Incirlik Air Base

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Incirlik Air Base
Incirlik Air Base overhead 1987.jpg
Kenndaten
ICAO-Code LTAG
Koordinaten
Basisdaten
Eröffnung 1955
Start- und Landebahn
05/23 3048 m × 45 m Beton

i1 i3


i8 i10 i12

i14

Die Incirlik Air Base (kurz: Incirlik AB), türkisch: İncirlik Hava Üssü ist ein Stützpunkt der NATO bei İncirlik, rund 12 Kilometer östlich von Adana im Süden der Türkei. Eigentümer ist die türkische Luftwaffe, größter Nutzer ist aber die US Air Force (USAF), die hier nach dem 11. September 2001 ihr wichtigstes Drehkreuz zur Versorgung der US-Streitkräfte in Irak und Afghanistan eingerichtet hat.

Der Stützpunkt verfügt über eine Start- und Landebahn (05/23) von 3.050 Metern Länge.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Frühjahr 1951 begannen türkische und US-amerikanische Soldaten mit Bauarbeiten für die neue Basis, die ursprünglich als Trainingsgelände vorgesehen war; eine 10.000 Fuß (rund 3.050 Meter) lange Start- und Landebahn wurde im November 1954 fertiggestellt. Am 6. Dezember 1954 vereinbarten die türkischen und die US-amerikanischen Streitkräfte die gemeinschaftliche Nutzung des Stützpunktes, der am 21. Februar 1955 den Namen Adana Air Base erhielt und seitens der USA von da an zu den United States Air Forces in Europe (USAFE) gehörte. Der Zweck der Air Base hatte sich nun geändert: Sie sollte bei Einsätzen von Langstreckenbombern als Ausweichstützpunkt dienen und alle Aktivitäten der US-Luftwaffe in der südlichen Türkei unterstützen. Im Oktober 1955 wurde eine vom rund 50 Kilometer südöstlich gelegenen Mittelmeerhafen Yumurtalık kommende Treibstoff-Pipeline in Betrieb genommen. Die US Air Force änderte den Namen des Militärflugplatzes am 28. Februar 1958 in Incirlik Air Base.

Während der Libanonkrise im Sommer 1958 waren bis zu 150 USAF-Flugzeuge in Incirlik stationiert, darunter B-57, RB-66/WB-66, F-86D, F-100 und RF-101. Nach der Krise waren die F-100 häufigster Gast auf der Basis, sie wurden in den späteren Jahren durch F-4, F-15 und F-16 ersetzt.

Die Incirlik Air Base diente im Kalten Krieg auch als Ausgangspunkt für Spionageflüge bis tief in sowjetisches Hoheitsgebiet. U-2-Aufklärungsflugzeuge und Francis Gary Powers waren zeitweise in Incirlik beheimatet. Die Überflüge dauerten an, bis Powers am 1. Mai 1960 auf dem Flug von Peschawar (Pakistan) nach Bodø (Norwegen) über der Sowjetunion abgeschossen wurde. In den Jahren 1962 und 1963 waren kurzzeitig Mittelstreckenraketen des Typs Jupiter hier stationiert.

Nachdem die USA 1975 wegen des Zypernkonflikts ein Waffenembargo gegen die Türkei verhängt hatten, untersagte die Türkei im Gegenzug die Weiternutzung der US-Stützpunkte im eigenen Land. Nur NATO-Einsätze waren von nun an in Incirlik erlaubt, bis beide Staaten schließlich im März 1980 eine neue Nutzungsvereinbarung trafen und die US Air Force ihre Aktivitäten wieder aufnahm.

Seit Mitte 1990 ist die Incirlik Air Base ein wichtiger Stützpunkt der US Air Force für ihre Einsätze im Irak; zunächst bei der Operation Desert Shield, dann ab Januar 1997 zur Überwachung der nördlichen Flugverbotszone (Operation Northern Watch). Als im Oktober 2001 auch der Krieg in Afghanistan von hier unterstützt wurde, lag der Durchsatz der Basis sechsmal höher als während des normalen Betriebs. Neben Kampfflugzeugen starteten hier auch Tankflugzeuge (KC-135 Stratotanker) und Gunships (MC-130 Combat Talon). Erst nachdem 2002 in Afghanistan und Usbekistan vorgeschobene Flugfelder errichtet waren, gingen die Flugbewegungen wieder zurück. Mit Beginn der Operation Iraqi Freedom im März 2003 nahmen die Unterstützungseinsätze wieder zu.

Zum 1. Juni 2005 verlegte die US Air Force ihr Drehkreuz zur Versorgung der Streitkräfte in Südwestasien von der Rhein-Main Air Base in Deutschland zur Incirlik Air Base. Seither pendeln Transportflugzeuge wie die C-17 zwischen der Basis und der Heimat USA und liefern Verbrauchsgüter, Munition und Ersatzteile, die dann in die Einsatzgebiete weitertransportiert werden.

Von 2002 bis 2008 wurde der Flugplatz auch für Zwischenlandungen bei Gefangenentransporten der CIA (Extraordinary rendition) verwendet. 2011 enthüllte Wikileaks eine klassifizierte Depesche der US-Botschaft in Ankara aus dem Jahre 2006, aus der hervor ging, dass die Türkei von 2002 bis Februar 2006 den USA die Erlaubnis gab, die Incirlik Air Base als Auftankstopp für Gefangenentransportoperationen der Operation Fundamental Justice zu verwenden. Die Türkei hatte dies stets abgestritten.[1]

Besitzverhältnisse[Bearbeiten]

2010 ersuchten drei Armenier aus der Türkei, die heute in den USA leben, Entschädigung für ihr Land und Eigentum, das während des Völkermords an den Armeniern durch die osmanisch-türkische Regierung konfisziert wurde; insgesamt wurde Wiedergutmachung für 0,49 km² Land in der Region Adana verlangt, auf der sich auch die Incirlik Air Base befindet.[2] Der US-Gerichtshof nahm den Fall an und gab der Türkei 21 Tage, auf die Klage zu antworten.[3] Die verteidigenden Banken in der Türkei verlangten vom US-Gericht, die Deadline für die Klageerwiederung auf September 2011 auszuweiten. Das US-Gericht nahm die Ausweitung an, allerdings scheiterte die Klage Ende April 2013.[4]

Atomwaffen[Bearbeiten]

Im Rahmen des Nuklearen Teilhabe und der Nutzung der Basis durch die US-Streitkräfte sind auf der Incirlik Air Base bis zu 90 Atomwaffen vom Typ B61 mit einer Sprengkraft von 0,3 bis 170 kT gelagert.[5][6]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Incirlik Air Base – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wie die Türkei der CIA half. In: ORF. 17. Januar 2011, abgerufen am 18. Oktober 2014 (deutsch).
  2. http://www.huffingtonpost.com/harut-sassounian/armenians-sue-turkey-clai_b_800003.html
  3. http://www.hurriyetdailynews.com/n.php?n=u.s.-court-requests-turkey8217s-defense-in-lawsuit-filed-by-armenian-8211-americans-2011-05-17
  4. http://www.sabah.com.tr/Gundem/2011/09/02/abdden-ermeniler-incirliki-istiyor-notasi
  5. Greenpeace: Nuclear Weapons in Europe (PDF; 814 kB), abgerufen: 11. März 2009
  6. Natural Resources Defense Council, Februar 2005: U.S. Nuclear Weapons in Europe (4.91 MB; PDF-Datei), abgerufen: 11. März 2009