Botswana Defence Force

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Botswana Defence Force
Führung
Oberbefehlshaber: Präsident Botswanas
(Ian Khama, seit 2008)
Verteidigungsminister: Shaw Kgathi
Militärischer Befehlshaber: Gaolathe Galebotswe
Sitz des Hauptquartiers: Gaborone
Militärische Stärke
Aktive Soldaten: 12.500 (2013)
Wehrpflicht: nein
Wehrtauglichkeitsalter: 18
Anteil der Soldaten an der Gesamtbevölkerung: 0,6 %
Haushalt
Militärbudget: 344 Mio. US-$ (2011)[1]
Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 2,0 % (2013)[2]
Geschichte
Gründung: 1977
Höchste Mannstärke: 12.500 [1]

Die Botswana Defence Force (BDF; deutsch Verteidigungsstreitkraft Botswanas) sind die Streitkräfte von Botswana. Sie nahmen an zahlreichen Auslandseinsätzen zur Friedenssicherung teil.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Unabhängigkeit Botswanas im Jahr 1966 verzichtete die neue Regierung auf die Errichtung einer Armee; stattdessen wurde eine kleine Einheit der Militärpolizei eingerichtet, die Botswana Police Mobile Unit (PMU).

Im Dezember 1976 töteten Aufständische im Rhodesischen Bürgerkrieg mehrere Geistliche. Als Einheiten der von Ian Smith geführten Rhodesian Security Forces im selben Monat das Hauptquartier der „Nkomo-Fraktion“ des südafrikanischen ANC in Francistown angriffen, zerstörten sie dabei auch Einrichtungen von in Grenznähe lebenden botswanischen Bewohnern. Diese Militäroperation mit Grenzübertritt wurde von einem regionalen Kommandeur Rhodesiens bestritten. Botswana führte jedoch vor dem UN-Sicherheitsrat darüber Beschwerde. Der damalige Außenminister Archie Mogwe berichtete im Januar vor den UN vom faktischen Kriegszustand in diesem Grenzbereich und bat um internationale Hilfe.[3] Im weiteren Verlauf des Jahres 1977 kam es zu weiteren Grenzübertritten von Flüchtlingen aus Rhodesien, darunter über 1000 Kinder und viele junge schwarze Rhodesier, die zuvor in ihrer Heimat Joshua Nkomo unterstützt hatten. Letztere wandten sich überwiegend in den Norden von Botswana und gingen in militärische Ausbildungslager des ANC, um später von dort nach Sambia verbracht zu werden. Die Regierung von Botswana hatte für solche Fremdaktivitäten keine Erlaubnis erteilt und stationierte Anfang 1977 zur besseren Kontrolle der botswanisch-rhodesischen Grenze eine Einheit der PMU. Während dieser Zeit kam es zu zahlreichen Sabotageakten und Bombenexplosionen in Rhodesien, wofür rhodesische Stellen das Eindringen von Insurgenten aus Botswana verantwortlich machten. Für die botswanische Zone parallel zur Grenze wurde ein Sonderstatus unter Polizeikontrolle errichtet.[3]

Gründung und Erweiterung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 1977 gründete die Regierung auf der Grundlage des BDF Act No. 13 of 1977 die Botswana Defence Force. Die Konflikte setzten sich jedoch fort. Im Mai wurden nach Angaben des Rhodesian Combined Operations Command vermeintliche Guerillakämpfer bis auf botswanisches Territorium verfolgt, wobei es zu Kontakt mit den benachbarten Streitkräften kam, jedoch ohne mit in Kampfhandlungen verwickelt zu werden.[3] 1978 kam es zum Lesoma Ambush, bei dem 15 botswanische Soldaten von Kämpfern der Rhodesian Security Forces getötet wurden,[4] und 1985 zum Überfall eines Kommandos der südafrikanischen South African Defence Force auf Gaborone mit zwölf Toten. 1986 hatte die BDF eine Mannstärke von 3000 sowie eine kleine Luftwaffe.[5] 1992 war die Mannstärke auf 7000 angestiegen. Die BDF erhielt rund 16 Prozent des Staatshaushalts, vor allem zum Ausbau der Luftwaffe, der rund 250 Millionen US-Dollar kostete.[5] Mitte der 1990er Jahre beanspruchte Botswana die Flussinsel Sedudu im Chobe, die bei niedrigem Wasserstand wenige Quadratkilometer groß ist und ebenfalls von Namibia beansprucht wurde. In der Folge erhöhte auch Namibia seine Rüstungsausgaben.[6] 1999 starben bei dem Absturz eines Hubschraubers drei Militärs, darunter der Bruder des damaligen Präsidenten.[7] 2004 war die BDF auf 12.000 Menschen angewachsen.[8]

Die BDF beteiligte sich an zahlreichen friedenssichernden und -erhaltenden Maßnahmen in Afrika.

Beitrag über die Ausbildung botswanischer Soldaten durch Soldaten der US Army Special Forces Command (Airborne)

Die USA, aber auch das Vereinigte Königreich, Indien, Kanada und andere Staaten bildeten die botswanischen Offiziere aus.[5]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Präsidentengarde der BDF (2007)

Die BDF hat die folgenden Aufgaben:

  • Gewährleistung der nationalen Sicherheit und Stabilität
  • Schutz der Menschen und ihres Eigentums
  • Schutz der Verfassung von Botswana, um die Herrschaft des Rechts zu gewährleisten
  • Verteidigung der territorialen Integrität Botswanas zu Lande und in der Luft
  • Bewahrung Botswanas als freier, unabhängiger und souveräner Staat
  • Unterstützung der Zivilbehörden bei inländischen Hilfsaktionen
  • Stärkung der internationalen Beziehungen Botswanas durch Teilnahme an regionalen und internationalen Sicherheitsunterstützungsmaßnahmen[10]

Die BDF besteht aus folgenden Truppenteilen:

  • Ground Forces („Bodentruppen“), mit dem Hauptquartier in Glen Valley bei Gaborone
  • Air Arm („Luftwaffe“), Hauptquartier Thebephatswe Air Base bei Molepolole
  • Defence Logistics („Verteidigungslogistik“), Hauptquartier Sir Seretse Khama Barracks in Gaborone

Minister of Defence, Justice and Security („Minister für Verteidigung, Justiz und Sicherheit“) ist seit 2014 Shaw Kgathi (Botswana Democratic Party). In der BDF gibt es auch weibliche Offiziere. Es gibt keine Wehrpflicht.

Doe BDF verfügt über Patrouillenboote zur Kontrolle der Flüsse Okavango und Chobe.[1]

Der Air Wing verfügte nach seiner Gründung 1977 über zweimotorige Propellerflugzeuge des Typs Islander, die vor allem zur Grenzüberwachung eingesetzt wurden. 1979 folgten zwei Transportflugzeuge Skyvan, die 1993 von ebenfalls zwei Aviocar abgelöst wurden. Schon 1988 waren zwei CN.235M dazu beschafft worden und ab Mitte 1990er Jahre liefen insgesamt drei C-130 Hercules zu. Dazu kamen einige Kleinflugzeuge und zwei Geschäftsreiseflugzeuge HS 125, die später durch Gulfstream IV ersetzt und durch eine Globale Express ergänzt wurden.

Im Jahr 1990 ersetzten sieben Pilatus PC-7 die sechs älteren Bulldog als Trainingsflugzeuge. Im Jahr 1985 stießen die ersten Hubschrauber zur Flotte, als AS350BA Ecureuils beschafft wurden. Drei Jahre später kamen drei Bell 412 dazu und gelangten mit neun bis 13 Flugzeugen vom Typ Strikemaster, aus Kuwait und Kenia stammend, die ersten Jets zum Air Arm. 1996/1997 wurden diese durch vorerst 13, später insgesamt 17 F-5A und F-5B aus Kanada ersetzt.[7][8][11]

Kommandostruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Präsident ist Commander-in-Chief. Ihm steht das Defence Council („Verteidigungsrat“) zur Seite, dem unter anderem Minister, Parlamentarier sowie der Commander („Kommandeur“) angehören, der operative Leiter der Armee. Er hat einen Stellvertreter (Deputy Commander). Die drei Truppenteile werden ebenfalls von je einem Commander angeführt.[12]

Ränge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soldaten werden als Recruit/Private oder Officer Cadet eingestellt. Die Rekruten können bis zum Force Sergeant Major aufsteigen, die Offizierslaufbahn kann bis zum Brigadier, Major General oder zum höchsten Rang Lieutenant General führen.[13]

Kommandeure der BDF[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit
General Mompati Merafhe 1977 1989
General Ian Khama 1989 1998
General Mathswenyego-Louis Fisher 1998 2006
General Tebogo Masire 2006 2012
General Gaolathe Galebotswe 2012 im Dienst

Personal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2013 betrug die Stärke der BDF rund 12.500 Personen,[1] darunter auch Frauen.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die BDF wird auch im Kampf gegen Wilderei eingesetzt. Verdächtige werden ohne Gerichtsverfahren erschossen. So wurden im Mai 2015 drei namibische mutmaßliche Wilderer von BDF-Soldaten getötet.[14]

Der armeeeigene Sportverein Botswana Defence Force XI war sieben Mal botswanischer Fußballmeister in der Botswana Premier League, zuletzt 2004.[15]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dan Henk: The Botswana Defence Force. In: African Security Review. Vol 13 No 4, 2004. Digitalisat

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Die BDF bei defenceweb.co.za (englisch), abgerufen am 13. Juli 2015
  2. CIA Factbook, Stand 2013 (englisch), abgerufen am 13. Juli 2015
  3. a b c SAIRR: A Survey of Race Relations in South Africa 1977. Johannesburg 1978, S. 590–592
  4. Lebenslauf ian Khamas bei gov.bw (englisch), abgerufen am 13. Juli 2015
  5. a b c Fred Morton, Jeff Ramsay, Part Themba Mgadla: Historical Dictionary of Botswana. Scarecrow Press, Lanham, Maryland/Oxford 2008, ISBN 978-0-8108-6404-7, S. 53. Auszüge bei books.google.de
  6. Alex Vines: Of arms and islands: the Botswana Namibia cold war. In: Southern Africa Report Archive. Vol 12 No 1, 1996, abgerufen am 19. Juli 2015
  7. a b http://www.air-britain.com/botswana.pdf (Memento vom 9. September 2011 im Webarchiv archive.is) Flugzeuge der BDF (englisch, PDF; 8,15 MB)
  8. a b Dan Henk: The Botswana Defence Force. In: African Security Review. Vol 13 No 4, 2004, abgerufen am 13. Juli 2015
  9. Porträt der Brigade bei sadc.int (englisch), abgerufen am 13. Juli 2015
  10. Aufgaben der BDF (englisch), abgerufen am 12. Juli 2015
  11. Nach anderen Angaben 2500 Luftwaffenangehörige: http://www.defenceweb.co.za/index.php?option=com_content&view=article&id=29364:botswana&catid=119:african-militaries&Itemid=255
  12. Kommandostruktur der BDF bei gov.bw (englisch), abgerufen am 13. Juli 2015
  13. Dienstränge und Abzeichen bei gov.bw (englisch), abgerufen am 13. Juli 2015
  14. Bericht bei sundaystandard.info vom 24. Mai 2015 (englisch), abgerufen am 19. Juli 2015
  15. Liste der Meister bei rsssf.com, abgerufen am 13. Juli 2015