Dixit Dominus

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Dixit Dominus (HWV 232) ist eine Vertonung des Psalms 110 in der lateinischen Fassung der Vulgata (dort Psalm 109) von Georg Friedrich Händel (1685–1759). Der Psalm wurde auch mehrfach von anderen Komponisten vertont, z. B. von Claudio Monteverdi (in seiner Marienvesper SV 206 und in seiner Selva morale e spirituale SV 252-288), Johann Rosenmüller (mindestens sechs Mal als eigenständiges Werk), Antonio Lotti (mindestens sechs Mal), Antonio Vivaldi (mindestens drei Mal: RV 594, 595 und 807), Alessandro Scarlatti, Wolfgang Amadeus Mozart (drei Mal als Bestandteil von seinem Dixit & Magnificat KV 193, seinen Vesperae de Dominica KV 321 und seinen Vesperae solennes de Confessore KV 339).

Entstehung[Bearbeiten]

Händel komponierte dieses Werk im Alter von 21 Jahren während seines drei Jahre dauernden Italienaufenthalts. Er begann (so wird vermutet) mit dem Stück, als er für kurze Zeit in Venedig und Florenz (?) weilte und stellte es am 11. April 1707 fertig, als er bereits in Rom angekommen war. Dixit Dominus stellt – nach dem Laudate pueri (HWV 236) für Solosopran und Streicher – das früheste noch erhaltene geistliche Werk Händels dar. Im Sommer des gleichen Jahres folgten u. a. die beiden ebenfalls lateinischen Psalmvertonungen Laudate pueri (HWV 237) und Nisi Dominus (HWV 238) sowie im Oktober seine erste italienische Oper Rodrigo.

Das Dixit Dominus wurde eventuell vom Kardinal Carlo Colonna (1665–1739) in Auftrag gegeben. Eine Aufführung des Werkes als Teil der Vesper zum jährlichen Fest des Karmeliterordens am 16. und 17. Juli 1707 in der römischen Kirche Santa Maria in Monte Santo an der Piazza del Popolo ist wahrscheinlich, dennoch nicht belegt. Händel dirigierte die Musik mindestens an einem dieser Festtage (wenn nicht sogar an beiden). Dabei erklangen mit größter Sicherheit sein zweites Laudate pueri, sein Nisi Dominus, seine Antiphone Haec est Regina virginum und Te decus virgineum (HWV 235 und 243) und seine Motette Saeviat tellus inter rigores (HWV 240), womöglich auch sein Salve Regina (HWV 241).

Aufbau[Bearbeiten]

Grundtonart ist g-Moll. Das Werk umfasst 9 Sätze, wobei der Text des letzten Satzes, die Doxologie, nicht Teil des Psalms ist. Die Aufführung dauert ca. 35–40 Minuten.

Satz Typ Lateinischer Text (Vulgata) Deutsche Übersetzung
1 Chor Dixit Dominus Domino meo, sede a dextris meis, donec ponam inimicos tuos scabellum pedum tuorum. Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich dir deine Feinde als Schemel unter deine Füße lege.
2 Arie (Alt) Virgam virtutis tuae emittet Dominus ex Sion: dominare in medio inimicorum tuorum. Der Herr wird das Zepter deines Reiches senden aus Zion: Herrsche unter deinen Feinden.
3 Arie (1. Sopran) Tecum principium in die virtutis tuae, in splendoribus sanctorum. Ex utero ante luciferum genui te. Das Königtum sei bei dir am Tage deiner Herrschaft im Glanz der Heiligen.

Vor dem Morgenstern habe ich dich aus dem Leibe gezeugt.

4 Chor Iuravit Dominus et non paenitebit eum. Der Herr hat geschworen und es wird ihn nicht gereuen.
5 Chor Tu es sacerdos in aeternum secundum ordinem Melchisedech. Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Weise Melchisedeks.
6 Chor und Solisten Dominus a dextris tuis, confregit in die irae suae reges. Der Herr zu deiner Rechten wird zerschmettern die Könige am Tag seines Zorns.
7 Chor Judicabit in nationibus implebit ruinas. Conquassabit capita in terra multorum. Er wird richten unter den Nationen. Er wird häufen die Toten. Er wird zerschmettern das Haupt über ein großes Land.
8 Duett (Soprane) mit Chor (Tenor und Bass) De torrente in via bibet: propterea exaltabit caput. Er wird trinken vom Bach auf dem Wege, darum wird er das Haupt emporheben.
9 Chor Gloria Patri, et Filio, et Spiritui Sancto: sicut erat in principio, et nunc, et semper, et in saecula saeculorum. Amen Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen

Besetzung[Bearbeiten]

Fünf Solisten (2 Sopran, Alt, Tenor, Bass), fünfstimmiger Chor (2 Sopran, Alt, Tenor, Bass) und Orchester (Violine I+II, Viola I+II, Violoncello, Kontrabass und Generalbass)

Literatur[Bearbeiten]

  • Chrysander, Friedrich: G.F. Händel - 1. Band, Breitkopf & Härtel, Leipzig, 1858.
  • Dergal Rautenberg, Alan: "Händels Laudate pueri-Vertonungen: Beispiel zweier musikalischer Traditionen?", in G. F. Händel. Aufbruch nach Italien, viella, Rom 2013, S. 151-174, insbes. 159-161.
  • Dixon, Graham: "Handel's Music for the Carmelites: A Study in Liturgy and some Observations on Performance", in Early Music 15/1 (1987), S. 16-29.
  • Kirkendale, Ursula: "Händel bei Ruspoli. Neue Dokumente aus dem Archivio Segreto Vaticano, Dezember 1706 bis Dezember 1708", in Händel-Jahrbuch 50 (2004), S. 309-376.
  • Marx, Hans-Joachim: "Händels lateinische Kirchenmusik und ihr gattungsgeschichtlicher Kontext, in Göttinger Händel-Beiträge 5 (1993), S. 102-144.
  • Nohl, Paul-Gerhard: Lateinische Kirchenmusiktexte: Geschichte - Übersetzung - Kommentar. Messe, Requiem, Magnificat, Dixit Dominus, Te Deum, Stabat Mater, Bärenreiter Verlag, 2002, ISBN 3-7618-1249-3.

Weblinks[Bearbeiten]