Abtsteinach

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Abtsteinach
Abtsteinach
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Abtsteinach hervorgehoben
49.5441666666678.7854861111111498Koordinaten: 49° 33′ N, 8° 47′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Kreis: Bergstraße
Höhe: 498 m ü. NHN
Fläche: 11,03 km²
Einwohner: 2448 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 222 Einwohner je km²
Postleitzahl: 69518
Vorwahl: 06207
Kfz-Kennzeichen: HP
Gemeindeschlüssel: 06 4 31 001
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kirchstraße 2
69518 Abtsteinach
Webpräsenz: www.absteinach.de
Bürgermeister: Rolf Reinhard
Lage der Gemeinde Abtsteinach im Kreis Bergstraße
Groß-Rohrheim Zwingenberg (Bergstraße) Biblis Viernheim Lampertheim Bürstadt Einhausen (Hessen) Lorsch Bensheim Lautertal (Odenwald) Lindenfels Heppenheim (Bergstraße) Heppenheim (Bergstraße) Fürth (Odenwald) Grasellenbach Rimbach (Odenwald) Mörlenbach Wald-Michelbach Birkenau (Odenwald) Abtsteinach Gorxheimertal Hirschhorn (Neckar) Neckarsteinach Michelbuch (gemeindefreies Gebiet) Rheinland-Pfalz Baden-Württemberg Kreis Groß-Gerau Landkreis Darmstadt-Dieburg OdenwaldkreisKarte
Über dieses Bild
Ober-Abtsteinach, von Osten gesehen
Unter-Abtsteinach mit dem Hardberg und der Stiefelhöhe

Abtsteinach ist eine Gemeinde im Kreis Bergstraße in Hessen (Deutschland). Die Gemeinde nennt sich „das Tor zum Überwald“.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Abtsteinach liegt hochgelegen im Vorderen Odenwald in Südhessen an der Grenze zu Baden-Württemberg. Die Gemeinde ist umgeben von einigen namhaften Bergen des Überwaldes, wie dem Götzenstein, dem Waldskopf und dem Hohberg im Westen sowie dem Hardberg und der Stiefelhöhe im Osten. In Abtsteinach entspringt die nach Süden dem Neckar zustrebende Steinach.

Ober-Abtsteinach befindet sich 480 Meter hoch auf der als kleine Hochfläche ausgebildeten Wasserscheide von Steinach und Weschnitz. Südlich davon an der Steinach liegt Unter-Abtsteinach (409 Meter Höhe) und nördlich davon beginnt der steile Abfall in das Talsystem des Mörlenbachs, der über die Weschitz dem Oberrhein zustrebt. Hier liegt auf 400 Meter Höhe der Ortsteil Mackenheim.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Abtsteinach grenzt im Norden an die Gemeinde Mörlenbach, im Osten an die Überwald-Gemeinde Wald-Michelbach, im Süden an die Gemeinde Heiligkreuzsteinach (Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg) sowie im Westen an die Gemeinden Gorxheimertal und Birkenau.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Abtsteinach besteht aus den drei Ortsteilen Mackenheim, Ober-Abtsteinach (Sitz der Gemeindeverwaltung) und Unter-Abtsteinach.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gemeinde kann auf eine tausendjährige Geschichte zurückblicken, da der früheste erhalten gebliebene urkundliche Nachweis im Lorscher Codex das Bestehen des Ortes possesa Steinah erstmals für das Jahr 1012 belegt.

Auf die Besiedlung der Gegend durch Kelten schon in vorrömischer Zeit weisen entsprechende Funde hin. Während des Mittelalters gehörte die Gegend um Abtsteinach zum Besitz des Klosters Lorsch. Im Rahmen des Landesausbaus (zweiter Siedlungsvorstoß) entstanden die Dörfer Ober-Absteinach und Unter-Abtsteinach. Nach dem Lorscher Codex, einem Geschichtswerk und Besitzverzeichnis der Abtei, kam der Flecken Steinach im Jahre 1012 unter Abt Poppo (V.) (1006–1018) als Schenkung des heiligen Kaisers Heinrich II. aus dem Geschlecht der Ottonen in den Besitz des Klosters. Später wurde die Ansiedlung wegen ihrer Zugehörigkeit zur Abtei Lorsch im Unterschied zu anderen Steinachs „Abtsteinach“ genannt. Daher rührt der silberne Abtsstab im Gemeindewappen. Nach der Auflösung der Benediktiner-Reichsabtei Lorsch (1232) durch Kaiser Friedrich II. fiel ihr Besitz und damit auch Abtsteinach an das Erzstift Mainz. 1267 wird erstmals ein Burggraf auf der Starkenburg (über Heppenheim) genannt, der auch das Amt Starkenburg, zu dem Abtsteinach zählte, verwaltete. Während der verhängnisvollen Mainzer Stiftsfehde wurde dieses kurmainzer Amt Starkenburg mit Abtsteinach 1461 an die Kurpfalz verpfändet. Mehr als 150 Jahre lang war der Ort nun kurpfälzisch. Aus dem Jahre 1590 findet sich eine urkundliche Erwähnung, nach der Abtsteinach seit langem „Zent“ war, somit die Gerichtsbarkeit für mehrere Orte besaß und Fron- und Militärdienste leisten musste. Zwar konnte 1623 das Pfand wieder ausgelöst werden, aber erst nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) gelang es dem Mainzer Kurfürst-Erzbischof Johann Philipp von Schönborn (1647–1673) das Amt Starkenburg und damit Abtsteinach endgültig zum Mainzer Territorium zurückzuholen. Gehörte Abtsteinach staatlich nun wieder zum Kurmainz, so war der Ort doch kirchlich seit dem Mittelalter bis zur Säkularisation immer dem Bistum Worms zugehörig. 1803 kam Abtsteinach durch die Auflösung des Kurstaates an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, die 1806 zum Großherzogtum Hessen und 1919 zum Volksstaat Hessen wurde.

Religionen[Bearbeiten]

Pfarrkirche St. Bonifatius in Ober-Abtsteinach

In Ober- und in Unter-Abtsteinach steht jeweils eine katholische Kirche, zudem existiert in Unter-Abtsteinach eine Kapelle.

Mitte des 17. Jahrhunderts ließ der Mainzer Kurfürst Johann Philipp von Schönborn den durch den Dreißigjährigen Krieg verarmten Einwohnern in Ober-Abtsteinach eine erste Kirche bauen, die 1658 geweiht (wohl nur benediziert) wurde. Etwa zur gleichen Zeit wurde auch eine Pfarrei errichtet. Sie erhielt das typisch mainzische Patrozinium St. Bonifatius. Dieser Benediktinerheilige schließt die Lorscher und die Mainzer Geschichte des Ortes Abtsteinach zusammen. Unter Kurfürst-Erzbischof Friedrich Karl Josef von Erthal (1774–1802; auch Fürstbischof von Worms) wurde die Kirche um 1782 durch einen klassizistischen Neubau ersetzt. Das noch brauchbare Baumaterial der alten Kirche wurde wieder verwendet. In der neuen Sakristei existiert noch das Wappen des ersten Stifters Johann Philipp von Schönborn als Relief. Bei der Neuerrichtung erhielt die Kirche eine klassizistische Innenausstattung (Hochaltar). Die Pfarrei St. Bonifatius (Ober)-Abtsteinach wurde im 20. Jahrhundert zur Mutterpfarrei der ausgegliederten Pfarrkuratien von Unter-Flockenbach und Löhrbach. Kirchlich gehört die Pfarrgemeinde zum Bistum Mainz, Dekanat Bergstraße Ost, Pfarrgruppe Abtsteinach.

St. Marien, die Unter-Abtsteinacher Kirche (Patrozinium Maria Himmelfahrt), stammt aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In der Kapelle St. Ludwig IX., in der Ortsmitte von Unter-Abtsteinach, steht eine Marienfigur, die nach einer Legende aus der Kirchenruine Lichtenklingen stammen soll und alljährlich bei der Lichtenklinger Wallfahrt (Sonntag um den 15. August) dorthin gebracht wird. Viele Häuser in der Großgemeinde Abtsteinach tragen außerdem noch Muttergotteshäusel, kleine Nischen in den Häuseraußenwänden mit Marien- oder Christusfiguren.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 31. Dezember 1971 entstand anlässlich Gebietsreform in Hessen die Gemeinde Abtsteinach durch den freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Gemeinden Ober-Abtsteinach, Unter-Abtsteinach und Mackenheim.[2] Ortsbezirke wurden nicht gebildet.

Ausgliederungen[Bearbeiten]

Am 1. August 1972 wurde die Exklave Schnorrenbach, ein ehemaliger Ortsteil von Mackenheim, mit damals etwa 20 Einwohnern an die Gemeinde Birkenau abgetreten.[2]

Politik[Bearbeiten]

Das Rathaus in Ober-Abtsteinach

Das Rathaus befindet sich in Ober-Abtsteinach.

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:[3]

Kommunalwahl 2011
 %
50
40
30
20
10
0
48,0 %
(+11,4 %p)
30,3 %
(-13,2 %p)
21,8 %
(+1,9 %p)
2006

2011

Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
FWG Freie Wählervereinigung Abtsteinach 48,0 7 36,6 5 34,4 5
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 30,3 5 43,5 7 41,1 6
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 21,8 3 19,9 3 24,5 4
Gesamt 100 15 100 15 100 15
Wahlbeteiligung in % 69,4 59,1 54,9

Bürgermeister[Bearbeiten]

Die vergangenen Bürgermeisterwahlen lieferten folgende Ergebnisse:

Jahr Kandidaten Partei %
Ergebnis
2005 Rolf Reinhard 63,4
Udo Bergfeld 3,7
Klaus Schmitt 33,0
Wahlbeteiligung in % 80,9
1999 Rolf Reinhard 81,5
Wahlbeteiligung in % 73,2
Jahr Kandidaten Partei %
Ergebnis
1993(1) Rolf Reinhard 55,8
Günther Jöst CDU 44,2
Wahlbeteiligung in % 85,5
1993 Rolf Reinhard 49,1
Rainer Bergert SPD 10,9
Günther Jöst CDU 39,9
Wahlbeteiligung in % 83,8

(1)Stichwahl

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: In rotem Schild ein aus silbernen Felsen wachsender silberner, mit Blättern der Weinrebe rankenförmig ornamentierter Abtsstab über blauem Querstrom im Schildfuß.

Das Wappen von Abtsteinach ist ein sogenanntes redendes Wappen: Der Abtsstab dokumentiert die Verbindung von Abtsteinach als Besitztum des Klosters Lorsch (in Abtsteinach gab es keine Abtei). Der Felsen bzw. Berg symbolisiert den höchsten Berg der Umgebung, den Hardberg, der für Abtsteinach bestimmend ist. Die Wasserfläche symbolisiert den Bachlauf der Steinach, deren Quelle in Abtsteinach entspringt und dem Neckar zufließt. Das Wappen wurde am 21. Dezember 1929 an die Gemeinde Ober-Abtsteinach verliehen und dient seit dem 1. Januar 1972 der Großgemeinde Abtsteinach als offizielles Wappen. Ein Siegel aus dem Jahr 1736 zeigt in der oberen Hälfte einen Löwen, in der unteren Hälfte den Abtsstab und zwei Sterne sowie die Buchstaben A und S.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kapelle St. Ludwig in Unter-Abtsteinach

Es existiert ein Kunstwanderweg mit elf Kunstwerken der vom FCO-Sportgelände über die Grillanlage bis zur Götzensteinstraße führt.

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

Unter-Abtsteinach und Ober-Abtsteinach verfügen über je einen Sportplatz, letzteres auch über eine Tennisanlage. Eine Grillhütte mit einem Waldlehrpfad liegt in Ober-Abtsteinach zwischen einer Wiesenfläche, einem Wäldchen und dem Friedhof des Ortes.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Abtsteinach durchzieht seit vielen Jahren am Fastnachtssonntag der überregional bekannte Karnevalsumzug „Boa Narhalla“. Dieser, wie auch die Prunksitzungen werden vom Okaclu, dem Ober-Absteinacher Karnevalsclub, organisiert.
  • Jedes Jahr in August findet eine von der Kirchengemeinde organisierte Wallfahrt nach St. Maria in Lichtenklingen statt.

Hardberg[Bearbeiten]

Mit dem Hardberg liegt der dritthöchste Berg des Odenwaldes (593 m) auf der Gemarkung der Gemeinde Abtsteinach. Auf seinem Gipfel steht ein Sendeturm des Hessischen Rundfunkes mit 135 m Höhe.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehrsanbindungen[Bearbeiten]

Abtsteinach liegt abseits von großen Bundesstraßen, allerdings ist es gut über die Verbindungsstraßen von Weinheim nach Wald-Michelbach zu erreichen. Täglich verkehren Linienbusse nach Weinheim und Grasellenbach.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

  • motech gmbh, technology + systems, Hersteller von Schaltanlagen
  • Porphyrwerke Weinheim Schriesheim AG
  • REIMOTEC Maschinen- und Anlagenbau GmbH

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Die Grundschule befindet sich in Unter-Abtsteinach und trägt den Namen „Steinachtal-Grundschule“. In Ober-Abtsteinach findet sich der katholische Kindergarten „St. Josef“.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter W. Sattler, [1000 Jahre] Abtsteinach. Wesen und Werden, Gestaltung und Wandel. [Chronik 1012–2012], hrsg. von der Gemeinde Abtsteinach. Druckhaus Diesbach, Weinheim o. J. [2011], ISBN 978-3-00-036719-9

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. Mai 1970 bis 31. Dezember 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 349 und 350.
  3. Hessisches Statistisches Landesamt

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Abtsteinach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien