimalstandarts beim Wasserhandel, gleichzeitig mussten darin zusammengeschlossenen Unternehmen diese Standards gar nicht einhalten, sie konnten jedoch als Teilnehmer dieses Programms ihr Vorgehen legitimieren.[23]

2009[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Global Award, People's Award: Newmont Mining Corporation erhielt den Preis in der Planungsphase zur im Osten Ghanas entstehenden, 1'915 ha grossen Akyem-Goldmine. Beim Planungsstand bei der Preisverleihung hätte diese Mine rund 84 ha des Waldschutzgebietes Ajenjua Bepo zerstört sowie rund 10'000 Kleinbauern verlieren ihr Land und rund 1'333 Menschen wären von einer Zwangsumsiedlung betroffen gewesen, dies alles gemäss Public Eye ohne angemessene, dem Gesetz entsprechende Entschädigung. Ausserdem verwendet der Konzern zur Goldgewinnung Zyanid, die rund 15 Millionen Tonnen Abfallgesteine der Goldgewinnung würden Böden sowie Flüsse massiv verschmutzen und damit die Umwelt der Region massgeblich bedrohen würde.
  • Swiss Award: Die Bernischen Kraftwerke (BKW) präsentierten sich in Werbespots als zukunftsorientiertes Energieunternehmen, dass erneuerbare Energien fördert und für Energieeffizienz steht. Gleichzeitig investierte der Konzern im Ausland rund 1,6 Milliarden Franken in ein deutsches Steinkohlekraftwerk und damit in eine der klimaschädlichsten Energieproduktionsarten. Nachdem dies der Kanton Bern als Mehrheitsaktionär nicht gebilligt hat, stieg der Konzern jedoch nicht aus dem Projekt aus, sondern suchte lediglich noch nach weiteren Investitionspartner für das Kohlekraftwerk.[24]
  • Positive Award: Freddy Lozano und Jairo Quiroz Delgado, Mitglieder der Gewerkschaft Sintracarbón. Andere Nominierte waren Jacek Kotula und Irene Fernandez.

2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Global Award, People's Award: Areva (Global Award, People’s Award): Im Norden Nigers baut die Areva als Mehrheitsaktionärin zweier Minengesellschaften (Somaïr und Cominak) Uran ab. Die dort tätigen Minenarbeiter und ihre Familien wurden nur ungenügend über die Gesundheitsrisiko des Uranabbaus informiert. Als diese dann aufgrund der radioaktiven Strahlung an Krebs erkrankten und das französische Staatsunternehmen die dadurch entstehenden Behandlungskosten nicht bezahlen wollte, wurde diesen anlässlich den Mitarbeitern angebotenen kostenfreien Gesundheitsbehandlug eine AIDS-Diagnose ausgestellt, für deren Kosten der Konzern nicht aufkommen musste. Analysen in der Umgebung zeigen eine radioaktive Verschmutzung von Luft, Wasser und Boden, der geforderte Zutritt unabhängiger Experten zu den Minen wird von Areva verwehrt.[25]
  • Swiss Award: Glencore baut in Kolumbien im Tagebau auf Gebiet der Gemeinde La Jagua in drei Minen jährlich rund 10 Millionen Tonnen Kohle ab und betreibt einen Kohlehafen in Santa Marta. Die Gesundheit der Bevölkerung im Umfeld der Mine wird wesentlich beeinträchtigt und Umweltauflagen werden nur mangelhaft umgesetzt. Die Trinkwasserversorgung in der Umgebung der Minen ist unterbrochen und das Schmutzwasser wird ungefiltert in die umliegenden Flüsse eingeleitet. Als der Konzern in Santa Marta gezielt gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter entliess. Proteste von Minenarbeitern wurden von Militär und Polizei gewaltsam aufgelöst und forderten ein Todesopfer.[26]
  • Positive Award: Hess Natur als Pionier beim Vertrieb von Naturtextilien. 2007 produzierte Hess Natur Textilien aus 100 Tonnen Bio-Baumwolle. Weitere Nominierte für den Positive Award waren Care Naturkost GmbH&Co und Soglio-Produkte AG.
  • Weitere Nominierte: Bayer CropScience, Dole Philippines Inc., Erdöl-Vereinigung, Holcim Ltd.

2007[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Global Award: Bridgestone (Global Award): Bridgestone erhielt den Global Award für das verantwortungslose Verhalten und Förderung der Kinderarbeit ihrer Tochtergesellschaft Firestone Natural Rubber Company auf den knapp 500 km² grossen Gummiplantagen in Liberia. Gemäss Public Eye herrschten dort «ähnliche Zustände wie in der Sklaverei». Die Arbeiter lebten zur dort zur Zeitpunkt der Preisverleihung abgeschnitten von der Aussenwelt in Lehmhütten ohne Zugang zu Fliesswasser, Sanitäranlagen oder Elektrizität und sind zur Erreichung der täglichen Fördermengen dazu gezwungen, ihre Kinder bei der Arbeit auf den Plantagen einzuspannen. Die Kinder helfen dabei beim aufschneiden der Bäume, tragen Pestizide aus und helfen beim Transport des Latex mit und besuchten keine Schule. Die durch die Gummiverarbeitungsanlage verseuchte Abwässer schaden zudem der Bevölkerung und vergiften Wasser und Böden der Region.
  • Swiss Award: Novartis erhielt den Swiss Award für seine Patentierungspolitik bei überlebenswichtigen Krebsmedikamenten wie Imatinib Mesylate. Für dieses Krebsmedikament sicherte sich Novartis in Indien ein auf drei Jahre begrenztes Monopol. Die indische Generikaproduktion des Medikaments musste daraufhin gestoppt werden und zehntausende Inder konnten sich das nun um das zehnfach teurere Medikament gegen Blutkrebs nicht mehr leisten. Im Januar 2006 lehnte das indische Patentamt einen erneuten Patentantrag von Novartis für das Medikament ab und das zeitlich begrenzte Monopol lief ab und der Konzern klagte darauf vor Gericht, den siebenjährigen Prozess verlor Novartis 2013 letztinstanzlich vor dem Supreme Court of India. [27]
  • Positive Award: Coop für sein Engagement für die biologische Landwirtschaft in der Schweiz. Weitere Nominierte bei den Positive Awards waren Eosta und Marks & Spencer.

2006[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Umwelt: Chevron kaufte im Jahr 2001 die Firma Texaco, welche aufgrund des Einsatzes veralteter Technologien das Amazonasgebiets im Norden Ecuadors während fast dreissig Jahren verschmutzt hatte. 68 Milliarden giftiges Abwasser wurden während dieser Zeit in Abfallgruben, Bäche, Flüsse und Feuchtgebiete abgeleitet. Die Verschmutzung hat zahlreiche indigene Völker vertrieben und das Volk der Tetetes ist sogar ausgestorben. Public Eye wirft Chevron vor, dass sie anstatt die verpesteten Flächen zu reinigen, diese zurückliessen und keine Verantwortung für diese übernahmen.[28]
  • Steuern: Citigroup Inc. wurde für die Tätigkeit ihrer Tochter Citibank ausgezeichnet, die zum Zeitpunkt der Preisverleihung die grösste, nichtschweizerische Privatbank war. Public Eye wirft der Bank vor, dass sie vermögenden Kunden und Unternehmen geholfen hat, ihr Vermögen dem Fiskus zu entziehen. Die Bank bediente sich dabei Offshore-Firmen, um die Vermögen in Steueroasen anzulegen. Auch verwaltete die amerikanische Grossbank die Gelder verschiedener Diktatoren wie Sani Abacha, der Nigeria Schulden in Milliardenhöhe bescherte oder Pinochet.[29]
  • Soziales: The Walt Disney Company wurde von SACOM, einer gemeinnützigen Studenten-Organisation aus Hongkong nominiert, die in China gegen widerrechtliche Arbeitsbedingungen und Menschenrechtsverletzungen vorgeht. Walt Disney beschäftigt in China hauptsächlich junge, schlecht ausgebildete Frauen, die für eine 60 bis 90-Stundenwoche unter dem gesetzlichen Mindestlohn entlohnt werden. Das zur Verfügung stellen von firmeneigenen Schlafräumen ermöglicht den Fabriken eine ständige Kontrolle der Arbeiter und Just-in-time-Produktionen. Obwohl Disney sich selbst einen Verhaltenskodex für Zulieferbetriebe auferlegt hat, hielt er sich nicht daran[30].

2005[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Menschenrechte: Dow Chemical übernahm 2001 das Chemieunternehmen Union Carbide Corporation und damit die Verantwortung über die Folgen der Katastrophe von Bhopal. An den Folgen dieser Katastrophe starben bis heute je nach Schätzung bis zu 25'000 Menschen und rund 150'000 Personen leiden unter chronischen Folgeerkrankungen dieses Chemieunfalls. Dow Chemical wird bei der Awardverleihung beschuldigt, bis heute keine Informationen über das ausgeströmte Gas preisgegeben zu haben und sich der Verantwortung für die Folgen der Katastrophe zu entziehen. Anstattdessen handelte Union Carbide einen Vergleich mit der indischen Regierung aus und konnte sich dadurch der indischen Justiz entziehen.[31] Ein Tag nach der Preisvergabe gab es in Davos noch einen Menschenteppich gegen Dow Chemical[32].
  • Umwelt: Royal Dutch Shell fördert in Nigeria seit 1956 Erdöl und verbrennt dabei trotz gegenteiligen Versprechungen immer noch offen Erdgas, was einen enormen Lärm und Russpartikelausstoss verursacht. Durch zahlreiche Lecks, zum Zeitpunkt der Verleihung wurden über die Dauer des Bestehens 4'000 derselben gezählt, verschmutzt Shell zudem die Umwelt und namentlich das Nigerdelta. [33]
  • Arbeitsrechte: Walmart besitzt Zulieferfirmen in Lesotho, Kenia und Thailand. Obwohl der amerikanische Detailhändler mehrfach auf Missstände bezüglich Arbeitsbedingungen, Arbeitszeiten und -löhne in seiner Zulieferkette aufmerksam gemacht wurde, hatte das Unternehmen meist gar nicht erst auf solche Meldungen geantwortet noch die Anforderungen an seine Lieferbetriebe angepasst. Beispielsweise mussten in Lesotho, wo der Normalarbeitstag bei 10 Stunden liegt, die Arbeiter bis zu 14 Stunden täglich arbeiten und dies für einen durchschnittlichen Monatslohn von 54 US-Dollar.[34]
  • Steuern: KPMG hat sich gemäss den Veranstaltern als nun «reuige Beihelferin zur Steuerhinterziehung» profiliert. Die niederländische Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsfirma bot gemäss Public Eye über 500 Modelle zur Steuervermeidung an und betrieb damit ein lukratives Geschäft und prellten damit verschiedene Staaten um Hunderte Milliarden US-Dollar. Nominiert wurde die Firma durch das Tax Justice Network, zu dessen Mitgründern die «Erklärung von Bern» war (heute «Public Eye»).[35]
  • Publikumspreis: Nestlé erhielt bereits im Vorfeld durch ein Onlinevoting für seine aggressive Vermarktung von Babynahrung und für sein Verhalten bei einem Arbeitskonflikt in Kolumbien. [36]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Chevron «gewinnt» den letzten Public Eye Award. In: Tages-Anzeiger, 23. Januar 2015
  2. Public Eye Awards Übersicht. Erklärung von Bern, abgerufen am 7. Januar 2015.
  3. a b Geschichte – The Public Eye on Davos auf der Seite des Public Eye der «Erklärung von Bern».
  4. Auf nach Davos. Veranstaltungskalender des Alternativradios Radio Lora.
  5. Michael Hollingdale: New York prepares for the WEF and Public Eye. In: Swissinfo. 21. Januar 2002, abgerufen am 6. Oktober 2016.
  6. WEF-Gegenveranstaltungen im In- und Ausland – Öffentliches Auge und anderes Davos. In: Neue Zürcher Zeitung vom 16. Januar 2002. Abgerufen am 18. Dezember 2016.
  7. «Public Eye» unterstützt Demonstrationsaufruf des Oltner Bündnisses nicht, weil Bekenntnis zur Gewaltlosigkeit fehlte. In: Neue Zürcher Zeitung vom 8. Januar 2003. Abgerufen am 18. Dezember 2016.
  8. «Widerstand allein genügt nicht». Neue Zürcher Zeitung vom 22. Januar 2004. Abgerufen am 18. Dezember 2016.
  9. «Geist von Davos» ist zurück. Neue Zürcher Zeitung vom 25. Januar 2016. Abgerufen am 18. Dezember 2016.
  10. Stefan Schmid: Die WEF-Harmonie stören. In: Der Bund. 12. Januar 2005, S. 6 (humanrights.ch [PDF; abgerufen am 19. Dezember 2016]).
  11. Public Eye Awards Medienmitteilung. Erklärung von Bern, abgerufen am 19. Januar 2015.
  12. Schluss mit Konzern-Bashing.. Tages-Anzeiger vom 19. November 2014. Abgerufen am 18. Dezember 2016.
  13. Nominationstexte 2014. Erklärung von Bern, abgerufen am 29. Januar 2015.
  14. Nominationstexte 2013. Erklärung von Bern, abgerufen am 29. Januar 2015.
  15. Preisexplosion wegen Nahrungsmittelspekulation. Information Fastenopfer, 2013
  16. Nominationstexte 2012. Erklärung von Bern, abgerufen am 29. Januar 2015.
  17. Deutsche-Bank-Experten warnten vor Lebensmittelspekulationen. In: Die Zeit. 24. Februar 2013, abgerufen am 13. Dezember 2016.
  18. Palmöl-Diesel in Stuttgarter Bussen = Urwaldzerstörung. Greenpeace 2010.
  19. Nominationstexte 2011. Erklärung von Bern, abgerufen am 29. Januar 2015.
  20. Public Eye Awards Einführung. Erklärung von Bern, abgerufen am 13. Dezember 2016.
  21. Transplant Community Responds to Chinese Regime’s Organ Harvesting. In: Epoch Times. 3. Mai 2011, abgerufen am 13. Dezember 2016 (englisch).
  22. Canada pulls out of Kyoto protocol. The Guardian, 13. November 2011. Abgerufen am 21. November 2016. (englisch)
  23. Nominationstexte 2010. Erklärung von Bern, abgerufen am 29. Januar 2015.
  24. Nominationstexte 2009. Erklärung von Bern, abgerufen am 29. Januar 2015.
  25. Nominationstext Areva. Erklärung von Bern, abgerufen am 28. November 2016 (PDF).
  26. Nominationstext Glencore. Erklärung von Bern, abgerufen am 28. November 2016 (PDF).
  27. Nominationstexte 2007. Erklärung von Bern, abgerufen am 29. Januar 2015.
  28. Chevron Gewinner Rede. Erklärung von Bern, abgerufen am 28. November 2016 (PDF).
  29. Citigroup Gewinner Rede. Erklärung von Bern, abgerufen am 28. November 2016 (PDF).
  30. Waltdisney Gewinner Rede. Erklärung von Bern, abgerufen am 28. November 2016 (PDF).
  31. Dow Chemical Gewinner Rede. Public Eye, abgerufen am 13. Dezember 2016 (englisch).
  32. Menschenteppich gegen Dow Chemical in Davos. Greenpeace, 27. Januar 2005, abgerufen am 19. Dezember 2016.
  33. Shell Gewinner Rede. Public Eye, abgerufen am 13. Dezember 2016 (englisch).
  34. Walmart Gewinner Rede. Erklärung von Bern, abgerufen am 13. Dezember 2016 (englisch).
  35. KPMG Gewinner Rede. Public Eye, abgerufen am 13. Dezember 2016.
  36. Public Eye Award an Nestlé verliehen. Artikel auf news.ch vom 26. Januar 2005. Abgerufen am 19. Dezember 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]