Einhausen (Hessen)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Einhausen
Einhausen (Hessen)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Einhausen hervorgehoben
49.6722222222228.545138888888993Koordinaten: 49° 40′ N, 8° 33′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Kreis: Bergstraße
Höhe: 93 m ü. NHN
Fläche: 26,67 km²
Einwohner: 6226 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 233 Einwohner je km²
Postleitzahl: 64683
Vorwahl: 06251
Kfz-Kennzeichen: HP
Gemeindeschlüssel: 06 4 31 006
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktplatz 5
64683 Einhausen
Webpräsenz: www.einhausen.de
Bürgermeister: Helmut Glanzner (parteilos)
Lage der Gemeinde Einhausen im Kreis Bergstraße
Groß-Rohrheim Zwingenberg (Bergstraße) Biblis Viernheim Lampertheim Bürstadt Einhausen (Hessen) Lorsch Bensheim Lautertal (Odenwald) Lindenfels Heppenheim (Bergstraße) Heppenheim (Bergstraße) Fürth (Odenwald) Grasellenbach Rimbach (Odenwald) Mörlenbach Wald-Michelbach Birkenau (Odenwald) Abtsteinach Gorxheimertal Hirschhorn (Neckar) Neckarsteinach Michelbuch (gemeindefreies Gebiet) Rheinland-Pfalz Baden-Württemberg Kreis Groß-Gerau Landkreis Darmstadt-Dieburg OdenwaldkreisKarte
Über dieses Bild
Die 2006/2007 neugestaltete Weschnitz fließt durch Einhausen (in westlicher Richtung).
Die Weschnitz in Einhausen (in östlicher Richtung).

Einhausen ist eine Gemeinde im Kreis Bergstraße in Hessen, etwa 15 Kilometer östlich von Worms.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Einhausen liegt an der Bergstraße im Hessischen Ried und gehört zum klimatisch begünstigten nordöstlichen Oberrheingraben. Umgeben ist der von der Weschnitz durchflossene Ort von großen Wald- und landwirtschaftlichen Nutzflächen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Einhausen grenzt im Norden an die Gemeinde Groß-Rohrheim und die Stadt Gernsheim (Kreis Groß-Gerau), im Osten an die Städte Bensheim und Lorsch, im Süden an die Stadt Bürstadt sowie im Westen an die Gemeinde Biblis.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Einhausen besteht offiziell nur aus einem Ortsteil, die historisch entstandene Unterscheidung zwischen Groß-Hausen (nördlich der Weschnitz) und Klein-Hausen (südlich der Weschnitz) findet sich allerdings auch heute noch im Sprachgebrauch. Das Gemeindegebiet Einhausen ist katastermäßig in die Gemarkungen Groß-Hausen und Klein-Hausen unterteilt.

Geschichte[Bearbeiten]

Groß-Hausen und Klein-Hausen auf einer historischen Karte des Großherzogtums Hessen

Der Ort ist aus einer Schenkung, Besitzname: Husun, an das Kloster Lorsch im Jahre 768 hervorgegangen. Im Zuge der Reformation und Gegenreformation entwickelten sich im 15. und 16. Jahrhundert zwei politisch sowie religiös zerstrittene Ortsteile: Groß-Hausen (protestantisch) und Klein-Hausen (katholisch).

Mit Wirkung zum 1. April 1937 wurden die beiden Dörfer per Erlass zur Gemeinde Einhausen vereinigt. Diese Zusammenlegung war aufgrund der Vorbehalte zwischen den Einwohnern der zwei Orte durchaus umstritten und unbeliebt. Im Vorfeld der Vereinigung der Gemeinden erfolgte bereits im Jahr vorher die Anordnung zum Zusammenschluss der Schulen von Groß- und Klein-Hausen. Dies führte am ersten Schultag zu massiven Protesten: Einige Eltern weigerten sich, ihre Kinder auf der jeweils anderen Seite der Weschnitz in die Schule gehen zu lassen. Die Polizei musste eingreifen, um den „Aufruhr“ zu beenden und nahm schließlich 16 Personen fest, von denen in der Folge 14 zu Haftstrafen von bis zu sechs Monaten verurteilt wurden.[2][3]

Nach 1945 gab es Bestrebungen, die von den Nationalsozialisten verfügte Zusammenlegung der beiden Orte wieder rückgängig zu machen und den Zustand mit zwei selbstständigen Gemeinden wiederherzustellen. Schließlich setzte sich aber die Erkenntnis durch, dass eine größere Gemeinde den Herausforderungen der Zukunft besser gewachsen sein würde. In einer Volksabstimmung im Dezember 1953 wurde daher ein Antrag zur Aufspaltung von Einhausen abgelehnt.[2] Eine bedeutende Auswirkung dieser Entscheidung zeigte sich etwa zwanzig Jahre später, als Einhausen im Zuge der Gebietsreform in Hessen in den 1970er Jahren seine Eigenständigkeit bewahren konnte und unverändert blieb.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Groß-
Hausen
Klein-
Hausen
1715 -- 450
1775 340 --
1806 406 676
1828 525 921
1871 544 1142
1900 512 1216
1925 573 1589
Jahr Einhausen
1939 2578
1946 2769
1950 2971
1961 3263
1970 4138[4]
1980 4768[4]
1986 5031[4]
2006 6120[5]

Die Tabellen zeigen die Entwicklung der Einwohnerzahlen ab 1715. Vermutlich bereits im 17. Jahrhundert hatte das anfänglich kleinere Klein-Hausen den Nachbarn Groß-Hausen an Einwohnern übertroffen.[6] Die deutliche Zunahme der Bevölkerung (Verdoppelung) seit 1950 zeigt die Attraktivität Einhausens als Wohngemeinde und wurde durch die entsprechende Ausweisung von Neubaugebieten ermöglicht.

Historische Namensformen[Bearbeiten]

Historische Namensformen[7] sind:

  • villa Husun (767)
  • Husun, in marca (780)
  • Husun (vor 800)
  • Husen (1101)
  • Husen, Dorff (1323)
  • Husen in der Marcken, zu (1400)
  • Hußen (1423)
  • Einhausen (1937)

Wappen[Bearbeiten]

Am 28. Januar 1966 wurde der Gemeinde Einhausen ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In Rot auf goldener Brücke ein schwarzbedachtes goldenes Haus mit schwarzer Tür und zwei schwarzen Fenstern.[8]

Bedeutung: Die Brücke ist ein Symbol für den Zusammenschluss der beiden Ortsteile Groß- und Klein-Hausen diesseits und jenseits der Weschnitz, die sich viele Jahrhunderte getrennt entwickelt hatten.

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis: [9]

Parteien und Wählergemeinschaften  %
2011
Sitze
2011
 %
2006
Sitze
2006
 %
2001
Sitze
2001
Kommunalwahl in Einhausen 2011
 %
50
40
30
20
10
0
41,8 %
24,8 %
23,1 %
10,4 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-7,2 %p
+12,7 %p
-2,9 %p
-2,5 %p
Christlich Demokratische Union Deutschlands 41,8 13 49,0 15 47,5 15
Bündnis 90/Die Grünen 24,8 8 12,1 4 11,6 3
Sozialdemokratische Partei Deutschlands 23,1 7 26,0 8 28,4 9
Freie Wählergemeinschaft Einhausen 10,4 3 12,9 4 12,4 4
gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31
Wahlbeteiligung in % 54,1 51,6 57,8

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der Bürgermeister wird in direkter Wahl für eine Amtszeit von sechs Jahren gewählt. Nach dem vorzeitigen Amtsverzicht von Philipp Bohrer zum 1. August 2014 wurde am 25. Mai 2014 Helmut Glanzner (CDU) mit 52,0 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen im ersten Wahlgang zum Bürgermeister von Einhausen gewählt. Die Wahlbeteiligung betrug 68,8 Prozent.[10][11]

Die Amtsvorgänger als Bürgermeister von Einhausen waren bisher:[12]

  • 1937–1945 Ludwig Selzer
  • 1945–1954 Konrad Hübner
  • 1954–1973 Franz Hartnagel
  • 1973–1979 Theodor Kögler
  • 1979–1997 Hermann Dieter
  • 1997–2014 Philipp Bohrer

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Die Gemeinde Einhausen pflegt Städtepartnerschaften mit dem französischen Attichy im Département Oise sowie mit dem amerikanischen Shoreview in Minnesota.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirchweih/Kerwe[Bearbeiten]

Die Einhäuser Kirchweih, auch Kerwe genannt, findet jedes Jahr am ersten Oktoberwochenende statt. Veranstaltet wird sie vom Verein zur Erhaltung der Tradition Einhausen e.V. in Zusammenarbeit mit den drei Kerwegruppen ADI, CHIEF und Ladännsche. Über die Grenzen Einhausens bekannt ist der Kerweumzug, der jedes Jahr, am ersten Sonntag im Oktober, stattfindet. Der 2007 gebaute Motivwagen mit dem Thema Nordkorea wurde in der Novemberausgabe des Karnevalsmagazins „Tusch!!!“ (eine bundesweite Fachzeitschrift rund um Karneval) als bester politischer Motivwagen Deutschlands 2007 bezeichnet.

Fastnacht[Bearbeiten]

Am Fastnachtswochenende finden drei Narrengiggelsitzungen und eine Kindersitzung statt. Veranstaltet werden die Sitzungen vom Verein zur Erhaltung der Tradition Einhausen e.V.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Am östlichen Ortsrand verläuft die Bundesautobahn 67. Die Anschlussstelle Lorsch ist von der Ortsmitte etwa 3 km entfernt. Die Landesstraße 3111 durchzieht den Ort in Südost-Nordwest-Richtung. Im Süden durchlaufen 2,5 km von der Ortsmitte die Bundesstraße 47 und parallel dazu die Nibelungenbahn Bensheim–Worms das Gemeindegebiet. Der nächste Bahnhof liegt in 3 km Entfernung in Lorsch.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Einhausen verfügt über ein kleines Hallenbad mit einem Lehrschwimmbecken. Es wurde nach einer Renovierung im Februar 2011 wieder eröffnet.[13] Auch Gäste, Schulklassen und Vereine von außerhalb nutzen es regelmäßig.

Bildung[Bearbeiten]

Insgesamt vier Kindergärten stehen in der Gemeinde zur Verfügung, davon befindet sich einer in der Trägerschaft der evangelischen Kirchengemeinde.[14]

In der Ortsmitte befindet sich die Schule an der Weschnitz, eine Grundschule mit 240 Schülern.[15]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Franz Hartnagel wurde 1989 Ehrenbürger von Einhausen. Er war von 1954 bis 1973 Bürgermeister der Gemeinde.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Johannes Dieter (1903–1955) war von 1953 bis 1955 Bischof auf Samoa.

Literatur[Bearbeiten]

Paul Schnitzer, Franz Hartnagel, Günther Janowitz (Redaktion); Gemeindevorstand Einhausen (Herausgeber): Festschrift 1200-Jahrfeier Einhausen. 1968.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b 175 Jahre BA – 175 Schlagzeilen. Weschnitz-Übergang war verboten. In: Morgenweb. Bergsträßer Anzeiger, 2007, S. 12, abgerufen am 15. Mai 2011 (PDF; 9,0 MB).
  3. Geschichte. Schule an der Weschnitz Einhausen, abgerufen am 15. Mai 2011.
  4. a b c Gemeindevorstand Einhausen (Hrsg.): Einhausen – Tradition und Fortschritt. 1. Auflage: April 1987, S. 78
  5. Ausgewählte Daten über Gemeinden. Hessische Gemeindestatistik Ausgabe 2007. Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen am 11. Mai 2011.
  6. Ferdinand Koob: Zur neueren Geschichte der Gemeinde Einhausen. In: Paul Schnitzer, Franz Hartnagel, Günther Janowitz (Red.); Gemeindevorstand Einhausen (Hrsg.): Festschrift 1200-Jahrfeier Einhausen. 1968, S. 51
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format„Einhausen, Landkreis Bergstraße“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 23. Juni 2014, abgerufen am 10. Juli 2014.
  8. Genehmigung eines Wappens durch den Hessischen Minister des Innern vom 28. Januar 1966 (StAnz. S. 251) Seite 3 der tif-Datei 4,41 MB
  9. Hessisches Statistisches Landesamt: Endgültiges Ergebnis der Gemeindewahl
  10. Echo online vom 24. Mai 2014: Einhausen ist auch in Berlin ein Thema. Philipp Bohrer (67) kündigte beim Neujahrsempfang an, zum 1. August sein Amt niederzulegen.
  11. Hessisches Statistisches Landesamt: Direktwahlen in Einhausen
  12. Gemeindevorstand Einhausen (Hrsg.): Einhausen – Tradition und Fortschritt. 1. Auflage: April 1987, S. 71
  13. Einhäuser Hallenbad öffnet wieder. Echo Online, abgerufen am 10. April 2011.
  14. Ev. Kindergarten. Gemeinde Einhausen, abgerufen am 10. April 2011.
  15. Schulprogramm der Schule an der Weschnitz. Schule an der Weschnitz Einhausen, abgerufen am 10. April 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Einhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien