Groß-Rohrheim

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Groß-Rohrheim
Groß-Rohrheim
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Groß-Rohrheim hervorgehoben
49.7170833333338.473402777777890Koordinaten: 49° 43′ N, 8° 28′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Kreis: Bergstraße
Höhe: 90 m ü. NHN
Fläche: 19,56 km²
Einwohner: 3760 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 192 Einwohner je km²
Postleitzahl: 68649
Vorwahl: 06245
Kfz-Kennzeichen: HP
Gemeindeschlüssel: 06 4 31 010
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rheinstraße 14
68649 Groß-Rohrheim
Webpräsenz: www.gross-rohrheim.de
Bürgermeister: Rainer Bersch (SPD)
Lage der Gemeinde Groß-Rohrheim im Kreis Bergstraße
Groß-Rohrheim Zwingenberg (Bergstraße) Biblis Viernheim Lampertheim Bürstadt Einhausen (Hessen) Lorsch Bensheim Lautertal (Odenwald) Lindenfels Heppenheim (Bergstraße) Heppenheim (Bergstraße) Fürth (Odenwald) Grasellenbach Rimbach (Odenwald) Mörlenbach Wald-Michelbach Birkenau (Odenwald) Abtsteinach Gorxheimertal Hirschhorn (Neckar) Neckarsteinach Michelbuch (gemeindefreies Gebiet) Rheinland-Pfalz Baden-Württemberg Kreis Groß-Gerau Landkreis Darmstadt-Dieburg OdenwaldkreisKarte
Über dieses Bild

Groß-Rohrheim ist eine Gemeinde im Kreis Bergstraße in Hessen. Die Gemeinde liegt drei Kilometer östlich des Rheins in der Mitte des hessischen Rieds nördlich von Biblis.

Geographie[Bearbeiten]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Groß-Rohrheim grenzt im Norden an die Stadt Gernsheim (Kreis Groß-Gerau), im Osten an die Gemeinde Einhausen, im Süden an die Gemeinde Biblis sowie im Westen, auf der linksrheinischen Seite, Worms-Ibersheim und Hamm am Rhein.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Groß-Rohrheim besteht offiziell nur aus einem Ortsteil.

Geschichte[Bearbeiten]

Von den Anfängen bis zum 18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Bereits in der Jungsteinzeit war, durch die klimatisch begünstigte Oberrheinische Tiefebene, das Gebiet um Groß-Rohrheim besiedelt, wie Bodenfunde belegen. Nach dem ersten namentlich bekannte Volksstamm, den Kelten, begannen um 40 n. Chr. die Römer mit der militärischen Besetzung rechtsrheinischer Gebiete. Um 260 überwanden die Alemannen den römischen Limes, drängen die Römer über den Rhein zurück und besiedelten das Gebiet. Nach 500 n. Chr. wurden diese wiederum von den Franken verdrängt, was durch fränkischen Reihengräbern bei Biblis, Wattenheim und Klein-Rohrheim belegt wird.[2]

Die erste Erwähnung von Groß-Rohrheim stammt aus dem Jahr 782 findet sich im Lorscher Kodex unter dem Namen Raureheim, als ein gewisser Eberhold seinen Besitz dort dem Kloster Lorsch schenkte.[3] Bis ins 12. Jahrhundert befindet sich Groß-Rohrheim im Besitz des Reichsklosters Lorsch, das aber Grundbesitz und Rechte an verschiedene Herren als Lehen vergibt. So werden die die Groschlag von Dieburg, die Grafen von Henneberg und die Herren von Bickenbach genannt.

Der Blütezeit des Klosters Lorsch folgte im 11. und 12. Jahrhundert sein Niedergang. 1232 unterstellte Kaiser Friedrich II. die Reichsabtei Lorsch dem Erzbistum Mainz und seinem Bischof Siegfried III. von Eppstein zur Reform. Die Benediktiner widersetzten sich der angeordneten Reform und mussten deshalb die Abtei verlassen. Sie wurden durch Zisterzienser aus dem Kloster Eberbach und diese 1248 durch Prämonstratenser aus dem Kloster Allerheiligen ersetzt.

1333 wurde Rohrheim als Zubehör des Bickenbachischen „Amtes Tannenberg“ genannte. 1347 erhält Agnes von Katzenelnbogen den Mittelteil des Dorfes aus dem Nachlass Ulrichs von Bickenbach. 1368 verpfändeten der Graf Johannn von Wertheim und dessen Frau Margarete ihren Teil an Rohrheim an den Schenken Eberhard von Katzenelnbogen. Am Ende des 14. Jahrhunderts war das Dorf unter vier Herren aufgeteilt. 1479 fiel der Katzenelbogener Anteil nach dem Aussterben des Geschlecht an die Landgrafen von Hessen und nach der Teilung von 1567 an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. 1568 gehörten die Hälfte des Dorfes dem hessischen Landgrafen, ein Viertel den Schenken von Erbach und ein Viertel den Grafen von Leiningen-Westerburg und den Ulnern von Dieburg gemeinschaftlich. Im späten 16. Jahrhundert teilen sich Hessen-Darmstadt und die Schencken von Erbach Dorf, Rechte und Gericht.[3]

1553 führt Hessen die Reformation in Groß-Rohrheim ein und die ehemalige Filiale der Pfarrei in Gernsheim erhält eine eigene Pfarrei. Im Jahr 1547 vernichtet ein Feuer fast das gesamte Dorf. 1579 ist das Dorf hessisch und die Schenken von Erbach besitzen ein Viertel der „Niederen Gerichtsbachkeit“. Aus dem Jahr 1580 ist für Groß-Rohrheim der erste Schulunterricht für Knaben überliefert.

Im Dreißigjähringen Krieg (1618–1648) hat auch Groß-Rohrheim hohe Verluste zu beklagen. So plünderten 1621 spanische und bayrische Truppen das Dorf und brennen ein Viertel davon nieder.[4] Das Gebiet zwischen Rhein und Bergstraße blieb 10  Jahre von den Spaniern besetzt, bis sich diese 1631 vor den anrückenden schwedischen Truppen zurückzogen. Der Schrecken diese Krieges war aber für die Groß-Rohrheimer noch lange nicht vorbei. Nach der katastrophale Niederlage der Evangelischen bei Nördlingen am 6. September 1634 zogen sich die Schwedischen Truppen 1635 von der Bergstraße zurück. Letztlich veranlasste der katholische Sieg bei Nördlingen Frankreich, an der Seite der nun geschwächten Schweden in den Dreißigjährigen Krieg einzugreifen. Mit dem Schwedisch-Französischen Krieg begann ab 1635 das blutigste Kapitel des Dreißigjährigen Krieges. Aus der Region berichten die Chronisten aus jener Zeit: „Pest und Hunger wüten im Land und dezimieren die Bevölkerung, sodass die Dörfer öfters völlig leer stehen“.[2]

Am 4. Februar 1659 verleiht Landgraf Georg II. von Hessen »seine getreuen Untertanen Im Flecken Groß-Rohrheim« einen freien und offenen Jahrmarkt, den heute noch existierenden Maimarkt. Auch sonst bemühte sich der Landgraf sein durch den Krieg am Boden liegendes Land wieder zu belebte. So kaufte er Vieh und ließ es verteilen um die Landwirtschaft zu fördern und 1650 gelang es ihm, Untertanen die das Land verlassen hatten wieder anzusiedeln. In den Jahren 1687/88 wurde die baufällige Kirche abgebrochen und unter Leitung der Kirchenbaumeister Johann Mohr und Peter Graff durch einen Neubau ersetzt.[2]

In den Jahren 1688–1697 wütet der durch Frankreich provozierten Pfälzischer Erbfolgekrieg der das Gebiet zwischen Rhein und Bergstraße vielfältiger Zerstörung ausgesetzte und machte so die Wiederaufbaubemühungen nach dem Dreißigjährigen Krieg zunichte. Erst mit dem Frieden von Rijswijk 1697 zogen sich die Franzosen wieder hinter den Rhein zurück.

Im Jahr 1699 wurde in der Groß-Rohrheimer Kirche eine Orgel eingebaut und 1700 führte die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt der Gregorianische Kalender ein. 1705 erhält die Kirche von Groß-Rohrheim drei Glocken. Auf der zu diesem Zeitpunkt größten Glocke findet sich der Name von Rentmeister Johann Philipp Lichtenberg. Er war von 1897–1739 Amtmann des Amtes Jägersburg. 1712 stiftet das »Groß-Rohrheimer ledige Manns- und Weibsvolk« der Kirche drei geschnitzten Bilder.[2] 1711 verkauft Graf Georg von Erbach »Gericht, Recht und Gerechtigkeit; so wie er sie vorher in Groß- und Klein- Rohrheim hatte« an den Landgrafen Ernst Ludwig von Hessen. Infolge dessen werden etliche ehemals erbachische Untertanen hessisch.[3] Unter diesem Landgrafen entstand das Neue Jagdschloss Jägersburg an der heutigen Kreuzung „Jägersburger Wald“. Der Standort ist heute überwachsen und nur noch an den schwachen Umriss des sechseckigen Grabens zu erkennen, der das Jagdschloss einst umgab. Er liegt auf der Groß-Rohrheimer Gemarkung an der Grenze zu Einhausen.

Infolge der Kaiserkrönung von Karl VII am 12. Februar 1742 in Frankfurt am Main und des Österreichischer Erbfolgekriegs, marschieren französische, russische und 1744 auch ungarische Truppen durch Biblis und Groß-Rohrheim. Am 11. November 1757 brannten in Groß-Rohrheim 14 Scheunen ab und 1771 wurde der erste Anbau von Kartoffeln in der Region durch die Obrigkeit erlaubt. 1778 hatte Groß-Rohrheim wieder einmal mit dem Rheinhochwasser zu kämpfen als ein Damm brach und in den Jahren 1787 und 1799 kam es erneut zu Überflutungen.[2]

Im Jahr 1787 war die Verwaltung so organisiert, dass Groß-Rohrheim zum „Amt Zwingenberg und Jägersburg“ der „Oberen Grafschaft Katzenelnbogen“ der „Landgrafschaft Hessen-Darmstadt“ gehörte. Diese Einteilung hatte bis zum Lunéviller Frieden von 1801 bestand.

19. Jahrhundert bis heute[Bearbeiten]

Das ausgehende 18. und beginnende 19. Jahrhundert brachte Europa weitreichende Änderungen. Infolge der Napoleonischen Kriege wurde das Heilige Römische Reich (Deutscher Nation) durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 neu geordnet und hörte mit der Niederlegung der Reichskrone am 6. August 1806 auf zu bestehen. 1806 ging die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt in dem ebenfalls auf Druck Napoleons gebildeten Großherzogtum Hessen auf.

Danach gehörte Groß-Rohrheim durch eine Reihe von Verwaltungsreformen zum Landratsbezirk Heppenheim, sowie den Kreisen Bensheim und Worms, bis es 1945 zum heutigen Kreis Bergstraße kam.

Im Jahr 1814 wurde die Leibeigenschaft im Großherzogtum aufgehoben und erhielt mit der am 17. Dezember 1820 eingeführten Verfassung des Großherzogtums Hessen eine konstitutionellen Monarchie, in der Großherzog aber noch große Machtbefugnisse hatte. Die noch bestehenden standesherrlichen Rechte wie Niedere Gerichtsbarkeit, Zehnten, Grundzinsen und andere Gefälle blieben aber noch bis 1848 bestehen.

Das Industriezeitalter kündigte sich für Groß-Rohrheim auf dem Rhein an, als ein Wormser Unternehmen ab 1842 die „Adler des Oberrheins“ genannten Dampfboote zwischen Mannheim und Mainz verkehren ließ. Weiter Verbesserungen der Infrastruktur ergeben sich durch den Bau der Eisenbahnlinie Darmstadt–Worms, der Ludwigsbahn, die 1869 begonnen und 1877 fertiggestellt wurde.[2]

Am 1. August 1914 brach dann der Erste Weltkrieg aus, der wie im ganzen Deutschen Reich der positiven Wirtschaftlichen Entwicklung eine Ende setzte. Als nach der deutschen Niederlage am 11. November 1918 der Waffenstillstand unterschrieben wurde, hatte der Krieg insgesamt rund 17 Millionen Menschenopfer kostete. Nach Groß-Rohrheim kamen etwa 50 Gefallene und Vermisste aus dem Krieg nicht mehr zurück.[5] Das Ende des Deutschen Kaiserreiches was damit besiegelt und die unruhigen Zeiten der Weimarer Republik folgten. In der Zeit von 1921–1930 wurden in Deutschland 566.500 Auswanderer gezählt, die versuchen den schwierigen Verhältnissen in Deutschland zu entfliehen. Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler Reichskanzler, was das Ende der Weimarer Republik und den Beginn der Nationalsozialistischen Diktatur besiegelte.

Am 1. September 1939 begann mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen der Zweite Weltkriege, der in seinen Auswirkungen noch weit dramatischer war als der erste Weltkrieg und dessen Opferzahl auf 60 bis 70 Millionen Menschen geschätzt werden. Besonders ab 1944 ist der verstärke Luftkrieg gegen Deutschland auch in Groß-Rohrheim zu spüre. Große Fliegerverbände überfliegen Groß-Rohrheim bei ihren Angriffen auf Worms. Groß-Rohrheim bleibt davon weitgehend verschont. Allerdings kommen am 29. Januar 1944 vier Jungen durch abgeworfene Fliegerbomben ums Leben. In diesem Jahr wurde auch die Arbeit auf den Feldern durch die fortgesetzten Tieffliegerangriffe lebensgefährlich. In der Endphase des Zweiten Weltkrieges in Europa wurden am 20. März 1945 die Rheinbrücken bei Worms, Nordheim und Gernsheim gesprengt.[2] Der Krieg in Europa endete mit der bedingungslose Kapitulation aller deutschen Truppen, die am 8. Mai 1945 um 23:01 Uhr mitteleuropäischer Zeit in Kraft trat. Groß-Rohrheim hatte etwa 200 gefallene oder vermisste Soldaten in diesem Krieg zu beklagen.[6]

Nach dem Krieg stieg die Bevölkerungszahl durch die Ansiedlung vieler Heimatvertriebener innerhalb kürzester Zeit von 2.300 auf über 3.000 an. Noch bis in die 1960er Jahre blieb der Charakter des Ortes als Bauern- und Arbeitnehmergemeinde erhalten. In den letzten Jahrzehnten wurde die Ausweisung von Gewerbeflächen, erfolgreich Industrie und Gewerbe angesiedelt. Die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe, ging seit den 1950er von etwa 500 auf nur noch 15 Betriebe zurück. Wurden im Jahr 1970 etwa 300 Arbeitsplätze in Groß-Rohrheim angeboten, so war diese Zahl auf über 800 im Jahr 2001 angestiegen.[7]

Verwaltung ab 1803[Bearbeiten]

Vor 1803 gehörte Groß-Rohrheim zum Amt Zwingenberg und Jägersburg. Auch im 1806 gegründeten Großherzogtum Hessen bleibt diese Zuordnung erhalten. Nach der endgültigen Niederlage Napoléons regelte der Wiener Kongress 1814/15 auch die territorialen Verhältnisse für Hessen, daraufhin wurden 1816 im Großherzogtum Provinzen gebildet. Dabei wurde das vorher als „Fürstentum Starkenburg“ bezeichnete Gebiet, das aus den südlich des Mains gelegenen alten Hessischen und den ab 1803 hinzugekommenen rechtsrheinigen Territorien bestand, in „Provinz Starkenburg“ umbenannt. Das Amt Zwingenberg wurde um die Orte des Amtes Seeheim vergrößert.

1821 wurden im Rahmen einer umfassenden Verwaltungsreform die Amtsvogteien in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen des Großherzogtum aufgelöst und Landratsbezirke eingeführt, wodurch Wattenheim zum Landratsbezirk Heppenheim kam. Im Rahmen dieser Reform wurden auch Landgerichte geschaffen, die jetzt unabhängig von der Verwaltung waren. Die Landgerichtsbezirke entsprachen in ihrem Umfang den Landratsbezirken und für den Landratsbezirk Heppenheim war das Landgericht Lorsch als Gericht erster Instanz zuständig. Diese Reform ordnete auch die administrative Verwaltung auf Gemeindeebene. So war die Bürgermeisterei in Groß-Rohrheim eine von 12 Bürgermeistereien im Landratsbezirk, wobei seit 1820 die Bürgermeister durch die Gemeinde gewählt wurden und es keine Einsetzungen von Schultheißen mehr gab.

1832 wurden die Verwaltungseinheiten weiter vergrößert und es wurden Kreise geschaffen. Nach der am 20. August 1832 bekanntgegebenen Neugliederung sollte es in Süd-Starkenburg künftig nur noch die Kreise Bensheim und Lindenfels geben; der Landratsbezirk von Heppenheim sollte in den Kreis Bensheim fallen. Noch vor dem Inkrafttreten der Verordnung zum 15. Oktober 1832 wurde diese aber dahingehend revidiert, dass statt des Kreises Lindenfels neben dem Kreis Bensheim der Kreis Heppenheim als zweiter Kreis gebildet wurde. Wattenheimheim wurde dem Kreis Bensheim zugeordnet. 1842 wurde das Steuersystem im Großherzogtum reformiert und der Zehnte und die Grundrenten werden durch ein Steuersystem ersetzt wie in den Grundzügen heute noch existiert.

Infolge der Märzrevolution 1848 wurden in den Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch „Regierungsbezirke“ ersetzt, wobei die bisherigen Kreise Bensheim und Heppenheim zum Regierungsbezirk Heppenheim vereinigt wurden. Bereits vier Jahre später, im Laufe der Reaktionsära, kehrte man aber zur Einteilung in Kreise zurück und Wattenheim wurde wieder Teil des Kreises Bensheim.

Die im Dezember 1852 aufgenommenen Bevölkerungs- und Katasterlisten ergaben für Groß-Rohrheim[8]: Großrohrheim, ein Marktflecken in der Rheinebene mit 1622 Einwohnern die zum größten Teil lutherisch sind. Zu Großrohrheim gehören das Forsthaus Jägersburg die Hammeraue und die Rheininsel Sandwörth. Die Gemarkung bestand aus 6896 Morgen, davon waren 3607 Morgen Ackerland, 1944 Morgen Wiesen und 264 Morgen Wald.

In den Statistiken des Großherzogtums Hessen werden, bezogen auf Dezember 1867, für den Marktflecken Gross-Rohrheim mit eigener Bürgermeisterei, 293 Häuser, 1587 Einwohnern, der Kreis Bensheim, das Landgericht Gernsheim, die evangelisch Pfarrei Gross-Rohrheim des Dekanats Zwingenberg und die katholische Pfarrei Biblis des Dekanats Bensheim, angegeben. Durch die Bürgermeisterei wurden außerdem das Jägersburger Forsthaus mit dem Landgestütsstall (ein Haus, 6 Einw.) und das Gross-Rohrheimer Fallthor-Haus (ein Haus, 12 Einw.) verwaltet.[9]

Die hessischen Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen wurden 1937 nach der 1936 erfolgten Auflösung der Provinzial- und Kreistage aufgehoben. Zum 1. November 1938 trat dann eine umfassende Gebietsreform auf Kreisebene in Kraft. Im Umland von Worms wurde der Landkreis Oppenheim aufgelöst. Dabei wurden die rechtsrheinischen Gemeinden Lampertheim, Bürstadt, Hofheim, Biblis, Nordheim und Wattenheim dem neu geschaffenen Landkreis Worms, der aus dem Kreis Worms hervorging, angegliedert.

Mit der Errichtung von Groß-Hessen durch die amerikanische Militärregierung im Jahr 1945 wurden die rechtsrheinischen Gebiete und damit auch Wattenheim dem Kreis Bergstraße zugeordnet. Das linksrheinische Kreisgebiet wurde 1946 im Regierungsbezirk Rheinhessen ein Teil von Rheinland-Pfalz.[10]

Das Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 ein Mitgliedsstaat des Deutschen Bundes und danach ein Bundesstaat des Deutschen Reiches. Es bestand bis 1919, nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Großherzogtum zum republikanisch verfassten Volksstaat Hessen. 1945 nach Ende des Zweiten Weltkriegs befand sich das Gebiet des heutigen Hessen in der amerikanischen Besatzungszone und durch Weisung der Militärregierung entstand das Bundesland Hessen in seinen heutigen Grenzen.

Gerichte ab 1821[Bearbeiten]

Mit Bildung der Landgerichte im Großherzogtum Hessen war ab 1821 das Landgericht Lorsch im Landratsbezirk Heppenheim das Gericht erster Instanz. Am 16. Dezember 1839 wurden auf Veranlassung des Großherzoglich Hessischen Ministerium des Innern und der Justiz das Landgericht Gernsheim errichtet, dem aus dem Bezirk Landgerichtsbezirk Lorsch die Orte Großrohrheim, Biblis, Wattenheim und Nordheim zugewiesen wurden.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, wurden die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten. Dadurch kam es zur Umbenennung in Amtsgericht Gernsheim und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Darmstadt[11].

Mit Wirkung vom 1. Oktober 1934 wurde das Amtsgericht Gernsheim aufgehoben und aus dem aufgelösten Amtsgerichtsbezirk die Gemarkungen Biblis, Groß-Rohrheim, Hammer-Aue, Maulbeer-Aue, Nordheim und Wattenheim dem Amtsgericht Worms, die übrigen Gemarkungen dem Amtsgericht Groß-Gerau zugeteilt.[12]

Mit der 1945 erfolgen Zuordnung der rechtrheinigen Orte der Kreises Worms zum Kreis Bergstraße wechselte auch der Amtsgerichtsbezirk und Groß-Rohrheim kam zum Amtsgericht Lampertheim.

Historische Beschreibungen[Bearbeiten]

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Groß-Rohrheim:

»Großrohrheim (L. Bez. Heppenheim) Marktflecken; liegt 3½ Stunde von Heppenheim, und zählt 209 Häuser und 1384 Einw., die bis auf 9 Kath. und 40 Juden alle lutherisch sind. Der Ort hat jährlich 16 Vieh- und 2 Vieh- und Krämermärkte die weit bekannt und sehr besucht sind. - Die Geschichte nennt ein Rara, in welchem Herzog Heinrich von Baiern den jungen König Otto III., dessen er sich hinterlistiger Weise bemächtiget hatte, seiner Mutter wieder zurückgab. Mancherlei Umstände setzen es fast ausser allen Zweifel, daß hierunter Rohrheim und namentlich das jetzige Großrohrheim verstanden sei. Die Tradition setzt ein königliches Palatium hierher, welche Behauptung, obgleich darüber keine Urkunde spricht, doch darin Bestätigung findet, daß noch jetzo eine Flur den Namen Hofstatt und die umliegenden Gewannen den Namen des Burgqrabens führen. Die Herrn von Bickenbach hatten hier eine Gasse, welche zu der Herrschaft Tannenberg gehörte. Vor der Reformation hatte Großrohrheim eine Kapelle, welche zu Gernsheim gehörte, von Philipp dem Großmüthigen aber getrennt, und zu einer Pfarrkirche erhoben wurde. Im Jahr 1622 wurde ein Viertel des Orts geplündert und größtheils in die Asche gelegt. Durch die Rheinüberschwemmungen im Jahr 1824 hat Großrohrheim sehr gelitten.«[13]

Im Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten von 1845 finden sich folgende Einträge [14]:

»Groß-Rohrheim b. Heppenheim. — Marktflecken mit evangelischer Pfarrkirche, hinsichtlich der katholischen nach Biblis eingepfarrt. — 209 H. 1384 E. — Großherzogthum Hessen. — Provinz Starkenburg. — Kreis Bensheim. — Landgericht Gernsheim. — Hofgericht Darmstadt.— Der Marktflecken Groß-Rohrheim hat 16 Vieh- und 2 Vieh- und Krammärkte, die sehr besucht sind. Es befindet sich hier die Districts-Steuereinnähme für den Erhebungs-Bezirk Biblis.«

»Hammerau bei Groß Robrbeim. – - H. - E. — Großherz. Hessen. — Provinz Starkenburg. — Kreis Bensheim. — Landger. Gernsbeim. — Hofgericht Darmstadt. — Die Hammerau ist ein Wiesengrund, der aus sehr guten Wiesen besteht, welche theils Herrschaftlich, theils privat sind, und sich längs des Rheins hinziehen. Durch einen Damm von der Rheinseite ist die Au nicht geschürt. Bis zum Jahre 1802 gehörte dieselbe der überrheinischen Gemeinde Hamm.«

Historische Namensformen[Bearbeiten]

Historische Namensformen für Groß-Rohrheim waren (in Klammern das Jahr der urkundlichen Erwähnung)[10]:

Rorheim (782, 791, 1276) Raureheim (782) Rorheim superior (793)
superior Rorheim (1071) Rorheim maior (um 1200) superior Rorheim (1287)
villa Rorheim (1324) Rorrheim (1463) Ober-Rorheim (1521)
Groß Rorheim (1579) Ober Rohrheimb (1686) Groß Rohrheim (1689)

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die folgenden Einwohnerzahlen sind für den Ort Groß-Rohrheim bis 1970 belegt:[10]

  • 1629: 0123 Hausgesessene
  • 1829: 1384 Einwohner
  • 1939: 2151 Einwohner
  • 1961: 3169 Einwohner
  • 1970: 3372 Einwohner
Groß-Rohrheim: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
1.371
1840
  
1.489
1846
  
1.656
1852
  
1.630
1858
  
1.609
1864
  
1.643
1871
  
1.627
1875
  
1.688
1885
  
1.778
1895
  
1.665
1905
  
1.824
1910
  
1.923
1925
  
2.110
1939
  
2.151
1946
  
2.830
1950
  
3.069
1956
  
3.048
1961
  
3.169
1967
  
3.360
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:[15]

Kommunalwahl 2011
 %
50
40
30
20
10
0
48,2 %
31,0 %
20,8 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-5,9 %p
+9,7 %p
-3,8 %p
Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
Sozialdemokratische Partei Deutschlands 48,2 9 54,1 10 62,5 14
Freie Wähler – Bürger für Groß-Rohrheim 31,0 6 21,3 4 12,1 3
Christlich Demokratische Union Deutschlands 20,8 4 24,6 5 25,4 6
gesamt 100,0 19 100,0 19 100,0 23
Wahlbeteiligung in % 54,6 52,8 61,4

Bürger für Groß-Rohrheim (BfGR) ist eine freie Wählergemeinschaft. Sie ging aus der Bürgerinitiative „Interessengemeinschaft für Ortsumgehung“ hervor, die im Juni 1985 von Heinz Petry gegründet wurde. Die BfGR trat erstmals im Jahr 1989 zur Kommunalwahl an und erreichte einen Stimmenanteil von 16,9 %. Bei der Kommunalwahl im Jahr 1993 erhielt sie 22,7 %, 1997 19,7 %, 2001 12,1 % und im Jahr 2006 21,3 % der Wählerstimmen.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bei der Wahl zum Bürgermeister 2008 setzte sich der parteiunabhängige Bewerber Rainer Bersch durch. Zuvor war Heinz Roos (SPD) von 1990 an Bürgermeister von Groß-Rohrheim gewesen.

Bei der Bürgermeisterwahl 2014 konnte sich der von der CDU und SPD unterstützte parteiunabhängige Amtsinhaber Rainer Bersch gegen den Herausforderer Walter Öhlenschläger (FW/BfGR) durchsetzen. Rainer Bersch erreichte 79,4 %, Walter Öhlenschläger 20,6 % der Wählerstimmen bei einer Wahlbeteiligung von 65,9 %.[16][17][18][19]

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge wurde am 7. Februar 1969 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

„Zwischen schmalen roten Seitenbahnen eine breite weiße Mittelbahn, belegt mit dem Gemeindewappen.“[20]

Partnerschaften[Bearbeiten]

Eine Gemeindepartnerschaft gibt es seit 1989 mit der französischen Stadt Mouzon (Ardennes).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Denkmal für Claus Kröncke

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Historische Fachwerkhäuser bei der evangelischen Kirche von 1688–1723, sowie das Deckengemälde in der Kirche
  • Kröncke-Denkmal für den Planer des Rheindurchstiches Claus Kröncke.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Groß-Rohrheim begeht traditionell zwei Feste. Zu beiden Festen bieten Schausteller mit Buden und Fahrgeschäften ein Programm. Zusätzlich wird ein erheblicher Teil der Arbeit um die Organisation, Durchführung und Bewirtung beider Feste ehrenamtlich durch die ortsansässigen Vereine getragen.

Der Maimarkt findet am Samstag und Sonntag des dritten Mai-Wochenendes statt. Er soll an die Verleihung des Marktrechts an Groß-Rohrheim erinnern und wird als Gewerbeschau abgehalten. Seit der Fertigstellung der Umgehungsstraße wurde er vom Vorplatz der Bürgerhalle auf die Straße im alten Ortskern verlegt, wo der Markt ursprünglich abgehalten wurde.

Am vorletzten Augustwochenende findet die Kirchweih („Kerb“) statt. Sie wird mit dem Stellen eines Baumes aus dem umliegenden Wäldern, der mit einem Kranz verziert ist, am Samstagmittag eingeleitet. Am Samstagabend führen die Kerweborsch ein Theaterstück auf und am Sonntag findet ein kleiner Umzug und anschließend die Kerweredd statt. Das Theaterstück und die Kerweredd werden dabei genutzt um auf aktuelle Themen des Ortsgeschehens und der Umgebung aufmerksam zu machen. Montags wird der zuvor aufgestellte Baum wieder gefällt und der Kranz beerdigt.

Verkehr[Bearbeiten]

Der Groß-Rohrheimer Bahnhof

Groß-Rohrheim liegt an der Riedbahn.

Persönlichkeiten, die in Groß-Rohrheim gewirkt haben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Horst Kirsch: Heimatbuch der Gemeinde Gross-Rohrheim, Gemeindevorstand, 1982.
  • Gemeinde Groß-Rohrheim: Groß-Rohrheim in alten Bildern : hrsg. zur 1200-Jahr-Feier d. Gemeinde Groß-Rohrheim 1982.
  • Richard Stay († 1980)/Georg Hausmann: Notizen aus der Gross-Rohrheimer Ortschronik (online)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Groß-Rohrheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b c d e f g Zeittafel bei der Gemeinde Biblis, abgerufen am 25. Juni 2014
  3. a b c Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamensbuch - Starkenburg, Darmstadt 1937, Seite 253-254
  4. Heinrich Künzel: Geschichte von Hessen, insbesondere Geschichte des Großherzogthums Hessen und bei Rhein, Scriba 1856, Seite 222 (online bei google books)
  5. Denkmalprojekt Groß-Rohrheim, 1. Weltkrieg, abgerufen am 16. Juli 2014
  6. Denkmalprojekt Groß-Rohrheim, 2. Weltkrieg, abgerufen am 16. Juli 2014
  7. Gemeindeseite Groß-Rohrheim: Geschichte, abgerufen am 16. Juli 2014
  8. Philipp Alexander Ferdinand Walther: Das Großherzogthum Hessen nach Geschichte, Land, Volk, Staat und Oertlichkeit. Jonghans, Darmstadt 1854, Seite 294 (online bei google books)
  9. Alphabetisches Verzeichniss der Wohnplätze im Grossherzogtum Hessen. 1869, Seite 32 (online bei google books)
  10. a b c Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format„Groß-Rohrheim, Landkreis Bergstraße“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 25. Juni 2014, abgerufen am 26. Juli 2014.
  11. Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879 (Hess. Reg.Bl. S. 197-211)
  12. Verordnung über die Umbildung von Amtsgerichtsbezirken vom 11. April 1934 (Hess. Reg.Bl. S. 63)
  13. Georg W. Weber: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg, Band 1 Oktober 1829, Seite 91 (online bei google books)
  14. Johann Friedrich Kratzsch: Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten, Nauenburg 1845, Band 1, Seite 495 (online bei Hathi Trust, digital library)
  15. Hessisches Statistisches Landesamt: Endgültiges Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  16. Wahlergebnis auf der Gemeindeseite
  17. online Echo vom 2. März 2014: Buergermeisterwahl: CDU unterstuetzt Rainer Bersch
  18. online Echo vom 17. Februar 2014: Groß-Rohrheimer SPD unterstützt Bersch
  19. Hessisches Statistisches Bundesamt: Bürgermeisterwahl in Groß-Rohrheim vom 25.05.2014
  20. Staatsanzeiger für das Land Hessen 1969 Amtsblatt Nr. 8 Seite 314