Landkreis Nordhausen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Für den Kreis in der DDR siehe Kreis Nordhausen.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Landkreises Nordhausen Deutschlandkarte, Position des Landkreises Nordhausen hervorgehobenKoordinaten: 51° 30′ N, 10° 44′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Verwaltungssitz: Nordhausen
Fläche: 714 km²
Einwohner: 85.355 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 120 Einwohner je km²
Kfz-Kennzeichen: NDH
Kreisschlüssel: 16 0 62
Kreisgliederung: 27 Gemeinden
Adresse der
Kreisverwaltung:
Grimmelallee 23
99734 Nordhausen
Webpräsenz: www.landratsamt-
nordhausen.de
Landrat: Matthias Jendricke (SPD)
Lage des Landkreises Nordhausen in Thüringen
Weimar Eisenach Suhl Gera Jena Landkreis Altenburger Land Landkreis Greiz Tschechien Saale-Holzland-Kreis Freistaat Sachsen Freistaat Bayern Saale-Orla-Kreis Landkreis Sonneberg Niedersachsen Hessen Sachsen-Anhalt Landkreis Eichsfeld Landkreis Saalfeld-Rudolstadt Landkreis Hildburghausen Landkreis Schmalkalden-Meiningen Ilm-Kreis Landkreis Weimarer Land Erfurt Landkreis Gotha Wartburgkreis Landkreis Sömmerda Kyffhäuserkreis Unstrut-Hainich-Kreis Landkreis NordhausenKarte
Über dieses Bild

Der Landkreis Nordhausen ist der nördlichste Landkreis von Thüringen. Nachbarkreise sind im Norden und Osten die beiden sachsen-anhaltischen Landkreise Harz und Mansfeld-Südharz, im Süden der Kyffhäuserkreis, im Westen der Landkreis Eichsfeld und im Nordwesten die niedersächsischen Landkreise Osterode am Harz und Goslar. Von 1816 bis 1945 gehörte der überwiegende Teil der Region zur Grafschaft Hohenstein. Der 1950 in der DDR gegründete Kreis Nordhausen ist deckungsgleich mit dem heutigen Landkreis Nordhausen.

Der Patenlandkreis ist das Unterallgäu.[2]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Norden wird der Landkreis vom Harz begrenzt, im Süden von den Höhenzügen des Dün, der Hainleite und der Windleite. Die höchste Erhebung befindet sich mit 634 m ü. NN im Harz, an der Grenze zu Niedersachsen. Es ist der einzige Thüringer Landkreis, der Anteil am Harz hat.

Gewässer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die größten Flüsse sind die Helme, die Zorge und die Wipper. Außerdem befinden sich noch einige mit Wasser gefüllte Karsterscheinungen im Landkreis Nordhausen wie das Große Seeloch bei Kleinwechsungen.

Naturschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Südharzer Karstlandschaft in den Kreisen Nordhausen, Mansfeld-Südharz und Osterode am Harz ist einzigartig und für den Naturschutz und die nachhaltige Regionalentwicklung von großer Bedeutung. Sie ist daher in Teilen als Biosphärenreservat ausgewiesen. Außerdem existiert dazu der Karstwanderweg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelpunkt und Verwaltungssitz ist die Stadt Nordhausen, die von 1220 bis 1802 Freie Reichsstadt war. Im Mittelalter bestanden auf dem Gebiet des heutigen Landkreises neben der Reichsstadt Nordhausen die Grafschaften Lohra, Klettenberg und Hohnstein; die Grafen von Hohnstein nahmen bis zu ihrem Aussterben im Mannesstamm 1593 eine dominierende Stellung ein.

Durch den Westfälischen Frieden (1648) fiel das Kreisgebiet zum Großteil an Kurbrandenburg. Im Jahre 1802 verlor Nordhausen seinen Reichsstadtstatus. 1816 entstand ein Kreis Nordhausen innerhalb der neugebildeten preußischen Provinz Sachsen. 1888 wurde der Kreis in Kreis Grafschaft Hohenstein umbenannt. Nordhausen war von 1882 bis 1945 kreisfreie Stadt.

Im April 1945 wurde das Kreisgebiet von der US-Armee besetzt, darauf der Sowjetischen Besatzungszone zugeschlagen und gehörte ab 1949 der DDR an. Im Oktober 1945 wurde Nordhausen Kreisstadt des nun wieder in Landkreis Nordhausen umbenannten Kreises. Aus dem Landkreis Nordhausen ging bei der Auflösung der Länder 1952 der Kreis Nordhausen hervor, der Teil des Bezirks Erfurt wurde.

Seit der deutschen Wiedervereinigung 1990 gehörte er wie schon von 1945 bis 1952 als Landkreis Nordhausen dem Land Thüringen an. Als einziger Kreis blieb er von der Kreisreform des Jahres 1994 unberührt.

Entwicklung der Einwohnerzahl :

  • 1994: 102 405
  • 1995: 101 870
  • 1996: 101 309
  • 1997: 100 743
  • 1998: 100 112
  • 1999: 99 355
  • 2000: 98 609
  • 2001: 97 685
  • 2002: 96 628
  • 2003: 95 620
  • 2004: 94 519
  • 2005: 93 612
  • 2006: 92 630
  • 2007: 91 762
  • 2008: 91 120
  • 2009: 90 357
  • 2010: 89 963
  • 2011: 89 192
  • 2012: 85 921
  • 2013: 85 380
  • 2014: 85 055
Datenquelle: ab 1994 Thüringer Landesamt für Statistik – Werte vom 31. Dezember

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahl des Nordhäuser Kreistags 2014[3]
Wahlbeteiligung: 48,4 % (2009: 52,2 %)
 %
40
30
20
10
0
33,9 %
25,7 %
21,4 %
5,5 %
5,0 %
4,4 %
4,1 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
+5,4 %p
+0,8 %p
-6,4 %p
-4,0 %p
-1,1 %p
+4,4 %p
+0,9 %p
Expression-Fehler: Unerwartete schließende eckige Klammer
Sitzverteilung im
Nordhäuser Kreistag 2014
       
Von 46 Sitzen entfallen auf:

Landräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

siehe auch: Landräte der Grafschaft Hohenstein (1816–1953)
siehe auch: Landräte bzw. Vorsitzende des Rates des Kreises Nordhausen (1953–1990)

Bei der Landratswahl am 26. April 2015 konnte kein Kandidat die absolute Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigen. Der Nachfolger von der kommissarischen Landrätin Jutta Krauth wurde somit in einer Stichwahl am 10. Mai 2012 zwischen Stefan Nüßle (CDU; 23,8 % der Stimmen im ersten Wahlgang) und Matthias Jendricke (SPD; 34,0 %) entschieden. Die Stichwahl gewann Jendricke mit 64,7 Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 26,1 Prozent.[4]

Kreistag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 46 Sitze im Kreistag verteilen sich seit der Wahl am 25. Mai 2014 folgendermaßen auf die einzelnen Parteien:

Partei
Sitze
CDU
16 (+3)
DIE LINKE.
12 (+1)
SPD
10 (-3)
FDP
2 (-2)
GRÜNE
2 (-1)
FWN
2 (+2)
NPD
2 (±0)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das geschachte Feld steht für die ehemalige Grafschaft Hohnstein, der Baumstumpf für das 1945 schwer zerstörte Nordhausen. Der neu sprießende Zweig steht für eine neue Zukunft unter einem goldenen Himmel, symbolisiert durch das obere Feld.

Eine Übersicht zu den Wappen der Städte und Gemeinden des Landkreises findet man in der Liste der Wappen im Landkreis Nordhausen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Norden des Landkreises stellt der Tourismus einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Insbesondere die Orte Rothesütte, Sophienhof, Neustadt/Harz und Ilfeld spielen dabei eine wichtige Rolle, liegen sie doch nur wenige Kilometer vom Brocken, dem höchsten Berg des Harzes, entfernt.

Bis 1990 spielte der Kalibergbau u. a. in Bleicherode und Sollstedt eine große Rolle. Im Zuge der politischen und wirtschaftlichen Wiedervereinigung wurden alle Bergbaubetriebe geschlossen, wodurch der größte Arbeitgeber der Region verloren ging.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landkreis wird von Osten nach Westen von der A 38 (Südharzautobahn) durchzogen. Parallel zu dieser verlief die Bundesstraße 80 (hinabgestuft zur Landesstraße L3080). Von Norden nach Süden durchquert die Bundesstraße 4 den Landkreis (im Norden teilweise für LKW gesperrt). Nördlich von Nordhausen zweigt bei Netzkater die wichtige B 81 nach Magdeburg ab. In Richtung Nordwesten führt die B 243 in den Landkreis Osterode und zur A 7.

Wichtigste Eisenbahnstrecke ist die Bahnstrecke Halle–Hann. Münden. Sie ist zweigleisig und seit 1994 elektrifiziert. Weitere wichtige Strecken sind die Linien von Nordhausen nach Herzberg am Harz und Northeim („Südharzstrecke“) und von Wolkramshausen nach Erfurt. Nordhausen ist außerdem der südliche Endpunkt der Harzer Schmalspurbahnen.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die höchste Bildungseinrichtung im Landkreis ist die Hochschule Nordhausen, gegründet 1997.

Städte und Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Einwohner am 31. Dezember 2015[5])

Einheitsgemeinden und beauftragende Gemeinden

Städte
1 erfüllende Gemeinde für weitere Gemeinden

  1. Bleicherode 1 (6173)
  2. Ellrich (5580)
  3. Heringen/Helme, Landgemeinde 1 (4869)
  4. Nordhausen, Große kreisangehörige Stadt (42.217)

Gemeinden
2 erfüllende Gemeinde

  1. Etzelsrode (Stadt Bleicherode 2) (89)
  2. Friedrichsthal (Stadt Bleicherode 2) (223)
  3. Görsbach (Stadt/Landgemeinde Heringen/Helme 2) (1045)
  4. Hohenstein (2200)
  5. Kehmstedt (Stadt Bleicherode 2) (471)
  6. Kleinbodungen (Stadt Bleicherode 2) (347)
  7. Kraja (Stadt Bleicherode 2) (287)
  8. Lipprechterode (Stadt Bleicherode 2) (526)
  9. Niedergebra (Stadt Bleicherode 2) (671)
  10. Sollstedt (3016)
  11. Urbach (Stadt/Landgemeinde Heringen/Helme 2) (914)
  12. Werther (3293)
Thüringen Bleicherode Buchholz Ellrich Etzelsrode Friedrichsthal Görsbach Großlohra Hainrode (Hainleite) Harztor Harzungen Heringen/Helme Herrmannsacker Hohenstein Kehmstedt Kleinbodungen Kleinfurra Kraja Lipprechterode Neustadt/Harz Niedergebra Nohra Nordhausen Sollstedt Urbach Werther Wipperdorf WolkramshausenMunicipalities in NDH.png
Über dieses Bild

Verwaltungsgemeinschaften
* Verwaltungssitz

  1. Großlohra (917)
  2. Hainrode (357)
  3. Kleinfurra (1066)
  4. Nohra (834)
  5. Wipperdorf (1359)
  6. Wolkramshausen * (947)
  1. Buchholz (210)
  2. Harztor, Landgemeinde * (6059)
  3. Harzungen (200)
  4. Herrmannsacker (350)
  5. Neustadt/Harz (1135)

Zu den Begriffen „Verwaltungsgemeinschaft“ bzw. „erfüllende Gemeinde“ siehe Verwaltungsgemeinschaft und erfüllende Gemeinde (Thüringen).

Gebietsveränderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungsgemeinschaften und erfüllende Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gründung der Verwaltungsgemeinschaft Helmetal (6. Juni 1991)
  • Gründung der Verwaltungsgemeinschaft Hainleite (1. August 1991)
  • Gründung der Verwaltungsgemeinschaft Goldene Aue (18. März 1992)
  • Gründung der Verwaltungsgemeinschaft Eichsfelder Pforte (9. April 1993)
  • Erweiterung der Verwaltungsgemeinschaft Hainleite um die Gemeinden Großlohra, Kleinfurra und Wipperdorf (6. November 1993)
  • Gründung der Verwaltungsgemeinschaft Hohnstein/Harz (6. April 1994)
  • Erweiterung der Verwaltungsgemeinschaft Helmetal um die Gemeinden Mauderode und Pützlingen (18. Juni 1994)
  • Die Stadt Bleicherode wird erfüllende Gemeinde für Etzelsrode, Friedrichsthal, Kehmstedt, Kleinbodungen, Kraja, Lipprechterode, Niedergebra und Obergebra (1. Juli 1994)
  • Die Stadt Nordhausen wird erfüllende Gemeinde für Steigerthal (23. September 1995)
  • Erweiterung der Verwaltungsgemeinschaft Goldene Aue um die Gemeinde Urbach (21. Dezember 1995)
  • Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft Eichsfelder Pforte – Wülfingerode wird in die Gemeinde Sollstedt eingliedert, diese wird erfüllende Gemeinde für Rehungen (3. Juni 1996)
  • Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft Grenzland – Bildung der Gemeinde Hohenstein aus den Mitgliedsgemeinden (17. Oktober 1996)
  • Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft Helmetal – Bildung der Gemeinde Werther aus den Mitgliedsgemeinden (31. Dezember 1996)
  • Die Stadt Nordhausen ist nicht länger erfüllende Gemeinde für Steigerthal (31. März 1999)
  • Die Stadt Bleicherode ist nicht länger erfüllende Gemeinde für Obergebra (1. Dezember 2007)
  • Ausgliederung der Gemeinden Petersdorf, Rodishain und Stempeda aus der Verwaltungsgemeinschaft Hohnstein/Südharz (1. Dezember 2007)
  • Die Gemeinde Sollstedt ist nicht länger erfüllende Gemeinde für Rehungen (1. Januar 2009)
  • Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft Goldene Aue – Die Mitgliedsgemeinden schließen sich, mit Ausnahme von Görsbach und Urbach zur Stadt/Landgemeinde Heringen/Helme zusammen; diese wird erfüllende Gemeinde für Görsbach und Urbach (1. Dezember 2010)

Kfz-Kennzeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang 1991 erhielt der Landkreis das Unterscheidungszeichen NDH. Es wird durchgängig bis heute ausgegeben.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Lauerwald: Von der preußischen Grafschaft Hohnstein zum Landkreis Nordhausen. In: Meyenburg-Museum (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde aus Stadt und Kreis Nordhausen. Heft 24. Nordhausen 1999, DNB 015218104, OCLC 29716216, S. 3–8.
  • Frank Boblenz: Die Bildung des Hohnsteiner Kreises. In: Meyenburg-Museum (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde aus Stadt und Kreis Nordhausen. Heft 24. Nordhausen 1999, DNB 015218104, OCLC 29716216, S. 9–18.
  • Albrecht Pfeiffer: Die Geschichte der Landwirtschaft im Landkreis Nordhausen. In: Meyenburg-Museum (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde aus Stadt und Kreis Nordhausen. Heft 24. Nordhausen 1999, DNB 015218104, OCLC 29716216, S. 19–37.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Landkreis Nordhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).
  2. Partnerschaften des Unterallgäus. Abgerufen am 7. November 2008.
  3. http://www.wahlen.thueringen.de/datenbank/wahl1/WAHL.asp?wahlart=KW&wJahr=2014&zeigeErg=WK&auswertung=1&wknr=062&gemnr=&terrKrs=&gemteil=000&buchstabe=&Langname=&wahlvorschlag=&sort=&druck=&XLS=&anzahlH=0&Nicht_existierende=&optik=&aktual=&ShowLand=&ShowWK=&ShowPart=
  4. NNZ-Online.de: Landratswahl 2015 - Stichwahl (vorläufiges Endergebnis), 10. Mai 2015.
  5. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).