Frielendorf

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Frielendorf
Frielendorf
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Frielendorf hervorgehoben
50.9755555555569.3275229Koordinaten: 50° 59′ N, 9° 20′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Schwalm-Eder-Kreis
Höhe: 229 m ü. NHN
Fläche: 85,83 km²
Einwohner: 7504 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 87 Einwohner je km²
Postleitzahl: 34621
Vorwahl: 05684
Kfz-Kennzeichen: HR
Gemeindeschlüssel: 06 6 34 004
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Ziegenhainer Straße 2
34621 Frielendorf
Webpräsenz: www.frielendorf.de
Bürgermeister: Birger Fey (SPD)
Lage der Gemeinde Frielendorf im Schwalm-Eder-Kreis
Kassel Landkreis Fulda Landkreis Hersfeld-Rotenburg Landkreis Kassel Landkreis Marburg-Biedenkopf Landkreis Waldeck-Frankenberg Vogelsbergkreis Vogelsbergkreis Werra-Meißner-Kreis Knüllwald Homberg (Efze) Frielendorf Schwarzenborn (Knüll) Neukirchen (Knüll) Oberaula Ottrau Schrecksbach Willingshausen Schwalmstadt Gilserberg Jesberg Neuental Bad Zwesten Borken (Hessen) Morschen Malsfeld Wabern (Hessen) Felsberg (Hessen) Spangenberg Melsungen Körle Guxhagen Edermünde Gudensberg Niedenstein FritzlarKarte
Über dieses Bild

Frielendorf ist eine Gemeinde im Schwalm-Eder-Kreis in Hessen, Deutschland. Sie ist staatlich anerkannter Luftkurort[2]. Der Kernort wurde als Frilingendorf im Jahre 1197 in einem Einkommensverzeichnis des Klosters Spieskappel erstmals urkundlich erwähnt. Als weitere historische Namensformen sind Frilingestorf (um 1220), Vrilingedorph (1247), Frilendorf (1333) und Frielndorff (1585) belegt.[3]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Frielendorf liegt am Nordwestrand des Knüllgebirges etwa 8,5 km südwestlich von Homberg. Nordwestlich des Dorfs liegt der Sendberg (339 m ü. NN), nordöstlich der Silbersee und südöstlich erhebt sich die Mark (382,7 m ü. NN). Durchflossen wird es vom Efze-Zufluss Ohebach.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Frielendorf grenzt im Nordosten und Osten an die Stadt Homberg, im Südosten an die Stadt Schwarzenborn, im Süden an die Stadt Neukirchen und an die Gemeinde Willingshausen, im Südwesten und Westen an die Stadt Schwalmstadt, im Westen an die Gemeinde Neuental und im Nordwesten an die Stadt Borken; sie gehören alle auch zum Schwalm-Eder-Kreis.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Frielendorf gehören neben dem Kernort die fünfzehn Ortsteile:

Geschichte[Bearbeiten]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Um die Verwaltung zu professionalisieren, bessere Koordinierungs- und Abstimmungsmöglichkeiten für größere Planungsräume und die Verwirklichung des Gleichheitsgrundsatzes zu schaffen wurde die hessische Verwaltungs- und Gebietsreform durchgeführt. Die erste Phase war der freiwillige Zusammenschluss der Gemeinden. Dies wurde auch durch finanzielle Vergünstigungen von Seiten des Landes gefördert.

Die Haupteingemeindungen fanden am 31. Dezember 1971 und am 1. Januar 1974 statt.[4]

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Allendorf 1. Januar 1974
Gebersdorf 31. Dezember 1971
Grenzebach 1. Januar 1974
Großropperhausen 1. Januar 1974
Lanertshausen 15. September 1968 Eingemeindung nach Lenderscheid
Leimsfeld 31. Dezember 1971 Zusammenschluss mit Obergrenzebach und Schönborn zu Grenzebach
Lenderscheid 31. Dezember 1971
Leuderode 1. Januar 1974
Linsingen 31. Dezember 1971
Obergrenzebach 31. Dezember 1971 Zusammenschluss mit Leimsfeld und Schönborn zu Grenzebach
Schönborn 31. Dezember 1971 Zusammenschluss mit Leimsfeld und Obergrenzebach zu Grenzebach
Siebertshausen 1. Juli 1970 Eingemeindung nach Lenderscheid
Spieskappel 1. Januar 1974
Todenhausen 31. Dezember 1971
Verna 1. Januar 1974

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Gemeindevertreterwahl 2011
 %
60
50
40
30
20
10
0
53,9 %
24,0 %
22,1 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
+2,6 %p
-2,6 %p
-0,1 %p
Parteien und Wählergemeinschaften  %
2011
Sitze
2011
 %
2006
Sitze
2006
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 53,9 17 51,3 16
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 24,0 7 26,6 8
FWGF Freie Wählergemeinschaft Frielendorf 22,1 7 22,2 7
Gesamt 100,0 31 100,0 31
Wahlbeteiligung in % 55,4 58,7

Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten]

Die Gemeinde Frielendorf unterhält eine Partnerschaft mit dem thüringischen Kleinschmalkalden sowie seit dem 30. Mai 2009 mit der westflandrischen Stadt Poperinge.[5]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirche St. Johannes in Spieskappel

Museen[Bearbeiten]

Im Museumsladen mit der Ausstellung Die Zeche Frielendorf wird über Frielendorfer Geschichte und den einstigen Braunkohlenbergbau in und um das Dorf informiert.

Das Dorfmuseum Verna informiert über dörfliche Wohnkultur, Mobiliar und Handwerkzeug.

Bauwerke[Bearbeiten]

Im Ortsteil Spieskappel steht die 1255 geweihte Kirche St. Johannes des ehemaligen Klosters Spieskappel, die ursprünglich zum 1143 gegründeten Prämonstratenser-Chorherrenstift Cappel gehörte. Die Kirche wird meist nur als Klosterkirche bezeichnet. Die Orgel wurde in der Werkstatt des Orgelbauers Johannes Schlottmann aus Hersfeld gebaut.

Der Spießturm (2008)

Der Spießturm (auch „Spieskappeler Warte“ genannt) ist ein mittelalterlicher Wartturm, an der Straße zwischen Spieskappel und Obergrenzebach. Er steht an einem Punkt, an dem sich wichtige mittelalterliche Handelsstraßen schnitten, sowie an der einstigen Grenze zwischen Oberhessen und Niederhessen. Im 15. und 16. Jahrhundert fanden am Spieß die Landtage der hessischen Landstände statt. Der Spießturm ist Teil des Frielendorfer Wappens.

Parks[Bearbeiten]

Der Ferienwohnpark Silbersee liegt östlich von Frielendorf an dem gleichnamigen See.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Der Silbersee bei Frielendorf

Etwa 150 Jahre lang, bis in die 1960er Jahre, waren Braunkohlebergbau und Brikettherstellung die wirtschaftliche Basis des Kernorts und der umliegenden Dörfer. Frielendorf gehörte zu den bedeutendsten Braunkohlerevieren Hessens, und Tagebaugruben prägten das Landschaftsbild. Das Dorfbild selbst wurde von der Brikettfabrik der Gewerkschaft Frielendorf dominiert. In den 1920er Jahren arbeiteten zeitweise rund 1400 Menschen im Frielendorfer Bergbau.[6] Insgesamt wurden ca. 26,5 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert und ca. 6,5 Millionen Tonnen Briketts hergestellt. Die Briketts der Marke “Hassia” waren weit über die Region hinaus bekannt.[7]

Mit dem Ende des Kohleabbaus in Frielendorf begann ein drastischer Strukturwandel, von Bergbau und Industrie zum Fremdenverkehr. Kernstück dieses Strukturwandels wurde die Umwandlung eines großen Tagebaurestlochs in einen Bade- und Angelsee, den Silbersee, dessen Umgebung inzwischen längst wieder renaturisiert ist und um den ein Feriendorf entstand.

Verkehr[Bearbeiten]

Frielendorf liegt an der Bundesstraße 254 (Homberg–Fulda). Zur Bundesautobahn 49 (KasselFritzlar-Marburg) Anschlussstelle Neuental sind es etwa 11 km. Die Gemeinde gehört dem Nordhessischen Verkehrsverbund an. Die nächsten Bahnstationen sind Wabern, Schwalmstadt-Treysa, Borken (Hessen) und Kassel-Wilhelmshöhe. Früher hatte Frielendorf einen Bahnhof an der Bahnstrecke Leinefelde–Treysa.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Margot Käßmann (* 1958), Theologin, ehemalige Pfarrerin in Spieskappel (1985-1990)
  • Kurt Lotz (1912–2005), ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG
  • Stefan Marx, Künstler
  • Regine Müller (* 1959), MdL, ehemalige Leiterin des Kindergartens in Obergrenzebach

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Gerich: Chronik von Frielendorf. Frielendorf 1956, DNB 451490592.
  • Hans Mittendorf: Gebersdorf. Ein Dorfbuch. Frielendorf 1997, DNB 952784548.
  • Karl Schmidt: Das Dorf Spieskappel. Frielendorf 1995, DNB 944729630.
  • Gerd Kanke: Frielendorf und seine Ortsteile. Literatur und Dokumente zur Ortsgeschichte in Bibliotheken und Archiven. Eine Übersicht. Im Auftrage der Hessischen Akademie der Forschung und Planung im ländlichen Raum und der Gemeinde Frielendorf. (III. Arbeitsbericht der Hessischen Akademie der Forschung und Planung im ländlichen Raum.) Bad Karlshafen 1996, ISBN 3-928069-17-9.
  • Horst Schönhut: Die Gewerkschaft Frielendorf: Geschichte der Frielendorfer Braunkohlenzeche. Geschichtsverein Borken e.V., Borken 1998, ISBN 3-932739-03-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Frielendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Frielendorf – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  77. Sitzung des Fachausschusses für Kurorte Erholungsorte und Heilbrunnen in Hessen vom 17. November 2011. In: Staatszeiger für das Land Hessen. Nr. 7, 2012, ISSN 0724-7885, S. 221.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format„Frielendorf, Schwalm-Eder-Kreis“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 11. Juni 2014, abgerufen am 10. Juli 2014.
  4.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 411–413.
  5. Artikel auf Nordhessennews nh24
  6. http://deutschewertpapierauktionen.de/download/KatalogRBS.pdf
  7. Das ehemalige Zechengelände, mit Fotos