Herchen-Bahnhof

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Herchen-Bahnhof
Gemeinde Windeck
Koordinaten: 50° 46′ 24″ N, 7° 31′ 8″ O
Höhe: ca. 103,8 m ü. NHN
Einwohner: 101 (30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 51570
Vorwahl: 02292
Hotel Hammer
Hotel Hammer
Die Sieg bei Herchen-Bahnhof

Herchen-Bahnhof ist ein Ortsteil der Gemeinde Windeck im Rhein-Sieg-Kreis. Früher hieß der Ort Hammer.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herchen-Bahnhof hat eine Höhe von 103,829 m ü. NHN laut Messpunkt am Bahnsteig. Er liegt direkt an der Sieg, die hier einen Höhenunterschied zwischen 94,5 m und 91,1 m ü. NHN überwindet. Der höchste Punkt des Ortes zwischen Leuscheid und Nutscheid liegt am außerhalb gelegenen Sommerhof mit 198,6 m ü. NHN. Nachbarort im Westen ist Stromberg, zu dessen Mark das Gelände früher gehörte. Oberhalb des östlichen Siegufers liegt Werfen. Nördlich liegt der namensgebende Ort Herchen, der am gegenüberliegenden Siegufer in Sichtweite mit dem Ortsteil In der Au anfängt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herchen-Bahnhof ist ein junger Ort, der erst in der Zeit der Industrialisierung entstand. Erstmals wurde er standesamtlich 1875 erwähnt. Der Ackerer Carl Hundhausen aus Stromberg heiratet hier Wilhelmina Marcus. Trauzeugen waren der Stationwärter Peter Rösgen und der Bahnmeister Heinrich Schumacher.

Bis 1969 gehörte Herchen-Bahnhof zur Gemeinde Herchen.

1962 hatte der Ort 170 Einwohner, 1976 213.[2]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namensgebend ist der Bahnhof an der Siegstrecke mit Halt der S 12, S 19 und des RE 9 sowie Anbindung einiger Buslinien. Der Eisenbahntunnel hinter Herchen-Bahnhof hat eine Länge von 370 m. Die dazwischenliegende Eisenbahnbrücke wurde bei dem Sieghochwasser 1909 und im Zweiten Weltkrieg zerstört und dann, allerdings nur eingleisig, wieder erneuert.

Herchen-Bahnhof liegt an den Landesstraßen 312 und 333.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Realschule
  • Herchen-Bahnhof ist Standort der Realschule für Jungen und Mädchen in Herchen. Sie wurde 1966 einzügig mit sechs Klassenräumen fertiggestellt, Unterricht wurde aber schon seit 1963 provisorisch in Herchen gegeben. 1967, 1968 und 1970 wurden jeweils Baracken angebaut, um der wachsenden Schülerzahl gerecht zu werden. 1981 und 2003 wurden dann ordentliche Neubauten errichtet. In 27 Klassen werden 752 Schüler unterrichtet.
  • Das Bodelschwingh-Gymnasium Herchen liegt auf der Reifershardt über dem Igelshof, zeitweise waren dortige Gebäude dem Internatbetrieb angegliedert.

Post[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Poststelle Herchen-Bahnhof wurde anfangs in der Gaststätte Kölner Hof betrieben, später hauptamtlich in das danebenliegende, inzwischen niedergelegte kleine Fachwerkhaus verlegt.

Bahnhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhofsgebäude Herchen

Der 1860 errichtete Bahnhof beherbergte früher vier Wohnungen für Bedienstete, die heute zu zwei Wohnungen zusammengelegt wurden. Die beiden externen Stellwerke wurden inzwischen in die Schalterverkaufsräume verlegt. Die früheren Gebäude mit Waschküche und Stall für Ziegen und Schafe der Bediensteten sowie einer öffentlichen Toilette existieren ebenfalls nicht mehr. Das Gelände des Güterbahnhofes, gepachtet vom Baustoffhandel Martin Land, wurde in einen Park&Ride-Parkplatz umgewandelt. Südlich des Bahnhofs stehende Gebäude waren ehemals privat als Panneschoppen (Ziegelherstellung) und Sägewerk genutzt und sind ebenfalls längst niedergelegt. Das Empfangsgebäude steht heute unter Denkmalschutz.

Fremdenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haus Herchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Haus Herchen ist im Laufe der Geschichte wechselhaft genutzt worden

Die Wuppertaler Stadtwerke unterhalten in Herchen-Bahnhof ein Erholungs- und Schulungsheim für ihre Beschäftigten.

Dieses Anfang des 20. Jahrhunderts als Obstfarm angelegte und in den 30er-Jahren als Geflügelzucht betriebene Gelände diente im Dritten Reich als NSV-Müttererholungsheim. Nachdem die Wuppertaler Stadtwerke erst im Landheim Bourauel untergebracht waren, übernahmen sie 1947 die Anlage von den Stadtwerken Köln.

Nachdem das Haus erst Kriegsheimkehrern diente, wurde es zum Erholungsheim für Bedienstete der Wuppertaler Stadtwerken. Inzwischen ist das Haus Seminarzentrum mit 21 Doppel- und 17 Einzelzimmern.

Der zum Haus gehörende Bauernhof wurde 2002 niedergelegt. Auf diesem Gelände entstand dann nach dem Abriss ein modernes Weiterbildungs- und Seminarzentrum.

Bergfried[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bergfried

Die ehemalige Fremdenpension Haus Heimatliebe wurde 1930 als Privathaus erbaut und 1939 als Pension betrieben. Sie war Erholungsort für jeweils acht Mitarbeiter von Bayer Leverkusen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Haus erst als Café betrieben. 1958 wurde das Haus verkauft und als Gaststätte Bergfried betrieben.

Sonneck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1906 als Privathaus erbaute Haus Sonneck wurde erst als Lebensmittelgeschäft und spätestens seit 1925 als Pension betrieben. Zeitweise betrieb man hier auch eine öffentliche Tankstelle. Inzwischen dient das Haus wieder reinen Wohnzwecken.

Kölner Hof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ab 1900 von Friedrich Rötzel betriebene Gasthof besteht heute noch, hat seinen Hotelbetrieb allerdings eingestellt. Die 1909 konzessionierten Anbauten Kegelbahn und Tanzsaal wurden schon vor einigen Jahrzehnten zu Wohnungen umgebaut. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Karl-Koch-Hütte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Ferienunterkunft des Kirchenkreises Düsseldorf, die die letzten Jahre aber privat untervermietet war. 2007 musste sie dem Neubau einer zweiten Turnhalle für die Realschule weichen.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Haus Herchen führt der Höhenwanderweg über die Martin-Land-Hütte und die Düsseldorfer Hütte zum Thingplatz (Herchen) und den dortigen Kanonen, die seit dem Deutsch-Französischen-Krieg in Köln auf dem Heumarkt standen und im Ersten Weltkrieg nach Herchen evakuiert wurden. Nördlich von Igelshof befindet sich der Heilbrunnen. Einen guten Blick über Herchen-Bahnhof bietet die Plattform des ehemaligen Hindenburgdenkmals.

Industrie und Handel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Apfelkraut aus Herchen-Bahnhof
Eine Werbeanzeige aus der Eitorfer Zeitung von 1924

Apfelkraut Land[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Größter Arbeitgeber im Ort war bis 1977 die Apfelkrautfabrik Land, die ihre rheinische Spezialität bis nach Amerika exportierte. Gegründet wurde die Fabrik 1872. Sie wurde erst als kleines Unternehmen im Hammer betrieben. Dann erbaute Gottlieb Land seine kleine Fabrik am Bahnhof. Nach seinem Tod wurde die Apfelverarbeitung von Sohn Walter, Kohle- und Baustoffverkauf von Sohn Martin übernommen. 1950 wurden hier 38 Prozent des deutschen Gesamtumsatzes an Apfelkraut erzeugt.[3]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Daneben bestand eine Reihe von Geschäftshäusern: Lebensmittelgeschäft Böhmer, in dem heute ein Zoogeschäft betrieben wird, Elektrohandel Schlabbach, Lebensmittelgeschäft Fenners, Autohandel (für Glas, Goggo und Fiat) und Tankstelle Olbertz, Imbiss Rodeck und die 1960 abgerissene Baracke an der Sieg, in der vor dem Krieg ein Bauunternehmer, im Krieg der Kunstdreher Bentele und nach dem Krieg ein Sägewerk untergebracht waren.

Ortsteil Igelshof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der auf der linken Seite der Sieg gelegene Ortsteil Igelshof wird vor allem durch die Burg Reifershardt präsentiert. Die heutige Wohnbebauung war früher gewerblich durchsetzt, es gab hier ein Tiefbauunternehmen, eine Bücherstube, das Restaurant Fritz Burbach und eine Wäscherei des Bodelschwingh-Gymnasiums, in der im Zweiten Weltkrieg französische Kriegsgefangene einquartiert waren. Heute gehört Igelshof zu Werfen.

Denkmalschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burg Reifershardt am 11. November 1986 unter Denkmalschutz gestellt, der Kölner Hof am 7. Oktober 1988 und der Bahnhof Herchen am 11. November 1991.[4]

Persönlichkeiten des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Land (* 1938), Transplantationsmediziner (Chirurg)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ortschaftenverzeichnis. Gemeinde Windeck, 30. Juni 2015, abgerufen am 18. Dezember 2016.
  2. Emil Hundhausen (Hrsg.): Unsere Heimat in alten Bildern. Heimatmuseum Windeck, Fritz Franz, Windeck-Stromberg 1976, DNB 770620876.
  3. Theodor Rutt: Land an Sieg und Rhein: Geschichte – Kultur – Wirtschaft. Wissenschaftliches Archiv, Bonn 1960, DNB 454240287, S. 218.
  4. Denkmalschutzliste der Gemeinde Windeck 2011