Outdoor-Bekleidung

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Outdoor-Bekleidung, auch Outdoor-Funktionsbekleidung genannt, bietet Schutz vor extremem Wetter bei sportlichen Aktivitäten im Freien oder der Ausübung von Natursport. Der Begriff Outdoor-Bekleidung umfasst ein sehr weites Spektrum und schließt sowohl Bekleidung für den Skisport als auch Bekleidung für tropische Gebiete mit ein.

Einsatzgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Outdoor-Bekleidung zählt die Bekleidung für Outdoor-Sportarten wie beispielsweise Wandern, Trekking, Klettern, Fahrradfahren, Laufsport, Skifahren, Snowboarden. Aber auch bei Freizeitaktivitäten wie Camping, Geocaching, Angeln oder der Jagd wird Outdoor-Bekleidung getragen.

Funktionalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Outdoor-Bekleidung bietet Schutz vor unterschiedlichsten Wettereinflüssen und gewährleistet ein gutes Körperklima auch bei extremen Temperaturen oder bei sportlicher Betätigung des Trägers. Je nach Sportart oder Klimaregion werden sehr unterschiedliche Anforderungen an Outdoor-Bekleidung gestellt. Outdoor-Bekleidung kann entsprechend dem Zwiebelschalenprinzip in verschiedenen Bekleidungsschichten unterteilt werden, wobei jeder Schicht spezielle Funktionen zukommen.

Die erste Bekleidungsschicht reguliert das Körperklima und stellt den Feuchtigkeitstransport sicher. Bei Outdoor-Aktivitäten in kalten Regionen wirkt die erste Bekleidungsschicht oftmals zudem wärmend. Die zweite Bekleidungsschicht hat vornehmlich den Zweck der Isolation und hat die Aufgabe – je nach Region – entweder wärmend oder belüftend zu wirken. Die dritte und äußere Bekleidungsschicht wirkt gegenüber den Witterungseinflüssen wie ein Schutzschild.

In der Regel weist Outdoor-Bekleidung eine hohe Atmungsaktivität, kurze Trockenzeiten und hohe Strapazierfähigkeit auf. Zudem bietet sie dem Träger, jeweils an die Situation angepasst, ein hohes Maß an Komfort und Bewegungsfreiheit.[1]

Gadgets[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerade im Bereich der Outdoor-Bekleidung findet sich eine große Zahl von in die Kleidung integrierten Extras. So haben Bekleidungsstücke, die beispielsweise beim Wandern ihren Einsatz finden, ein besonders kleines Packmaß und geringes Gewicht, um Ballast während der Wanderung zu sparen. Bei Textilien für warme Gefilde oder für sportliche Aktivitäten werden teilweise Fasern mit Silberionen eingearbeitet, um Schweißgeruch zu verhindern. Und andere Textilien bieten einen integrierten Sonnenschutz.[2]

Material[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Häufig verwendete Materialien sind Polyester, Polyamid, Polypropylen und Wolle.[3] Die künstlichen Fasern lassen sich in erheblichen Mengen als Mikroplastik in der Natur nachweisen und sind in manchen Gebieten, wie im Eis des Forni Gletschers, als Hauptursache der Verschmutzung bekannt.[4]

Rezeption in der Populärkultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teilnehmer einer Energiewende-Demonstration mit Outdoor-Bekleidung

Seit den 2010er Jahren wird Outdoor-Kleidung in Feuilleton und Kabarett als modisches Stereotyp thematisiert. 2010 veröffentlichte Moritz Honert auf Zeit Online eine Analyse des Phänomens, dass Outdoor-Kleidung insbesondere von Stadtbewohnern getragen wird, obwohl sie für den Einsatz in der Natur vermarktet werde.[5] Nachdem der Journalist Ulf Poschardt im Zuge der Stuttgart-21-Demonstrationen in der Welt das Milieu der Demonstranten als „Öko-Spießer“ beschrieben hatte,[1] kritisierte Michael Angele im Freitag seine Darstellung als Feindbild und hob dabei die Outdoor-Bekleidung als Kennzeichen der Demonstranten hervor.[2]

2013 veröffentlichte Poschardt unter der Überschrift „Hurra, wir funktionieren noch!“ einen Artikel über die Ästhetik deutscher Funktions- und Outdoorbekleidung, die maßgeblich von der Marke Jack Wolfskin geprägt sei. Er thematisierte darin auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die in ihrem Wanderurlaub mit Funktionsjacke fotografiert wurde..[3] Lars Weisbrod veröffentlichte im Intro-Magazin eine Verteidigung der Jack-Wolfskin-Jacke.[6] Die Modetheoretikerin Barbara Vinken deutete Funktionsjacken, namentlich die von Jack Wolfskin, in einem Interview mit der taz als Symptom von gesellschaftlichem Eskapismus.[7]

2014 beschrieb Fabian Hartjes auf Zeit Online das Phänomen, dass deutsche HipHop-Künstler in ihren Videos Outdoor-Bekleidung verwendeten, etwa die schwarz-rote Jack-Wolfskin-Jacke in einem Video des Rappers Abdi.[8] Bei einem Auftritt in Rostock im Jahr 2016 trug der damalige SPD-Vorsitzende und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel eine rote Jacke von Jack Wolfskin. In einer Stilkritik im Spiegel schrieb Philipp Löwe, die Jacke in Signalfarbe biete „mehr Identifikationspotenzial für geneigte SPD-Wähler als die Ralph-Lauren-Hemden, die Gabriel sonst so gerne“ trage.[9] Im Kabarett wird Outdoor-Kleidung sowie die Marke Jack Wolfskin als Klischee verwendet, unter anderem von Harry G,[10] Gerd Knebel,[11] Sebastian Schnoy[12] und Thomas Lienenlüke.[13]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Ulf Poschardt: Grünen-Chef: Nerven Sie die Ökospießer, Herr Özdemir? In: DIE WELT. 3. Juli 2011 (welt.de [abgerufen am 23. Mai 2020]).
  2. a b Michael Angele: Die Rückkehr des Spießers. Kulturkommentar. In: der Freitag. 29. April 2011, abgerufen am 23. Juli 2020.
  3. a b Ulf Poschardt: Hurra, wir funktionieren noch! In: Die Welt. 1. Juni 2013, abgerufen am 23. Juli 2020.
  4. Offene Türen. In: Intro. Abgerufen am 23. Mai 2020.
  5. Moritz Honert: Der edle Wilde in der Stadt. In: Die Zeit. 23. November 2010, abgerufen am 24. Juni 2020.
  6. Offene Türen. In: Intro. Abgerufen am 23. Mai 2020.
  7. ALEM GRABOVAC: „George Clooney in weißen Seidenstrümpfen“. In: Die Tageszeitung: taz. 3. Mai 2014, ISSN 0931-9085, S. 32–33 (taz.de [abgerufen am 10. Juni 2020]).
  8. Generation Wolf. In: Die Zeit. 13. November 2014, abgerufen am 24. Juni 2020.
  9. DER SPIEGEL: Sigmar Gabriel trägt Funktionsjacke - die Stilkritik - DER SPIEGEL - Stil. Abgerufen am 10. Juni 2020.
  10. Harry G dreht am Herzogstand: „Das ist ein Berg und kein Autobahnrastplatz“. 20. Juni 2019, abgerufen am 26. Mai 2020.
  11. Solo-Gastspiel „Weggugge“ des Kabarettisten Gerd Knebel in Pforzheim - Kultur - Pforzheimer-Zeitung. Abgerufen am 26. Mai 2020.
  12. kgo: Lachen auf der Spur des Adels | shz.de. Abgerufen am 26. Mai 2020.
  13. Der Kabarettautor Thomas Lienenlüke - "Revanche" eines akribischen Akkordarbeiters. Abgerufen am 26. Mai 2020 (deutsch).