Liste der von den Vereinten Nationen nicht als selbstständige Staaten anerkannten Gebiete

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
  • Keinerlei internationale Anerkennung
  • Nicht-UNO-Mitglied, nur von anderen Nicht-UNO-Mitgliedern anerkannt
  • Nicht-UNO-Mitglied, von mindestens einem UNO-Mitglied anerkannt
  • UNO-Mitglied, von mindestens einem anderen UNO-Mitglied nicht anerkannt

Diese Liste sammelt verschiedene geopolitische Einheiten, die von den Vereinten Nationen nicht als selbstständige Staaten anerkannt werden.

Die meisten dieser Länder sind Teile einer Nation mit einer eigenen nationalen Identität, die sich von ihrem Mutterland abgespalten haben. Man bezeichnet sie daher als (englisch) „break-away“-Staaten. Sie sind zwar nach der Drei-Elemente-Theorie Staaten, werden aber vom Großteil der etablierten Staaten nicht als solche anerkannt. Diese Länder werden im Deutschen als De-facto-Regime bezeichnet. Anders als oft angenommen, verletzt laut Urteil des Internationalen Gerichtshofs von 2010 die einseitige Unabhängigkeitserklärung von Teilen eines Staates keine Regeln des Völkerrechts.

Einige Territorien sind selbstverwaltete autonome Regionen oder Protektorate mit militärischem Schutz und informellen diplomatischen Auslandsvertretungen durch einen anderen Staat.

Aktuelle Staatsgebilde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicht-Mitglieder der Vereinten Nationen mit eingeschränkter internationaler Anerkennung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staaten, die die Republik Abchasien anerkennen
Nach der Besetzung des unabhängigen Georgiens durch das bolschewistische Russland 1921 wurde Abchasien zunächst von Georgien getrennt, im Jahre 1931 wurde es jedoch zu einer Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik (ASSR) innerhalb der Georgischen SSR. 1992 rief der Oberste Sowjet der Abchasischen ASSR die Unabhängigkeit von Georgien aus, was zu einem Krieg (1992–1994) führte. Der Waffenstillstand vom Juni 1994 hat im Wesentlichen standgehalten und Abchasien außerhalb der Kontrolle der Regierung Georgiens belassen. Im Zuge des Kaukasuskrieg 2008 wurde die Unabhängigkeit Abchasiens anerkannt:
  • am 26. August 2008 von Russland,
  • am 5. September 2008 von Nicaragua,[1]
  • am 10. September 2009 von Venezuela[2]
  • am 15. Dezember 2009 von Nauru[3]
  • am 23. Mai 2011 von Vanuatu,
  • am 18. September 2011 von Tuvalu.

Vanuatu und Tuvalu zogen die Anerkennung 2013 bzw. 2014 wieder zurück.

Staaten mit diplomatischen Beziehungen zur Republik China
Siehe auch: Taiwan-Konflikt
Staaten, die die Republik Kosovo anerkennen
Staaten, die die Republik Südossetien anerkennen
Nach der Besetzung des unabhängigen Georgiens durch das bolschewistische Russland 1921 wurde es als Südossetische Autonome Oblast in Georgien Teil der Sowjetunion. Im Jahr 1991 wurde die Unabhängigkeit ausgerufen und 1992 ein Waffenstillstand vereinbart. Nach erneuten militärischen Auseinandersetzungen und einem Eingreifen Russlands wurde die Unabhängigkeit Südossetiens anerkannt:
  • am 26. August 2008 von Russland,
  • am 5. September 2008 von Nicaragua,[1]
  • am 10. September 2009 von Venezuela,[2]
  • am 16. Dezember 2009 von Nauru[3] und
  • am 19. September 2011 von Tuvalu.

Tuvalu zog die Anerkennung 2014 wieder zurück.

  • NordzypernTürkische Republik Nordzypern Die Türkische Republik Nordzypern geht auf den Türkischen Bundesstaat von Zypern zurück, der 1975 im nördlichen Teil Zyperns ausgerufen worden war, nachdem 1974 türkische Truppen im Zypernkonflikt interveniert und den nördlichen Teil der Insel besetzt hatten. 1983 erklärte der Türkische Bundesstaat von Zypern unter dem Namen Türkische Republik Nordzypern seine Unabhängigkeit. Diese wird von einem UN-Mitgliedstaat, der Türkei, anerkannt. Ein Plan der Vereinten Nationen mit dem Ziel, die beiden zypriotischen Staaten zu vereinen, wurde in einem Referendum von der Bevölkerung der Türkischen Republik Nordzypern angenommen, jedoch von der Bevölkerung des von der Regierung der Republik Zypern kontrollierten Teiles der Insel abgelehnt. Weitere Versuche, eine Wiedervereinigung herbeizuführen, sind bislang erfolglos geblieben.

Staatliche und staatsähnliche Gebiete ohne die gewünschte internationale Anerkennung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bergkarabach RepublikBergkarabach Die Republik Bergkarabach in Aserbaidschan ist (seit 1991) ein selbsternannter und teilweise funktionsfähiger unabhängiger Staat, jedoch nicht als unabhängig anerkannt. Auch Armenien erkennt den Staat nicht an, behält sich dies aber im Falle des Scheiterns von Verhandlungen vor. International wird es als Teil von Aserbaidschan gesehen, wird jedoch mehrheitlich von Armeniern bewohnt. Die Republik ist Teil der Gemeinschaft nicht anerkannter Staaten, deren Mitgliedstaaten einander anerkennen.
  • SomalilandSomaliland Die Republik Somaliland (seit 1991)1 befindet sich im Nordwesten Somalias. Im Mai 1991 riefen Politiker im Norden eine unabhängige Republik Somaliland aus, die mittlerweile fünf der achtzehn Verwaltungsregionen von Somalia umfasst. Dies entspricht dem Britischen Somaliland, welches sich zwischen Äthiopien, Dschibuti, Puntland und dem Golf von Aden erstreckte.
  • TransnistrienTransnistrien Transnistrien ist der Teil Moldawiens östlich des Flusses Dnister und seit 1990 ein selbsternannter, teilweise funktionsfähiger Staat ohne internationale Anerkennung irgendeines UN-Mitgliedstaates. Die Bevölkerung besteht in der Mehrzahl aus Ostslawen im Gegensatz zur Gesamtheit Moldawiens mit einer Majorität Moldauern. Die Republik ist Teil der Gemeinschaft nicht anerkannter Staaten, deren Mitgliedstaaten einander anerkennen. Transnistrien hat mehrfach um eine Aufnahme in die russische Föderation gebeten.

Gebiete unter militärischer Okkupation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DARS ist ein vollwertiges Mitglied der Afrikanischen Union, jedoch auch die Mehrheit der AU-Einzelstaaten erkennt die Republik noch nicht (oder zwischenzeitlich wieder nicht) an. Die Hoheitsansprüche sind ungeklärt, und die Vereinten Nationen streben mittels der Mission MINURSO ein Referendum an, um die Lage zu klären. Seit 1991 besteht ein von der UN überwachter Waffenstillstand.

Staatsgebilde ohne Anspruch internationaler Anerkennung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Flag of Azania.svg Republik Azania (seit 2010 autonomer Teilstaat) auf dem Gebiet des vormaligen Jubaland-Staats (Somalia)
  • Flag of Galmudug (2013-2016).svg Galmudug ist seit 2006 autonomer Teilstaat im Bereich des international anerkannten Somalias
  • KSS flag.svg Khaatumo ist seit 2012 autonomer Teilstaat im Bereich des international anerkannten Somalias
  • Flag of Puntland.svg Puntland (seit 1998 autonomer Teilstaat), Integration als Bundesstaat in Somalia anvisiert

Historische Staatsgebilde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staaten mit eingeschränkter internationaler Anerkennung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • RhodesienRhodesien Rhodesien war eine britische Kolonie, die 1965 einseitig ihre Unabhängigkeit erklärte, was – ebenso wie die Ausrufung der Republik 1970 – nur von Südafrika anerkannt wurde. Nach Verhandlungen zwischen der weißen Minderheitsregierung und moderaten schwarzen Führern wurde 1979 daraus Simbabwe-Rhodesien, das bis zur Ausrufung der Republik Simbabwe 1980 ebenso international nicht anerkannt war.
  • BiafraBiafra Biafra kontrollierte ein Gebiet im Osten Nigerias von der Abspaltung im Mai 1967 bis zum endgültigen militärischen Niedergang im Januar 1970. Es wurde von vier afrikanischen Staaten (Elfenbeinküste, Gabun, Sambia, Tansania) und Haiti anerkannt.
  • Die Kampuchea 1979Kampuchea Volksrepublik Kampuchea (1979–1989) wurde nach der vietnamesischen Invasion und Besetzung und der Niederlage der Roten Khmer in Kambodscha von der vietnamesischen Okkupationsmacht errichtet. Nur einige Ostblockstaaten erkannten diese an, wohingegen die UN, China und die meisten anderen Staaten weiterhin das gestürzte Demokratische Kampuchea der Roten Khmer anerkannten.
  • Von Südafrika während der Apartheid in formelle Unabhängigkeit entlassene Homelands (auch Bantustan genannt), die ausschließlich von Südafrika und den jeweils anderen drei Homelands anerkannt waren. Sie waren faktisch vollständig von Südafrika abhängig und sind seit dem Ende der Apartheid 1994 wieder integraler Teil Südafrikas:
  • Itschkeria Tschetschenische RepublikTschetschenische Republik Itschkeria Tschetschenische Republik Itschkeria (1996–1999). Die vormalige Tschetschenische ASSR erklärte 1991 als Tschetschenische Republik Itschkeria ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion und Russland. Seit dem Zweiten Tschetschenienkrieg ist sie wiedereingegliedert in Russland. Eine Exilregierung besteht jedoch fort.
  • Das Afghanistan Islamisches Emirat 1997Islamisches Emirat Afghanistan Islamische Emirat Afghanistan (1996–2001) war lediglich von Saudi-Arabien, Pakistan und den Vereinigten Arabischen Emiraten anerkannt, alle anderen Staaten betrachteten während des Afghanischen Bürgerkriegs die Regierung von Präsident Burhānuddin Rabbāni als legitime Vertretung Afghanistans.
  • KrimKrim Die Republik Krim (11.–18. März 2014) wurde nur von Russland anerkannt,[6] nach Auffassung Russlands bildet das Gebiet seitdem den russischen Föderationskreis Krim. Die Ukraine erachtet die Halbinsel weiterhin als Teil ihres Staatsgebiets.

Staaten ohne die gewünschte internationale Anerkennung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • MNLA flag.svg Azawad in Mali erklärte am 6. April 2012 seine Unabhängigkeit, wurde von keinem Staat anerkannt und Anfang 2013 von malischen Truppen mit massiver französischer Hilfe zurückerobert.
  • KatangaKatanga Katanga erklärt 1960 die Unabhängigkeit von der kurz zuvor von Belgien unabhängig gewordenen Republik [sic!] Kongo. Die Sezession war Hauptursache der Kongokrise. Trotz Unterstützung durch Belgien wurde Katanga von keinem Staat anerkannt; 1963 wurde die abtrünnige Provinz von UN-Truppen erobert und die Sezession beendet.
  • Flag of Bougainville.svg Bougainville (Republik der Nördlichen Salomonen) (1990–1997) unterzeichnete einen Friedensvertrag mit Papua-Neuguinea, welcher der Insel, abhängig von einem Referendum zur Unabhängigkeit innerhalb einer Dekade, Autonomie verschafft.
  • GagausienGagausien Gagausien (1990–1994) ist heute ein Teil von Moldawien.
  • Flag of Serbian Krajina (1991).svg Republik Serbische Krajina (1991–1995) ist heute ein Teil von Kroatien.
  • Republika SrpskaRepublika Srpska Republika Srpska (1992–1995) ist heute eine der beiden Entitäten von Bosnien und Herzegowina.
  • Flag of Anjouan.svg Anjouan (1997–2002) ist heute Teil der Komoren.
  • Flag of Mohéli (official).svg Mohéli (1997–1998) ist heute Teil der Komoren.
  • Tamil Eelam war die Bezeichnung für die während des Bürgerkriegs in Sri Lanka (1983–2009) unter Verwaltung der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) stehenden Gebiete im Norden und Osten Sri Lanka. International wurde das Staatsgebilde von keinem Staat anerkannt; die LTTE wurden von vielen Staaten als Terrororganisation betrachtet.
  • Die Flag of Congo-Léopoldville (1960-1963).svg Volksrepublik Kongo wurde auf dem Höhepunkt des Simba-Aufstands am 7. September 1964 in Stanleyville, dem heutigen Kisangani von lumumbistischen Rebellen, ausgerufen. Die Rebellen erhielten zwar Unterstützung aus dem sozialistischen Lager, allerdings keine diplomatische Anerkennung. Der Aufstand wurde bis Dezember 1964 von Regierungstruppen niedergeschlagen.[7]
  • Flag of Novorussia.svg Föderativer Staat Neurussland (24. Mai 2014 – 18. Mai 2015) war eine Union zwischen der Volksrepublik Donezk und der Volksrepublik Lugansk. Im Mai 2015 wurde das Projekt für beendet erklärt.[8][9]
  • Flag of the Islamic State of Iraq and the Levant2.svg Islamischer Staat, abgekürzt IS, bezeichnet neben der gleichnamigen, als Terrorgruppe eingestuften Organisation, auch ein von dieser am 29. Juni 2014 in Syrien und im Irak ausgerufenes Kalifat. In den von der Organisation eroberten Gebieten entwickelten sich neben militärischen bald auch zivile staatliche Strukturen. Das Kalifat wurde jedoch von keinem anderen Staat anerkannt. In laufender militärischer Auseinandersetzung mit regulären syrischen oder irakischen Armeeverbänden, gegnerischen Rebellenmilizen und internationalen Streitkräften, verlor der IS bis zum Herbst 2017 die Kontrolle über sämtliche größeren Städte, zuletzt auch über das als Hauptstadt des Kalifats fungierende Rakka.

Staatsgebilde ohne Anspruch internationaler Anerkennung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Anerkennungsdekret (PDF; 230 kB)
  2. a b russland.RU vom 11. September 2009: Venezuela erkennt Südossetien und Abchasien an
  3. a b net-tribune.DE vom 15. Dezember 2009: Pazifikstaat Nauru erkennt Abchasien und Südossetien an (Memento vom 29. März 2010 im Internet Archive)
  4. Pristina: Kosovo erklärt sich für unabhängig, Spiegel Online, 17. Februar 2008.
  5. On Day of Solidarity with Palestinians, Ban stresses urgency of reaching two-state solution. In: UN News Centre. UN Publications, 29. November 2012, abgerufen am 30. November 2012 (englisch).
  6. Putin signs order to recognize Crimea as a sovereign independent state, RT.com, 17. März 2014.
  7. Thomas Kacza: Die Kongo-Krise 1960-1965. Centaurus-Verlagsgesellschaft, Pfaffenweiler 1990, ISBN 978-3-89085-477-9, S. 164.
  8. Neurussland ist beendet, Gaseta.ru, 20. Mai 2014.
  9. Russian-backed 'Novorossiya' breakaway movement collapses, Ukraine Today, 20. Mai 2015