Ramsan Achmatowitsch Kadyrow

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Kadyrow im Juni 2018

Ramsan Achmatowitsch Kadyrow (russisch Рамзан Ахматович Кадыров, tschetschenisch Къадар Ахьмат-кӀант Рамзан; * 5. Oktober 1976 in Zentoroi, Tschetscheno-Inguschische ASSR) ist ein russischer Politiker (Einiges Russland), der der tschetschenischen Bevölkerungsgruppe in Russland angehört. Er ist seit Mai 2007 Präsident (seit 2. September 2010 „Oberhaupt“)[1] der russischen Teilrepublik Tschetschenien. Seine diktatorische Amtsführung ist geprägt von schweren Menschenrechtsverletzungen (z. B. gegen Homosexuelle in Tschetschenien), Korruption und einem ausufernden Personenkult.

Leben und Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kadyrow (rechts) und der russische Präsident Dmitri Medwedew (2008)

Kadyrow ist der Sohn des früheren tschetschenischen Präsidenten Achmat Kadyrow, der im Mai 2004 ermordet wurde, und Aimani Kadyrova.[2] Ramsan Kadyrow erhielt im Dezember 2004 per Erlass des russischen Präsidenten Wladimir Putin den Orden Held der Russischen Föderation.[3] Kadyrow war ab März 2006 Premierminister der russischen Kaukasus-Republik Tschetschenien.

Am 2. März 2007 wählte das tschetschenische Parlament ihn auf Putins Vorschlag[4] zum Präsidenten des Landes, nachdem er das 30. Lebensjahr vollendet hatte, das Mindestalter für die Wahl des tschetschenischen Oberhaupts. Am 5. April 2007 wurde Kadyrow in Gudermes in sein Amt eingeführt. In einer seiner ersten Amtshandlungen versprach er den Wiederaufbau des vom Krieg zerstörten Landes, weitreichende wirtschaftliche Hilfen sowie eine umfassende Terrorismusbekämpfung. Mit massiver finanzieller Hilfe aus Moskau und damals steigenden Erlösen aus Ölexporten wollte er seine Reformpläne umsetzen.[5]

Im März 2015 erhielt Kadyrow den russischen Orden der Ehre. Dies wurde im Westen teilweise als Geste der Versöhnung mit Moskau gedeutet, nachdem eine staatliche Untersuchung die Ermordung des russischen Oppositionspolitikers Boris Nemzow mit Tschetschenien in Verbindung gebracht hatte.[6][7]

Kadyrow erhält (Stand 2013) umfangreiche Unterstützung durch die russische Staatsregierung und Regierungspartei. Unterstützer waren zum Beispiel Wiktor Solotow, einer der engsten Vertrauten Putins, und Wladislaw Surkow, der zwischen 1999 und 2011 für die russische Innenpolitik verantwortlich war.[8] Die Menschenrechtlerin Swetlana Gannuschkina sagte 2013 zum Hintergrund: „Moskau interessiert nur, dass Kadyrow weiter beteuert, Tschetschenien bleibe Teil der Russischen Föderation.“[9]

Kadyrow bezeichnet sich als Muslim und als Anhänger eines sunnitischen Sufismus.[10] Laut einer Zusammenstellung von Fakten durch Ilja Jaschin verkündete Kadyrow im Jahre 2010, dass die Scharia über Russlands Gesetzen stehe und dass die Feinde des Islams[11] beseitigt werden sollten.[12] Kadyrow behauptete, Ende 2010 hätten die Republikführung und die Geistlichen einen Sieg gegen den Wahhabismus in Tschetschenien errungen. Die Wahhabiten wären Feinde des Islam und würden den Weg in die Hölle gehen. „Die Jugendlichen haben das wahre Gesicht dieser radikal-islamischen Bewegung erkannt und wollen jetzt nicht mehr in die Reihen der Extremisten getrieben werden“, sagte Kadyrow.[13]

Im September 2021 wurde Kadyrow bei den Parlamentswahlen nach offiziellen Ergebnissen mit 99,6 Prozent der abgegebenen Stimmen wiedergewählt.[14] Bei der unabhängigen Wählerinitiative Golos, der bedeutendsten Wahlbeobachter-NGO in Russland, gingen zu jener Parlamentswahl mehr als 4000 Beschwerden wegen Verletzungen des Wahlrechts bei der Stimmabgabe ein.[15]

Im Februar 2022, nach dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine, schickte Kadyrow einen Teil seiner Kadyrowzy mit dem Auftrag in die Ukraine, den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu töten. Diese Einheit wurde laut Oleksij Danilow von ukrainischen Sicherheitskräften eliminiert.[16][17][18] Am 14. März veröffentlichte Kadyrow auf Telegram ein Video, in dem er behauptete, selbst in die Ukraine gezogen zu sein, um die ukrainische Regierung zu stürzen. Das Video wurde angeblich in Hostomel nahe Kiew aufgenommen, was nicht unabhängig verifizierbar ist.[19][20] Die ukrainische Zeitung Ukrajinska Prawda veröffentlichte einen Bericht, wonach es zwei ihrer Journalisten gelungen war, Kadyrows Mobiltelefon für den fraglichen Zeitraum in Grosny zu orten.[21] Diese Angabe macht fraglich, ob Kadyrow sich tatsächlich in der Ukraine aufgehalten hat.

Personenkult[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod seines Vaters avancierte Ramsan Kadyrow zur wichtigsten Figur in der tschetschenischen Politik. Kadyrow wurde zunächst Vize-Ministerpräsident und war in dieser Funktion für Sicherheitsfragen zuständig. Der Aufstieg zum Regierungschef folgte im März 2006. Seitdem erlebte Tschetschenien einen wachsenden Personenkult um Kadyrow; so steht z. B.: „Ramsan, wir sind stolz auf dich“ unter großflächigen Porträts, die über den Straßen Tschetscheniens angebracht sind. Am 2. September 2010 ließ er vom tschetschenischen Parlament seine Bezeichnung von „Präsident“ in „Oberhaupt“ ändern. Nach Aussage Kadyrows stehe nur einer Person in der Russischen Föderation die Bezeichnung „Präsident“ zu, nämlich dem Staatschef. Im Parlament diskutiert wurden jedoch auch Vorschläge, Kadyrow den Titel „Imam“ oder „Vater des Volkes“ zu verleihen.[22]

Im Jahr 2015 schien nicht mehr klar, ob Kadyrow eine Garantie oder mehr eine Gefahr für die Sicherheit der Region darstellte. Kadyrow regiert immer selbstherrlicher und für den Kreml schwerer kontrollierbar. Seine Loyalitätsbekundungen können auch als Machtdemonstration gesehen werden; im Dezember 2014 erklärte er vor 20.000 bewaffneten Männern im Stadion von Grosny: „Wir sind die Infanterietruppen Putins.“ Es gebe Aufgaben, die keine Luftwaffe, keine Marine, keine Armee und keine Nuklearwaffen bewältigen könnten, sondern nur Freiwillige.[23]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Menschenrechtsverletzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ramsan Kadyrow untersteht persönlich mit der Kadyrowzy eine eigene paramilitärische Einheit, die nicht dem russischen Innenministerium unterstellt ist und deshalb an keine Rechtsnormen gebunden ist. Dieser Einheit werden seitens Menschenrechtsorganisationen Menschenrechtsverletzungen wie Entführung, Folter und Mord vorgeworfen.[5][24] Laut einem Bericht der Nowaja Gaseta, welche sich auf die Aussagen eines ehemaligen Offiziers jener Einheit stützt, treffen die Vorwürfe zu.[25]

In der Arte-Dokumentation Tschetschenien – Vergessen auf Befehl von Manon Loizeau werden dem Präsidenten Kadyrow schwerste Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen: Dissidenten seien die Zehen ausgerissen worden, ganze Familien würden verschwinden, Oppositionelle würden von einer kriminellen, von Kadyrow gesteuerten Justiz gegen jede Faktizität verurteilt, mehrere Schwestern seien verschwunden, deren Kinder müssen von den Großeltern aufgezogen werden.[26] Im gleichen Film werden Oppositionelle, die auf einer Konferenz an die von Stalin veranlasste genozidähnliche Deportation der gesamten tschetschenischen Bevölkerung erinnert haben, bei welcher Hunderttausende umkamen, verhaftet und mit konstruierten Drogendeliktvorwürfen zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, nachdem durch Folter mit Todesdrohung und Elektroschocks fabrizierte Geständnisse erzwungen wurden.[26]

Während Homosexuelle in Tschetschenien verfolgt und in für sie vorgesehene Gefängnisse gesperrt und dort gefoltert werden, erklärte Kadyrow gegenüber einem Interviewer: „Wir haben hier solche Leute nicht. Wir haben keine Schwulen. Falls es welche gibt, nehmt sie mit nach Kanada.“[27]

Morde an Kritikern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umar Israilow, ein 2004 nach Österreich geflohener Tschetschene, der gegen die Russen gekämpft hatte und anschließend in Kadyrows Leibgarde diente, wollte sein Wissen über Kadyrows Regime der Öffentlichkeit mitteilen und hatte dazu eine Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingereicht. Der Klage legte er Zeugenprotokolle, Expertengutachten, Skizzen von Folterkellern und Fotos misshandelter Tschetschenen bei. Nach Angaben eines angeblichen Agenten Kadyrows stand Israilow deshalb auf einer Liste mit 500 Personen, die im Auftrag von Kadyrow ermordet werden sollten.[28] Im Januar 2009 wurde Israilow in Wien auf offener Straße getötet. Kadyrow hat stets bestritten, an dem Mord beteiligt gewesen zu sein. Die Existenz einer Todesliste hat er mehrfach öffentlich verneint – oder sie gar für „Schwachsinn“ erklärt.[29]

Im März 2009 wurde Sulim Jamadajew, ein ehemaliger tschetschenischer General und einer der größten Kontrahenten Kadyrows, auf einem Parkplatz eines wohlhabenden Stadtbezirks von Dubai erschossen. Seit 2002 war er Befehlshaber eines der berüchtigtsten Kampfverbände in Tschetschenien „Wostok“ („Osten“). Auf einer Versammlung im März 2008 warf Kadyrow der Einheit und ihrem Anführer Jamadajew die massenhafte Ermordung von Zivilisten vor. Kurze Zeit später setzte sich Jamadajew in die Vereinigten Arabischen Emirate ab und lebte dort einige Zeit unter einem falschen Namen. Sein Tod wurde erst im Juli 2010 von russischen Offiziellen bestätigt.[30]

Kadyrow wird von russischen Menschenrechtsorganisationen mit dem im Juli 2009 stattgefundenem Mord an der Menschenrechtsaktivistin Natalja Estemirowa in Verbindung gebracht. Vor ihrem Tod soll sie von staatlichen Stellen – auch von Kadyrow persönlich – bedroht worden sein. Kadyrow hatte Estemirowa mehrfach kritisiert.[31]

Auch in Frankreich und Schweden kam es zu Morden an Kritikern und Kontrahenten von Kadyrow.[32] Im Jahr 2020 gab es in mehreren EU-Ländern laut einem Bericht des deutschen BKA weitere Verfolgungen des Kadyrow-Regimes gegen Oppositionelle[33], darunter einen Mordversuch in Österreich.[32]

In Deutschland wurde im Jahr 2021 ein Attentat auf einen Exil-Oppositionellen vereitelt, weshalb der Generalbundesanwalt wegen „Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“,[34] die laut Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft im Auftrag staatlicher Stellen der russischen Teilrepublik Tschetschenien erfolgte (und damit per Definition Staatsterrorismus wäre), zu ermitteln begann.[32] In Deutschland unterhält Kadyrow mindestens einen inoffiziellen und bewaffneten Vertreter, der unter falschen Angaben Asyl beantragte und später die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt.[35] Ein Deutschland-Besuch des Leiters der tschetschenischen SOBR-Einheit Terek, die von der EU der Folter und unrechtmäßiger Hinrichtungen bezichtigt wird, konnte ebenfalls dokumentiert werden.[35][36] Im März 2022 erhob der Generalbundesanwalt Anklage gegen einen Cousin von Kadyrow, der sich laut Anklage bereit erklärt habe, einen Mord in Deutschland zu begehen.[37]

Korruption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Dokumentation von Ilja Jaschin wird Kadyrow Korruption vorgeworfen. Obwohl er laut eigener Steuererklärung 60.000 Euro pro Jahr verdiene, führe Kadyrow einen luxuriösen Lebensstil mit Sammlung von teuren Uhren und Autos, einer Residenz sowie 102 Pferden.[38] In derselben Dokumentation erhebt Jaschin den Vorwurf der Gefährdung der nationalen Sicherheit Russlands durch Kadyrow, der eine islamistische Despotie aufbaue.[38]

Im Zentrum einer nepotistischen Parallelwirtschaft steht die 2004 gegründete Achmat-Kadyrow-Stiftung, die von Kadyrows Mutter geleitet wird. Staatliche Angestellte und Beamte zahlen mindestens zehn Prozent ihrer Einkünfte ein, Unternehmer bis zu 50 Prozent. Im Monat summieren sich diese Zuflüsse auf geschätzte 55 Millionen Dollar (Stand 2015). Abgaben zu leisten haben auch außerhalb des Staatsgebiets lebende Tschetschenen. Zu dem Firmengeflecht der Stiftung gehören unter anderem Immobilienfirmen, Sportveranstalter und eines der wenigen alkoholausschankberechtigten Unternehmen des Landes. Mit dem Stiftungsvermögen wird frei verfügt, so werden einerseits öffentlichkeitswirksam wohltätige Großveranstaltungen finanziert, andererseits beispielsweise 16 Motorräder an den russischen Rockerclub Nachtwölfe gespendet. Obwohl die Stiftung zu den reichsten Russlands gehört (2019: 90 Millionen Euro), wurde jahrzehntelang kein gesetzlich vorgeschriebener Rechenschaftsbericht veröffentlicht.[39][40][41][42]

Kriminalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2008 wurden in Tschetschenien mehrere tote Frauen aufgefunden, die vermutlich Opfer von Ehrenmorden waren. Daraufhin bezeichnete Kadyrow Ehrenmorde als Schwerstverbrechen. „Derartige Traditionen gibt es weder in den Bräuchen des Volkes noch im Islam“, so Kadyrow. Er forderte eine verstärkte Aufklärungsarbeit und eine bessere geistig-moralische Erziehung zur Verhinderung von Ehrenmorden.[43] Der Schweizer Tages-Anzeiger zitierte dagegen eine unbestimmte Quelle, laut der Kadyrow die Tötung der jungen Frauen befürwortet habe.[44]

Am 4. Dezember 2014 berichteten russische Medien von einer Anti-Terroroperation gegen islamistische Rebellen in Grosny, die Kadyrow persönlich geleitet habe. Die Angreifer hatten mit drei Fahrzeugen einen Polizeiposten überfallen und dabei mehrere Polizisten getötet. Danach hatten sie sich in einem Verlagshaus im Zentrum der tschetschenischen Hauptstadt verschanzt. Zusammen mit dem anschließenden Gefecht wurden insgesamt zehn Polizisten und neun Angreifer getötet.[45] Im Mai 2015 wohnte Kadyrow einer Hochzeit bei, bei der der Polizeichef Naschud Gutschigow seine zweite Frau heiratete, die zu diesem Zeitpunkt nur 17 Jahre alt war. Die Hochzeit konnte erst nach seinem Fürsprechen stattfinden, da es sonst in Tschetschenien illegal ist, Minderjährige zu heiraten. Beobachter gehen von einer Zwangsheirat aus. In Russland zeigte sich aufgrund der Berichte öffentliche Empörung über Kadyrow.[46]

Im Juni 2020 lieferten sich in Dijon bis zu 200 bewaffnete Tschetschenen aus Frankreich und Nachbarländern tagelang Straßenschlachten mit nordafrikanischen Gangmitgliedern. Auch vollautomatische Schusswaffen wurden verwendet. Der Anlass war, dass ein Jugendlicher tschetschenischer Abstammung von lokalen Drogendealern algerischer Abstammung verprügelt worden war.[47][48] Kadyrow verteidigte das Vorgehen der bewaffneten Tschetschenen. Sie hätten nur eingegriffen, weil die Polizei nicht in der Lage gewesen sei, für Ordnung zu sorgen.[49]

Sanktionen gegen Kadyrow[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. Juli 2014 wurde Kadyrow im Zusammenhang mit der russischen Politik zur Ukraine auf die Sanktionsliste der Europäischen Union gesetzt.[50]

Im Dezember 2017 setzte das US-Finanzministerium Kadyrow auf die sogenannte Magnitski-Liste, ein 2012 beschlossenes Gesetz, welches ein Einreiseverbot für die USA und Einfrieren von sämtlichen Vermögenswerten für Personen vorsieht, denen die US-Regierung vorwirft, für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich zu sein. Amerikanischen Unternehmen und Bürgern ist in diesem Zusammenhang untersagt, etwaige Geschäfte mit dem tschetschenischen Präsidenten abzuwickeln. Kadyrow weist seinerseits alle Anschuldigungen zurück.[51] Im Juli 2020 wurde die Einreisesperre gegen Kadyrow aktiviert.[52]

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kadyrow ist mit Medni Kadyrowa verheiratet, hat zwölf Kinder[53] sowie – entgegen dem russischen Recht – mit Fatimá Chasujewa eine Nebenfrau. Er hatte sie im Jahr 2006 kennengelernt, als sie im Alter von 15 Jahren an einem Schönheitswettbewerb teilnahm. Sie besitzt (Stand Mai 2021) Immobilien im Wert von umgerechnet vier Millionen Euro.[54] Damit besitzen seine zwei Frauen Immobilien im Wert von mindestens acht Millionen US-Dollar – was mehr als die doppelte Summe dessen ist, was Kadyrow zwischen 2008 und 2021 offiziell an Gehalt erhielt.[55]

Zu seinem 35. Geburtstag im Oktober 2011 veranstaltete Kadyrow eine Feier, die vom russischen Konzern AFK Sistema organisiert wurde. Hierbei traten unter anderem der Sänger Seal, die Violinistin Vanessa-Mae, die Schauspieler Jean-Claude Van Damme und Hilary Swank, die Tanztheatergruppe La Fura dels Baus[56] sowie Mitglieder des Deutschen Fernsehballetts auf.[57] Am Vorabend seines 40. Geburtstags fand ein MMA-Turnier in Grosny statt. Danach informierte Kadyrow auf Instagram über die Erfolge seiner Söhne. Der zehnjährige Achmat, der neunjährige Eli und der achtjährige Adam gewannen alle Kämpfe gegen gleichaltrige. Dies führte zu Kritik, da es selbst im „Kampf ohne Regeln“ einige Regeln gibt, so der Vorsitzende des russischen MMA-Verbandes Fjodor Jemeljanenko. Sportler unter 21 Jahren müssten bei Wettkämpfen Helme und Schutzkleidung tragen, „ganz zu schweigen davon, dass Kinder unter zwölf Jahren nicht einmal als Zuschauer zugelassen sind. Aber hier schlagen sich Achtjährige vor begeisterten Erwachsenen.“[58]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2011 wurde in Grosny ein Fußballspiel veranstaltet, bei dem eine tschetschenische Auswahl gegen eine brasilianische Weltmeistermannschaft antrat. Im tschetschenischen Team spielten neben Ramsan Kadyrow (als Kapitän) auch Lothar Matthäus und Spieler des Vereins Terek Grosny; für die brasilianische Mannschaft ließen sich ehemalige Weltmeister wie Dunga, Bebeto, Romário, Cafu und Denílson sowie der langjährige Bundesligaspieler Giovane Élber engagieren. Die Brasilianer gewannen mit 6:4, Kadyrow schoss dabei zwei Tore.[59] Während des Spiels feuerte dieser die rund 10.000 Zuschauer mit „Allah ist groß“-Rufen an. Die Veranstaltung wurde ins Leben gerufen, um für Kadyrows Wunsch zu werben, ein Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Grosny auszutragen.[60]

Im Februar 2013 ernannte Kadyrow den französischen Schauspieler Gérard Depardieu zum Ehrenbürger von Grosny und schenkte ihm eine 5-Zimmer-Wohnung in der Stadt.[61]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ramzan Kadyrov – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
TV-Dokumentationen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Meldung von RIA Nowosti vom 2. September 2010 (archiviert im Internet Archive)
  2. Chechen Republic Head Ramzan Kadyrov s mother Aimani Kadyrova www.imago-images.de, abgerufen am 17. März 2022
  3. http://www.warheroes.ru/hero/hero.asp?Hero_id=2937 russisch
  4. Tschetschenien: Kadyrow Präsident anstelle von Alchanow, in Russland-Aktuell, 16. Februar 2007
  5. a b Moskaus Mann für Grosny, in Süddeutsche Zeitung, Nr. 52: 3./4. März 2007, Seite 10.
  6. Ramzan Kadyrov: Putin’s key Chechen ally BBC, 9. März 2015
  7. Putins starker Mann im Kaukasus, WOZ, 12. März 2015
  8. 13 фактов о Рамзане Кадырове. Самое важное из доклада Ильи Яшина. (openrussia.org [abgerufen am 16. Oktober 2017]).
  9. Benjamin Bidder: „Kadyrow ist ein Sadist“ Interview mit Swetlana Gannuschkina, spiegel.de, 6. September 2013.
  10. Holier Than Thou: Ramzan Kadyrov And 'Traditional Chechen Islam'. In: Radio Free Europe/Radio Liberty, Oktober 2009. 
  11. Ist der Koran extremistisch? Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. April 2021
  12. 13 фактов о Рамзане Кадырове. Самое важное из доклада Ильи Яшина. (openrussia.org [abgerufen am 25. August 2018]).
  13. Kadyrow spricht von ideologischem Sieg über Wahhabiten (Memento vom 30. Dezember 2010 im Internet Archive) In: RIA Novosti, 27. Dezember 2010.
  14. Bundesregierung fordert Aufklärung von Wahl-Unregelmäßigkeiten in Russland. In: Der Spiegel. Abgerufen am 20. September 2021.
  15. Christina Hebel, Christian Esch: Parlamentswahl in Russland: Viele Stimmen für die Kommunisten – und massive Beschwerden. In: Der Spiegel. Abgerufen am 20. September 2021.
  16. ‘My MMA Gym Will Be Empty’: Chechens Head to Ukraine to Fight Kadyrov. Abgerufen am 3. März 2022 (englisch).
  17. Bericht: Tschetschenische Söldner wollten Selenskyj töten. In: t-online.de. Abgerufen am 3. März 2022.
  18. Assassination plot against Zelensky foiled and unit sent to kill him ‘destroyed,’ Ukraine says. In: Washington Post. ISSN 0190-8286 (washingtonpost.com [abgerufen am 3. März 2022]).
  19. Tschetschenien-Chef Kadyrow: Befinde mich in der Ukraine – „Wir finden Euch“. In: Redaktionsnetzwerk Deutschland. Abgerufen am 14. März 2022.
  20. siehe auch tagesschau.de vom 25. März 2022: Kadyrows Heiliger Krieg?
  21. Angeblicher Truppen-Besuch: Tschetscheniens Präsident Kadyrow war offenbar nicht in der Ukraine. In: Stern. Abgerufen am 29. April 2022.
  22. Парламент Чечни переименовал должность Кадырова в главу республики. In: RIA Nowosti, 2. September 2010 (russisch).
  23. Daniel Wechlin: Kadyrows unheimlicher Schatten. In: Neue Zürcher Zeitung, 4. April 2015.
  24. Uwe Klußmann: Kreml verkündet Sieg in Tschetschenien. In: Spiegel Online, 16. April 2009.
  25. Timofey Neshitov, Emile Ducke: (S+) Friedensnobelpreisträger Dmitrij Muratow: Der Mann, der nicht vor Putin kuscht (S+). In: Der Spiegel. 10. Dezember 2021, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 16. Dezember 2021]).
  26. a b Tschetschenien - Vergessen auf Befehl. In: Arte, 23. Februar 2015 (Dokumentarfilm von Manon Loizeau).
  27. Joe Sterling CNN: Chechen leader: No gays here -- but if there are, take them away. Abgerufen am 24. Juni 2021.
  28. Florian Klenk: „Bitte helfen Sie mir!“ In: Falter, 21. Januar 2009.
  29. Eduard Steiner: „Tschetschenen-Präsident: Warum hätte ich Israilow töten sollen?“ In: Die Presse, 2. Mai 2009.
  30. Ямадаев Сулим Бекмирзаевич. In: Kawkasski Usel. 31. Januar 2017, abgerufen am 21. Dezember 2017.
  31. Reinhard Veser: Kadyrows Krokodilstränen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. Juli 2009.
  32. a b c Fidelius Schmid, Maik Baumgärtner: Tschetschenen machen Jagd auf Kritiker – auch in Deutschland. In: Der Spiegel. Abgerufen am 16. April 2021.
  33. Ansgar Siemens, Kate Manchester, Roman Lehberger, Christo Grozev: Ramsan Kadyrow Statthalter in Deutschland: Der Botschafter des Bösen. In: Der Spiegel. Abgerufen am 24. April 2021.
  34. § 89a - Strafgesetzbuch (StGB), auf buzer.de
  35. a b Ansgar Siemens, Kate Manchester, Roman Lehberger, Christo Grozev: Ramsan Kadyrow Statthalter in Deutschland: Der Botschafter des Bösen. In: Der Spiegel. Abgerufen am 24. April 2021.
  36. Magomed Daudov & Abuzaid Vismuradov in Germany. In: Waynakh Online. Abgerufen am 25. April 2021 (amerikanisches Englisch).
  37. Maik Baumgärtner, Sven Röbel, Fidelius Schmid, Wolf Wiedmann-Schmidt: Kadyrow-Cousin soll politischen Mord in Deutschland befohlen haben - Anklage gegen mutmaßlichen Attentäter. In: Der Spiegel. 3. März 2022, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 3. März 2022]).
  38. a b Julia Smirnova: Die Angst vor Ramsan Kadyrow geht um. In: Die Welt, 23. Februar 2016.
  39. Deutschlandfunk Kultur: Diktatur in Tschetschenien: Freie Hand für Ramsan Kadyrow, vom 20. Mai 2021, geladen am 16. September 2021
  40. Süddeutsche Zeitung: [ https://www.sueddeutsche.de/politik/tschetschenien-mittendrin-im-feuer-1.2505761 Tschetschenien: Mittendrin im Feuer], vom 4. Juni 2015, geladen am 16. September 2021
  41. Deutschlandfunk: Tschetscheniens Republikchef Kadyrow: Kleine Rebellionen gegen Putin, vom 4. Juni 2015, geladen am 16. September 2021
  42. Radio Free Europe: Chechnya's Best-Kept Secret: The Workings of the Akhmad Kadyrov Fund, vom 6. Juni 2015, geladen am 16. September 2021
  43. Kadyrow verurteilt Ehrenmorde in Tschetschenien, in Russland-Aktuell, 30. November 2008
  44. «Die Ehre ist das Einzige, was dem Mann bleibt» In: Tages-Anzeiger, 9. September 2010.
  45. Terrorangriff in Tschetschenien: Tote und Verletzte bei Kämpfen in Grosny (Memento vom 6. Dezember 2014 im Internet Archive) In: RIA Novosti, 4. Dezember 2014.
  46. Julia Smirnova: „Wer kann und will, soll sich eine Zweitfrau nehmen“. In: Die Welt. 17. Mai 2015, abgerufen am 7. Oktober 2018.
  47. Bandenkrieg in Dijon: "Nicht mehr auf dem Boden der Republik" sueddeutsche.de, 16. Juni 2020.
  48. Bürgerkriegsähnliche Zustände in Dijon focus.de, 20. Juni 2020.
  49. Chechnya's leader blames police failures for violence in Dijon theguardian.com, 19. Juni 2020.
  50. Durchführungsverordnung (EU) Nr. 810/2014 des Rates vom 25. Juli 2014 zur Durchführung der Verordnung (EU) Nr. 269/2014 des Rates über restriktive Maßnahmen angesichts von Handlungen, die die territoriale Unversehrtheit, Souveränität und Unabhängigkeit der Ukraine untergraben oder bedrohen. In: Amtsblatt der Europäischen Union.
  51. US-Sanktionen gegen Tschetschenen-Chef Ramsan Kadyrow. In: Deutsche Welle. 20. Dezember 2017, abgerufen am 25. Dezember 2017.
  52. China: USA setzen Apple-Zulieferer wegen Uiguren-Unterdrückung auf schwarze Liste. In: DER SPIEGEL. Abgerufen am 21. Dezember 2020.
  53. Chechen leader Ramzan Kadyrov 'ready to step down' www.theguardian.com (English), abgerufen am 17. März 2022
  54. Sabine Adler: Freie Hand für Ramsan Kadyrow. In: Deutschlandfunk (20.05.2021), abgerufen am 13. März 2022
  55. Maria Zholobova (The Project): Chechen Leader Ramzan Kadyrov Has a Second Wife — And Her Properties Are Worth Millions. Abgerufen am 12. April 2021 (englisch).
  56. La Fura dels Baus participa en la fiesta del déspota líder checheno KadírovLa Voz de Barcelona, 19. Oktober 2011.
  57. MDR-Fernsehballett tanzte für Kadyrow. In: Süddeutsche Zeitung, 16. Oktober 2011.
  58. Wenn der Herrscher seine Söhne zum "Kampf ohne Regeln" schickt Süddeutsche Zeitung, abgerufen am 17. März 2022
  59. Kadyrow und der unbezwingbare Welterklärer Matthäus. In: Zeit Online, 10. März 2011.
  60. Matthäus: Tore für Kadyrow. In: Süddeutsche Zeitung, 8. März 2011.
  61. Augsburger Allgemeine: Tschetschenischer Präsident schenkt Depardieu Wohnung (26.02.2013), abgerufen am 13. März 2022