South African National Defence Force

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Flagge SüdafrikasFlagge Südafrikas South African National Defence Force
Flagge der SANDF
Führung
Oberbefehlshaber: Präsident der Republik Südafrika
Verteidigungsministerin: Nosiviwe Noluthando Mapisa-Nqakula
Militärischer Befehlshaber: General Solly Zacharia Shoke
Militärische Stärke
Aktive Soldaten: 60.000
Reservisten: ca. 90.000
Wehrpflicht:
Wehrtaugliche Bevölkerung: ca. 14,09 Millionen (Männer und Frauen, Alter 16–49; 2010)[1]
Wehrtauglichkeitsalter: Vollendetes 18. Lebensjahr
Haushalt
Militärbudget: 4,040 Mrd. US-$ (2007)
Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 1,16 %
Geschichte
Gründung: 10. Mai 1994

Die South African National Defence Force, abgekürzt SANDF, deutsch etwa: „Südafrikanische Nationale Verteidigungsstreitkräfte“, sind die Streitkräfte der Republik Südafrika. In ihrer heutigen Form wurde sie nach dem Ende der Apartheid am 10. Mai 1994 gegründet, auf der Grundlage von Neuwahlen und einer neuen Verfassung.

Südafrika tätigt mit 3,5 Milliarden US-Dollar (2006) die höchsten jährlichen Rüstungsausgaben in Afrika. Aufgrund der internationalen Sanktionen während der Apartheid hat sich Südafrika eine eigene, leistungsfähige und vielseitige Rüstungsindustrie mit Forschungseinrichtungen aufgebaut. Südafrika besaß bis 1994 Massenvernichtungswaffen, darunter auch Atomwaffen, die aber noch vor der Machtübergabe an die neue Regierung auf Geheiß der alten Machthaber unter UNO-Aufsicht vernichtet wurden. Es besteht keine Absicht, neue Atomwaffen zu produzieren. Mit der Gründung der SANDF 1994 wurde in Südafrika die Wehrpflicht abgeschafft, die SANDF ist eine reine Berufsarmee.

Geschichte[Bearbeiten]

Struktur der SADF 1993[Bearbeiten]

  • Heer: 47.000 Soldaten, davon 18.000 aktive Soldaten. Daneben rund 29.000 Mann der Bürgerwehr (Reservisten).
  • Luftwaffe: 10.000 Soldaten, davon 3.000 Wehrpflichtige
  • Marine: 4.500 Soldaten, davon 900 Wehrpflichtige

SANDF wird Nachfolger der SADF[Bearbeiten]

Die SANDF ersetzte 1994 die South African Defence Force (SADF; afrikaans Suid-Afrikanse Weermag) und beinhaltete sowohl Teile der Truppen und Ausrüstung der alten Armee als auch Truppen aus Guerillagruppierungen der früheren Oppositionsparteien wie dem Umkhonto we Sizwe (MK) des African National Congress (ANC) und den „Selbstschutzeinheiten“ (Self-Protection Unit (SPU)) der Inkatha Freedom Party (IFP) sowie Truppen mehrerer Homelands. Erster Oberbefehlshaber der SANDF wurde der bereits im Oktober 1993 noch von Ministerpräsident Frederik Willem de Klerk ernannte General George Meiring, der auch nach den Neuwahlen vom Kabinett als Oberbefehlshaber bestätigt wurde. Erster Verteidigungsminister in der Regierung der Nationalen Einheit wurde der frühere langjährige Kommandeur des Umkhonto we Sizwe, Joe Modise. Von der ANC-Seite war Solly Shoke als Fachmann für Personalfragen benannt und seit 1994 zur Transformation der Streitkräfte eingesetzt.

Hauptproblem der SANDF war anfangs die Integration von 26.500 Angehörigen des Umkhonto we Sizwe und 6.880 Kämpfern der APLA (Azanian People’s Liberation Army) der Befreiungsbewegung Pan Africanist Congress (PAC). Ein bis zu drei Jahre dauerndes Eingliederungs- und Ausbildungsprogramm wurde ab Juni 1994 in verschiedenen vormaligen SADF-Stützpunkten durchgeführt. Das Programm wurde unterstützt und kontrolliert durch ein britisches Ausbildungsteam (British Military Advisory and Training Team, BMATT) unter Führung von Brigadier Richard William „Dick“ Trigger.

Internationale Einsätze[Bearbeiten]

Die SANDF hat an verschiedenen afrikanischen internationalen Missionen teilgenommen, darunter eine Invasion in Lesotho, um die dortige demokratisch gewählte Regierung nach einem Putsch wiederherzustellen, und UN-Missionen in der Demokratischen Republik Kongo und in Burundi. Außerdem nehmen südafrikanische Truppen an der UN-Mission im Sudan teil.

Aktuelle Entwicklungen[Bearbeiten]

Die konventionelle Bewaffnung der SANDF wird gegenwärtig einer Modernisierung unterzogen. So wurden neue Kriegsschiffe und U-Boote in Deutschland und Kampfjets in Schweden und Großbritannien eingekauft. Diese Einkäufe sind auf Grund ihrer Kosten und wegen Korruption bei der Auftragsvergabe äußerst kontrovers.

Zu den Problemen der SANDF gehört ein Mangel an ausgebildeten Piloten und Marineoffizieren, da viele der weißen Offiziere der SADF durch Mitglieder der Befreiungsbewegungen ersetzt wurden. Der Verlust von qualifiziertem Personal, die Ausmusterung von Ausrüstung wegen Geldmangels, eine hohe AIDS-Infektionsrate der Truppe und die Tatsache, dass die Infanteriesoldaten der SANDF zu den ältesten der Welt gehören, lassen die Wehrbereitschaft der SANDF momentan zweifelhaft erscheinen. Es wird jedoch aktiv versucht, durch Rekrutierungs- und Ausbildungsprogramme die Zustände zu verbessern.

2012 förderte die Deutsche Marine die südafrikanische Marine im Hinblick auf das Boarding in Piraterie-Einsätzen.[2]

Auftrag[Bearbeiten]

Die SANDF sind mit dem Schutz Südafrikas und der Teilnahme an multinationalen Friedensmissionen beauftragt. Dabei liegt der Fokus auf Stabilisierungsmissionen in Afrika.

Organisation und Personal[Bearbeiten]

Der Präsident ist Oberbefehlshaber über die Streitkräfte. Die alltägliche Ausgestaltung übernimmt der Verteidigungsminister (Minister of Defence and Military Veterans).

Der Kommandant der SANDF wird vom südafrikanischen Präsidenten aus einer der Waffengattungen ausgewählt und ist dem Verteidigungsminister unterstellt. Er ist der Vorsitzende des Defence Command Council (DCC, deutsch: Verteidigungskommandorat), dem die Leiter der vier Heeresgruppen, der Generalinspekteur und andere angehören. Derzeit hat General Solly Shoke das Amt inne. Er ist Nachfolger von Godfrey Ngwenya, der zum südafrikanischen Botschafter in Angola ernannt wurde. Vorübergehend übernahm Lieutenant General Themba Matanzima kommissarisch diese Befehlsstelle.[3][4]

General Ansuyah Fakir fördert als Direktorin für Strategische Planung (Director for Strategic Planning at Defence) die berufliche Entwicklung von Frauen innerhalb der südafrikanischen Streitkräfte. Im Jahr 2005 versahen 13 Frauen im militärischen Generalsrang ihren Dienst, den zu diesem Zeitpunkt insgesamt 134 Personen trugen. Das südafrikanische Verteidigungsministerium verfolgt das Ziel, Frauen als künftige Führungskräfte auf allen Ebenen auszubilden. Dabei besteht auch eine informelle Kooperation mit dem South African Police Service.[5][6]

Teilstreitkräfte[Bearbeiten]

Heer[Bearbeiten]

Schwerer Spähpanzer des Typs Rooikat aus landeseigener Produktion

Das Südafrikanische Heer (engl.: South African Army, abgekürzt SAA) hat eine Personalstärke von 40.250 Mann und ist damit die größte Teilstreitkraft der südafrikanische Streitkräfte. Sie verfügt über rund 250 Kampfpanzer vom Typ Olifant und etwa 200 Geschütze. Derzeit wird die Armee einer starken Neuausrüstung unterzogen, wobei besonders Schützenpanzer und Geschütze ersetzt werden. Große Bedeutung haben auch die SAMIL-Militär-Lkw.

Marine[Bearbeiten]

SAS Spioenkop (F147) in Rota

Die Südafrikanische Marine (engl.: South African Navy, abgekürzt SAN) ist eine der größten Marinen Afrikas und hat bei einer Personalstärke von ca. 5.000 Mann einen Schiff- bzw. Bootbestand von 45 Einheiten. Dazu gehören als Hauptkampfeinheiten vier Fregatten der Valour-Klasse und drei U-Boote der Heroine-Klasse (Klasse 209/1400). Bei Luftfahrzeugen sind vier AgustaWestland Super Lynx 300 und acht Atlas Oryx Hubschrauber im Bestand.

Luftwaffe[Bearbeiten]

Gripen der SAAF in Kapstadt

Die Südafrikanische Luftwaffe (engl.: South African Air Force, abgekürzt SAAF) hat eine Personalstärke von 9.250 Mann und ist mit 117 Flugzeugen und 92 Hubschraubern ausgestattet. Durch 26 Kampfflugzeuge des Typ Saab JAS 39 Gripen, 24 Schulflugzeuge des Typ BAE Hawk und den hohen Bestand an Hubschraubern, wobei über die Hälfte aus südafrikanischer Produktion stammen, gilt die SAAF als mit am besten ausgerüstete Luftwaffe südlich der Sahara.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: South African National Defence Force – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. CIA - The World Factbook
  2. Frauke Wolfsturm (Presse- und Informationszentrum Marine): GOOD HOPE V - Lübeck meets Südafrika. Bundeswehr, 16. März 2012, abgerufen am 28. Februar 2014.
  3. SA Government Communication and Information System: SANDF Chief redeployed. auf www.buanews.gov.za (englisch)
  4. SA Government Communication and Information System: SANDF welcomes new chief. auf www.buanews.gov.za (englisch)
  5. Kgabo Mashamaite: DOD International Women’s Day Leadership Seminar. In: South African Soldier, South African Department of Defence, Vol. 19, Nr. 4 2012, S. 22-23 ISSN 1609-5014 (englisch; PDF; 7,0 MB)
  6. Lethube Phasha: Women networking. In: South African Soldier, South African Department of Defence, Vol. 12, Nr. 10 2005, S. 34 ISSN 1609-5014 (englisch; PDF; 1,6 MB)