Abtsteinach

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Abtsteinach
Abtsteinach
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Abtsteinach hervorgehoben
49.5441666666678.7854861111111498Koordinaten: 49° 33′ N, 8° 47′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Kreis: Bergstraße
Höhe: 498 m ü. NHN
Fläche: 11,03 km²
Einwohner: 2426 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 220 Einwohner je km²
Postleitzahl: 69518
Vorwahl: 06207
Kfz-Kennzeichen: HP
Gemeindeschlüssel: 06 4 31 001
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kirchstraße 2
69518 Abtsteinach
Webpräsenz: www.absteinach.de
Bürgermeister: Rolf Reinhard
Lage der Gemeinde Abtsteinach im Kreis Bergstraße
Groß-Rohrheim Zwingenberg (Bergstraße) Biblis Viernheim Lampertheim Bürstadt Einhausen (Hessen) Lorsch Bensheim Lautertal (Odenwald) Lindenfels Heppenheim (Bergstraße) Heppenheim (Bergstraße) Fürth (Odenwald) Grasellenbach Rimbach (Odenwald) Mörlenbach Wald-Michelbach Birkenau (Odenwald) Abtsteinach Gorxheimertal Hirschhorn (Neckar) Neckarsteinach Michelbuch (gemeindefreies Gebiet) Rheinland-Pfalz Baden-Württemberg Kreis Groß-Gerau Landkreis Darmstadt-Dieburg OdenwaldkreisKarte
Über dieses Bild
Ober-Abtsteinach, von Osten gesehen
Unter-Abtsteinach mit dem Hardberg und der Stiefelhöhe

Abtsteinach ist eine Gemeinde im Kreis Bergstraße in Hessen (Deutschland). Die Gemeinde nennt sich „das Tor zum Überwald“.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Abtsteinach liegt hochgelegen im Vorderen Odenwald in Südhessen an der Grenze zu Baden-Württemberg. Die Gemeinde ist umgeben von einigen namhaften Bergen des Überwaldes, wie dem Götzenstein, dem Waldskopf und dem Hohberg im Westen sowie dem Hardberg und der Stiefelhöhe im Osten. In Abtsteinach entspringt die nach Süden dem Neckar zustrebende Steinach.

Ober-Abtsteinach befindet sich auf 480 m ü. NHN auf der, als kleine Hochfläche ausgebildeten Wasserscheide von Steinach und Weschnitz. Südlich davon an der Steinach liegt Unter-Abtsteinach (409 m ü. NHN) und nördlich davon beginnt der steile Abfall in das Talsystem des Mörlenbachs, der über die Weschitz dem Oberrhein zustrebt. Hier liegt auf 400 m ü. NHN der Ortsteil Mackenheim.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Abtsteinach grenzt im Norden an die Gemeinde Mörlenbach, im Osten an die Überwald-Gemeinde Wald-Michelbach, im Süden an die Gemeinde Heiligkreuzsteinach (Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg) sowie im Westen an die Gemeinden Gorxheimertal und Birkenau.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Abtsteinach besteht aus den drei Ortsteilen Mackenheim, Ober-Abtsteinach (Sitz der Gemeindeverwaltung) und Unter-Abtsteinach.

Geschichte[Bearbeiten]

Überblick[Bearbeiten]

Auf die Besiedlung der Gegend um Abtsteinach durch Kelten schon in vorrömischer Zeit weisen entsprechende Funde hin. Gesichert ist eine mehr als tausendjährige Geschichte, da der früheste erhalten gebliebene urkundliche Nachweis im Lorscher Codex das Bestehen des Ortes possesa Steinah, der heutige Ortsteil Oberabtsteinach, erstmals für das Jahr 1012 belegt ist. Der Ortsteil Unter-Abtsteinach wurde erstmals 1590 als Teil der Zent Abtsteinach erwähnt.[2]

Absteinach entstand im Gebiet der ehemaligen Mark Heppenheim die einen Verwaltungsbezirk des Frankenreichs bezeichnete. Am 20. Januar 773 schenkte Karl der Große die Stadt Heppenheim nebst dem zugehörigen Bezirk, der ausgedehnten Mark Heppenheim, dem Reichskloster Lorsch. Von hier wurde die Urbarmachung und Besiedlung des Gebietes betrieben. Der Blütezeit des Klosters Lorsch, in dessen Gebiet Abtsteinach lag, folgte im 11. und 12. Jahrhundert sein Niedergang. 1232 wurde das Kloster dem Erzbistum Mainz unterstellt. 1461 verpfändet Kurmainz infolge der Mainzer Stiftsfehde diese Besitzungen an die Kurpfalz. Diese wechselte 1556 zum protestantischen Glauben und hob 1564 das Kloster auf.

Im Mittelalter war Abtsteinach als Zent grundherrschaftliche Verwaltungsstelle sowie Gerichtsort. Mit der Verpfändung der kurmainzer Besitzungen an der Bergstraße und im Odenwald 1461 begann die Zeit der kurpfälzischen Herrschaft, die durch den Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) beendet wurde, als spanische Truppen die Region eroberten und die kurmainzer Herrschaft wieder herstellten. Dadurch wurde die durch die Pfalzgrafen eingeführte Reformation weitgehend wieder rückgängig gemacht und die Bevölkerung musste wieder zum katholischen Glauben zurückkehren.

Im Jahr 1782 führte Kurmainz eine Verwaltungsreform durch, mit der in Fürth eine Amtsvogtei eingerichtet wurde, in dessen Verwaltungsbezirk auch Abtsteinach lag. Die Amtsvogtei wiederum was dem Oberamt Starkenburg unterstellt. Damit wurden die Rechte und Entscheidungsfreiheiten der Zent weitgehend eingeschränkt.

Das ausgehende 18. und beginnende 19. Jahrhundert brachte Europa weitreichende Änderungen. Infolge der Napoleonischen Kriege wurde das Heilige Römische Reich (Deutscher Nation) durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 neu geordnet und hörte mit der Niederlegung der Reichskrone am 6. August 1806 auf zu bestehen. Durch diese Neuordnung und Auflösung von Kurmainz kam das Oberamt Starkenburg und mit ihm Abtsteinach zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, die 1806 in dem ebenfalls auf Druck Napoleons gebildeten Großherzogtum Hessen aufging.

In Hessen gehörte Abtsteinach durch eine Reihe von Verwaltungsreformen zum Landratsbezirk Lindenfels, sowie den Kreisen Lindenfels und Heppenheim, bis es 1938 zum heutigen Kreis Bergstraße kam.

Im Jahr 1814 wurde die Leibeigenschaft im Großherzogtum aufgehoben und es erhielt mit der am 17. Dezember 1820 eingeführten Verfassung des Großherzogtums Hessen eine konstitutionellen Monarchie, in der Großherzog aber noch große Machtbefugnisse hatte. Die noch bestehenden standesherrlichen Rechte wie Niedere Gerichtsbarkeit, Zehnten, Grundzinsen und andere Gefälle blieben aber noch bis 1848 bestehen.

Wie in den meisten Orten des Odenwaldes war die Bevölkerung arm und der Wald bildete neben der Landwirtschaft die einzige Erwerbsquelle. Mit der Zunahme der Bevölkerung im 19. Jahrhundert reichte dies nicht mehr aus um die Menschen zu ernähren und viele Einwohner wanderten nach Amerika und Australien aus. Erst mit der aufkommende Steinbruchindustrie fanden mehr Menschen Arbeit und Brot, allerdings war diese Arbeit gesundheitsschädigend und gefährlich. Bis in die 1930er Jahre war Abtsteinach für seine Buntsandsteinbrüche bekannt und viele Kirchen und Stadthäuser in der Region wurden daraus errichtet. Mit dem Aufkommen des Beton wurden viele Steinbrüche unrentabel und mussten schließen. Heute gibt es nur in Mackenheim noch einen Steinbruch, in dem Porphyr für den Straßen- und Hausbau abgebaut wird.

Am 1. August 1914 brach der Erste Weltkrieg aus, der wie im ganzen Deutschen Reich der positiven wirtschaftlichen Entwicklung ein Ende setzte. Als nach der deutschen Niederlage am 11. November 1918 der Waffenstillstand unterschrieben wurde, hatte der Krieg insgesamt rund 17 Millionen Menschenopfer kostete. Das Ende des Deutschen Kaiserreiches was damit besiegelt und die unruhigen Zeiten der Weimarer Republik folgten. In der Zeit von 1921 bis 1930 wurden in Deutschland 566.500 Auswanderer gezählt, die versuchen den schwierigen Verhältnissen in Deutschland zu entfliehen. Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler Reichskanzler, was das Ende der Weimarer Republik und den Beginn der Nationalsozialistischen Diktatur besiegelte.

Am 1. September 1939 begann mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen der Zweite Weltkriege, der in seinen Auswirkungen noch weit dramatischer war als der Erste Weltkrieg und dessen Opferzahl auf 60 bis 70 Millionen Menschen geschätzt werden. Der Krieg in Europa endete mit der bedingungslosen Kapitulation aller deutschen Truppen, die am 8. Mai 1945 um 23:01 Uhr mitteleuropäischer Zeit in Kraft trat.

Im 20. Jahrhundert entwickelten sich die Ortsteile von Abtsteinach zu Wohngemeinden und die meisten Einwohner fanden Arbeit in den großen Industrieunternehmen in Weinheim, Mannheim und Ludwigshafen.

Bis zum 31. Dezember 1971 waren Ober- und Unter-Abtsteinach selbständige Gemeinden. Zu diesem Datum wurden im Rahmen der Gebietsreform in Hessen die Gemeinde Abtsteinach durch den Zusammenschluss der Gemeinden Mackenheim, Ober-Abtsteinach und Unter-Abtsteinach gebildet.[3] Ortsbezirke wurden nicht eingerichtet.

Heute hat sich die Landwirtschaft auf einige kleine Betriebe konzentriert, die hauptsächlich Rinder- und Milchviehhaltung betreiben. In Abtsteinach gibt es circa 300 Arbeitsplätze in Gewerbe und Handel, die meisten Arbeitnehmer pendeln in die benachbarten Industriestandorte.[4]

Vom Mittelalter bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts[Bearbeiten]

Der als possesa Steinah 1012 erstmals erwähnte Ort entstand im Rahmen der Besiedlung des Odenwaldes (zweiter Siedlungsvorstoß) Im Gebiet der ehemaligen Mark Heppenheim. Nach dem Lorscher Codex einem Besitzverzeichnis der Abtei, kam der Flecken Steinach im Jahre 1012 unter Abt Poppo (V.) (1006–1018) als Schenkung des heiligen Kaisers Heinrich II. aus dem Geschlecht der Ottonen in den Besitz des Klosters. Später wurde die Ansiedlung wegen ihrer Zugehörigkeit zur Abtei Lorsch im Unterschied zu anderen Steinachs „Abtsteinach“ genannt. Daher rührt der silberne Abtsstab im Gemeindewappen.

1232 unterstellte Kaiser Friedrich II. die Reichsabtei Lorsch dem Erzbistum Mainz und seinem Bischof Siegfried III. von Eppstein zur Reform. Die Benediktiner widersetzten sich der angeordneten Reform und mussten deshalb die Abtei verlassen. Sie wurden durch Zisterzienser aus dem Kloster Eberbach und diese 1248 durch Prämonstratenser aus dem Kloster Allerheiligen ersetzt.

1267 wird erstmals ein Burggraf auf der Starkenburg (über Heppenheim) genannt, der auch das Amt Starkenburg, zu dem Abtsteinach zählte, verwaltete. Als untergeordnete Verwaltungseinheit und Gerichtsbarkeit entwickelte sich die Zent Abtsteinach deren älteste erhalten gebliebene Beschreibung aus dem Jahr 1590 stammt. Aus dem Jahr 1654 ist der Nachweis erhalten dass alle „Centmänner“ Leibeigene von Kurmainz waren. Für das gleiche Jahr ist belegt dass die Dörfer Ober- und Unter-Abtsteinach zusammen jährlich 26½ fl. Bede an die Kellerei in Heppenheim zu zahlen hatte.[2]

Im Verlauf der für Kurmainz verhängnisvollen Mainzer Stiftsfehde wird das Amt Starkenburg an Kurpfalz wiedereinlöslich verpfändet und bleibt anschließend für 160 Jahre pfälzisch. Pfalzgraf Friedrich lässt sich für seine Unterstützung von Erzbischof Dieter – im durch die Kurfürsten am 19. November 1461 geschlossenen „Weinheimer Bund“ – das Amt Starkenburg verpfänden. Kurmainz erhielt dabei das Recht, das Pfand für 100.000 Pfund wieder einzulösen.

In den Anfängen der Reformation sympathisierten die pfälzischen Herrscher offen mit dem lutherischen Glauben, aber erst unter Ottheinrich (Kurfürst von 1556 bis 1559) erfolgte der offizielle Übergang zur lutherischen Lehre. Danach wechselten seine Nachfolger und gezwungenermaßen auch die Bevölkerung mehrfach zwischen der lutherischen, reformierten und calvinistischen Religion. Als Folge der Reformation hob die Kurpfalz 1564 das Kloster Lorsch auf. 1568 gehören Ober- und Unter-AbtSteinach zur reformierten Pfarrei Wald-Michelbach.[2]

Im Laufe des Dreißigjährigen Kriegs eroberten spanische Truppen die Region und Abtsteinach kam wieder unter Kurmainzische Herrschaft. Im Westfälischen Frieden von 1648 wurde die Rückgabe der verpfändeten Gebiete an Kurmainz festgeschrieben. Dadurch wurde die von den Pfalzgrafen eingeführte Reformation weitgehend rückgängig gemacht und die Bevölkerung musste zum katholischen Glauben zurückkehren. 1658 lässt der Mainzer Erzbischof Johann Philipp von Schönborn in Ober-Abtsteinach eine dem heiligen Bonifatius geweihte Kirche errichten zu dessen Pfarrei 23 Orte gehören und die einzige Kirche der ganzen „Zent Absteinnach“ war und zum „Bergsträßer Landkapitel“ zählte.[2]

Als es 1782 zu einer Umstrukturierung der Ämter im Bezirk der Kurmainzer Amtskellerei Heppenheim kam, wurde die Zent Abtsteinach der neu geschaffenen Amtsvogtei Fürth unterstellt und musste ihre Befugnisse weitgehend abgeben. Zwar blieb die Zentordnung mit dem Zentschultheiß formal bestehen, dieser konnte jedoch nur noch die Anordnungen der übergeordneten Behörden (Oberamt Starkenburg, Unteramt Fürth) ausführen. Das Oberamt Starkenburg gehörte verwaltungsmäßig zum „Unteren Erzstifts“ des Kurfürstentums Mainz.[2]

Das ausgehende 18. und beginnende 19. Jahrhundert brachte Europa weitreichende Änderungen. Als Folge der Napoleonischen Kriege wurde bereits 1797 das „Linke Rheinufer“ und damit der linksrheinische Teil von Kurmainz durch Frankreich annektiert. In seiner letzten Sitzung verabschiedete im Februar 1803 der Immerwährende Reichstag in Regensburg den Reichsdeputationshauptschluss, der die Bestimmungen des Friedens von Luneville umsetzte, und die territorialen Verhältnisse im Heilige Römische Reich (Deutscher Nation) neu regelte. Durch diese Neuordnung wurde Kurmainz aufgelöst, das Oberamt Starkenburg und mit ihm Ober- und Unter-Abtsteinach kam zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, die es dem „Fürstentum Starkenburg“ zugeordnete. Das „Amt Fürth“ wurde als hessische Amtsvogtei weitergeführt, das Oberamt aber 1805 aufgelöst. Unter Druck Napoléons gründete sich 1806 der Rheinbund, dies geschah mit dem gleichzeitigen Reichsaustritt der Mitgliedsterritorien. Dies führte am 6. August 1806 zur Niederlegung der Reichskrone, womit das alte Reich aufhörte zu bestehen. Am 14. August 1806 erhob Napoléon die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, gegen den Beitritt zum Rheinbund und Stellung hoher Militärkontingente an Frankreich, zum Großherzogtum, andernfalls drohte er mit Invasion.

Verwaltung in Hessen[Bearbeiten]

Als das Oberamt Starkenburg 1803 zu Hessen kam, wurden die einzelnen Unterämter, so auch Fürth, vorerst als hessische Amtsvogtei weitergeführt und ab 1812 wurde Ober-, Unter-Abtsteinach und Mackenheim vom „Amt Wald-Michelbach“ verwaltet.[5] Nach der endgültigen Niederlage Napoléons regelte der Wiener Kongress 1814/15 auch die territorialen Verhältnisse für Hessen, daraufhin wurden 1816 im Großherzogtum Provinzen gebildet. Dabei wurde das vorher als „Fürstentum Starkenburg“ bezeichnete Gebiet, das aus den südlich des Mains gelegenen alten Hessischen und den ab 1803 hinzugekommenen rechtsrheinischen Territorien bestand, in „Provinz Starkenburg“ umbenannt. 1821 wurden im Rahmen einer umfassenden Verwaltungsreform die Amtsvogteien in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen des Großherzogtum aufgelöst und Landratsbezirke eingeführt, wodurch Ober-, Unter-Abtsteinach und Mackenheim zum Landratsbezirk Lindenfels kamen. Im Rahmen dieser Reform wurden auch Landgerichte geschaffen, die jetzt unabhängig von der Verwaltung waren. Die Landgerichtsbezirke entsprachen in ihrem Umfang den Landratsbezirken und für den Landratsbezirk Lindenfels war das Landgericht Fürth als Gericht erster Instanz zuständig. Diese Reform ordnete auch die administrative Verwaltung auf Gemeindeebene. So war die Bürgermeisterei in Oberabtsteinach auch für Buchklingen, Eichelberg (heute nur noch als Berg bekannt), Flockenbach (heute Unter-Flockenbach), Gorxheim, Kunzenbach (heute eine Siedlung in der Gemarkung Gorxheim), Löhrbach, Trösel und Unterabtsteinach zuständig, während Mackenheim mit Schnorrenbach von der Bürgermeisterei in Weiher verwaltet wurde. Seit 1820 wurden die Bürgermeister durch die Gemeinde gewählt und es gab keine Einsetzungen von Schultheißen mehr.

1832 wurden die Verwaltungseinheiten weiter vergrößert und es wurden Kreise geschaffen. Nach der am 20. August 1832 bekanntgegebenen Neugliederung sollte es in Süd-Starkenburg künftig nur noch die Kreise Bensheim und Lindenfels geben; der Landratsbezirk von Heppenheim sollte in den Kreis Bensheim fallen. Noch vor dem Inkrafttreten der Verordnung zum 15. Oktober 1832 wurde diese aber dahingehend revidiert, dass statt des Kreises Lindenfels neben dem Kreis Bensheim der Kreis Heppenheim als zweiter Kreis gebildet wurde, zu dem jetzt Ober-, Unter-Abtsteinach und Mackenheim gehörte. 1842 wurde das Steuersystem im Großherzogtum reformiert und der Zehnte und die Grundrenten (Einnahmen aus Grundbesitz) wurden durch ein Steuersystem ersetzt, wie es in den Grundzügen heute noch existiert.

Infolge der Märzrevolution 1848 wurden in den Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch „Regierungsbezirke“ ersetzt, wobei die bisherigen Kreise Bensheim und Heppenheim zum Regierungsbezirk Heppenheim vereinigt wurden. Bereits vier Jahre später, im Laufe der Reaktionsära, kehrte man aber zur Einteilung in Kreise zurück und Ober-, Unter-Abtsteinach und Mackenheim wurde Teil des neu geschaffenen Kreises Lindenfels.

Bei einer weiteren Verwaltungsreform, die am 12. Juli 1874 in Kraft trat, wurden die Kreise Lindenfels und Wimpfen aufgelöst und die drei heutigen Ortsteile kam zum Kreis Heppenheim.[6]

Die hessischen Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen wurden 1937 nach der 1936 erfolgten Auflösung der Provinzial- und Kreistage aufgehoben. Zum 1. November 1938 trat dann eine umfassende Gebietsreform auf Kreisebene in Kraft. In der ehemaligen Provinz Starkenburg war der Kreis Bensheim besonders betroffen, da er aufgelöst und zum größten Teil dem Kreis Heppenheim zugeschlagen wurde. Der Kreis Heppenheim übernahm auch die Rechtsnachfolge des Kreises Bensheim und erhielt den neuen Namen Landkreis Bergstraße.[7]

Das Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 ein Mitgliedsstaat des Deutschen Bundes und danach ein Bundesstaat des Deutschen Reiches. Es bestand bis 1919, nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Großherzogtum zum republikanisch verfassten Volksstaat Hessen. 1945 nach Ende des Zweiten Weltkriegs befand sich das Gebiet des heutigen Hessen in der amerikanischen Besatzungszone und durch Weisung der Militärregierung entstand das Bundesland Hessen in seinen heutigen Grenzen.

Gerichte in Hessen[Bearbeiten]

Die Gerichtsbarkeit des Oberamtes Lindenfels ging 1813 an das neue Justizamt in Fürth über. Mit Bildung der Landgerichte im Großherzogtum Hessen war ab 1821 das Landgericht Fürth das Gericht erster Instanz. 1853 wurde ein neuer Landgerichtsbezirk geschaffen, dessen Sitz in Wald-Michelbach war und zu dem auch Unter-, Ober-Abtsteinach und Mackenheim gehörten. Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in Amtsgericht Wald-Michelbach und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Darmstadt[8]. Am 1. Juli 1968 wurde der Amtsgerichtsbezirk dem Amtsgericht Fürth zugelegt und das Amtsgericht Wald-Michelbach aufgelöst. [9]

Bildung der Gemeinde[Bearbeiten]

Am 31. Dezember 1971 entstand anlässlich Gebietsreform in Hessen die Gemeinde Abtsteinach durch den freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Gemeinden Ober-Abtsteinach, Unter-Abtsteinach und Mackenheim.[3] Ortsbezirke wurden nicht eingerichtet.

Ausgliederungen[Bearbeiten]

Am 1. August 1972 wurde die Exklave Schnorrenbach, ein ehemaliger Ortsteil von Mackenheim, mit damals etwa 20 Einwohnern an die Gemeinde Birkenau abgetreten.[3]

Religionen[Bearbeiten]

Pfarrkirche St. Bonifatius in Ober-Abtsteinach

In Ober- und in Unter-Abtsteinach steht jeweils eine katholische Kirche, zudem existiert in Unter-Abtsteinach eine Kapelle.

Mitte des 17. Jahrhunderts ließ der Mainzer Kurfürst Johann Philipp von Schönborn den durch den Dreißigjährigen Krieg verarmten Einwohnern in Ober-Abtsteinach eine erste Kirche bauen, die 1658 geweiht (wohl nur benediziert) wurde. Etwa zur gleichen Zeit wurde auch eine Pfarrei errichtet. Sie erhielt das typisch mainzische Patrozinium St. Bonifatius. Dieser Benediktinerheilige schließt die Lorscher und die Mainzer Geschichte des Ortes Abtsteinach zusammen. Unter Kurfürst-Erzbischof Friedrich Karl Josef von Erthal (1774–1802; auch Fürstbischof von Worms) wurde die Kirche um 1782 durch einen klassizistischen Neubau ersetzt. Das noch brauchbare Baumaterial der alten Kirche wurde wieder verwendet. In der neuen Sakristei existiert noch das Wappen des ersten Stifters Johann Philipp von Schönborn als Relief. Bei der Neuerrichtung erhielt die Kirche eine klassizistische Innenausstattung (Hochaltar). Die Pfarrei St. Bonifatius (Ober)-Abtsteinach wurde im 20. Jahrhundert zur Mutterpfarrei der ausgegliederten Pfarrkuratien von Unter-Flockenbach und Löhrbach. Kirchlich gehört die Pfarrgemeinde zum Bistum Mainz, Dekanat Bergstraße Ost, Pfarrgruppe Abtsteinach.

St. Marien, die Unter-Abtsteinacher Kirche (Patrozinium Maria Himmelfahrt), stammt aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In der Kapelle St. Ludwig IX., in der Ortsmitte von Unter-Abtsteinach, steht eine Marienfigur, die nach einer Legende aus der Kirchenruine Lichtenklingen stammen soll und alljährlich bei der Lichtenklinger Wallfahrt (Sonntag um den 15. August) dorthin gebracht wird. Viele Häuser in der Großgemeinde Abtsteinach tragen außerdem noch Muttergotteshäusel, kleine Nischen in den Häuseraußenwänden mit Marien- oder Christusfiguren.

Politik[Bearbeiten]

Das Rathaus in Ober-Abtsteinach

Das Rathaus befindet sich in Ober-Abtsteinach.

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:[10]

Kommunalwahl 2011
 %
50
40
30
20
10
0
48,0 %
(+11,4 %p)
30,3 %
(-13,2 %p)
21,8 %
(+1,9 %p)
2006

2011

Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
FWG Freie Wählervereinigung Abtsteinach 48,0 7 36,6 5 34,4 5
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 30,3 5 43,5 7 41,1 6
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 21,8 3 19,9 3 24,5 4
Gesamt 100 15 100 15 100 15
Wahlbeteiligung in % 69,4 59,1 54,9

Bürgermeister[Bearbeiten]

Die vergangenen Bürgermeisterwahlen lieferten folgende Ergebnisse[11]:

Jahr Kandidaten Partei %
Ergebnis
1993 Rolf Reinhard 49,1
Rainer Bergert SPD 10,9
Günther Jöst CDU 39,9
Wahlbeteiligung in % 83,8
1993(1) Rolf Reinhard 55,8
Günther Jöst CDU 44,2
Wahlbeteiligung in % 85,5
Jahr Kandidaten Partei %
Ergebnis
1999 Rolf Reinhard 73,2
Wahlbeteiligung in % 81,5
2005 Rolf Reinhard 63,4
Udo Bergfeld 3,7
Klaus Schmitt 33,0
Wahlbeteiligung in % 80,9
2011 Rolf Reinhard 68,3
Wahlbeteiligung in % 69,2

(1)Stichwahl

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: In rotem Schild ein aus silbernen Felsen wachsender silberner, mit Blättern der Weinrebe rankenförmig ornamentierter Abtsstab über blauem Querstrom im Schildfuß.

Das Wappen von Abtsteinach ist ein sogenanntes redendes Wappen: Der Abtsstab dokumentiert die Verbindung von Abtsteinach als Besitztum des Klosters Lorsch (in Abtsteinach gab es keine Abtei). Der Felsen bzw. Berg symbolisiert den höchsten Berg der Umgebung, den Hardberg, der für Abtsteinach bestimmend ist. Die Wasserfläche symbolisiert den Bachlauf der Steinach, deren Quelle in Abtsteinach entspringt und dem Neckar zufließt. Das Wappen wurde am 21. Dezember 1929 an die Gemeinde Ober-Abtsteinach verliehen und dient seit dem 1. Januar 1972 der Großgemeinde Abtsteinach als offizielles Wappen. Ein Siegel aus dem Jahr 1736 zeigt in der oberen Hälfte einen Löwen, in der unteren Hälfte den Abtsstab und zwei Sterne sowie die Buchstaben A und S.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kapelle St. Ludwig in Unter-Abtsteinach

Es existiert ein Kunstwanderweg mit elf Kunstwerken der vom FCO-Sportgelände über die Grillanlage bis zur Götzensteinstraße führt.

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

Unter-Abtsteinach und Ober-Abtsteinach verfügen über je einen Sportplatz, letzteres auch über eine Tennisanlage. Eine Grillhütte mit einem Waldlehrpfad liegt in Ober-Abtsteinach zwischen einer Wiesenfläche, einem Wäldchen und dem Friedhof des Ortes.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Abtsteinach durchzieht seit vielen Jahren am Fastnachtssonntag der überregional bekannte Karnevalsumzug „Boa Narhalla“. Dieser, wie auch die Prunksitzungen werden vom Okaclu, dem Ober-Absteinacher Karnevalsclub, organisiert.
  • Jedes Jahr in August findet eine von der Kirchengemeinde organisierte Wallfahrt nach St. Maria in Lichtenklingen statt.

Hardberg[Bearbeiten]

Mit dem Hardberg (593 m ü. NHN) liegt der dritthöchste Berg des Odenwaldes auf der Gemarkung der Gemeinde Abtsteinach. Auf seinem Gipfel steht ein Sendeturm des Hessischen Rundfunkes mit 135 m Höhe.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehrsanbindungen[Bearbeiten]

Abtsteinach liegt abseits von großen Bundesstraßen, allerdings ist es gut über die Verbindungsstraßen von Weinheim nach Wald-Michelbach zu erreichen. Täglich verkehren Linienbusse nach Weinheim und Grasellenbach.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

  • motech gmbh, technology + systems, Hersteller von Schaltanlagen
  • Porphyrwerke Weinheim Schriesheim AG
  • REIMOTEC Maschinen- und Anlagenbau GmbH

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Die Grundschule befindet sich in Unter-Abtsteinach und trägt den Namen „Steinachtal-Grundschule“. In Ober-Abtsteinach findet sich der katholische Kindergarten „St. Josef“.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter W. Sattler, [1000 Jahre] Abtsteinach. Wesen und Werden, Gestaltung und Wandel. [Chronik 1012–2012], hrsg. von der Gemeinde Abtsteinach. Druckhaus Diesbach, Weinheim o. J. [2011], ISBN 978-3-00-036719-9

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Abtsteinach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b c d e Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamensbuch - Starkenburg, Darmstadt 1937, Seite 518-519
  3. a b c  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. Mai 1970 bis 31. Dezember 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 349 und 350.
  4. Internetauftritt der Gemeinde: Geschichte
  5. Konrad Dahl, Seite 243
  6. Martin Kukowski: Hessisches Staatsarchiv Darmstadt: Überlieferung aus dem ehemaligen Grossherzogtum und dem Volksstaat Hessen. Band 3, K.G. Saur, 1998, ISBN 3-598-23252-7
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format„Abtsteinach, Landkreis Bergstraße“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 14. Januar 2014, abgerufen am 26. Mai 2014.
  8. Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879 (Hess. Reg.Bl. S. 197-211)
  9. Anordnung des Hessischen Ministers der Justiz vom 1. Juli 1968 — 3211 — II/4 — 894 — Betrifft: Gerichtsorganisation (Errichtung von Zweigstellen der Amtsgerichte) (StAnz. 28/1968 S. 1037-1039)
  10. Hessisches Statistisches Landesamt - Endgültiges Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011 Abtsteinach
  11. Hessisches Statistisches Landesamt; Direktwahlen Abtsteinach