Vierkirchen (Oberbayern)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Vierkirchen
Vierkirchen (Oberbayern)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Vierkirchen hervorgehoben
48.36666666666711.466666666667490Koordinaten: 48° 22′ N, 11° 28′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Dachau
Höhe: 490 m ü. NHN
Fläche: 19,38 km²
Einwohner: 4450 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 230 Einwohner je km²
Postleitzahl: 85256
Vorwahl: 08139
Kfz-Kennzeichen: DAH
Gemeindeschlüssel: 09 1 74 150
Gemeindegliederung: 10 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Gemeinde Vierkirchen
Schulweg 1
85256 Vierkirchen
Webpräsenz: www.vierkirchen.de
Bürgermeister: Harald Dirlenbach (SPD)
Lage der Gemeinde Vierkirchen im Landkreis Dachau
Landkreis Aichach-Friedberg Landkreis Freising Landkreis Fürstenfeldbruck Landkreis München Landkreis Neuburg-Schrobenhausen Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm München Altomünster Bergkirchen Dachau Erdweg Haimhausen Hebertshausen Hilgertshausen-Tandern Karlsfeld Markt Indersdorf Odelzhausen Petershausen Pfaffenhofen an der Glonn Schwabhausen (Oberbayern) Sulzemoos Vierkirchen (Oberbayern) WeichsKarte
Über dieses Bild

Vierkirchen ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Dachau.

Geografie[Bearbeiten]

Vierkirchen liegt in der Region München, 40 km nördlich von München.

Die Gemeinde Vierkirchen gliedert sich in folgende Gemarkungen:

  • Esterhofen
  • Ramelsbach
  • Rettenbach
  • Milbertshofen
  • Gramling
  • Wiedenhöfe

Geschichte[Bearbeiten]

Die Grenzen der Pfarrei Vierkirchen wurden bereits um das Jahr 779 unter Bischof Aribo festgelegt. Der Ort Vierkirchen kann nach geschichtlichen Recherchen im 8./9. Jahrhundert nicht groß gewesen sein. Aber er war vermutlich sowohl für den weltlichen Amtsträger (den Grafen), wie auch für den Bischof ein wichtiger, vielleicht sogar zentraler Versammlungsort. Ob Vierkirchen damals bereits ein fester Gerichtsplatz war, kann nicht eindeutig belegt werden.

Geschichtlichen Ersterwähnung: Im Jahre 820 kommt ein Laie namens Reginhelm nach Vierkirchen, wo Bischof Hitto von Freising offenbar eine große Versammlung abhält. Dieser Reginhelm übergibt dem Bischof hier den Besitz seines verwandten Onkels Kaganhart, der seinen Tod nahekommen sah. Dabei überträgt er dem Bischof auch das Söhnchen Kaganharts zum Schutze und zur Frömmigkeit, d.h. also wohl zur geistlichen Erziehung.

Bereits im Februar 823 tritt Vierkirchen schon deutlicher ins Licht: Eine adelige Matrone namens Cozilt erneuert eine Schenkung zu Vierkirchen, nämlich alles, was sie im Weiler (vicus) Vierkirchen gehabt hatte an Mancipien (= unfreien Landarbeitern), an Gebäuden und an Land. Vierkirchen bietet dabei eine der frühesten Erwähnungen des Dienst- und Amtsbereiches eines bayerischen Grafen. In der o.a. Schenkung wird nämlich eigens festgehalten, die Kirche Vierkirchens liege in ministerio Liutpaldis comitis, d.h. im Amtsbereich des Grafen Luitpald. 828 im Dezember wird wiederum Besitz an die Erlöserkirche bzw. Salvatorkirche zu Vierkirchen geschenkt. Diesmal übergibt ein Priester namens Ekkihard seinen Besitz zu Reod (= wohl Ried bei Oberbachern). In dieser Urkunde wird erwähnt, dass die Erlöserkirche bzw. Salvatorkirche zu Vierkirchen der Domkirche zu Freising untersteht. Es handelt sich also vermutlich nicht mehr um eine adelige Eigenkirche.

Bei diesen Schenkungen stehen sich jeweils zwei Partner gegenüber, die auf die allgemeinen Verhältnisse jener Zeit einen mächtigen Einfluss ausübten: Die Angehörigen einer Grundherrenschicht, des Adels, die so vermögend waren, dass sie Teile ihres Besitzes an die Kirche schenken konnten und auf der anderen Seite die Kirche mit dem Bistum Freising, zu der die St.-Salvator-Kirche zu Vierkirchen gehörte. Eigentlich waren damals nur Domkirchen und Klosterkirchen dem heiligen Erlöser geweiht. Also muss die Vierkirchner Kirche eine wichtige Kirche des Bischofs gewesen sein. Da aber Adelige an diese freisingische Eigenkirche weiterhin schenken, werden sie ein besonderes Verhältnis zu dieser Kirche gehabt haben. Es bleibt zu vermuten und anzunehmen, dass ihre Vorfahren diese Kirche einst gegründet, aus Fichtenholz gezimmert und aufgebaut oder aber im ehemaligen Fichtenwald errichtet haben, also Feohtkiriha = Fichtenkirche. Im oberbayerischen Archiv sind auch die Namen

  • Feohtkiricha,
  • Feochtkyricha,
  • Fichtkiriha und
  • Viechtkirchen nachzulesen.

Außerdem sind zwischen 1150 und 1160 in den Indersdorfer Urkunden ein edles Geschlecht Viechkirchen festgehalten. Auch ein Dietrich der Vichtkircher - er war 1375 Richter in Kranzberg - und ein Isegrim de Viechkirchen sind nachzulesen. Das Wappen dieser Edlen spiegelt das heutige Gemeindewappen (Storchenkopf und -hals) wider.

Vierkirchen gehörte zum Rentamt München und zum Landgericht Dachau des Kurfürstentums Bayern. 1818 entstand die heutige politische Gemeinde. Im Rahmen der Gebietsreform erfolgte die Eingemeindung der Nachbargemeinden Pasenbach (teilweise) am 1. Januar 1972 und Giebing am 1. Juli 1972.[2] Biberbach kam am 1. Mai 1978 zu Röhrmoos, deren damalige Ortsteile Milbertshofen und Wiedenhöfe zu Vierkirchen.[3] Die 1978 gegründete Verwaltungsgemeinschaft mit Weichs wurde 1980 wieder aufgelöst.

Religionen[Bearbeiten]

Die Pfarrkirche St. Jakob der Pfarrei Vierkirchen ist ein Bau der Jahre 1763/65, nachdem die alte gotische Kirche 1759 wegen Baufälligkeit eingestürzt war. Die Pfarrkirche in Giebing ist eine der wenigen Jugendstilkirchen in Südbayern. Das Gemeindehaus der evangelisch-lutherische Kirchengemeinde in Vierkirchen wurde im Jahre 1978 errichtet.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[5]

Die Einwohnerzahlen von 1961 und 1970 beinhalten auch die Einwohner des nach Vierkirchen gewechselten Teils der aufgelösten Gemeinde Biberbach.

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister von Vierkirchen
Person Amtszeit Partei
Harald Dirlenbach seit 2014 SPD
Heinz Eichinger 1996-2014 SPD
Canisius Großmann-Neuhäusler 1960–1978 CSU
Hans Ziegler 1952–1960 parteilos
Johann Eichinger 1946–1952
Michael Müller 1945–1946
Hans Ziegler (Zinsbauer) 1940–1945
Josef Bestle 1933–1940
Michael Müller (Michemandl) 1922–1933
Benno Sigl (Deiglbauer) 1906–1922
Thomas Bertold (Reindl) 1893–1906
Hans Mayr (Reischlbauer) 1882–1893
Josef Ettl 1879–1882
Landwirt Kugler (Zinsbauer) und Josef Sedlmayr 1876–1879
Kommunalwahl 2014[6]
Wahlbeteiligung: 62,5 %
 %
40
30
20
10
0
39,0 %
29,7 %
15,0 %
16,3 %
Expression-Fehler: Unerwartete schließende eckige Klammer

Gemeinderat[Bearbeiten]

Zusammensetzung aufgrund der Kommunalwahl 2014

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 2,014 Mio. Euro, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) umgerechnet 371.000 Euro.

Wappen[Bearbeiten]

Die Wappenbeschreibung lautet: In Blau ein weißer Storchenrumpf mit rotem Schnabel.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Seit dem Jahr 2000 besteht zwischen Vierkirchen und dem italienischen Genazzano eine Städtepartnerschaft.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Vierkirchen (Oberbayern)

Naturbad[Bearbeiten]

Seit 2003 existiert in Vierkirchen das Naturbad (2000 m²). Dieses entstand durch den Umbau der ehemaligen Klärbecken der stillgelegten Kläranlage. Die Besonderheit dieses Bades ist, dass das Wasser in weiteren Becken – dem Regenerationsteich (1500 m²) – ohne Chemikalieneinsatz natürlich gereinigt wird. Hier werden in einem biologischen Selbstreinigungsverfahren die Verunreinigungen ohne chemische Zusatzstoffe in mineralische Salze umgewandelt. Zahlreiche Wasserpflanzen im Regenerationsteich, wie Schilf und Seerosen, nutzen diese so gewonnenen Salze als Nährstoffe. Dadurch kann eine durchgängig gute Wasserqualität gewährleistet werden.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft sowie Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten]

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 5, im produzierenden Gewerbe 236 und im Bereich Handel und Verkehr 81 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 234 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 1314. Im verarbeitenden Gewerbe gab es einen Betrieb, im Bauhauptgewerbe zehn Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 50 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1766 ha, davon waren 1544 ha Ackerfläche.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Schnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt–München führt durch das Gemeindegebiet. Der Bahnhof Vierkirchen-Esterhofen ist an das S-Bahnnetz Münchens angeschlossen. Ein direkter Autobahnanschluss existiert nicht, die Gemeinde Vierkirchen ist über die Ausfahrten A92, Lohhof/Haimhausen, A8, Dachau/Fürstenfeldbruck, sowie A99, Ausfahrt München-Ludwigsfeld zu erreichen.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Im Ortsteil Pasenbach liegt der Stammsitz des Schuhherstellers Hanwag.

Seit 2006 ist die Andritz KMPT GmbH, ein zur Andritz AG gehörender Hersteller von Zentrifugen zur Fest-Flüssig-Trennung, in Vierkirchen ansässig. Das Unternehmen hatte sich 2001 vom damaligen Mutterkonzern Krauss-Maffei gelöst.

Bildung[Bearbeiten]

Im Jahr 1999 existierten folgende Einrichtungen:

  • Kindergärten: 150 Kindergartenplätze mit 150 Kindern
  • Volksschulen: 1 mit 10 Lehrern und 196 Schülern
  • Gemeindebücherei im Rathaus Vierkirchen
  • Volkshochschule Vierkirchen

Nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr[Bearbeiten]

Für den Schutz der Bürger unterhält die Gemeinde Vierkirchen in den Ortsteilen Vierkirchen, Pasenbach und Giebing insgesamt drei Freiwillige Feuerwehren. Den circa einhundert Feuerwehrdienstleistenden der Ortsfeuerwehren stehen zur Erfüllung ihrer Aufgaben der kommunale Gefahrenabwehreinheit sieben Löschfahrzeuge sowie Geräte- und Mannschaftstransporter zur Verfügung. Des Weiteren betreibt der BRK-Kreisverband Dachau am Standort Vierkirchen eine ehrenamtlich besetzte HvO-Einheit.

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Heinz Eichinger (* 1950), 1. Bürgermeister von 1996 bis 2014
  • Canisius Großmann-Neuhäusler (* 1930), 1. Bürgermeister von 1960 bis 1978
  • Josef Wagner (* 1921), Hanwag
  • Wolfgang Lanzinger, Pfarrer


Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 444.
  3.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 571.
  4. http://www.statistik.bayern.de/statistikkommunal/09174150.pdf
  5. [4]
  6. http://www.wahlen.bayern.de/kw2014/gderaete-ob-174.htm

Weblinks[Bearbeiten]