Arnaud Montebourg

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Arnaud Montebourg (April 2005)

Arnaud Montebourg (* 30. Oktober 1962 in Clamecy, Frankreich) ist ein französischer Politiker, ehemaliger Abgeordneter der Nationalversammlung für die Sozialistische Partei Frankreichs (PS).

Vom 16. Mai 2012 bis zum 1. April 2014 war er französischer Minister für „wirtschaftlichen Wiederaufbau“ (Ministre du Redressement productif, entspricht in etwa dem Industrieminister) unter Premierminister Jean-Marc Ayrault. Seit der Regierungsumbildung vom 2. April 2014 (Bildung des Kabinett Valls I) bis zu seinem Rücktritt am 25. August 2014[1] war er 'Minister für Wirtschaft, wirtschaftlichen Wiederaufbau und Informationstechnologie' in der Regierung von Manuel Valls (Kabinett Valls I). Sein Nachfolger ist Emmanuel Macron.

Montebourg gehört zu den prominentesten französischen Politikern und zählt zum linken Flügel der französischen Sozialisten. Er gilt als Globalisierungskritiker und kritisierte insbesondere die deutsche Euro-Währungspolitik mehrfach. In den französischen Medien sorgten zudem seine Affären mit mehreren prominenten Frauen für Aufsehen. Montebourg ist ausgebildeter Rechtsanwalt.[2]

Leben und beruflicher Werdegang[Bearbeiten]

Arnaud Montebourg ist der Sohn von Michel Montebourg (1933-1998), einem Mitarbeiter des französischen Finanzministeriums, und Leïla Ould Cadi (* 1939), einer Professorin für Romanistik und Literatur. Seine Mutter hat einen algerischen Vater und eine Mutter aus der Normandie. Arnaud studierte an der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne Rechtswissenschaften und an der Institut d'études politiques de Paris Politikwissenschaften. Als Rechtsanwalt trat er in verschiedenen in Frankreich sehr bekannten Verfahren auf. So verteidigte er Christian Nucci (*1939), einen stellvertretenden französischen Minister in drei Kabinetten (Kabinett Mauroy II und III sowie Kabinett Fabius) in der Carrefour du développement-Affäre gegen Bestechungsvorwürfe. Zudem verteidigte er Christian Didier, der 1993 René Bousquet (einen hochrangigen Vichy-Funktionär und Holocaustunterstützer) erschossen hatte.

Montebourg hat aus erster Ehe einen Sohn (* 2000) und eine Tochter (* 2002). Großes mediales Aufsehen hatten bzw. haben seine Liebesbeziehungen zu der französischen Moderatorin Audrey Pulvar (2010-2012?)[3], der Schauspielerin Elsa Zylberstein[4] und (Stand September 2014) der ehemaligen französischen Kulturministerin Aurélie Filippetti.[5] Aus dem Umfeld des Front National gab es rassistische Ausfälle gegen Montebourg aufgrund seiner Beziehung mit der farbigen Moderatorin Audrey Pulvar[6].

Auf der Homepage der Zeitschrift Elle wurde er zum attraktivsten Politiker Frankreichs gewählt[7][8]. Leserinnen der Zeitschrift Le Parisien wählten Montebourg 2014 zu einem der sexiesten Politiker Frankreichs.[9] Die französische Ausgabe der GQ zeichnete Montebourg im Jahr 2011 als Politiker des Jahres aus.[10]

In der Zeichentrickserie Silex and the City hatte Montebourg 2014 als Comicfigur eine Gastrolle[11].

Wirken in der Politik und politische Positionen[Bearbeiten]

Von Juni 1997 bis zur Übernahme seines Ministeramts am 16. Mai 2012 war Montebourg Abgeordneter des Departements Saône-et-Loire in der Nationalversammlung. Im Parlament gehört er (Stand wann?) dem Justizausschuss an.[12] Am 30. August 2006 wurde er zudem zum Sprecher der PS-Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal ernannt. Im Rahmen des Präsidentschaftswahlkampfs 2007 kritisierte er in einem Zeitungsartikel die Fiskalpolitik Luxemburgs und der Schweiz.[13] Zu einem Eklat führte seine Äußerung im laufenden Wahlkampf, dass Segolene Royal die richtige Frau als Präsidentin sei, ihr Mann (der spätere Präsident Francois Hollande) hierfür ungeeignet sei (le seul défaut de Ségolène Royal Ségolène Royal hat nur einen Fehler. Das ist ihr Lebensgefährte.)[14]

Eines der zentralen Themen von Montebourgs politischer Arbeit ist die Kritik am System der Fünften Republik. Er gehörte daher zu den Gründern der Convention pour la sixième République, die für eine weniger herausgehobene Position des Präsidenten, eine Stärkung des Parlaments sowie für mehr Dezentralisierung eintritt. Während der Vorwahlen in der PS für die Präsidentschaftswahlen 2012 warb Montebourg für sein Konzept einer „Entglobalisierung“ (demondialisation), in deren Zentrum die Kontrolle von Finanzmärkten und Gütermärkten und die Schaffung eines „starken Europas“ stehen sollen.

Montebourg war Kandidat bei den offenen Vorwahlen der Parti Socialiste für die Präsidentschaftswahl 2012. Er erreichte im ersten Wahlgang 17 Prozent der Stimmen, womit er die Stichwahl verfehlte. Sein Ergebnis galt allgemein als Überraschung, und Montebourg galt als „Königsmacher“ für den zweiten Wahlgang. Er erklärte aber, zunächst keine Wahlempfehlung abgeben zu wollen, sondern zunächst die beiden verbliebenen Kandidaten Martine Aubry und François Hollande öffentlich befragen zu wollen.[15] Am Freitag vor der Stichwahl erklärte Montebourg, er persönlich werde für Hollande stimmen; jeder seiner Anhänger solle aber frei entscheiden.[16] Im Zuge des Wahlkampfes legte Montebourg sein Vermögen offen.[17] Er kritisierte die Politik von Angela Merkel als imperialistisch und verglich ihre Vorgehensweise mit der von Bismarck.[18]

Am 16. Mai 2012 wurde er zum Industrieminister der neuen Regierung unter Jean-Marc Ayrault ernannt.[19] Diese Zeit war durch ständige Konflikte über die Wirtschaftspolitik mit dem Finanzminister Pierre Moscovici geprägt[20]. Montebourgs erste Amtszeit als Minister endete dadurch, dass das Kabinett Ayrault II am Abend des 31. März 2014 - nach dem schlechten Abschneiden des linken Regierungsbündnisses bei den Kommunalwahlen im März 2014 - zurücktrat. Hollande beauftragte Manuel Valls mit der Bildung einer Regierung. Ministerpräsident Valls gilt im Spektrum der PS als Sozialdemokrat (also als „rechts“); Montebourg und Benoît Hamon gelten als prominente „Linksausleger“ des PS. Valls wertete bei seiner Regierungsbildung im April 2014 die Ressorts der beiden auf; er stand vor der Notwendigkeit, seine Mehrheit in der Nationalversammlung zu stabilisieren.[21] Montebourg gewann den Konflikt mit Moscovici: Moscovici verlor sein Amt und neuer Finanzminister wurde Michel Sapin. Montebourgs Industrieministerium wurden weitreichende Aufgabenbereiche und Kompetenzen aus dem Finanzministerium zugeschlagen, das nun eine geringere Rolle als vorher spielte. Auch mit Finanzminister Sapin kam es zu Auseinandersetzungen. Die Zeitung Les Échos bezeichnete diese Situation als Kriegszustand.[22]

Industriepolitik - made in france, lex Alstom, Peugeot, Dailymotion, Verstaatlichung[Bearbeiten]

Montebourg legte viel Wert auf die Kampagne made in france, die zu einem erhöhten Konsum französischer Produkte führen sollte. Auf der Titelseite der Zeitschrift Le Parisien ließ sich Montebourg mit einer Vielzahl französischer Produkte abbilden. Die Kampagne made in france ist als Gegenantwort auf das deutsche made in germany zu verstehen. Montebourg führte dazu aus, dass Deutschland ein Scheinwachstum in der Wirtschaft habe. Viele Produkte wären in Ländern mit niedrigen Lohnkosten bereits vorgefertigt und in Deutschland würden bloß kleinere wenig arbeitsintensive Arbeiten durchgeführt um das Endprodukt zu schaffen. Deswegen sollte man diese Produkte als made by germany bezeichnen. Die französischen Produkte hingegen, würden hauptsächlich nur in Frankreich produziert [23]. Montebourg wollte die Handelsketten und Einzelhändler dazu zwingen, in ihren Geschäften ganze Bereiche nur für französischen Produkte einzurichten. Die Kampagne führte zu einem geteilten Echo: Während Einzelhändler und die Vertreter der Handelsketten die Eingriffe in ihre Geschäftspolitik beklagten, lobten Arbeitnehmerverbände und kleinere französischen Hersteller die Aktion. Das französische Wirtschaftsinstitut CEPII ermittelte, dass Verbraucher in Frankreich im Schnitt zwischen 100,- bis 300,- € Monat bezahlen müssten, wenn sie ausschließlich französische Produkte kaufen wurden und auf importierte Ware verzichten würden.[24]

Sein Wirken galt als interventionistisch. Montebourg äußerte mehrfach, dass Frankreich eine Wirtschaftspolitik in der Tradition von Jean-Baptiste Colbert und Sébastien Le Prestre de Vauban betreiben müsse.[25][26] Montebourg griff in mehreren Fällen von industriellen Insolvenzen oder Werkschließungen öffentlich in Verfahren ein, um die von der jeweiligen Insolvenz betroffenen Arbeitsplätze zu erhalten. Anfang 2013 kündigte Präsident François Hollande ein unter anderem von Montebourg entworfenes Gesetz an, das rentablen Unternehmen die Schließung von Standorten sowie Entlassungen erschweren soll.[27] Montebourg schrieb im Februar 2013 einen offenen Brief an den CEO eines US-Reifenherstellers [28], der zuvor öffentlich die Industriepolitik der französischen Regierung und die Arbeitsmoral französischer Arbeiter angeprangert hatte. Maurice Taylor, der CEO der Titan Tire Corporation, antworte Montebourg in einem Brief, er sei nicht „dumm“ in einem Land zu investieren, in dem Arbeiter am Tag „nur drei Stunden arbeiten“ würden und den Rest des Arbeitstages mit „essen und quatschen“ verbringen würden.[29][30]

Als der Stahlkonzern Arcelor Mittal bekannt gab, das Stahlwerk Florange im Elsass zu schließen, drohte Montebourg mit der Verstaatlichung des Werkes und erklärte, dass „man Mittal in Frankreich nicht mehr als Investor wünscht. Mittal würde Frankreich nicht respektieren.[31][32] Der Bürgermeister von London,Boris Johnson, empfahl daraufhin Mittal, dass Großbritannien indische Investoren mit offenen Armen empfangen würde. Montebourg bezichtigte Mittal der Erpressung und der Lüge, er hätte lediglich die schlechten Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter von Mittal in Frankreich kritisiert[33]. Montebourgs harte Haltung führte zu Zerwürfnissen mit Jean-Marc Ayrault. Ayrault befürchtete den Zusammenbruch der französischen Regierung. In der Öffentlichkeit wurde Montebourg für seine Haltung gelobt, unter anderem sprachen sich Francois Bayrou, Henri Guaino, Thierry Breton und Jean-Luc Mélenchon ebenfalls für eine Verstaatlichung aus.[34][35] Die französischen Wirtschaftswissenschaftler André Pineau und Yves Quéré unterstützen die Verstaatlichungspläne, denn nur durch derartige Maßnahmen könnte man die französischen Kernindustrien schützen.[36] Das sogenannte "Florange Gesetz" wurde hiernach erlassen. Dieses Gesetz sollte zukünftige Werksschließung erschweren. So sollte eine Werksschließung mit hohen Bußgeldern bestraft werden.[37]

Die Wahlerfolge der UKIP in Großbritannien und einen möglichen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union kommentiere Montebourg wie folgt, er hätte kein Problem damit, für die aus Großbritannien flüchtenden Investoren in Paris den roten Teppich auszurollen[38]. Der Satz war eine Retourkutsche auf die Äußerungen von David Cameron, der zuvor verkündet hatte, dass Großbritannien den roten Teppich ausrollen würde für die Reichen, die vor der Steuer- und Wirtschaftspolitik Frankreichs fliehen würden.[39]

Die Gründung des staatlichen Bergbaukonzerns Compagnie nationale des mines de France (CMF) stellte ein weiteres Projekt von Montebourg dar. Mit diesem Konzern sollte die Versorgung Frankreichs und der französischen Industrie mit Bodenschätzen gesichert werden. Der Schwerpunkt der Aktivitäten des Konzerns sollten in Frankreich selbst und in den ehemaligen französischen Kolonien liegen[40]. Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima verteidigte Montebourg die Nukleartechnik als wichtigen Bestandteil der französischen Industrie mit einer guten Zukunftsperspektive[41].

Montebourg verhinderte Mitte 2013 den Verkauf des französischen Unternehmens Dailymotion an den amerikanischen Yahoo- Konzern.[42] Er setzte sich für mehr Mitspracherechte des französischen Staates bei der Airbus Group ein.[43] In seine Amtszeit fiel auch der Einstieg des chinesischen Konzerns Dongfeng bei PSA Peugeot Citroën. Montebourg sprach sich dafür aus, dass der Eigentums-Anteil des französischen Staates an PSA genauso hoch ist wie der von Dongfeng.[44]

Eine Übernahme des Alstom Konzerns durch General Electric verhinderte Montebourg zunächst gegen den Willen des Aufsichtsrats des Alstom-Konzerns.[45] Montebourg begründete dies mit ökonomischem Patriotismus und verfügte ein Dekret, dass kein französischer Konzern ohne Mitspracherecht der französischen Regierung in ausländische Hände geraten kann. Dieses Dekret wurde in den Medien als lex alstom oder lex montebourg bekannt.[46] EU-Kommissar Michel Barnier kritisierte dieses Dekret als protektionistisch.[47] Auf Bitten der französischen Regierung wurde Siemens gebeten, ebenfalls ein Angebot für Alstom abzugeben. Montebourg begründete dies mit der größeren Nähe des rheinischen Kapitalismus zu Frankreich im Vergleich zum angelsächsischen Kapitalismus und forderte die Schaffung von nationalen Champions. So sollte es zu einem Austausch von Firmenanteilen von Siemens und Alstom kommen. Alstom sollte seine Turbinentechnik an Siemens im Tausch gegen die Eisenbahnsparte erhalten.[48] Nachdem Siemens vorschlug, in das Übernahmebündnis den Mitsubishi-Konzern einzubinden, entschied man sich in Frankreich für General Electric als Partner für Alstom. Die konkrete Ausgestaltung wurde in Frankreich als großer Verhandlungserfolg Montebourgs gewertet.[49] Man hatte sowohl eine staatliche Mindestbeteiligung an dem Unternehmen in Höhe von 20% erreicht und umfassende Arbeitnehmerrechte für die französischen Angestellten durchgesetzt.[50]

Konflikte mit der Europäischen Kommission und Kritik am TTIP[Bearbeiten]

Montebourgs Wirtschaftspolitik führte zu erheblichen Konflikten mit der EU-Kommission und dem Kommissar für Wettbewerb Joaquín Almunia. Die Politik der EU-Kommission würde Frankreichs Wirtschaft schädigen. Montebourg forderte eine Abschottung der europäischen Märkte und mehr Eingriffsrechte der nationalen Regierungen in die nationalen Industrien.[51] An der Verhandlungsführung der Europäischen Kommission zum transatlantischen Freihandelsabkommen (TTIP) übte Montebourg massiv Kritik. So wären „die Europäer die Trottel des global village, wenn sie nicht ihre Märkte abschotten würden“.[52] Der EU-Kommissar Karel De Gucht äußerte hierzu in einem Interview mit Le Monde, Frankreich sei kein Land des freien Handels. Er kritisierte Minister Montebourg hinsichtlich des TTIP als zu defensiv.[53] In der Folge bezeichnete Montebourg die Kommission als „Taliban“ und als „Idioten/Arschlöcher (Bruxelles ? Des connards!)“, die durch ihre falsche Politik den Aufstieg von Marine Le Pen begünstigen würden.[54] Montebourg äußerte, die Politik der EU Kommission benachteilige „die einheimischen Konzerne gegenüber den nicht-europäischen Wettbewerbern zu sehr“.[55] Viel Wert legte Montebourg bei den Verhandlungen zum TTIP auf Ausnahmeregelungen für die französische Kulturindustrie und drohte offen mit einem Scheitern des Abkommens.[56] Montebourg forderte, die Europäische Union solle die Macht der großen Internetkonzerne beschränken. Die The New York Times portraitierte Montebourg in der Folge als „Charles de Gaulle de gauche“ Charles de Gaulle der Linken.[57] So wie sich einst De Gaulle gegen eine Aufnahme Großbritanniens in die EU gewendet hatte[58], kämpfe Montebourg gegen das Freihandelsabkommen mit den USA.

Kritik an der deutschen Europolitik und Rücktritt aus der Regierung[Bearbeiten]

Im Zuge der Eurokrise kritisierte Montebourg die angebliche Austeritätspolitik Deutschlands mehrfach und forderte eine Abwertung des Euro[59] . Montebourg argumentierte, dass der Euro-Raum die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen behindern und Wachstum verhindern würde. Eine Abwertung des Euro um zehn Prozent könnte in Frankreich etwa 150.000 Arbeitsplätze schaffen. Ebenso sollte die sogenannte 3 Prozent Grenze aus dem Maastrichtvertrag aufgehoben werden und den Staaten mehr Handlungsfreiheit eingeräumt werden. Jürgen Stark kritisierte Montebourgs Positionen öffentlich und führte aus, dass die von Montebourg geforderte Europolitik nicht mit Deutschlands Vorstellungen von einer Währung vereinbar sei.[60]

Öffentlich forderte Montebourg Deutschland mehrfach dazu auf einen Mindestlohn einzuführen. Der Mindestlohn sollte eine mögliche Chancengleichheit im Wettbewerb der europäischen Staaten gewährleisten.[61] [62]

Mehrfach warnte Montebourg davor, dass der „deutsche Sparkurs“ in Frankreich einen Aufstieg des Front National begünstigen würde. Ein Wahlerfolg der rechten Partei wäre das Ende der europäischen Union.[63] Die französische Regierung sei nicht dazu gewählt worden, sich nach den maßlosen Obsessionen von Deutschlands Konservativen zu richten. Deutschland sei gefangen in einer Sparpolitik, die es ganz Europa aufzwingt.[64][65] Die deutsche Sparpolitik würde dazu führen, dass die französische Linke sich auf dem „Müllhaufen der Geschichte“ wiederfinden würde.[66]

Nachdem im August 2014 die Kritik an Deutschland von Montebourg und anderen französischen Politikern lauter wurde, reagierte Premierminister Manuel Valls. Valls kritisierte die Äußerungen Montebourgs, dieser habe sich im Ton vergriffen.[67] Die Kritik an Frankreichs wichtigsten Partner (Deutschland) sei nicht zu akzeptieren.[68] In der Folge reichte Valls den Rücktritt des Kabinett Valls I ein. Neben Montebourg verloren weitere Minister des linken Flügels wie der Bildungsminister Benoît Hamon, der zuvor die Sparpolitik der französischen Regierung offen kritisiert hatte, ihre Ämter[69][70] Montebourg beschuldigte Hollande der Lüge und erklärte, dass Hollande permanent lügen würde und deswegen nur noch bei 20% Zustimmung im Land liegen würde.[71] Valls wurde noch am gleichen Tag von Präsident Hollande mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt[72], aus der das Kabinett Valls II entstand.

In einem Interview mit der Zeitung Die Zeit bekräftigte Montebourg seine Kritik an der Europolitik der Bundesregierung und bezeichnete Wolfgang Schäuble und Jens Weidmann als Falken. Frankreich würde jedes Jahr um 230.000 Menschen wachsen, während Deutschland um 200.000 Menschen schrumpfen würde, deswegen bräuchte Europa ein größeres Wachstum und weniger Austerität.[73] Die FAZ bezeichnete Montebourg in der Folge als Anti-Deutschen Minister.[74] Albrecht Müller verteidigte Montebourgs Positionen zur Austeritätspolitik und lobte Montebourg als einen der letzten moderaten Sozialdemokraten Europas. Der Abgang Montebourgs würde zeigen, dass die sozialdemokratischen Parteien Europas so schwach wären, dass sie sich ihre Personalpolitik von Neoliberalen diktieren lassen würden[75]. Der ehemalige Regierungsberater von Nicolas Sarkozy Alain Minc bezeichnete die Kritik an Deutschland als überhart[76]. Heiner Flassbeck bezeichnete die Entlassung Montebourgs als Fehler. Die Kritik von Montebourg an der sogenannten Austeritätspolitik sei in der Sache richtig. [77].

Der Abgang von Montebourg und weiteren linken Ministern wurde als weitere Schwächung der französischen Regierung gewertet. Valls habe sich eines wichtigen Teils der sozialistischen Partei Frankreichs entledigt. Es sei fraglich, inwieweit der Flügel den französischen Präsidenten in Zukunft stütze.[78] In seiner Rücktrittsrede kündige Montebourg an, er werde sich - wie einst Lucius Quinctius Cincinnatus - aus der Politik zurückziehen.[79]

Anfang Oktober 2014 erklärte Montebourg, dass er mit einem Bündnis linker Parteien als Präsidentschaftskandidat bei der Wahl 2017 kandidieren will.[80][81]

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Montebourg gilt als Urheber des Spitznamens Flanby für Francois Hollande. Mit diesem Begriff wird ein Wackelpudding beschrieben. Der Begriff ist in Frankreich sehr populär und wird häufig verwendet um Francois Hollande zu verspotten.[82][83]
  • Nachdem die britische Zeitschrift The Economist mehrfach kritisch über die Wirtschaftspolitik Frankreichs berichtet hatte, bezeichnete Montebourg die Zeitschrift als Charlie Hebdo der City.[84]
  • Für den 10. September ist das Erscheinen eines biografischen Buchs über Montebourg angekündigt. Autor ist der Journalist Valentin Spitz; das Buch wird den Titel «Moi président» tragen.[85]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Arnaud Montebourg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. spiegel.de 25. August 2014: Kabinettsumbildung in Paris: Kritischer Minister Montebourg verzichtet auf Posten
  2. ARNAUD MONTEBOURG, 33 ans, est l'avocat qui monte. Libération, 14. November 1995, abgerufen am 31. Januar 2014 (französisch).
  3. Le Point: Arnaud Montebourg aurait retrouvé l'amour! vom 15. September 2013
  4. bekanntgemacht vom Le Point am 14. Februar 2014
  5. lefigaro.fr 11. September 2014: La provoc' d'Arnaud Montebourg et d'Aurélie Filippetti
  6. [1]
  7. „Agent Saboteur?“ New York Times vom 9. Juli 2013
  8. Daily Telegraph „Socialist rebels pictured in blissful Californian romance“ vom 11. September 2014
  9. Le Parisien „Sondage: Arnaud Montebourg, élu homme politique le plus sexy“ vom 4. Oktober 2014
  10. Le Point "La liste des hommes qui ont marqué 2011 selon "GQ"" vom 18.01.2012
  11. Le Figaro „Arnaud Montebourg guest dans Silex and the City“ vom 10. Oktober 2014
  12. siehe auch Homepage des Justizausschusses (frz.) auf assemblee-nationale.fr
  13. erschienen am 2. Januar 2007 in der linksliberalen französischen Tageszeitung Libération: Johnny, un exil utile ?
  14. NZZ: «Arnaud Montebourg - Vorwärts immer, rückwärts nimmer» vom 26. August 2014
  15. Laure Equy: Montebourg va interpeller Aubry et Hollande sur quatre sujets. Liberation.fr, 10. Oktober 2011, abgerufen am 11. Oktober 2011 (französisch).
  16. David Revault d'Allonnes: Arnaud Montebourg : „Je voterai pour Hollande“. Le Monde.fr, 14. Oktober 2011, abgerufen am 16. Oktober 2011 (französisch).
  17. Die Welt: „Die Millionengehälter der französischen Politiker“
  18. Le Figaro: „Merkel comparée à Bismarck? Montebourg persiste“ vom 1. Dezember 2011
  19. http://www.stern.de/politik/ausland/frankreichs-neue-regierung-steht-1828401.html
  20. http://www.welt.de/wirtschaft/article116213643/Glaubenskrieg-in-Hollandes-Wirtschaftsministerium.html
  21. FAZ.net (Günther Nonnenmacher): Frankreichs Kampfregierung
  22. Die Welt: "Er beschimpft Deutschland und wird befördert" vom 4. April 2014
  23. „Minc-Montebourg: deux visions du monde“ erschienen in: challenges.fr am 25. September 2011
  24. [2]
  25. „Quand Arnaud Montebourg se pacse avec Colbert et… Manuel Valls“
  26. Arnaud Montebourg „La bataille du made in France - La France en avance ‚Colbert 2.0‘“ S. 82
  27. US-Manager lästert über Arbeitsmoral
  28. Les Échos:Montebourg promet un 'zèle redoublé' des douanes françaises, Goodyear : Montebourg et les propos „insultants“ du patron de Titan
  29. Les Échos 19. Februar 2013:Goodyear : la lettre de Titan à Montebourg
  30. Süddeutsche Zeitung: US-Manager über Investition in Frankreich „Für wie dumm halten sie uns eigentlich?“ vom 20. Februar 2013
  31. Der Spiegel: „Mittal-Stahlwerk in Florange: Frankreichs Regierung droht mit Verstaatlichung“ vom 27. November 2012
  32. FAZ.net 26. November 2012: Frankreich droht mit Verstaatlichung
  33. London Evening Standard: „French fury as Boris Johnson tells India: Choose the UK instead“
  34. Le Huffington Post: „Florange: les coulisses des tensions Montebourg-Ayrault après l'échec de la nationalisation dévoilées dans un livre“ vom 27.03.2013
  35. Le Monde: „Florange: Montebourg restera à son ‚poste de combat‘“ vom 1. Dezember 2012
  36. La tribune „Nationalisation de Florange: pourquoi l'idée de Montebourg n'est pas absurde ?“ vom 26. November 2012
  37. Die Welt: "Frankreich bestraft Manager für Fabrikschließungen" vom 2. Oktober 2013
  38. The Telegraf: „France to 'roll out red carpet' to British investors“ erschienen am 27. Mai 2014
  39. Der Spiegel: „Cameron beim G-20-Gipfel: David gegen alle“ vom 20. Juni 2012
  40. [3]
  41. BFMTV: „Arnaud Montebourg sur BFMTV : ‚le nucléaire est une filière d'avenir‘“ vom 27. August 2012
  42. Le Figaro 23./24. Juli 2013: Le Figaro Montebourg se réjouit que Dailymotion reste durablement français
  43. welt.de 27. September 2012: Deutschland und Frankreich wollen bei EADS angeblich mehr mitreden
  44. FAZ.net 12. Dezember 2013: GM verkauft seine Aktien - Peugeot-Citroën feilt an chinesischer Achse
  45. Alstom et GE dans une course de vitesse. Les Echos, 25. April 2014, abgerufen am 26. April 2014 (französisch).
  46. Tagesschau: „Alstom-Übernahme: Frankreich hat ein Wort mitzureden“ vom 15. Mai 2014
  47. Die Welt "EU erbost über Frankreichs Protektionismus-Trick" vom 15. Mai 2014
  48. FAZ: „Wirtschaftsminister Montebourg ‚Siemens will eine Allianz - GE eine Übernahme‘“ vom 8. Mai 2014
  49. lefigaro.fr 25. Juni 2014: Le Figaro: „Arnaud Montebourg songe à la suite“
  50. derstandard.at (Eric Frey) 21. Juni 2014: Der Standard Frankreich kann den Staatskapitalismus nicht lassen
  51. welt.de 14. Februar 2014: Frankreich würde den Euro am liebsten abwerten
  52. Die Welt: „Die Europäer sind die Trottel des Global Village“ vom 15. Mai 2013
  53. Karel De Gucht: La France n'est pas un pays libre-échangiste. In: Le Monde. 6. März 2013 (französisch).
  54. Le Parisien 30. August 2013: Arnaud Montebourg se voit président de la République... ou rien
  55. The Wall Street Journal Deutschland „Paris fordert weniger EU-Auflagen“ 27. Juni 2014
  56. Die Welt: „EU-Freihandelsabkommen mit den USA wackelt“ vom 13. Juni 2013
  57. New York Times: „Arnaud Montebourg - Agent Saboteur?“ vom 9. Juli 2013
  58. BBC „1967: De Gaulle says 'non' to Britain - again“
  59. Die Welt: "Wie Montebourg Frankreich zur Wende verhelfen will" vom 10. Juli 2014
  60. Handelsblatt: „Frankreichs Industrieminister kritisiert Deutschland“ vom 15. Mai 2013
  61. Handelsblatt „Montebourg will Mindestlohn in Deutschland“ vom 3. Oktober 2013
  62. Die Welt: "Frankreich verlangt Mindestlohn in Deutschland" vom 3. Oktober 2013
  63. Le Huffington Post: „Montebourg craint une victoire du FN si l'Allemagne ne lâche pas du lest sur la rigueur budgétaire“ vom 20. September 2014
  64. Montebourg äußert scharfe Kritik an deutscher Sparpolitik. In: Die Zeit. 23. August 2014, abgerufen am 19. September 2014.
  65. Frankreich: Wirtschaftsminister Montebourg kritisiert deutsche Sparpolitik. In: Der Spiegel. 24. August 2014, abgerufen am 19. September 2014.
  66. The Huffington Post: „Frankreich in der Krise: Deutschland soll schuld am Erfolg der Rechten sein“ vom 19. September 2014
  67. Berliner Zeitung „Duell der französischen Heißsporne“ vom 25. August 2014
  68. lemonde.fr: Arnaud Montebourg plaide pour un changement de cap économique du gouvernement vom 23. August 2014
  69. sueddeutsche.de 25. August 2014: Die Lage ist ernst; FAZ.net (Korrespondent Christian Schubert): Macht Montebourg die Niederlage zum Triumph?
  70. www.lefigaro.de 25. August 2014: Hollande et Valls projetés dans une crise sans précédent
  71. siehe auch lefigaro.fr vom 26. August 2014: Montebourg : «Hollande ment tout le temps, c'est pour ça qu'il est à 20%» (auf dt. etwa: 'Hollande lügt immer; deshalb liegt er in Wahlumfragen bei 20 Prozent')
  72. Streit über Wirtschaftspolitik Französische Regierung tritt zurück. tagesschau.de, 25. August 2014, abgerufen am 25. August 2014.
  73. Die Zeit: „Ich betrachte Schäuble und Weidmann als Falken“, S. 26 vom 4. September 2014
  74. FAZ: „Deutsche Messe“, S. 11 vom 13. September 2014
  75. Nachdenkseiten: „Abschiedspresseerklärung des ausgeschiedenen französischen Wirtschaftsministers Montebourg. Ein bemerkenswertes Dokument“ von Albrecht Müller vom 1. September 2014
  76. Wirtschaftswoche "Frankreich wird noch Jahre dahindümpeln" vom 12. August 2014
  77. Watson: „Heiner Flassbeck: «Die Nationalisten werden Europa den Todesstoss geben»“
  78. Spiegel Online: Regierungskrise in Frankreich: Premier Valls übersteht Vertrauensfrage
  79. Le Figaro: „Montebourg évoque Cincinnatus, comme Mélenchon avant lui“ vom 26. August 2014
  80. Le Figaro: „Montebourg soigne son retour et songe à 2017“ vom 3. Oktober 2014
  81. Le Nouvel Observateur 3. Oktober 2014: Montebourg et Hamon font leur rentrée politique
  82. Closer.fr Flanby" : Arnaud Montebourg à l'origine du surnom de François Hollande ? Il répond 29. August 2014
  83. Deutsche Welle: Kommentar: Frankreich ist fertig mit „Flanby“
  84. EUROPe 1: „The Economist, le ‚Charlie Hebdo de la City‘“ 16. November 2012
  85. Verlag: Éditions l'Archipel. Ankündigung siehe z.B. lefigaro: Montebourg : «Hollande ment tout le temps, c'est pour ça qu'il est à 20%»