Streitkräfte Somalias

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SomaliaSomalia Somalische Streitkräfte
Xoogga Dalka Soomaaliyeed
القوات المسلحة الصومالية
Emblem der Streitkräfte Somalias
Führung
Oberbefehlshaber: Präsident Mohamed Abdullahi Mohamed
Militärischer Befehlshaber: Brig. Gen. Ahmed Mohamed Jimale
Sitz des Hauptquartiers: Mogadischu
Militärische Stärke
Aktive Soldaten: 15.900 (2017)[1]
Wehrpflicht: nein
Wehrtauglichkeitsalter: 18
Geschichte
Gründung: 1960

Die Streitkräfte Somalias (Somali: Xoogga Dalka Soomaaliyeed) befinden sich nach dem Staatszerfall Somalias um das Jahr 1991 seit 2012 im Wiederaufbau. Derzeitiger Oberbefehlshaber der Streitkräfte Somalias ist Präsident Mohamed Abdullahi Mohamed. Der aktuelle Armeechef Brigadegeneral Ahmed Mohamed Jimale ist seit 5. April 2017 in dieser Dienststellung.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Streitkräfte Somalias ab der Gründung 1960[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Streitkräfte Somalias wurden im Jahr 1960 gegründet. Kerntruppe bei der Gründung der somalischen Streitkräfte waren die Somaliland Scouts der British Army. Somalia war aufgrund seiner Gebietsansprüche gegenüber den Nachbarländern seit seiner Unabhängigkeit in der Region isoliert. 1963–1967 waren im Nordosten Kenias im „Shifta-Krieg“ Rebellen aktiv, die von Somalia unterstützt wurden, und von Februar bis April 1964 führten Somalia und Äthiopien einen kurzen Grenzkrieg. Im selben Jahr schlossen Äthiopien und Kenia ein Verteidigungsabkommen gegen Somalia.[3] Am 21. Oktober 1969 übernahmen prosowjetische Militärs unter Siad Barre die Macht. Barre baute die Armee mit sowjetischer Unterstützung zu einer der stärksten des Kontinents aus und führte 1976/77–1978 einen neuen Krieg um Ogaden gegen Äthiopien, den Somalia verlor. Hierbei wurde das kommunistische Derg-Regime Äthiopiens von der Sowjetunion und Barre – nachdem er wegen deren Unterstützung für Äthiopien mit der Sowjetunion gebrochen hatte – von den USA unterstützt. Folgen des Ogadenkrieges waren Tausende Tote, hohe Kosten für Somalia sowie der Zustrom von über 650.000 Flüchtlingen[4]. Im Inneren regierte Siad Barre zunehmend diktatorisch. 1978 versuchten einige Armeeoffiziere, hauptsächlich Majerteen-Darod, einen Umsturz gegen seine Regierung. Einer der Beteiligten an dem Umsturzversuch, Abdullahi Yusuf Ahmed, entkam nach Äthiopien und führte 1982 eine von Äthiopien unterstützte Militäroffensive der Somalischen Demokratischen Erlösungsfront (SSDF) in den Grenzregionen Mudug, Galguduud und Hiiraan. Die USA unterstützen die somalische Armee daraufhin mit erheblichen Waffenlieferungen, um die angebliche äthiopische Invasion abzuwehren. Der Hawiye-Clan im Süden, obwohl zunächst auf Seiten der Regierung, gründete den oppositionellen Vereinigten Somalischen Kongress (USC), der 1989 eine Rebellion anführte.

De-facto Auflösung des Staates 1991[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 26. Januar 1991 wurde Barre abgesetzt und floh schließlich aus Somalia. Im weiteren Verlauf des Somalischen Bürgerkriegs versuchten Mohammed Farah Aidid und Ali Mahdi Mohammed vom USC die Macht für sich allein zu beanspruchen. Die anderen Oppositionsgruppen erkannten die vom USC gebildete provisorische Regierung nicht an. Der Norden des Landes erklärte unter der Führung der SNM als Somaliland einseitig seine Unabhängigkeit, die international nicht anerkannt wurde. Hier wurden die Streitkräfte von Somaliland gegründet.[5]

Der USC selbst spaltete sich zwischen den Unterclans der Abgal- und Habre Gedir-Hawiye, nachdem sich Ali Mahdi Mohammed (Abgal) ohne Einverständnis Aidids (Habre Gedir) zum Präsidenten ausgerufen hatte. Siad Barres Verteidigungsminister und Schwiegersohn Siad Hersi „Morgan“ kämpfte derweil im Süden weiter auf der Seite Barres. Somalia zerfiel in umkämpfte Machtbereiche von Clans und Kriegsherren und deren Milizen. Auch ausländische Interventionen konnten nicht zu einer Klärung der Machtverhältnisse beitragen. 2000 wurde nach Friedensverhandlungen in Arta, Dschibuti eine Übergangsregierung aus Vertretern verschiedener Clans gebildet. Am 24. Dezember 2006 kam es zum Eingreifen Äthiopiens in den Bürgerkrieg. Die militante Untergrundorganisation al-Shabaab und andere Gruppierungen brachten im Laufe des Jahres 2008 weite Teile Süd- und Zentralsomalias unter ihre Kontrolle. Die Übergangsregierung kontrollierte nur mehr einige Teile von Mogadischu und die Stadt Baidoa. Ende 2008 trat Präsident Abdullahi Yusuf Ahmed zurück, nachdem er für seine geringen Erfolge kritisiert worden war und sich mit Ministerpräsident Nur Hassan Hussein überworfen hatte. Teile der Allianz für die Wiederbefreiung Somalias führten Verhandlungen mit der Übergangsregierung über eine Machtteilung und den Abzug der äthiopischen Truppen. Durch diese Verhandlungen wurde der Abzug der äthiopischen Truppen im Januar 2009 erreicht. Der Allianz-Vertreter Sharif Sheikh Ahmed wurde zum neuen Präsidenten gewählt. 2011 rückten die Kenya Defence Forces mit rund 2.400 Soldaten marschierten in der Operation Linda Nchi (deutsch: Verteidigt die Nation) in Somalia ein, um al-Shabaab zu bekämpfen.

Bundesrepublik ab 2012[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. August 2012 nahm das Parlament Somalias eine neue Verfassung an. Mit ihr wurde die Übergangsregierung Somalias abgelöst und erstmals wieder eine zumindest formell-normalisierte Staatsordnung hergestellt. Somalia wurde in eine Bundesrepublik umgewandelt. Die de-facto-Regime in Somaliland und Puntland erkennen die Regierung in Mogadischu jedoch weiter nicht an.

Die Wiedererrichtung der Streitkräfte Somalias ist seit 2012 mit Unterstützung zahlreicher ausländischer Mächte in Gang. Der aktuelle Armeechef Brig. General Ahmed Mohamed Jimale ist seit 5. April 2017 in Dienst.

Aktuelle Ausrüstung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die aktuelle Ausrüstung der Streitkräfte Somalias ist eine Mischung aus Material der früheren somalischen Armee und Spenden der letzten Jahre. Die Quellenlage zur Ausrüstung ist unübersichtlich.

Landstreitkräfte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waffe Herkunft Typ Anmerkungen
T-54 SowjetunionSowjetunion Sowjetunion Kampfpanzer Unbekannte Anzahl in Dienst (auch T55).[6]
Fiat 6616 ItalienItalien Italien Mannschaftstransportwagen Unbekannte Anzahl in Dienst.[6]
Saxon Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Mannschaftstransportwagen Spende aus Dschibuti, derzeit 25 in Dienst.[6]
Iveco VM 90[6] ItalienItalien Italien Mannschaftstransportwagen Spende aus Italien 2015.
Casspir SudafrikaSüdafrika Südafrika Mannschaftstransportwagen 9 in Dienst.[6]
RG-31 Nyala SudafrikaSüdafrika Südafrika Radpanzer Unbekannte Anzahl in Dienst.[6]
BM-21 SowjetunionSowjetunion Sowjetunion Raketenwerfer Unbekannte Anzahl in Dienst.[6]
SU-23-2[6] SowjetunionSowjetunion Sowjetunion Flugabwehrkanone
M79[7] Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten Granatwerfer
RPG-2[7] SowjetunionSowjetunion Sowjetunion Granatwerfer
RPG-7[7] SowjetunionSowjetunion Sowjetunion Granatwerfer
Sterling-Maschinenpistole[7] Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Maschinenpistole
AK-47[7] SowjetunionSowjetunion Sowjetunion Sturmgewehr Standardgewehr neben anderen AK-47 Varianten.
AKM[7][8] SowjetunionSowjetunion Sowjetunion Sturmgewehr
M16[7] Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten Sturmgewehr
Heckler & Koch G3[7] DeutschlandDeutschland Deutschland Sturmgewehr
FN FAL[7] BelgienBelgien Belgien Sturmgewehr
M14[7] Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten Selbstladegewehr
RPD[7] SowjetunionSowjetunion Sowjetunion Maschinengewehr
RPDk[7] SowjetunionSowjetunion Sowjetunion Maschinengewehr
AA-52[7] FrankreichFrankreich Frankreich Maschinengewehr
FN MAG[7] BelgienBelgien Belgien Maschinengewehr
DShK[7] SowjetunionSowjetunion Sowjetunion Schweres Maschinengewehr
Browning M2[7] Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten Schweres Maschinengewehr
Tokarew TT-33[7] SowjetunionSowjetunion Sowjetunion Pistole

Luftwaffe und Marine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftwaffe und Marine sollen wiedererrichtet werden. Aktuell verfügen sie abgesehen von einigen kleinen Transportflugzeugen und Patrouillenbooten über keine nennenswerte Ausrüstung.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Information von Globalfirepower.com
  2. aawsat.com: Somalia: President changes military leadership, declares war on terror
  3. Countrystudies.us: Somalia – Pan-Somalism
  4. Zahl von Countrystudies.us: Somalia – Foreign Relations
  5. somaliareport.com: Somalilands military is a shadow of the past (Memento des Originals vom 20. Januar 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/somaliareport.com
  6. a b c d e f g h International Institute for Strategic Studies: The Military Balance 2017
  7. a b c d e f g h i j k l m n o p q Richard D. Jones: Jane’s Infantry Weapons 2009/2010. Jane’s Information Group; 35 edition (January 27, 2009). ISBN 978-0-7106-2869-5
  8. africanews.com: Several soldiers killed in al-Shabaab-attack on somali army-base

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Streitkräfte Somalias – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien