Straßenbahn Brandenburg an der Havel

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Straßenbahn
Straßenbahn Brandenburg an der Havel
Bild
Straßenbahn des Typs KTNF6 in der Hauptstraße
Basisinformationen
Staat Deutschland
Stadt Brandenburg an der Havel
Eröffnung 1. Oktober 1897
Elektrifizierung 1. April 1911
Betreiber VBBr
Verkehrsverbund VBB
Infrastruktur
Streckenlänge 16,3 km (2010)
Spurweite 1000 mm (Meterspur)
Stromsystem 600 Volt DC Oberleitung
Betriebshöfe 1
Betrieb
Linien 3
Fahrzeuge 10 KTNF6, 6 MGT6D, 2 Tatra KT4D
Statistik
Fahrleistung 0,678 Mio Zug-km (2010)dep1
Netzplan
Netzplan (Stand 2013)

Die Straßenbahn Brandenburg an der Havel verkehrt seit dem 1. April 1911 elektrisch in der Stadt Brandenburg an der Havel. Derzeit existieren drei Linien, das Netz ist meterspurig und hat eine Streckenlänge von 17,65 Kilometern. Betreiber ist die im städtischen Besitz befindliche Verkehrsbetriebe Brandenburg an der Havel GmbH.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehungsgeschichte und Entwicklung bis zum Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einweihung der neuen Jahrtausendbrücke im Jahr 1929

Die Brandenburger Straßenbahn wurde am 1. Oktober 1897 als Pferdebahn eröffnet. Die Linien wurden mit Farben bezeichnet und die Spurweite wurde mit 1000 mm festgelegt. Nachdem die Stadt das Unternehmen zum 1. April 1910 übernahm, wurde gleichzeitig die Umstellung auf elektrischen Betrieb beschlossen und ein Jahr später am 1. April 1911 eröffnet. Neben einer Erweiterung zum Bahnhof Altstadt sowie zur Planebrücke noch im April 1911 wurde am Heiligabend 1912 die Überlandstrecke nach Plaue eröffnet ("Gelbe Linie").[1]

DDR-Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gothawagenzug auf der Überlandlinie 1 nach Kirchmöser

Am 20. Juli 1950 begannen die Arbeiten zur Verlängerung des Streckenastes vom Bahnhof Altstadt zum Stahlwerk. Am 1. Oktober 1952 konnte die gesamte Strecke bis zu ihrem heutigen Endpunkt an der Quenzbrücke eröffnet werden.[1]

Zur Erneuerung des Fahrzeugparks wurden ab 1958 Neubauwagen der Bauarten LOWA und Gotha bezogen. Insgesamt wurden bis 1959 12 Triebwagen und 22 Beiwagen angeschafft. Im Gegensatz zu fast allen anderen Betrieben in der DDR verfügte Brandenburg (Havel) ausschließlich über zweiachsige Fahrzeuge der Typen T-57, T59-E, T-61E, T-62 sowie T2D mit passenden Beiwagen.[2]

1970 beschloss die Stadt Brandenburg den Straßenbahnbetrieb innerhalb von zehn Jahren einzustellen. Durch die Energiekrise wurde dieser Beschluss nie umgesetzt. So wurde 1979 der erste KT4D-Triebwagen beschafft, im selben Jahr begann der Neubau der Strecke nach Hohenstücken. Entsprechend der weiteren Ausbaupläne der Wohnkomplexe wurde die Endhaltestelle Hohenstücken Nord mit sechs Aufstellgleisen dimensioniert.

Vorarbeiten für eine Verbindung des Astes nach Hohenstücken auf Höhe der Kurve am Tschirchdamm zur Gördenallee wurden bereits getätigt. Diese Verbindungsstrecke wurde jedoch später nie verwirklicht.

Nachwendezeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kt4D im Jahr 1990
Ehemalige Endhaltestelle Kirchmöser, 1997
Gothawagenzug in der engen Ortsdurchfahrt von Plaue, 1990
Der marode Zustand der alten Brücke in Plaue war ursächlich für die Einstellung der Linie 1 nach Kirchmöser
MGT6D in der Hauptstraße, 2013

In den 1980er und 1990er Jahren wurde der Betrieb unter Rekonstruktion der Gleisanlagen schrittweise modernisiert. Im Jahr 1995 wurden vier Straßenbahntriebwagen des Typs MGT6D (Nr. 100-103) in Zweirichtungsbauweise beschafft. Schon davor waren zwei MGT6D (Nr. 500-501) aus Halle/Saale in Brandenburg an der Havel zu Gast und auch im Linieneinsatz gewesen. Da die Beschaffung der MGT6D der Stadt zu teuer wurde, ließ man zehn Tatra KT4 um ein niederfluriges Mittelteil zum KTNF6 erweitern. Die Gothaer und LOWA-Bahnen verschwanden in den 1990er Jahren aus dem Linienverkehr, zudem wurden drei Zweirichtungs-GT4 von der Freiburger Verkehrs AG übernommen, die vor allem auf den Strecken nach Plaue und Kirchmöser eingesetzt wurden. Zusätzlich kamen die Fahrzeuge immer wieder im Baustellenverkehr zum Einsatz. Im Jahre 1997 wurde das 100-jährige Jubiläum des Straßenbahnbetriebes begangen und am 16. September 2000 der neue Betriebshof in der Upstallstraße eingeweiht.

Am 28. September 2002 wurde die 5,6 Kilometer lange Überlandstraßenbahnstrecke Anton-Saefkow-Allee – Plaue – Kirchmöser-West wegen Brückenschäden eingestellt. Die Linie 1 endet nunmehr an der Haltestelle Anton-Saefkow-Allee. Nach dem Wegfall des Überlandabschnittes nach Plaue und Kirchmöser wurden die GT4-ZR auf dem alten Betriebshof in der Bauhofstraße abgestellt und wenig später verschrottet.

Im Jahr 2005 senkte die Stadt Brandenburg ihre Zuzahlungen für die Verkehrsbetriebe Brandenburg GmbH um zwei Millionen Euro. Aufgrund dieser Maßnahme wurden Fahrzeuge und Mitarbeiter eingespart sowie der Fahrplan ausgedünnt. Besonders am Wochenende verkehren Straßenbahn- und Buslinien seltener. An Sonn- und Feiertagen werden zum ersten Mal in der Geschichte der Straßenbahn zwei Straßenbahnlinien (Linie 1 und 2) miteinander verbunden, und als Linie 1/2 (Quenzbrücke – Anton-Saefkow-Allee) im 60-Minuten-Takt geführt. Die Linie 1/2 bedient dabei nicht den Hauptbahnhof, dieser wird durch die Straßenbahnlinie 6 im 30-Minuten-Takt angefahren.

Im Jahre 2007 wurde das 110-jährige Jubiläum des Betriebes begangen. Bei ungewisser Zukunft der Straßenbahn auf längere Sicht plant die Stadt Brandenburg deren Erhalt bis 2020. Im Frühjahr 2012 wurde damit begonnen, den Bahnhofsvorplatz in Brandenburg neu zu gestalten. Dabei wurden bis Mai auch die Gleisanlagen der Straßenbahn grundlegend erneuert.

Im Jahr 2011 wurde die Neuendorfer Straße erneuert und von 2012 bis 2013 wurde der Nicolaiplatz umgebaut. Beide Baumaßnahmen führten dazu, dass die Strecke der Linie 1 über die Neuendorfer Straße, Luckenberger Straße und Bauhofstraße nicht von Straßenbahnen befahren werden konnte. Aus diesem Grund befuhr die Linie 1 vom 7. März bis zum 14. August 2011 und vom 18. Juni 2012 bis zum 2. November 2013 in der Innenstadt stattdessen den Linienweg der Linie 2, die Haltestellen Luckenberger Straße und Kanalstraße wurden nicht von der Straßenbahn bedient.

Am 4. Januar 2014 wurden die zwei Prototypen aus der Bogestra-Serie vom Typ MGT6D (Nr. 500-501) aus Halle/Saale von den VBBr gekauft, welche bereits 1995 zu Testzwecken in Brandenburg weilten. Im Zuge der Neuanschaffung der zwei Niederflurbahnen sollen die KT4D Nr. 173 und 180 verkauft werden, wodurch der Wagenpark der Brandenburger Straßenbahn zukünftig einen 100 % Niederflur-Anteil aufweist.

Während der Bundesgartenschau 2015 in der Havelregion wurde der Verkehr an Wochenenden und Feiertagen in der Innenstadt durch die Ringlinie 8 verstärkt. Die Linie durchfuhr zweimal die Steinstraße in Richtung Neustädtischer Markt, so dass der Linienverlauf einer 8 ähnelte. Außerdem wurde die Bezeichnung der Linie Quenzbrücke–Anton-Saefkow-Allee von „1/2“ zu „12“ geändert und deren Takt von 60 auf 30 Minuten verdichtet.

Die Änderungen bei der Linie 12 wurden auch nach der Bundesgartenschau beibehalten.

Linienübersichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1989[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurz vor und nach der Wende waren die folgenden Straßenbahnlinien im Einsatz:
1: Kirchmöser West – Nicolaiplatz – Neustädtischer Markt – Hauptbahnhof – Bauhofstraße – Nicolaiplatz – Kirchmöser West
2: Quenzbrücke – Nicolaiplatz – Bauhofstraße – Hauptbahnhof – Neustädtischer Markt – Nicolaiplatz – Quenzbrücke
3: Quenzbrücke – Nicolaiplatz – Neustädtischer Markt – Bauhofstraße – Nicolaiplatz – Quenzbrücke
4: Waldcafé Görden – Nicolaiplatz – Bauhofstraße – Neustädtischer Markt – Nicolaiplatz – Waldcafé Görden
5: Waldcafé Görden – Quenzbrücke und zurück
6: Hohenstücken Nord – Nicolaiplatz – Bauhofstraße – Neustädtischer Markt – Nicolaiplatz – Hohenstücken Nord
7: Hohenstücken Nord – Nicolaiplatz – Neustädtischer Markt – Bauhofstraße – Nicolaiplatz – Hohenstücken Nord
8: Hohenstücken Nord – Quenzbrücke und zurück
9: Hohenstücken Nord – Nicolaiplatz – Neustädtischer Markt – Hauptbahnhof – Bauhofstraße – Nicolaiplatz – Hohenstücken Nord

Aktuell betriebene Linien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gleisplan (Stand 2013)
Linie Strecke Halte
1 Hauptbahnhof (← Neustädtischer Markt) ↔ Kanalstraße ↔ Nicolaiplatz ↔ Fontanestraße ↔ Waldcafé GördenAnton-Saefkow-Allee 20/23
2 Hauptbahnhof (→ Steinstraße) ↔ Neustädtischer Markt ↔ Nicolaiplatz ↔ Quenzbrücke 18/16
6 Hauptbahnhof (← Steinstraße) ↔ Neustädtischer Markt ↔ Nicolaiplatz ↔ Fontanestraße ↔ Hohenstücken Nord 18/20
12 Anton-Saefkow-Allee ↔ Fontanestraße ↔ Quenzbrücke 20

Die Linie 12 ersetzt sonn- und feiertags die Linien 1 und 2.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Autorenkollektiv: Straßenbahn Archiv 6. Raum Cottbus, Magdeburg, Schwerin, Rostock. transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1986, ISBN 3-344-00003-9.
  • Walter Menzel, Jörg Schulze: 100 Jahre elektrische Straßenbahn in Brandenburg an der Havel. VBN Verlag Bernd Neddermeyer, Berlin 2011, ISBN 3-941712-13-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Trams in Brandenburg an der Havel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Webpräsenz der Verkehrsbetriebe Brandenburg (Havel) (abgerufen am 6. Mai 2012, 18:10 Uhr MEZ)
  2. GothaWagen.de (abgerufen am 6. Mai 2012, 18:36 Uhr)