FN Minimi

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FN Minimi
M249 FN MINIMI DA-SC-85-11586 c1.jpg
Allgemeine Information
Militärische Bezeichnung: FN Minimi
Einsatzland: siehe Nutzer
Entwickler/Hersteller: Fabrique Nationale (FN)
Entwicklungsjahr: 1974
Herstellerland: Belgien
Produktionszeit: heute
Modellvarianten: siehe Varianten
Waffenkategorie: Maschinengewehr
Ausstattung
Gesamtlänge: Standard: 1040 mm
Para: 914 mm
Standard 7,62: 1015 mm
einschieb. Schulterst. 7,62: 1000[1] mm
Gesamtbreite: 5,56: 110 mm
7,62: 128 mm
Gewicht: (ungeladen) 7,31 bis 8,4 kg
Lauflänge: Standard: 465 mm
Para: 349 mm
7,62: 502 mm
Technische Daten
Kaliber: 5,56 × 45 mm NATO
7,62 × 51 mm NATO
Mögliche Magazinfüllungen: Zerfallgurt: 200
Softpack: 100 oder 200
Beta-C-Magazin: 100
STANAG-Magazin: 30 Patronen
Munitionszufuhr: Munitionsgurt oder Magazin
Kadenz: 5,56 mm: 700–1000 Schuss/min
7,62 mm: 680–800 Schuss/min
Feuerarten: Nur Dauerfeuer
Verschluss: Drehkopfverschluss
Ladeprinzip: Gasdrucklader
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Das FN Minimi ist ein leichtes Maschinengewehr des belgischen Waffenherstellers Fabrique Nationale Herstal. Minimi ist die Kurzform des französischen Mini Mitrailleuse (deutsch kleines Maschinengewehr). Die Waffe im NATO-Kaliber 5,56 × 45 mm wurde unter Federführung von Ernest Vervier entwickelt und 1974 erstmals vorgestellt. In der Zwischenzeit wird sie von Armeeeinheiten in über 30 Ländern genutzt und zählt zu den am meisten verbreiteten Waffen ihrer Art. Gegenwärtig wird das Maschinengewehr (MG) im belgischen Herstal hergestellt und in Australien, Italien, Japan, Schweden und Griechenland in Lizenz gefertigt. Eine weitere Produktionsstätte befindet sich bei der amerikanischen Niederlassung FN Manufacturing LLC in South Carolina, die die für US-Armee modifizierte wohl bekannteste Version M249 SAW herstellt.

Versionen[Bearbeiten]

Die Standardversion ist bei einer Lauflänge von 465 mm 1040 mm lang und wiegt rund 7,3 kg.[1]

Von der Standardversion des FN Minimi wurden weitere zahlreiche Versionen abgeleitet. So existiert eine Version für Fallschirmjäger (englisch paratroopers), die als Para bezeichnet wird. Die Para-Version unterscheidet sich von den Standard-Version durch eine einschiebbare Schulterstütze (Schaft) und einer Verkürzung des Laufes auf 349 mm. So weist die Waffe mit eingeschobenem Schaft nur eine Gesamtlänge von 766 mm auf. Trotz der Verkürzung des Laufes und der Veränderung des Schaftes wiegt das Para nach Herstellerangaben 40 Gramm (g) mehr als die normale Version.[1]

Sowohl für die Standard als auch für die Para ist eine T.R.-Version verfügbar. T.R. steht hier für den Begriff Tactical Rail. Bei ihr wurde der vordere Handschutz durch eine Version mit Picatinny-Schienen ersetzt und mit Schienen nach dem MIL-STD-1913 an drei Seiten (rechts, links und unten) versehen. Die T.R.-Ausstattung erhöht dabei das Gewicht der jeweiligen Version um 270 g.[1]

Für den Einbau in Fahrzeuge (beispielsweise als Koaxial-MG oder einer fernbedienbaren Waffenstation) wird das Maschinengewehr mit einem elektrischen Abzug ausgerüstet, der das Abfeuern der Waffe aus dem Inneren des Fahrzeuges ermöglicht.

Technik[Bearbeiten]

Das Minimi ist ein Maschinengewehr, das als zuschießende Waffe mit Luftkühlung konzipiert ist. Die Waffe wurde zuerst für das Kaliber 5,56 × 45 mm NATO entwickelt. Später kam eine Variante im Kaliber 7,62 × 51 mm NATO hinzu. Die Munitionszufuhr der ausschließlich Dauerfeuer schießenden Waffe kann durch einen Munitionsgurt oder ein Magazin erfolgen.

Funktion[Bearbeiten]

FN konstruierte das MG als indirekten Gasdrucklader mit Drehkopfverschluss. Durch die Auslegung als zuschießende Waffe wurde das Risiko des Cook off, also einer Selbstzündung der Patrone im heißen Patronenlager, welches bei Dauerfeuer oder zahlreichen längeren Feuerstößen stark erhitzt wird, vermieden, da die Patronen erst beim Ziehen des Abzuges zugeführt und dann durch den Schlagbolzen gezündet werden. Außerdem werden das Rohr und die Kammer durch die Verschlussbewegung zwangsbelüftet. Die heißen Gase des Selbstlademechanismus werden nach oben abgeleitet, wodurch Staubaufwirbelungen, die die Position des Schützen verraten könnten, verhindert werden.

Unter dem Deckel der Gurtzuführung ist der Drehkopfverschluss zu sehen.

Das Minimi besitzt ein einstellbares Gasregelventil mit zwei Stellungen. Bei Normalstellung liegt die Kadenz bei 700–850 Schuss pro Minute, während sie sich bei der Adverse-Stellung auf 950–1150 Schuss pro Minute erhöht. Die Adverse-Stellung wird nur bei extremen Umweltbedingungen, oder wenn das Gassystem aufgrund von Ablagerungen (Fouling) verschmutzt ist, genutzt.

Aufbau[Bearbeiten]

Der Verschluss wird aus Blechprägeteilen geschweißt. Der federnde Auswerfer ist im Verschluss integriert. Leere Patronenhülsen werden nach rechts unten aus dem Gehäuse ausgeworfen, der Patronenauswurf wird zum Schutz vor Verschmutzung von einer federnd gelagerten Abdeckung verschlossen.

Der Sicherungsbolzen ähnelt dem des MG3 und ist über dem Griff angebracht. Wird der Sicherungsbolzen nach rechts gedrückt, so erscheint auf der linken Seite des Gehäuses ein roter Ring und die Waffe ist feuerbereit; das Drücken nach links sichert die Waffe durch eine Blockade des Abzugsmechanismus.

Zweibein[Bearbeiten]

Sowohl die Standard- als auch die Para-Variante sind mit einem am Gasrohr angebrachten, klappbaren Zweibein ausgerüstet. Bei Nichtgebrauch wird es unter dem Handschutz verstaut. Auch bei der T.R.-Version ist das Zweibein am Gasrohr und nicht an der Picatinny-Schiene angebracht. Das Zweibein ist dreifach höhenverstellbar und ermöglicht einen Seitenrichtbereich von jeweils 15° nach beiden Seiten. Das Minimi kann das belgische FN-360°-Dreibein oder das US-amerikanische M122 (in Verbindung mit einem M60-Stift) nutzen.

Munitionszufuhr[Bearbeiten]

Schema der Munitionszufuhr mit Gurt (r.) und Magazin (l.).

Die Munitionszufuhr des Minimi erfolgt von der linken Seite. Es wird ein M27-Zerfallgurt, eine verkleinerte Version des M13 (7,62 × 51 mm), verwendet. Der Gurt kann die Munition als loser Endlosgurt oder mit 100- oder 200-Schuss-Munitionsboxen verwendet werden. Alternativ können STANAG-Stangenmagazine im Kaliber 5,56 × 45 mm verwendet werden. Die Verwendung von Magazinen ist als Notlösung gedacht, wenn keine gegurtete Munition mehr vorhanden ist.

Der Munitionsgurt wird über die Gurtzuführung eingeführt; die Magazine stecken im Magazinschacht in einem 45-Grad-Winkel unter der Gurtzuführung. Wird ein Gurt eingelegt, deckt eine L-förmige Klappe der Gurtzuführung den Magazinschacht ab. Ist ein Magazin eingesetzt, kann kein Gurt eingelegt werden. Dieses System zum Wechsel von Magazin auf Gurt und Umbau oder Zusätze wurde von Maurice V. Bourlet entwickelt.[2]

Der Klinken-Zuführmechanismus ist eine Weiterentwicklung des im FN MAG verwendeten Mechanismus, der wiederum dem des MG 42 entsprang. Der Gurt wird dabei in zwei Stufen in die Vorwärts- und Rückwärtsbewegung des Verschlußträgers gefördert, was einen sanften und störungsarmen Munitionstransport gewährleistet. Auf der Abdeckung über der Zuführung ist eine Vorrichtung, die anzeigt, ob sich eine Patrone in Zuführlage befindet.

Varianten[Bearbeiten]

Im Jahr 1982 wurde das Minimi in einer modifizierten Version als M249 vom US-amerikanischen Militär als neue Waffe angenommen. Seit 1984 wird die Waffe bei der FN Manufacturing LLC in den USA produziert.

Ein australischer Soldat einer Spezialeinheit mit einem Minimi 7,62

Der Prototyp der Minimi wurde ursprünglich im Kaliber 7,62 × 51 mm NATO gebaut. Die Weiterentwicklung erfolgte dann aber auf Basis der 5,56 × 45 mm-Variante. Als das USSOCOM die Anforderungen für das Mk 48 Mod. 0 herausgab, wurden die Originalpläne reaktiviert und das neue Modell mit 7,62 mm entwickelt. Nachdem sich das USSOCOM positiv über die Waffe äußerte und auch andere Armeen Interesse an einer leistungsfähigeren Version äußerten, ging die Waffe als Minimi 7,62 in Serienproduktion. Außer dem veränderten Kaliber unterscheidet sie sich durch ein nicht-einstellbares, selbstregelndes Gassystem und eine hydraulische Rohrrücklaufbremse im Schaft vom Standard-Minimi. Das Minimi 7,62 ist auch mit anderen Visiereinrichtungen ausgestattet, so dass das hintere Visier in 100-m-Schritten von 100–1000 m eingestellt werden kann. Auch eine Wind-Korrektur ist möglich. Die auch Maximi genannte Waffe ist wie die 5,56-mm-Variante in verschiedenen Konfigurationen verfügbar: So existieren auch hier Versionen mit einschiebbarer Schulterstütze, zur Verwendung an Fahrzeugen sowie als T.R.-Ausführung mit Picatinny-Schienen im Bereich des Handschutzes.

Ein Minimi Para mit Zielfernrohr, Ersatzrohr und Munitionstaschen

Eine Leichtgewichtsvariante der Para mit Picatinny-Schienen auf der Gehäuseoberseite wird als Minimi Special Purpose Weapon (SPW) bezeichnet. Auf die Möglichkeit Magazine zu verwenden wurde bei der SPW aus Gewichtsgründen verzichtet. Außerdem wurde der normale Handschutz durch eine Version mit Picatinny-Schienen ersetzt, um taktische Zubehörteile montieren zu können.

Eine weitere Variante des SPW wurde von den United States Special Forces angefordert. Die als Mk 46 Mod. 0 bezeichnete Variante hat einen leichten, geriffelten Lauf und ebenfalls keine Magazinaufnahme mehr. Auch die Aufnahmen zur Befestigung an Fahrzeugen und der Tragegriff wurden zur weitergehenden Gewichtsoptimierung eingespart. Der Handschutz ist zum Anbringen von Zubehörteilen auch bei dieser Variante mit Picatinny-Schienen ausgerüstet. Das Mk 46 Mod. 1 ist eine weiter verbesserte Version mit optimiertem Handschutz und leichterem Zweibein aus Titan, das von der United States Navy verwendet wird.

In China wurden unlizenzierte Kopien des Minimi in 5,56 mm produziert. Sie sollen als XY 5,56 × 45 für den Export vermarktet werden.[3]

Nutzer[Bearbeiten]

Ein F89A1 der australischen Armee mit einem Manöverpatronengerät und dem Zielfernrohr des Steyr AUG.
Kanadische Soldaten beim Training mit dem C9A1. Das Standard-Minimi ist hier mit einem C79-Zielfernrohr ausgestattet.
Ein Para im Einsatz bei den französischen Streitkräften

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d FN Minimi auf der Webseite von Fabrique Nationale. fnherstal.com. Abgerufen am 23. Februar 2012.
  2. Supply device for a portable firearm Patent number: 4112817, Google patents.
  3. Popenker, Maxim & Williams, Anthony G., page 41.
  4. C9A1 Light Machine Gun Webseite der Kanadischen Streitkräfte. army.forces.gc.ca. Abgerufen am 23. Februar 2012.
  5. Canadian Small Arms – Automatic Rifles – A Visual Guide. casr.ca. Abgerufen am 23. Februar 2012.
  6. Jane's Sentinel Security Assessment – Southeast Asia. Issue 20 – 2007. Jane's Information Group, Coulsdon, S. 146 and 152.
  7. Terre – MINIMI
  8. http://shadowspear.com/hungary-special-operations/34-berceseny-laszlo-kulonleges-muveleti-zaszloalj.html
  9. Waffen des Army Ranger Wing. fianoglach.ie. Abgerufen am 23. Februar 2012.
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBelgium probes arms sales to Kadhafi regime. 21. Februar 2011, abgerufen am 13. März 2012 (englisch).
  11. Exhibition of Equipments. plala.or.jp.ca. Abgerufen am 23. Februar 2012.
  12. JGSDF Camp Kanazawa Festival. takaoka.zening.info. Abgerufen am 23. Februar 2012.
  13. Unofficial Pistols Page, Equipment. http://usp.lu – Unofficial Website of Unité Spéciale, Officially Endorsed. Abgerufen am 6. Oktober 2009.
  14. L'Unite d'Intervention de la Police Luxembourgeoise (French, PDF; 18,0 MB) RAIDS Magazine. March 2006. Abgerufen am 23. September 2009.
  15. Lasterra, Juan Pablo: UPS Unidad Especial de la Policia Luxembourguesa (Spanish, PDF; 31,8 MB) ARMAS Magazine. 2004. Abgerufen am 23. September 2009.
  16. Thompson, Leroy: Malaysian Special Forces. Special Weapons. December 2008. Abgerufen am 29. November 2009.
  17. http://www.lalibre.be/actu/belgique/article/76347/une-commande-a-destination-du-nepal.html
  18. http://www.defensie.nl/landmacht/materieel/bewapening_en_geleide_wapens/(hand-)vuurwapens/minimi
  19. http://www.army.mil.nz/our-army/equipment/weapons/machine-guns.htm New Zealand Army official site
  20. a b Jones, Richard D. Jane's Infantry Weapons 2009/2010. Jane's Information Group; 35 edition (January 27, 2009). ISBN 978-0-7106-2869-5.
  21. http://www.dintel-gid.com.ar/galerias/desfileperu2007.html
  22. Daniel Watters: The 5.56 X 45 mm: 2002–2003. Abgerufen am 25. März 2009.
  23. Remigiusz Wilk (REMOV): Nowe gromy GROM. 
  24. GROM Utility and Equipment. Abgerufen am 2. August 2009.
  25. http://www.blic.rs/Vesti/Reportaza/235361/Spektakl-i-na-nebu-i-na-zemlji
  26. http://www.slovenskavojska.si/oborozitev-in-oprema/lahka-pehotna-in-podporna-oborozitev/lahki-puskomitraljez-556mm-fn-minimi/
  27. http://www.fnherstal.com/fileadmin/header/image/News/Press_review/2009_Press_Review/whi_minimi_sdal_2009.pdf
  28. Lätt kulspruta 90. Abgerufen am 6. Oktober 2008.
  29. General Purpose Machine Guns of Sweden. Abgerufen am 9. Oktober 2008.
  30. Einführung Leichtes Maschinengewehr abgerufen am 9. März 2012
  31. http://www.army.mod.uk/equipment/support-weapons/1462.aspx