Walter Niklaus

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Walter Niklaus zur Leipziger Buchmesse 2008

Walter Niklaus (* 8. Juni 1925 in Köln) ist ein deutscher Autor, Schauspieler, Hörspiel- und Theaterregisseur.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1949 bis 1951 erhielt Niklaus seine schauspielerische Ausbildung am Konservatorium in Erfurt. Sein Schauspieldebüt gab er 1951 in Cottbus, wo er zwei Jahre später zusammen mit Ellen Tiedtke, Ursula Wagner, Erhard Köster und Edi Weeber-Fried das Kabarett Die fünf Stichlinge gründete. Niklaus war in Cottbus sowie später in Schwerin und Erfurt auch zeitweilig als Schauspieldirektor tätig.

Von 1964 bis 1990 arbeitete Niklaus als Leiter der die Regisseure Günter Bormann, Annegret Berger und Klaus Zippel beschäftigende Regiegruppe Leipzig im Funkhaus Springerstraße für die Hauptabteilung Funkdramatik des Rundfunks der DDR. Er war dort als Regisseur und Sprecher im Einsatz, so beispielsweise 1972 in der Produktion Der Mann mit dem Fahrrad, in der er neben Alfred Bohl, mit dem er zwei Jahre zuvor 10 Sherlock-Holmes-Filme synchronisierte, auch der Hauptsprecher war.

Neben seiner Hörfunkarbeit war er gastweise Schauspieler und Regisseur an verschiedenen nationalen Bühnen. Aufgrund seiner prägnanten Stimme kam er umfangreicher als Synchronsprecher, als Sprecher in Fernseh-Dokumentationen sowie als „Erzähler“ in Fernsehfilmen zum Einsatz. Bei DEFA und DFF führte er so durch die großen Fernsehromane der 1960er Jahre. Seine markanteste Sprechrolle ist die Synchronisation des Sherlock Holmes (Basil Rathbone) in den Sherlock-Holmes-Filmen der 1930er und 40er Jahre. Eine weitere bekannte Sprechrolle hatte Niklaus im DDR-Mehrteiler Sachsens Glanz und Preußens Gloria als Erzähler (Chronist).

Als Film- und Fernsehschauspieler war Niklaus vielfach in Kriminal- und Justizfilmen präsent, so beispielsweise als Kriminalsekretär Schmidt im Werner Toelckes Fernsehzweiteiler Er ging allein (1967), als Professor Shuman im dokumentarischen Nachspiel eines Verhörs (1981) und vor allem als CIA-Agent Wilson in der Fernsehserie Das unsichtbare Visier (1973–79), die ihn bekannt werden ließ. Seine Verkörperung des amerikanischen Geheimdienstchefs gelang ihm, zeitgenössischer Kritik zufolge, auf eine einprägsame Weise, so dass man hinter der Maske des Jovialen und Verbindlichen den eiskalten und berechnenden Geheimdienstmitarbeiter entlarven und charakterisieren konnte.

Aktuell spricht er Dokumentationstexte in der MDR-Reihe "Rätsel, Mythen und Legenden", die von Janine Strahl-Oesterreich moderiert wird.

Walter Niklaus ist Träger des Kunstpreises der DDR (1974). Auch nach der Wende konnte er sein künstlerisches Schaffen im Hörfunk/Hörspiel, dem Theater und der Synchronsprecher-Tätigkeit fortführen.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsche Stimme von Basil Rathbone als Sherlock Holmes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walter Niklaus sprach die Rolle des Sherlock Holmes in allen 14 Spielfilmen der Sherlock-Holmes-Reihe mit Basil Rathbone und Nigel Bruce aus den Jahren 1939–1946. Die Synchronfassungen stammen aus dem Jahre 1969 (Filme von 1943 bis 1946) und entstanden in den Studios des Deutschen Fernsehfunks. Die übrigen Filme, die aus der Zeit von 1939 bis 1942 stammen, wurden erst in den 1990er Jahren vom ZDF synchronisiert.

Hörspiele (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rundfunk der DDR – Regie

Rundfunk der DDR – Sprecher

ARD und DeutschlandRadio

  • 1991: Gerhard Rentzsch: Szenen aus deutschen Landen, eingeleitet und mit Zwischenberichten versehen über die Reise eines Mannes mit Pappkarton (Auch Sprecher) (Regie) (Hörspielreihe: Augenblickchen Nr. 4 – DS Kultur/BR)
  • 1992: Walter Hasenclever/Kurt Tucholsky: Christoph Kolumbus oder Die Entdeckung Amerikas (Regie), MDR
  • 1992: Friedrich Gorenstein: Streit um Dostojewski – Regie (Hörspiel – SFB/DS Kultur)
  • 1993: James Thurber: Ein Mond für Prinzessin Leonore (Regie), MDR
  • 1994: Unter Wasser handgeflochten (Regie), MDR
  • 1995: Björn Björnson: Wie der Hase zum Osterhasen wurde (Regie und Erzähler), MDR, als Hörbuch bei: Der Audio Verlag 2004, ISBN 9783898132428
  • 1997: Der Aufschwung (Regie), MDR; Alexandre d. Ä.: Der Graf von Monte Cristo (Regie), Coproduktion: MDR/ BR/ ORF-Wien
  • 1999: Der Fall Agostino (Regie), MDR; Zwölf Fotos zuviel (Regie und unter dem Pseudonym Peter Kramer auch Autor)[1], MDR, als Hörbuch bei Audiobuch 2001, ISBN 9783933199621
  • 2000: Donna W. Cross: Die Päpstin (Regie), MDR, als Hörbuch auf 2 CDs bei: Der Audio Verlag 2000, ISBN 9783898130691
  • 2001: Günter Kunert: Am Sexophon: Esmeralda (Regie)
  • 2001: Józef Ignacy Kraszewski: Gräfin Cosel (General Schulenburg) – (Bearbeitung und Regie) (Hörspiel (5 Teile) – MDR) als Hörbuch bei Der Audio Verlag 2001, ISBN 9783898131568
  • 2003: Ingomar von Kieseritzky: Fortune oder Die Tücke des Objekts (Regie), Coproduktion: MDR/ SWR
  • 2004: Rolf Schneider: Die Affäre d’Aubray (Nivelin, Anwalt) – (Regie) (Hörspiel – MDR/RBB)
  • 2004: Die Großtaten eines jungen Don Juan (Regie), MDR; Günter Kunert: Die Puppe (Regie), MDR
  • 2005: Rolf Schneider: Die Affaire D’Aubrey (Regie), Coproduktion: MDR/ RBB
  • 2006: Michael Ende: Das kleine Lumpenkasperle / Das Traumfresserchen (Regie), MDR; Drachen, Katzen, Königskinder (Darsteller und Regie), MDR
  • 2007: Frieder Faist: Ballade von der Kunst, der Rache, der Gier und der Treue (Regie), MDR; Michael Ende: Der Teddy und die Tiere (Regie), MDR
  • 2009: Rolf Schneider: Die Affaire Winckelmann (Regie), Coproduktion: MDR/ ORF
  • 2010: Abschied am Fluss (Regie), MDR
  • 2011: Günter Kunert: Der Gondoliere von Itzehoe (Regie), MDR
  • 2012: Noch ist nicht aller Tage Abend (Darsteller und Regie), MDR
  • 2015: Todsicher (Autor, Regie und Sprechrolle) (Kriminalhörspiel – MDR)

Theaterinszenierungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lesungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kunstpreis der DDR 1974
  • Regiepreis der Kritiker 1985 für Willi und die anderen von Katrin Lange
  • Hörkules 2005 für: Die Päpstin von Donna W. Cross – Regie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Norbert Wehrstedt: Spieler mit der Stimme in: Leipziger Volkszeitung vom 8. Juni 2015, S. 8