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Sindorf (Kerpen)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Sindorf
Stadt Kerpen
Koordinaten: 50° 54′ N, 6° 41′ OKoordinaten: 50° 54′ 18″ N, 6° 40′ 31″ O
Höhe: 75 m ü. NHN
Fläche: 9,54 km²
Einwohner: 18.402 (31. Dez. 2024)[1]
Bevölkerungsdichte: 1.929 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 50170
Vorwahl: 02273
Sindorf (Nordrhein-Westfalen)
Sindorf (Nordrhein-Westfalen)
Lage von Sindorf in Nordrhein-Westfalen
Katholische Kirche St. Ulrich
Katholische Kirche St. Ulrich

Sindorf ist seit 1975 ein Ortsteil der Kolpingstadt Kerpen im Rhein-Erft-Kreis, Nordrhein-Westfalen. Sindorf hat 19.085 Einwohner (31. Dez. 2024) und ist damit der größte Stadtteil. Ortsvorsteher ist seit Anfang Nov. 2025 Werner Nolden (SPD).

Sindorf liegt nördlich der A 4 in direkter Nähe der Autobahnabfahrten Kerpen und Elsdorf (Geilrath). Östlich von Sindorf verläuft die A 61, die sich im nahegelegenen Autobahnkreuz Kerpen mit der A 4 kreuzt. Zwischen der A 4 und dem Ortsrand verläuft die Bahnlinie Köln-Aachen.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Sindorf als Segendorp im Jahre 1141. Sindorf mit den Dörfern Horrem und Sehnrath bildete ursprünglich eine eigene Herrschaft, die dem Kölner Erzbischof als Tafelgut gehörte. Erzbischof Engelbert II. hatte sie 1271 dem Grafen von Jülich in Pfandnutzung gegeben. Im 14. Jahrhundert übergab der jüliche Graf dem Herrn zu Hemmersbach die Herrschaft Sindorf als Burglehen, der sie mit seiner Herrschaft Hemmersbach vereinigte.[2] Diese war bis zum Ende des 18. Jahrhunderts die Unterherrschaft des Amtes Bergheim im Herzogtum Jülich das ab dem 15. Jahrhundert Teil des Herzogtums Jülich-Berg war.

1872 wurde im Ort ein neues Bürgermeistereiamt errichtet.

Zu Ende des Zweiten Weltkrieges rückten am 27. Februar 1945 US-Truppen auf Sindorf zu. Sie hatten kurz zuvor im Rahmen der Operation Grenade die Rur überschritten, wo sich einige Wochen die Front zwischen ihnen und der Wehrmacht befunden hatte. Die St.-Ulrich-Kirche in Sindorf erhielt mehrere Artillerietreffer; die Sakristei brannte ab. Amerikanische Soldaten hatten Handgranaten in den Keller der Kirche geworfen; Briketts gerieten dadurch in Brand.[3]

Im Rahmen des Köln-Gesetzes wurde Sindorf am 1. Januar 1975 nach Kerpen eingemeindet.[4]

Im Jahre 2018 wurde der „Heimatverein Sindorf gestern und heute e. V.“ gegründet. Ziel und Zweck des Vereins ist es, die Geschichte Sindorfs in Texten, Bildern, Filmen und Tonaufzeichnungen zu dokumentieren und zu veröffentlichen.

Sindorf gehört zu den Bürgewaldgemeinden, die Rechte am Bürgewald besaßen. Dies ist der Legende nach dem heiligen Arnold von Arnoldsweiler zu verdanken, durch den legendären Ritt um den Bürgewald. Hauptort der Bürgewaldgemeinden ist Arnoldsweiler. Dorthin mussten die Sindorfer am Pfingstdienstag, später am Pfingstmontag, dem heiligen Arnold eine Kerze opfern. Dieser Wachszins wurde erst im 19. Jahrhundert aufgelöst. Noch heute pilgert eine Gruppe aus Sindorf mit dem Fahrrad nach Arnoldsweiler, jedoch nicht mehr an Pfingsten, sondern im Juli zur Arnolduswoche.[5]

Religionsgemeinschaften

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Evangelische Christus-Kirche Sindorf
Katholische Kirche St. Maria Königin

In Sindorf gibt es:

Sehenswürdigkeiten

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  • Die katholische St.-Ulrich-Kirche besteht seit dem 15. Jahrhundert, es gab aber vermutlich schon im 11. Jahrhundert eine Kirche in Sindorf. Sie ist nach dem Bau von Maria Königin als Filialkirche nur noch gelegentlich in Funktion.
  • Haus Breitmaar wurde 1356 erstmals erwähnt. Der heutige Bau stammt aus dem Jahr 1757. Ein kleiner fünfseitiger Anbau aus dem 15. oder 16. Jahrhundert ist Teil eines Kapellenraumes mit Rippengewölbe.
  • Haus Hahn, dreiflügelige Anlage, heutiger Zustand des Herrenhauses von 1710, renoviert um 1980.
  • Sindorfer Mühle heutiger Zustand von ca. 1791, instand gesetzt 1984 und wieder arbeitsfähig. Daneben die Motte Richlesberg, möglicherweise aus dem 13. Jahrhundert
  • Privates Schreibmaschinenmuseum Qwertzuiopü. Das älteste Gerät stammt aus dem Jahr 1873: eine Remington I.[7]
  • Der jüdische Friedhof aus der Zeit 1830 bis 1938 befindet sich im Mühlenfeld / In den Torbenden. Der Friedhof geriet während der NS-Zeit in Privatbesitz und wurde landwirtschaftlich genutzt. Nach der Rückgabe der Parzelle im Jahr 1947 wurde er rekonstruiert und Gedenksteine mit den Namen der Bestatteten errichtet.
  • Keuschenhof, Fachwerkbau, Dreiflügelhof aus der Zeit ab 1716.
Haltepunkt Sindorf S-Bahn

Im Dezember 2002 wurde Sindorfs Bahnanschluss an die Fernbahnstrecke Köln–Aachen aufgegeben und ein neuer Haltepunkt einzig am Gleis der S-Bahn-Strecke Düren–Horrem errichtet. Die S-Bahnlinie 19 (zuvor: S 13, davor S 12) verbindet Sindorf nun an Arbeitstagen im 20-Minuten-Takt mit Köln, während die Züge in der Gegenrichtung nach Düren außerhalb des Berufsverkehrs häufig in Sindorf enden.

Im Schienenpersonennahverkehr wird der Haltepunkt Sindorf von folgenden Linien bedient (Stand 17. November 2025):

Linie Verlauf Takt
S 19 Düren  – Merzenich – Buir – Sindorf – Horrem  – Frechen-Königsdorf – Köln-Weiden West Stadtbahn – Köln-Lövenich – Köln-Müngersdorf Technologiepark – Köln-Ehrenfeld Stadtbahn – Köln Hansaring Stadtbahn – Köln Hbf Stadtbahn – Köln Messe/Deutz Stadtbahn – Köln Trimbornstraße – Köln Frankfurter Straße – Köln/Bonn Flughafen  – Porz-Wahn – Spich – Troisdorf  – Siegburg/Bonn  Stadtbahn – Hennef (Sieg)  – Hennef Im Siegbogen – (Blankenberg (Sieg) /) Merten (Sieg) – Eitorf  – Herchen  – Dattenfeld (Sieg) – Schladern (Sieg)  – Rosbach (Sieg) – Au (Sieg)
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2023
20/40 min

Die VRS-Buslinien 911, 920, 921, 922, 941, 976 und SB92 der Rhein-Erft-Verkehrsgesellschaft verbinden den Ort mit Kerpen, Buir, Horrem und Bergheim. Zusätzlich verkehren an Schultagen einzelne Fahrten der auf die Schülerbeförderung ausgerichteten Linien 933, 944 und 966 zum Sindorfer Schulzentrum.

Linie Betreiber Verlauf
911 REVG Brüggen – Balkhausen – Türnich – Kerpen – Sindorf
920 REVG Erftstadt Bf – Liblar – Lechenich – Konradsheim – Dirmerzheim – Gymnich – Kerpen – Sindorf – Horrem Bf
921 REVG Ringlinie Sindorf: Sindorf S – Gewerbegebiet – Zeisigweg – Sindorf S
922 REVG Bergheim Bf – Zieverich – Thorr – Widdendorf – Heppendorf – Ahe – Kerpen-Sindorf S – Kerpen, Schützenstr.
933 REVG Buir / Niederbolheim – Blatzheim – Bergerhausen – Manheim-neu – Langenich – Kerpen – Sindorf Schulzentrum
941 REVG Elsdorf Busbf – Giesendorf – Berrendorf – Widdendorf – Heppendorf – Ahe – Sindorf – Horrem Bf
944 REVG Brüggen – Balkhausen – Türnich – Horrem Bf / Horrem Markt – Sindorf
966 REVG Kerpen – Sindorf / Horrem Markt – Horrem Bf (– Neu-Bottenbroich)
976 REVG Frechen EuroPark – Frechen Rathaus – Benzelrath – Grefrath – Habbelrath – Neu-Bottenbroich – Horrem Bf – (Sindorf Schulzentrum –) Kerpen – Langenich – Manheim-neu – Bergerhausen – Blatzheim – Buir S
SB92 REVG Schnellbus: Elsdorf Busbf – Bergheim – Kenten Martinswerk – Quadrath-Ichendorf – Ahe – Sindorf – Kerpen

Im Ort gibt es zwei Grundschulen (Ulrichschule und Mühlenfeldschule). Ferner findet sich zwischen dem Ortsteil Sindorf und dem Ortsteil Horrem eine Realschule (Realschule der Stadt Kerpen) und eine Gesamtschule (Willy-Brandt-Gesamtschule).

  • Hermann Hinz: Archäologische Funde und Denkmäler des Rheinlandes. Band 2: Kreis Bergheim. Rheinland-Verlag, Düsseldorf 1969, S. 339–341 und Tafel 61/2
  • Konrad Honings: Im Meer der Zeit – Eine Geschichte Sindorfs. Druck- + Verlagshaus Wienand, Köln 1984.
Commons: Sindorf – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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  1. Einwohner nach Ortsteil Stadt Kerpen 2021. Kommunale Datenverarbeitungzentrale Rhein-Erft-Rur, 15. Februar 2022, abgerufen am 12. Mai 2024.
  2. Hemmersbach. In: Alexander Duncker (Hrsg.): Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der preußischen Monarchie nebst den königlichen Familien-, Haus-, Fideicommiss- und Schattull-Gütern. Band 14. Duncker, Berlin 1875, Blatt 788 (zlb.de [Text zwei Seiten danach]).
  3. Norbert Kurt: Das Ziel war die Erft: Kölner Stadtanzeiger, 22. Februar 2005
  4. Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X.
  5. Urkunde von 1360 zur Bestätigung des Wachszinses, durch den Herzog von Jülich.
  6. Seelsorgebereich Horrem-Sindorf
  7. Bernd Imgrund, Nina Osmers: 111 Orte im Kölner Umland, die man gesehen haben muss, Verlag Emons, Köln, 2010, ISBN 978-3-89705-777-7, Ort 53
  8. Heimatmuseum Sindorf