Bürstadt

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Bürstadt
Bürstadt
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bürstadt hervorgehoben
49.6333333333338.4590Koordinaten: 49° 38′ N, 8° 27′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Kreis Bergstraße
Höhe: 90 m ü. NN
Fläche: 34,46 km²
Einwohner:

15.699 (31. Dez. 2011)[1]

Bevölkerungsdichte: 456 Einwohner je km²
Postleitzahl: 68642
Vorwahlen: 06206, 06245 (Bobstadt)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: HP
Gemeindeschlüssel: 06 4 31 005
Stadtgliederung: 3 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausstraße 2
68642 Bürstadt
Webpräsenz: www.buerstadt.de
Bürgermeister: Alfons Haag (CDU)
Lage der Stadt Bürstadt im Kreis Bergstraße
Karte
Naturoase Lachgärten, Bürstadt
Dorfplatz Riedrode

Bürstadt ist eine Stadt im Süden von Hessen im Kreis Bergstraße.

Inhaltsverzeichnis

Geographie [Bearbeiten]

Geographische Lage [Bearbeiten]

Bürstadt liegt in der Oberrheinischen Tiefebene zwischen dem Rhein und dem Odenwald im Hessischen Ried.

Nachbargemeinden [Bearbeiten]

Bürstadt grenzt im Norden an die Gemeinde Biblis, im Nordosten an die Gemeinde Einhausen, im Osten an die Stadt Lorsch, in Süden und Westen an die Stadt Lampertheim.

Stadtgliederung [Bearbeiten]

Bürstadt ist in drei Stadtteile gegliedert: Bobstadt, Bürstadt und Riedrode. Die beiden Ortsteile Bobstadt und Riedrode liegen ca. 1 Kilometer von Bürstadt entfernt. Außerdem gibt es noch den Boxheimerhof, welcher mittlerweile durch einige Baugebiete zu einem eigenen kleinen Stadtteil herangewachsen ist, sowie eine Gärtnersiedlung im Süden der Stadt, die ihre Wurzeln in der römischen Zeit hat.

Geschichte [Bearbeiten]

Der Name „Bürstadt“ leitet sich von „Bisos Stätte“ ab. Biso war ein fränkischer Fürst, der in der Gegend Besitzungen hatte.

Bürstadt liegt in einer der kultur- und geschichtsträchtig ältesten Landschaften Deutschlands. Bedingt durch die fruchtbaren Böden und den Wild- und Artenreichtum der Oberrheinischen Tiefebene wurden schon sehr früh die Hochufer des Rheins besiedelt.

Ein in der Gemarkung Bürstadts stehender 1,35 m hoher Monolith, der sogenannte Sackstein, ist wahrscheinlich ein Menhir aus der späten Jungsteinzeit. Grabhügel in den Wäldern von Bürstadt ergaben einige Funde, die der Hallstattzeit zuzuordnen sind. Bemerkenswert ist auch eine Anzahl von Funden aus der frühen Latènezeit, so z. B. ein handgeformter Becher mit Fingermuster, der aus der Zeit um 500 v. Chr. stammt. Außerdem finden sich Reste einer ausgedehnten römischen Siedlung am Rand des Bürstädter Waldes. Für den Reisenden befand sich Bürstadt, in der sich einst ein karolingischer Königshof befand, auf halbem Weg zwischen der Nibelungenstadt Worms, die auf eine keltische Gründung zurückgeht, und der ehemaligen Reichsabtei Lorsch.

Zeittafel [Bearbeiten]

Im Jahre 764 wurde das Kloster im benachbarten Lorsch durch Graf Cancor gegründet. Im 9.–12. Jahrhundert gehörte es zu den größten und mächtigsten Benediktinerabteien Deutschlands. Am 1. November 767 wurde Bürstadt in einer Schenkungsurkunde des Lorscher Codex erstmals urkundlich erwähnt. 776 schenkte Eufemia, Tochter des Grafen Kankor, ihre Güter in Villa et marca Babestat dem Kloster Lorsch. Auch ihr Bruder Heimerich vermachte seinen Besitz in Bobstadt der Abtei Lorsch (782). Außerdem wurde Bobstadt erstmals urkundlich erwähnt. 789 wurde der Boxheimerhof, ein Klostergut der Reichsabtei Lorsch, erstmals urkundlich erwähnt. In einer Urkunde trägt er den Namen „Villa wizzilin“ oder „Wizzelai“. Im Jahre 1275 trägt der Hof bereits den Namen „Boxheim“. Ende April 873 hält Ludwig der Deutsche in Bürstadt eine Reichsversammlung (placitum) ab. Es werden Verhandlungen mit einer Gesandtschaft des dänischen Königs Siegfried geführt und ein Bote des großmährischen Fürsten Svatopluk empfangen. Außerdem fand die Aussöhnung zwischen Ludwig dem Deutschen und seinen Söhnen statt. 1232 fiel Bürstadt zusammen mit der Reichsabtei Lorsch an das Mainzer Erzstift.

Im Jahre 1427 wurde Bobstadt Lehen der Herren von Wattenheim. 1440 fielen nach dem Tod Peter von Wattenheims die Güter wieder an das Stift Worms zurück. 1443 gab Bischof Johann von Worms Dorf und Gericht Bobstadt an Konrad von Frankenstein, der der erste Lehnsherr aus dem Frankensteiner Geschlecht im Amt zum Stein ist. Diese Frankensteiner Zeit dauert bis 1780. 1461 wurde Bürstadt an die Kurpfalz verpfändet. 1556 führte der Kurfürst der Pfalz auch in Bürstadt die Reformation ein. Von 1618 bis 1648 wurden im Dreißigjährigen Krieg alle Häuser in Bürstadt niedergebrannt, dabei war das Dorf fast 10 Jahre ohne Bewohner. 1618 hatte Bürstadt ca. 700 Bewohner gehabt, 1648 waren es nur noch 154 Einwohner, welche in Bürstadt lebten. 1623 kam Bürstadt wieder zum Erzbistum Mainz. Der katholische Glauben wurde wieder eingeführt. 1732 wurde mit dem Bau der Barockkirche St. Michael begonnen. 1780 gehörte Bobstadt wieder zum Wormsischen Amt Lampertheim (früher Amt Stein). 1803 wurde das Kurfürstentum Mainz aufgelöst. Bürstadt kam zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt die 1806 im Großherzogtum Hessen aufging.

Sonnensegel in Bürstadt

Am 3. November 1824 brach der Reuterdeich bei Nordheim. Die Fluten des Rheins überschwemmen das Ried wobei besonders Bobstadt hart getroffen wurde. Im Mai 1882 wurde der katholische Pfarrer von St. Michael, Peter Itzel, von dem Tagelöhner Fischbach erstochen. Bürstadt bekam dadurch einen schlechten Ruf und erhielt den Spitznamen „Messerstecher“. Am 10. Juli 1936 wurde das erste hessische Erbhofdorf Riedrode eingeweiht. 28 Familien übernahmen 28 Erbhöfe. 1945 besetzten die Amerikaner Bürstadter Häuser, um am Tag darauf in Worms einzumarschieren. Der Gemeinde Bürstadt wurde am 1. Juni 1967 durch den Hessischen Minister des Innern das Recht verliehen, die Bezeichnung Stadt zu führen.[2] 2005 wurde in Bürstadt die größte Dach-Photovoltaikanlage der Welt in Betrieb genommen (45.000 m² Dachfläche; 5 MW Leistung). Noch im selben Jahr wurde Bürstadt Deutscher Meister in der Solarbundesliga (Kategorie 10.000–100.000 Einwohner). 2006 errang Bürstadt die Goldmedaille im Wettbewerb „Entente Florale“. Am 22. Februar 2007 fand die Grundsteinlegung zu einer der größten Biogasanlagen Deutschlands (ca. 2,2 MW elektrische Anlagenleistung) statt. Vom 5. bis 7. September 2008 wurde die Messe EnergieTrends+ (Messe für regenerative Energien) zum ersten Mal veranstaltet.

Eingemeindungen [Bearbeiten]

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurden am 1. Juli 1971 die bis dahin selbstständige Gemeinde Riedrode nach Bürstadt eingemeindet. Am 31. Dezember 1971 folgte die Eingemeindung von Bobstadt.[3]

Ausgründungen [Bearbeiten]

Die ehemals selbständige Gemeinde Rosengarten gehörte für einige Zeit zur Stadt Bürstadt, wurde allerdings bald wieder ausgemeindet und gehört seit 1971 zur Stadt Lampertheim.

Einwohnerentwicklung [Bearbeiten]

Dokumentierte Einwohnerzahlen sind[4]:

  • 1623: 66 (Bürger)
  • 1806: 1.357 Einwohner
  • 1829: 1.807 Einwohner
  • 1867: 2.765 Einwohner
  • 1925: 7.144 Einwohner
  • 1939: 8.221 Einwohner
  • 1961: 10.871 Einwohner
  • 1970: 12.621 Einwohner
  • 1988: 15.214 Einwohner
  • 2007: 16.095 Einwohner

Politik [Bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung [Bearbeiten]

Kommunalwahl in Bürstadt 2011
 %
60
50
40
30
20
10
0
44,9 %
(-12,8 %p)
27,1 %
(-4,0 %p)
19,0 %
(n. k.)
9,0 %
(-2,2 %p)
2006

2011


Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis: [5]

Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 44,9 14 57,7 18 61,6 23
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 27,1 8 31,1 10 38,4 14
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 19,0 6
FDP Freie Demokratische Partei 9,0 3 11,2 3
gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 37
Wahlbeteiligung in % 48,2 44,1 56,9

Bürgermeister [Bearbeiten]

Seit 1989 ist Alfons Haag (CDU) Bürgermeister von Bürstadt.
Am 17. Februar 2013 wurde Barbara Schader zur ersten Bürgermeisterin der Stadt Bürstadt gewählt. Ihr Amtsantritt ist der 1. Juli 2013.

Wappen [Bearbeiten]

Das Lorscher Spitznagelkreuz erinnert an die Zugehörigkeit zum Kloster Lorsch von 767 bis 1232. 1461 wurde Bürstadt an die Kurpfalz verpfändet, daher das silberblaue gerautete Schildhaupt. 1632 kam es an Kurmainz zurück, und ab 1803 gehört es zum Großherzogtum Hessen, deshalb das rote Feld unter dem Wappen.

Bürstadt darf dieses Wappen seit seiner Verleihung der Stadtrechte im Jahre 1967 tragen.

Städtepartnerschaften [Bearbeiten]

Es bestehen seit 1974 mit Krieglach (Österreich) und seit 1982 mit Wittelsheim (Frankreich) Partnerschaften. 1984 wurde mit Minano (Japan) ein Freundschaftsvertrag geschlossen, 1991 mit Glauchau.

Verkehr und Infrastruktur [Bearbeiten]

Turmbahnhof Bürstadt

Bürstadt liegt im Norden der Metropolregion Rhein-Neckar an den Bundesstraßen 47 und 44. Die Autobahn 67 ist über die Anschlussstelle Lorsch (Entfernung ca. 5 km) erreichbar.

Der Bahnhof Bürstadt liegt am Kreuzungspunkt von Riedbahn und Nibelungenbahn. (Zuglinien: Mannheim-Frankfurt am Main und Worms-Bensheim). Damit ist der Bahnhof Bürstadts ein Bahnhof, von dem in jede Himmelsrichtung ein Gleis führt.

Der Flughafen Frankfurt am Main ist etwa 60 km entfernt.

Freizeiteinrichtungen [Bearbeiten]

Bürstadt hat ein solarbeheiztes Waldschwimmbad (Freibad) sowie eine Leichtathletikanlage mit sechsbahnigem Tartanbelag. Für die Fußballer des VfR Bürstadt wurde ein Fußballstadion mit 500 Menschen fassender Tribüne gebaut, außerdem befinden sich zwei Kunstrasenplätze im Stadtteil Riedrode und an der Wasserwerkstraße. Für die Jugendlichen wurde das Jugendhaus Schillers gebaut. In Bürstadt befindet sich eine Skateanlage sowie ein öffentlicher Basketballplatz.

Bildung [Bearbeiten]

Bürstadt hat drei Grundschulen. Dabei befindet sich die Astrid-Lindgren-Schule im Stadtteil Bobstadt, die Schillerschule ist in Bürstadt und die Betreute Grundschule „Bärenhöhle“ im Stadtteil Boxheimerhof.

In Bürstadt befindet sich zudem die Erich-Kästner-Gesamtschule.

Wirtschaft [Bearbeiten]

Blick über die mittlerweile teilweise zerstörte Photovoltaikanlage (5 MW) auf dem Dach der Fiege-Spedition

Bürstadt ist seit 2004 der Standort der, zum Zeitpunkt ihrer Erbauung, größten Dachphotovoltaikanlage der Welt (5 MW auf 45.000 m² Dachfläche), die auf dem Dach eines Logistikunternehmens errichtet wurde. Diese wurde am 28. Juni 2009 bei einem Brand teilweise zerstört und wird derzeit wieder aufgebaut.[6][7]

Direkt an Bürstadt angrenzend, im Ortsteil Rosengarten von Lampertheim, steht eine 380-kV-Umspannanlage der RWE AG, die am 4. Oktober 1957 im Zuge der Inbetriebnahme der ersten deutschen 380-kV-Leitung, der Leitung Rommerskirchen-Bürstadt-Hoheneck, als eine der ersten dieser Leistungsklasse in Deutschland in Betrieb genommen wurde.

Zwischen Bürstadt und dem Stadtteil Bobstadt steht seit 2007 eine Biogasanlage, die mit 2 Kraftwerken (jeweils 1130 kW) die Region mit Strom versorgt.

Bürstadt ist Sitz des zur Paderborner Welle Holding gehörenden Möbelherstellers und IKEA-Zulieferers Bürstadt Furniture.

Persönlichkeiten [Bearbeiten]

in Bürstadt geboren [Bearbeiten]

mit Bürstadt verbunden [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden am 31. Dezember 2011 (Hilfe dazu)
  2. Verleihung des Rechts zur Führung der Bezeichnung Stadt vom 1. Juni 1967 (StAnz. S. 739) Seite 11 der tif-Datei 6,5 MB
  3. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 202
  4. „Bürstadt, Landkreis Bergstraße“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 8. Dezember 2012, abgerufen am 16. April 2013.
  5. Hessisches Statistisches Landesamt
  6. DGS kommentiert Brand der weltgrößten Photovoltaik-Aufdachanlage in Bürstadt und warnt vor weiteren Gefahren.
  7. Photovoltaik: BP Solar und Tauber-Solar einig über weitere Vorgehensweise für Solar-Dach in Bürstadt. 22. Dezember 2009.

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Bürstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Bürstadt – Reiseführer
Wiktionary Wiktionary: Bürstadt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen