Nelly Sachs

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Nelly Sachs, 1910

Nelly Sachs (eigentlich Leonie Sachs; * 10. Dezember 1891 in Berlin-Schöneberg; † 12. Mai 1970 in Stockholm) war eine jüdische deutsch-schwedische Schriftstellerin und Lyrikerin. 1966 verlieh das Nobelpreiskomitee ihr – gemeinsam mit Samuel Joseph Agnon – den Nobelpreis für Literatur „für ihre hervorragenden lyrischen und dramatischen Werke, die das Schicksal Israels mit ergreifender Stärke interpretieren“.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel an Nelly Sachs’ Geburtshaus in Berlin-Schöneberg, Maaßenstraße 12

Nelly Sachs wurde 1891 im damals noch selbständigen Schöneberg als einziges Kind in die Familie des Ingenieurs, Erfinders und Gummi- und Guttaperchawaren-Fabrikanten Georg William Sachs (1858–1930) und seiner Frau Margarete, geborene Karger (1871–1950), geboren; sie wuchs in einer assimilierten jüdisch-großbürgerlichen Atmosphäre auf. In ihrer frühen Jugendzeit hatte sie den großen Wunsch, Tänzerin zu werden. Einige Jahre später begann dann ihre Leidenschaft für die deutsche Lyrik und das Schreiben von Gedichten. Aufgrund ihrer kränklichen Konstitution wurde sie zunächst drei Jahre von Privatlehrern unterrichtet, bevor sie 1903 in eine Höhere Töchterschule eintrat, wo sie fünf Jahre später ihr Einjähriges, das der Mittleren Reife entspricht, absolvierte.

Mit 15 Jahren war sie so fasziniert von Selma Lagerlöfs Debütroman Gösta Berling, dass sie mit der schwedischen Schriftstellerin in einen Briefwechsel eintrat, der über 35 Jahre andauerte.

Erste Gedichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berliner Gedenktafel im Hansaviertel, Lessingstraße 5, vor der Hansaschule

Erste Gedichte schrieb Nelly Sachs mit 17 Jahren. 1921 erschien mit Unterstützung des Schriftstellers Stefan Zweig ihr erster Gedichtband unter dem Titel Legenden und Erzählungen. Die frühen, melancholisch gefärbten Gedichte sind noch ganz von neoromantischen Einflüssen geprägt und kreisen um Motive aus Natur und Musik. Bei der Herausgabe ihrer gesammelten Werke nahm Nelly Sachs diese Gedichte später jedoch nicht mit auf.

Sie lebte mit ihren Eltern zurückgezogen und nahm wenig am gesellschaftlichen Leben der 1920er Jahre teil. Gegen Ende des Jahrzehnts wurden ihre Gedichte in verschiedenen Berliner Zeitungen gedruckt, darunter in der Vossischen Zeitung, dem Berliner Tageblatt und der Zeitschrift Die Jugend. Kritik und Publikum erkannten ihre Lyrik gleichermaßen an. Frühere Gedichte mit eher experimentellem Charakter und einem die traditionellen Wege verlassenden, schwerer verständlichen Stil hatte die Dichterin hingegen wieder vernichtet.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach jahrelanger Krebserkrankung starb ihr Vater 1930, woraufhin Nelly Sachs mit ihrer Mutter in ein Mietshaus in der Lessingstraße im Berliner Hansaviertel umzog, das noch in mütterlichem Besitz war.[1] In den 1930er Jahren lebten sie so unauffällig und zurückgezogen, wie das für Juden möglich und notwendig war.

Nelly Sachs blieb unverheiratet, nachdem eine Liebesbeziehung zu einem geschiedenen Mann vom Vater unterbunden worden war. Allerdings hielt sie die Beziehung zu dem namentlich unbekannten Mann vermutlich über Jahrzehnte aufrecht und wurde zu Beginn des Zweiten Weltkriegs zusammen mit ihm verhaftet. In einigen Gedichten ist später von einem „Bräutigam“ die Rede, der in einem Konzentrationslager umgekommen sei. Genaueres dazu ist nicht bekannt.

Wiederholt wurde Sachs zu Gestapo-Verhören einbestellt; die Wohnung wurde von SA-Leuten geplündert. Gezwungenermaßen setzte sie sich mit ihrer jüdischen Herkunft auseinander; sie bekam zu Beginn des Krieges Martin Bubers Erzählungen der Chassidim zu lesen und fand darin vertrautes mystisches Gedankengut wieder, das ihr Kraft gab.

Flucht nach Schweden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erst spät entschloss sich Nelly Sachs, mit ihrer Mutter aus Deutschland zu fliehen. Ihre Freundin Gudrun Harlan, eine Nichte des Schriftstellers und Dramaturgen Walter Harlan, reiste im Sommer 1939 nach Schweden, um Hilfe von Selma Lagerlöf für ein schwedisches Visum zu erbitten. Diese jedoch konnte ihr wegen ihres Gesundheitszustandes nicht mehr helfen; sie starb, bevor Sachs in Schweden eintraf. Harlan wandte sich an den „Malerprinzen“ Eugen, einen Bruder des schwedischen Königs, der sie schließlich unterstützte. Nach monatelangen bürokratischen Hemmnissen konnten Nelly Sachs und ihre Mutter im Mai 1940 buchstäblich im letzten Moment – der Befehl für den Abtransport in ein Lager war bereits eingetroffen – mit einem Flugzeug Deutschland Richtung Stockholm verlassen.

In Schweden lebten die beiden Frauen unter ärmlichen Verhältnissen in einer Einzimmerwohnung im Süden Stockholms. Nelly Sachs kümmerte sich um ihre alte Mutter und arbeitete zeitweise als Wäscherin, um zum Lebensunterhalt beizutragen. Sie begann Schwedisch zu lernen und moderne schwedische Lyrik ins Deutsche zu übersetzen. Ihre eigene Poesie entwickelte sich während der Kriegsjahre völlig weg vom früheren romantischen Stil. Die Gedichte von 1943/1944, die später in der Sammlung In den Wohnungen des Todes erscheinen sollten, enthalten Bilder von Schmerz und Tod, sind eine einzige Todesklage für ihr gequältes Volk. Neben den Gedichten entstanden in den 1940er Jahren die zwei Dramen Eli und Abram im Salz.

Nachkriegsjahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstein im Nelly-Sachs-Park, Berlin-Schöneberg

In der Nachkriegszeit schrieb Nelly Sachs weiterhin mit einer hochemotionalen, herben, aber dennoch zarten Sprache über das Grauen des Holocaust. Ihr Biograf Walter A. Berendsohn nannte die Gedichte 1946 „klagend, anklagend und verklärend“:

„O die Schornsteine
Auf den sinnreich erdachten Wohnungen des Todes,
Als Israels Leib zog aufgelöst in Rauch
Durch die Luft –
Als Essenkehrer ihn ein Stern empfing
Der schwarz wurde
Oder war es ein Sonnenstrahl?“

O die Schornsteine, in: In den Wohnungen des Todes, 1947

Die beiden Bände In den Wohnungen des Todes und Sternverdunkelung (1949) wurden zunächst in Ost-Berlin auf Betreiben Johannes R. Bechers veröffentlicht; weder in der Schweiz noch in den westlichen Zonen Deutschlands wurden Gedichte von Nelly Sachs gedruckt. Auch 1949 noch wurde der zweite Gedichtband Sternverdunkelung, in Amsterdam verlegt, von der Kritik zwar gelobt, in der jungen Bundesrepublik jedoch kaum gelesen. In der DDR-Zeitschrift Sinn und Form erschienen einige ihrer Texte. Die finanzielle Misere für Sachs und ihre Mutter dauerte an, so dass sie weiterhin mit Übersetzungen ein Auskommen suchte.

Anfang 1950 starb die Mutter von Nelly Sachs, was sie psychisch schwer traf. In den 1950er Jahren begann sie eine Korrespondenz mit Paul Celan, den sie 1960 auch in Paris besuchte. Erst 1953 erhielt sie die schwedische Staatsbürgerschaft.

Zeit der Anerkennung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nelly Sachs im Jahr 1966

Gegen Ende des Jahrzehnts, nach Jahren der Isolation, wurde sie mit ihrem Werk schließlich auch im gesamten deutschsprachigen Raum zur Kenntnis genommen. Und niemand weiß weiter und Flucht und Verwandlung, Gedichtbände mit Einflüssen des französischen Surrealismus, erschienen 1957 und 1959 in Hamburg, München und Stuttgart. Das Mysterienspiel Eli wurde 1959 als Hörspiel beim Südwestfunk ausgestrahlt. Nelly Sachs wurde von der jungen Literaturwelt der Bundesrepublik „entdeckt“.

Aus Deutschland erfolgte eine erste Anerkennung als Lyrikerin, die Ehrengabe des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im Bundesverband der Deutschen Industrie, diese wurde ihr 1959 noch in Abwesenheit verliehen.[2] 1960 nahm die Freie Akademie der Künste in Hamburg Nelly Sachs als Mitglied auf. Nelly Sachs wollte nicht zurück nach Deutschland, zu groß war immer noch ihre Angst. Auch zeigten sich Anzeichen einer psychischen Krankheit, und nachdem sie 1960 zur Verleihung des Meersburger Droste-Preises das erste Mal seit zwanzig Jahren Deutschland betreten hatte, brach sie nach ihrer Rückkehr nach Schweden zusammen. Insgesamt verbrachte sie drei Jahre in einer Nervenheilanstalt bei Stockholm.

Die Stadt Dortmund stiftete 1961 den Nelly-Sachs-Preis und verlieh ihn der Namensgeberin.

Als erste Frau erhielt sie 1965 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, was sie erneut zu einer Reise nach Deutschland veranlasste.[3]

An ihrem 75. Geburtstag erhielt Nelly Sachs am 10. Dezember 1966 zusammen mit Samuel Joseph Agnon den Literaturnobelpreis aus der Hand des schwedischen Königs Gustavs VI. Adolf. Ihre kurze Dankesrede hielt sie auf Deutsch, dabei zitierte sie ein eigens für diese Zeremonie geschriebenes Gedicht, in dem es heißt:

„An Stelle von Heimat
halte ich die Verwandlungen der Welt“

Ihr Preisgeld verschenkte sie an Bedürftige, die Hälfte ging an ihre alte Freundin Gudrun Harlan. Sie selbst zog sich in ihren letzten Jahren wieder von der Öffentlichkeit zurück. 1967 musste sie eine geplante Israel-Reise auf Anraten des Arztes absagen, setzte sich aber in einem öffentlichen Telegramm für den Empfang von Günter Grass durch den israelischen Schriftstellerverband in Jerusalem ein. Ihr psychisches Leiden führte zu einem weiteren Aufenthalt in der Nervenklinik.

Seit den frühen 1960er-Jahren finden sich Vertonungen ihrer Gedichte, vorzugsweise im deutschsprachigen Raum. Im Jahr des Nobelpreises hat Nelly Sachs selber davon geschrieben, dass sich das Wort „nach seiner Ausatmung in Mimus und Musik“ verlängere, dass die Ausatmung des Worts schon Musik sei.[4] Ihr Drama Abram (1944–56) trägt den Untertitel Ein Spiel für Wort – Mimus – Musik. Namhafte Komponisten fühlten sich von ihrer subtil-expressiven Sprache und von den Metaphern und Bildern der Texte zu ausdrucksstarker Musik angeregt und eröffneten mit ihren Liedern und Instrumentalklängen öffentlichkeitswirksame Präsentationsformen für die Lyrik. Nicht zuletzt wurde auf diesem Wege auch im Kulturbetrieb die Auseinandersetzung mit der Thematik von Judenvernichtung und Holokaust in Gang gesetzt.

Das Grab von Nelly Sachs in Stockholm

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nelly Sachs starb im Mai 1970 in einem Stockholmer Krankenhaus an einer Krebserkrankung, am Tag von Paul Celans Beerdigung. Sie ist auf dem jüdischen Friedhof des Norra begravningsplatsen von Solna im Norden von Stockholm beigesetzt.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DBP 1991 1575-R.JPG
  • 1991 gab die Deutsche Bundespost zu ihrem 100. Geburtstag eine Sondermarke im Wert von 100 Pfennig heraus.
  • Am 7. April 2016 wurde von der Bundesrepublik Deutschland aus Anlass des 125. Geburtstages eine 20-Euro-Silbergedenkmünze herausgegeben, welche die Titelzeile ihres Gedichts „Kommt einer von ferne“ enthält.
  • Im April 2016 hat die Deutsche Post zum 125. Geburtstag eine Sonderbriefmarke im Wert von 70 Cent herausgegeben.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sammel- und Werkausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In den Wohnungen des Todes. Mit Zeichnungen von Rudi Stern. Aufbau-Verlag, Berlin 1947.
  • Sternverdunkelung. Gedichte. Bermann-Fischer/Querido, Amsterdam 1949.
  • Eli. Ein Mysterienspiel vom Leiden Israels. Forssell, Malmö 1951 (Einmalige Auflage von 200 nummerierten und von der Dichterin signierten Exemplaren)
  • Die Leiden Israels. 1951
  • Fahrt ins Staublose. Gedichte. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1961.
    • Daraus Chor der Geretteten. In: Andreas Lixl-Purcell (Hrsg.): Erinnerungen deutsch-jüdischer Frauen 1900–1990. Reclam, Leipzig 1992, ISBN 3-379-01423-0., S. 380 f.
  • Zeichen im Sand. Die szenischen Dichtungen. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1962.
  • Suche nach Lebenden. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1971 (Neuauflage 1988).
  • Ausgewählte Gedichte. 1963
  • Glühende Rätsel. Insel, Frankfurt am Main 1964/1968 (erweiterte Ausgabe).
  • Landschaft aus Schreien. 1966
  • Teile dich Nacht. Gedichte. 1971
  • Gedichte. 1977
  • Frühe Gedichte und Prosa. 1983
  • Nelly Sachs – Werke. Kommentierte Ausgabe in vier Bänden.[6]
    • Band I: Gedichte 1940–1950. Herausgegeben von Matthias Weichelt. Suhrkamp, Berlin 2010, ISBN 978-3-518-42156-7.
    • Band II: Gedichte 1951–1970. Herausgegeben von Ariane Huml und Matthias Weichelt. Suhrkamp, Berlin 2010, ISBN 978-3-518-42157-4.
    • Band III: Szenische Dichtungen. Herausgegeben von Aris Fioretos, Suhrkamp, Berlin (erscheint Januar 2011), ISBN 978-3-518-42189-5.
    • Band IV: Prosa und Übertragungen. Herausgegeben von Aris Fioretos. Suhrkamp, Berlin 2010, ISBN 978-3-518-42190-1.
  • Gedichte. Herausgegeben von G. H. H., hochroth Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-942161-02-2.

Briefe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ruth Dinesen, Helmut Müssener (Hrsg.): Briefe der Nelly Sachs. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1984, ISBN 3-518-04589-X.
  • Barbara Wiedemann (Hrsg.): Paul Celan – Nelly Sachs. Briefwechsel. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1993, ISBN 3-518-40521-7 (1996 als Suhrkamp-Taschenbuch Band 2489, ISBN 3-518-38989-0).
  • Bernhard Albers (Hrsg.): Karl Schwedhelm – Nelly Sachs. Briefwechsel und Dokumente. Rimbaud, Aachen 1998, ISBN 3-89086-856-8 (= Karl Schwedhelm: Gesammelte Werke, Band 6).

Vertonungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der schwedische Komponist Moses Pergament schuf eine Oper auf der Grundlage von Eli (1958/59).
  • Heinz Holliger schrieb zwischen 1961 und 1965 (UA 1970) den „Versuch eines Ausbruchs für zwei Menschen und zwei Marionetten“ Der magische Tänzer und 1964 (UA) den Zyklus Glühende Rätsel für Mezzosopran und Ensemble.
  • Eva Schorr komponierte Fünf Lieder nach Nelly Sachs (1962).
  • Texte von Nelly Sachs bilden die Grundlage der Kantate Und immer für Sopran, neun Instrumente und Schlagzeug des Komponisten Günter Friedrichs (1962/63).
  • Walter Steffens vertonte drei Gedichte von Nelly Sachs in seinem Symphonischen Fragment für Alt, Männerchor und Orchester (1962). Texte von Nelly Sachs verwendete er auch in Neue Gleichnisse für Sopran, Flöte, Klarinette und Viola (1967). Eli nach dem gleichnamigen Werk von Nelly Sachs ist der Titel einer Oper von Walter Steffens (UA Dortmund 1967). Ming I [Verwundung des Hellen] ist der Titel eines auf Textvorlagen von Elfriede Szpetecki und Nelly Sachs basierenden Klavierquartetts (1975). Nelly Sachs’ Gedicht Völker der Erde ist Teil des gleichnamigen fünfsätzigen Zyklus für Mezzosopran und Klavier (UA Brakel 1997).
  • Texte von Nelly Sachs bilden die Grundlage einer Cantata da Camera für Sopran und acht Instrumente (1964) des italienischen Komponisten Boris Porena.
  • Wladimir Rudolfowitsch Vogel schrieb Fünf Lieder für Alt und Streichtrio (1965) nach Gedichten von Nelly Sachs.
  • Helmut Bornefeld vertonte Texte von Nelly Sachs in Psalm der Nacht für Sopran und Orgel (1965) sowie in Todesblumen für Mezzosopran, Flöte und Violoncello (1981).
  • Verdina Shlonsky schrieb unter dem Titel Glühende Rätsel fünf Lieder nach Gedichten von Nelly Sachs für mittlere Singstimme und Orchester (1966).
  • Textfragmente von Nelly Sachs wurden vertont von Friedhelm Döhl in Melancolia – Magische Quadrate für Orchester, Chor und Sopransolo (1967/68). Auch in Requiem 2000 (Atemwende) (2000) und dessen Variante Sternverdunkelung für Chor/Doppelchor, Bariton, Orgel und Orchester (2009) fanden Texte von Nelly Sachs ihre kompositorische Umsetzung.
  • Robert Christian Bachmann vertonte das Gedicht O die Schornsteine in seinem gleichnamigen Werk für Singstimme und Orchester im Jahre 1967. Das Werk wurde anlässlich des St.-Gellert-Festivals 2011 in der aktualisierten Szegediner Fassung mit Lisa Fornhammar und der St.-Gellért-Akademie unter Yoon Kuk Lee in Szeged uraufgeführt.[7]
  • Heinz Winbeck bearbeitete Glühende Rätsel zu einem Liederzyklus für Bariton und Klavier (1970).
  • Peter Ruzicka schrieb auf der Grundlage von Nelly Sachs’ Gedichten Ausgeweidet die Zeit – Drei Nachtstücke für Klavier (1971).
  • Hermann Reutter komponierte 4 Lieder nach Nelly Sachs (1972).
  • Texte von Nelly Sachs bilden die Grundlage von Psalm der Nacht für 16 Sängerinnen, zwei Männerchöre, Schlagwerk und Orgel von Udo Zimmermann (1976).
  • Isang Yun schuf nach drei Gedichten von Nelly Sachs den Liedzyklus Teile dich Nacht für Sopran und Kammerenasemble (1980). Weitere Werke nach Texten von Nelly Sachs sind O Licht für gemischten Chor, Violine und Schlagzeug (1981) sowie Der Herr ist mein Hirte für gemischten Chor und Posaune (1981). Yuns fünfte Sinfonie für Bariton und Orchester (1987) ist in allen fünf Sätzen nach Texten von Nelly Sachs komponiert.
  • Ein Dramen-Fragment von Nelly Sachs diente als Textvorlage für Annette Schlünz’ szenische Werk Abschieds-Schaukel für Sopran, Bariton, eine Tänzerin, 22 Chor-Solisten und Orchester (1985).
  • Sachs’ Gedicht Wir sind so wund wurde für den Konzertzyklus aus 17 Musikstücken für 2 Blockflöten, Chitarrone, Viola da Gamba und Cembalo und 16 Texten über das Exil Von der schwarzen Erde dieser Welt (1992) von dem Komponisten Friedemann Schmidt-Mechau verwendet.
  • Auch die von Jörg Herchet geschaffene Oper Nachtwache für 22 Solisten, Sprecher, Chor und Orchester beruht auf Texten von Nelly Sachs (1993).
  • Von Felicitas Kukuck stammen die beiden Motetten für gemischten Chor nach Texten von Nelly Sachs O der weinenden Kinder Nacht (1993/94) und O die Schornsteine auf den sinnreich erdachten Wohnungen (1994.)
  • Wolfgang Rihm vertonte zwei Gedichte von Nelly Sachs in seinem Werk Memoria – drei Requiembruchstücke für Knabenstimme, Alt, Chor und Orchester (1994/2004). Das Werk wurde anlässlich der Einweihung des Holocaust-Mahnmals in Berlin uraufgeführt.
  • Peter Michael Hamel verwendete einen Text von Nelly Sachs im 3. Satz (Chor der Geretteten) seines Chorzyklus Oh, Erde (1995).
  • Thomas Blomenkamp schuf auf der Grundlage von Sachs-Texten den Zyklus … wenn ich den Sand in den Mund nehme … (1998).
  • Alfons Karl Zwicker schrieb Erinnerung an Nelly Sachs für Sopran und Ensemble (1999) sowie unter Verwendung von Texten Nelly Sachs’ die Landschaft aus Schreien für Mezzosopran und Klavier (2003).
  • Leo Nadelmann schrieb sieben Lieder für Sopran und kleines Orchester unter dem Titel Grabschriften in die Luft geschrieben (Copyright 2001).
  • Eine Studie über Nelly Sachs für Sopran und Instrumente schuf Gerald Eckert (2008).
  • Johannes Conen verwendete Texte von Nelly Sachs in neuartiger Darbietungsform in Herzkeime für Schauspiel, Gesang und Gitarrenklänge (2011).
  • Gedichte von Nelly Sachs finden sich auch in dem Textbuch zu dem Drama König der Nacht für Sprecher, drei Soli, großes Orchester und Zuspielelektronik von Jan Müller-Wieland (2013/14).
  • Klaus Hinrich Stahmer schrieb Inschrift der Vergänglichkeit - In memoriam Nelly Sachs für Klavier solo (2016).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter A. Berendsohn: Nelly Sachs: Einführung in das Werk der Dichterin jüdischen Schicksals. Mit einem Prosatext Leben unter Bedrohung, einer Auswahl von 30 Briefen aus den Jahren 1946–1958 und einem Bericht über die Nelly-Sachs-Sammlung in Dortmund. Kommentiert von Manfred Schlösser. Agora, Darmstadt 1974, ISBN 3-87008-046-9.
  • Gudrun Dähnert: Wie Nelly Sachs 1940 aus Deutschland entkam. Mit einem Brief an Ruth Mövius. In: Sinn und Form 2, 2009, S. 226–257.
  • Ruth Dinesen: Sachs, Nelly. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 22, Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11203-2, S. 336 f. (Digitalisat).
  • Ruth Dinesen: Nelly Sachs. Eine Biographie. Suhrkamp, Frankfurt 1992, ISBN 3-518-40426-1.
  • Apropos Nelly Sachs. Mit einem Essay von Gisela Dischner und zahlreichen Bildern, Verlag Neue Kritik, Frankfurt a. M. 1997, ISBN 978-3-8015-0309-3.
  • Heinrich Fink: Wir Geretteten, wir drücken eure Hand! In dsb., Hg.: Stärker als die Angst. Den sechs Millionen, die keinen Retter fanden. Union, Berlin 1968, S. 223–229.[8]
  • Aris Fioretos: Flucht und Verwandlung – Nelly Sachs, Schriftstellerin, Berlin – Stockholm. Ein Katalogbuch mit etwa 400 Bildern. Aus dem Schwedischen übersetzt von Paul Berf. Suhrkamp, Berlin 2010, ISBN 978-3-518-42159-8.[9]
  • Gabriele Fritsch-Vivié: Nelly Sachs. Monographie. Rowohlt, Reinbek, 3. Auflage 2001, ISBN 3-499-50496-0.
  • Petra Oelker: Und doch, am Ende steht wieder das Licht, wenn auch noch so fern. In: Charlotte Kerner: Nicht nur Madame Curie. Frauen, die den Nobelpreis bekamen. Beltz, Weinheim 1999, ISBN 3-407-80862-3.
  • Gerald Sommerer: „Aber dies ist nichts für Deutschland, das weiß und fühle ich.“ Nelly Sachs – Untersuchungen zu ihrem szenischen Werk. Königshausen & Neumann, Würzburg 2008, ISBN 978-3-8260-3860-0.
  • Gertraude Wilhelm (Hrsg.): Die Literaturpreisträger. Ein Panorama der Weltliteratur im 20. Jahrhundert. Econ, Düsseldorf 1983, ISBN 3-612-10017-3.
  • Poesiealbum 287. Märkischer Verlag, Wilhelmshorst 2010, ISBN 978-3-931329-87-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nelly Sachs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikiquote: Nelly Sachs – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Flucht und Verwandlung. Nelly Sachs, Schriftstellerin. Ausstellungstexte. (PDF) S. 26.
  2. 1953–1989 Förderpreise, Ehrengaben. kulturkreis.eu; abgerufen am 31. März 2015
  3. Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1965 für Nelly Sachs: Laudatio und Dankesrede (PDF)
  4. Rezension über die Neuerscheinung Nelly Sachs – Szenische Dichtungen. In: Die Welt, 18. Juni 2011
  5. Nelly-Sachs-Straße. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
  6. Besprechung von Angelika Overath: Windharfe des Leids – Die Werke von Nelly Sachs in einer vierbändigen Gesamtausgabe.nzz.ch Neue Zürcher Zeitung vom 24. Dezember 2010, abgerufen am 24. Dezember 2010.
  7. Robert Christian Bachmann: O die Schornsteine (Szegediner Fassung), Tonaufnahme der Uraufführung im Dom zu Szeged am 24. September 2011.
  8. detailliert über ihre Flucht aus dem Reich. Fink zitiert zu großen Teilen Dähnert, vgl. oben unter Lit. Die Überschrift dieses Essays wurde einem Gedicht von Sachs entnommen. S. 228f.: Auszüge aus einem Brief Sachs’ an Dähnert, 1945.
  9. Buchbeschreibung und Pressestimmen beim Suhrkamp Verlag, abgerufen am 2. Dezember 2010.