Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm

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Filmdaten
OriginaltitelMackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm
ProduktionslandDeutschland, Belgien
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr2018
Länge135 Minuten
AltersfreigabeFSK 6[1]
Stab
RegieJoachim A. Lang
DrehbuchJoachim A. Lang
ProduktionMichael Souvignier,
Till Derenbach
MusikHK Gruber
KameraDavid Slama
SchnittAlexander Dittner
Besetzung

Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm (Arbeitstitel: Brechts Dreigroschenfilm) ist ein deutsch-belgischer Spielfilm von Joachim A. Lang aus dem Jahr 2018 mit Lars Eidinger als Bertolt Brecht, Tobias Moretti als Macheath/Mackie Messer, Hannah Herzsprung als Polly/Carola Neher und Robert Stadlober als Kurt Weill. Die Premiere erfolgte am 28. Juni 2018 im Rahmen des Filmfests München, wo die Produktion als Eröffnungsfilm gezeigt wurde.[2] Der Film kam am 13. September 2018 in die deutschen Kinos.[3]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund des großen Erfolges der im August 1928 in Berlin uraufgeführten Dreigroschenoper von Bert Brecht und der Moritat von Mackie Messer von Kurt Weill soll der Stoff verfilmt werden. Während Brecht versucht seine große künstlerische Vision umzusetzen, sind die Filmproduzenten in erster Linie am finanziellen Erfolg der Produktion interessiert. Allerdings weigert sich Brecht, sich deren Vorgaben, Regeln und ökonomischen Zwängen zu beugen. Er möchte eine kompromisslose und radikale Version schaffen. In der Folge verklagt er die Produktionsfirma im Dreigroschenprozess und kämpft um seine künstlerische Freiheit.[2][4][5]

Produktion und Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dreharbeiten fanden vom 3. März bis zum 15. Mai 2017 in Baden-Württemberg, Berlin und Belgien statt. Zu den Drehorten in Baden-Württemberg gehörten der Ahnensaal des Rastatter Schlosses, Schloss Favorite bei Rastatt,[6] ehemalige Fabrikgebäude von E. Holtzmann & Cie. in Weisenbach[7] und Henning Schmiedetechnik in Metzingen,[8] die Stadtbibliothek am Mailänder Platz in Stuttgart und die Villa Fuchs in Heilbronn.[9] In den belgischen Großstädten Gent und Antwerpen fanden sich Motive, die das London der viktorianischen Zeit darstellten.[10] Im Bourla-Theater in Antwerpen wurde die Anfangsszene des Films gedreht, eine Generalprobe, die 1928 im Berliner Theater am Schiffbauerdamm stattfand.[11]

Produziert wurde der Film von der deutschen Zeitsprung Pictures GmbH, Koproduzent war die belgische Velvet Films. Beteiligt waren der Südwestrundfunk, Arte, der Rundfunk Berlin-Brandenburg und der Norddeutsche Rundfunk. Unterstützt wurde die Produktion von der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg und dem Deutschen Filmförderfonds.[3]

Für das Kostümbild zeichnete Lucia Faust verantwortlich, für den Ton Eric Rueff, für das Szenenbild Benedikt Herforth, und für das Maskenbild Jeanette Latzelsberger. Getanzt wurde von der Gauthier Dance Company nach einer Choreografie von Eric Gauthier. Die Musik von HK Gruber wurde vom SWR Symphonieorchester, der SWR Big Band und dem SWR Vokalensemble aufgenommen.[3]

In seinem Kinofilmdebüt verwebt Regisseur und Drehbuchautor Joachim A. Lang die wahre Geschichte von Brechts fehlgeschlagenem Versuch, den Stoff der im August 1928 in Berlin uraufgeführten Dreigroschenoper zu verfilmen mit den Liedern und der Handlung daraus. Der Film versucht einerseits zu zeigen, wie Brecht sein Werk nach eigenen Vorstellungen vielleicht umgesetzt hätte, andererseits das historische Umfeld in der Zeit der Weltwirtschaftskrise und des aufkommenden Faschismus. Realität und Fiktion werden verschmolzen, indem zwischen Brechts Rechtsstreit und seinem geplanten, aber von ihm nicht realisierten Filmprojekt gewechselt wird. Brechts Aussagen im Film beruhen dabei auf Zitaten aus seinem Leben und Werk.[2][5][4]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manuel Brug bezeichnete den Film in der Welt als „eine Art Jack the Ripper im La-La-Land“ und schrieb: „Vergessen ist Gesellschaftskritik und linke Dichtermoral, Deutschlands beste Schauspieler schwelgen stattdessen im Musicalplüsch und genießen [...] ihre melodiösen Seitensprünge. Welche sie fabelhaft absolvieren! Und deshalb muss man diesen Film sehen.“[12]

Sidney Schering bezeichnete den Film auf Quotenmeter.de als „fordernde, kultivierte, gute Unterhaltung“ und befand, dass Brecht-Novizen von Eidingers ansprechender, launiger Darbietung als Brecht in die Theorien und Überzeugungen des Autoren eingeführt würden, Brecht-Kenner könnten sich dagegen an Langs passionierter Brecht-Hommage ergötzen.[13]

Norbert Mayer befand in der österreichischen Tageszeitung Die Presse, dass der Film rasant choreografiert sei, beschwingt und schräg gesungen sowie lustvoll und gerissen gespielt, sodass selbst größte Ungerechtigkeiten nicht mehr wehtun würden, in historisierender Kulisse würde zudem reichlich Kitsch geboten. „Die Dreigroschenoper ist ein Versuch, der völligen Verblödung der Oper entgegenzuwirken“, so Brecht im Film nach der Uraufführung des Werks. Norbert Mayer meinte dazu, dass dieser Versuch auch Lang gelingt, er unterhält und belehrt zugleich. In Lars Eidinger habe er außerdem „eine ideale Besetzung für die Dichterrolle gefunden – als allwissendes Brecht-Zitat [...] ist er gewitzt, fokussiert und, wenn es sein muss, knallhart.“[14]

Ursula Scheer urteilte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Regisseur Joachim A. Lang weiß zu viel und überfrachtet sein Werk damit bis zur Ermüdung. [...] Irgendwo zwischen La La Land, Moulin Rouge und Babylon Berlin wäre Lang wohl gerne gelandet mit seinem Montagewerk. Allein, es fehlt an Leichtigkeit und dem Willen zur klugen Selbstbeschränkung. Dieser Dreigroschenfilm erstickt an seiner Fülle.“[15]

Auszeichnungen und Nominierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film war eine von elf deutschen Einreichungen für die Oscarverleihung 2019 für die Kategorie des besten fremdsprachigen Films.[18]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 172562/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. a b c „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ eröffnet das 36. FILMFEST MÜNCHEN. Artikel vom 29. Mai 2018, abgerufen am 7. Juni 2018.
  3. a b c Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm. In: filmportal.de. Deutsches Filminstitut, abgerufen am 7. Juni 2018.
  4. a b Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm. Abgerufen am 7. Juni 2018.
  5. a b Filmfest München: Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm. Abgerufen am 7. Juni 2018.
  6. Brecht wird kräftig entstaubt. In: BNN.de. 23. März 2017, abgerufen am 29. Juni 2018.
  7. Großes Kino im Weisenbacher Bauhof. In: Gemeindeanzeiger Weisenbach. 6. April 2017, S. 6 f., abgerufen am 29. Juni 2018 (PDF; 1 MB).
  8. Locationtour führt zu außergewöhnlichen Orten in der Region Neckar-Alb. In: MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (Hrsg.): FilmFacts Südwest. Nr. 3/2017. Stuttgart Oktober 2017, S. 18 (mfg.de [PDF; 1,7 MB]).
  9. Dreharbeiten in Heilbronner Villa. Artikel vom 13. März 2017, abgerufen am 7. Juni 2018.
  10. Ein Gespräch mit Michael Souvignier. In: Pressemappe Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm, S. 20. (PDF; 4,38 MB, abgerufen am 29. Juni 2018).
  11. Sonja Zekri: Und der Haifisch, der hat Zähne. In: Sueddeutsche.de. 28. Juni 2018, abgerufen am 29. Juni 2018.
  12. Siehst du den Mond über La-La-Land?. Artikel vom 13. September 2018, abgerufen am 15. September 2018.
  13. «Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm»: Brecht für Novizen und Verehrer. Artikel vom 13. September 2018, abgerufen am 15. September 2018.
  14. diepresse.com: Mehr als nur ein Dreigroschenfilm. Artikel vom 14. September 2018, abgerufen am 18. September 2018.
  15. FAZ: „Brechts Dreigroschenfilm“ : Fast wär’s Kino geworden. Artikel vom 15. September 2018, abgerufen am 18. September 2018.
  16. Deutsche Filmbewertung und Medienbewertung FBW: Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm. Abgerufen am 7. Juni 2018.
  17. Die Nominierungen für den Förderpreis Neues Deutsches Kino. Artikel vom 18. Juni 2018, abgerufen am 18. Juni 2018.
  18. Romy oder Richter: Wer vertritt Deutschland beim Oscar? . Artikel vom 28. August 2018, abgerufen am 8. September 2018.