Günther Uecker

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Günther Uecker auf den Trümmern seines Ateliers an der Oberkassler Straße, Düsseldorf, um 1965. Foto: Lothar Wolleh

Günther Uecker (* 13. März 1930 in Wendorf, Pommern) ist ein deutscher Maler und Objektkünstler von internationalem Rang. Bekannt wurde er vor allem mit seinen reliefartigen Nagelbildern. Ein Teil seiner künstlerischen Objekte kann der kinetischen Kunst zugeordnet werden.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Uecker, der auf der Halbinsel Wustrow aufwuchs, wo sein Vater als Ingenieur und Bodenpersonal auf einem Versuchsflugplatz der Luftfahrtindustrie angestellt war, erlebte dort das Ende des Zweiten Weltkriegs.[1] Er studierte von 1949 bis 1953 Malerei in Wismar und an der Kunstakademie in Berlin-Weißensee. Anlässlich der Weltjugendfestspiele 1951 in Ost-Berlin nutzte er zum ersten Mal die Gelegenheit für Besuche Westberlins und kam in Kontakt mit abstrakter Kunst.[2] 1953, nach dem Aufstand des 17. Juni verließ er die DDR und siedelte nach Westberlin. Dort beschäftigte er sich mit Religion und Philosophie, was sein Werk beeinflussen sollte.[3][Anmerkung 1] Weil er bei seinem Idol Otto Pankok studieren wollte, ging er 1955 nach Westdeutschland. Dies ging über das Notaufnahmelager für männliche jugendliche DDR-Flüchtlinge in Sandbostel, in dem er als vermeintlich von der DDR Eingeschleuster nach eigenen Angaben monatelang verhört wurde.[4] Er setzte dann von 1955 bis 1957 sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Otto Pankok fort. 1956/1957 entstanden erstmals die für ihn typischen Nagelbilder: dreidimensionale, weiß bemalte Reliefs aus Nägeln, die durch die Ausrichtung der Nägel und die Wechselwirkung von Licht und Schatten ihre eigene Dynamik erhalten. Ab 1962 versah Uecker Alltagsgegenstände wie Möbel mit Nagelreliefs.

Günther Uecker. Foto: Lothar Wolleh

1961 wurde Uecker Mitglied in der von Heinz Mack und Otto Piene gegründeten Künstlergruppe ZERO, woraufhin er sich auch der kinetischen Lichtkunst zuwandte. Gemeinsam mit Gerhard Richter inszenierte er die Demonstration „Museen können bewohnbare Orte sein“. Die Aufführung des Terrororchesters in der Kunsthalle Baden-Baden, einer lärmenden Installation aus 20 Maschinen, Staubsaugern, einer Wäschetrommel sowie Hammer und Sichel, erregte bundesweit Aufsehen.

Zusammen mit Thomas Lenk, Heinz Mack und Georg Karl Pfahler war Uecker 1970 deutscher Vertreter auf der Biennale von Venedig. Von 1971 bis 1974 erfolgten Arbeitsaufenthalte in Südamerika, Afrika und Asien sowie von 1984 bis 1985 Aufenthalte in Japan, Sibirien, China, Island und der Mongolei. Seit den 1980er Jahren nimmt er in seinen Werken zu politischen Fragen Stellung: so etwa reagierte er auf die Katastrophe von Tschernobyl mit dem Zyklus „Aschebilder“. Weitere politische Bezüge finden sich bei seinen Werken über den Irak, Umweltprobleme und anderem.

Von 1974 bis 1995 unterrichtet Uecker als Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf. Zu seinen Meisterschülern zählten Halina Jaworski, Klaus Schmitt und Matthias Hintz. 1999 gestaltete er den Andachtsraum im neuen Reichstagsgebäude in Berlin. 2004 konzipierte er das Freilichtbühnenbild für eine Aufführung des Wilhelm Tell von Schiller am – angeblich – historischen Ort auf der Rütliwiese.

Im Dezember 2008 war Uecker Mitbegründer der Stiftung Zero foundation. Weitere Gründer waren die ZERO-Künstler Heinz Mack und Otto Piene sowie die Stiftung museum kunst palast Die Stiftung hat ihren Sitz im Düsseldorfer Medienhafen; sie hat sich zum Ziel gesetzt, die ZERO Bewegung zu erhalten, zu präsentieren, zu erforschen und zu fördern,

Uecker lebt und arbeitet heute in Düsseldorf und St. Gallen. Ein Atelier befindet sich zudem in der Berliner Gartenstadt Atlantic[5] des Architekten Rudolf Fränkel.

Uecker ist der Bruder der Künstlerin Rotraut und Schwager des verstorbenen Künstlers Yves Klein.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1962: Sandmühle, Sand Holz/Metall, Schnüre
  • 1962: Salon de Lumière, Lichtobjekte
  • 1964: Haar der Nymphen, 150 x 150 cm
  • 1967: Selbstporträt
  • 1971: Großer Eisenkubus
  • 1972: Film Schwarzraum-Weißraum
  • 1974: Bühnenbildentwürfe für die Beethoven-Oper Fidelio in Bremen
  • 1977: Wandrelief für das UNO-Gebäude in Genf
  • 1978: Zum Zeichen der Schrift oder die Sprachlosigkeit - Fotos Lothar Wolleh
  • 1979: Bühnenbildentwürfe für Lohengrin in Bayreuth
  • 1982: Bühnenbildentwürfe für Tristan und Isolde in Stuttgart
  • 1989: Bühnenbildentwürfe für Die Bassariden von Hans Werner Henze, Staatsoper Stuttgart
  • 1986: expressive Aschebilder (als Reaktion auf Tschernobyl)
  • 1999: Andachtsraum im Reichstagsgebäude Berlin
  • 1999: Steinmal in Buchenwald - 1. September 1939 (Skulptur im Keller der ehemaligen Häftlingskantine)
  • 2004: Bühnenbildentwurf für Wilhelm Tell mit dem Deutschen Nationaltheater Weimar auf dem Rütli
  • 2004: Klaus Gereon Beukers (Hrsg.). Günther Uecker. Die Aktionen. Petersberg

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Mack, Piene, Uecker, O - Zero, mit einer Einführung von Wieland Schmied. Ausstellungskatalog zur Ausstellung 7. 1964/1965 der Kestner-Gesellschaft, Hannover.
  • Günther Uecker, mit einem Vorwort von Wieland Schmied. Ausstellungskatalog zur Ausstellung 3/1972 der Kestner-Gesellschaft, Hannover.
  • Günther Uecker. Schatten. Schein. In: Dokumente unserer Zeit. Band IV, Mit Texten von Dorothea van der Koelen, Siegfried Salzmann, Günther Uecker (deutsch, engl.) 84 S., 99 Abb., davon 23 farbig, Mainz 1987, ISBN 3-926663-04-9.
  • Zwischentöne. Bert, Gappmayr, Girke, Hotzel, Morellet, Uecker, Ulrichs. In: Dokumente unserer Zeit. Band V, Mit Texten von G. Böhm, R. Girke, E.-M. Hanebutt-Benz, B. Holeczek, D. van der Koelen, R. Kowallek, H. Liesbrock, D. Mahlow, L. Romain, G. Uecker, T. Ulrichs (deutsch, engl.) 80 S., 65 Abb., davon 18 farbig, Mainz 1988, ISBN 3-926663-05-7.
  • Günther Uecker. Römersteine 1987. In: Dokumente unserer Zeit. Band X, Mit Texten von Karl-Viktor Decker, Dorothea van der Koelen, Günther Uecker (deutsch, engl.) 72 S., 67 Abb., davon 50 farbig, Mainz 1989, ISBN 3-926663-10-3.
  • Heinz-Norbert Jocks: Archäologie des Reisens. Ein anderer Blick auf Günther Uecker, Dumont, Köln 1997, ISBN 978-3-8321-3944-5
  • Bettina Gräfin von Pfeil: Günther Uecker. Korrelationen, 160 S., ca. 250 farb. Abb., Mainz 2000, ISBN 3-931876-30-6.
  • art – Das Kunstmagazin, 2000, Nr. 12
  • Christoph Brockhaus: Günther Uecker. GRAPHEIN, Schreiben. Malen. Zeichnen, 72 S., Mainz 2002, ISBN 3-931876-46-2.
  • Hanns-Josef Ortheil: Günther Uecker. Wasser Venezia, Accqua luminosa; Aquarelle von Günther Uecker, Mainz 2005, ISBN 3-931876-45-4.
  • Britta Julia Dombrowe: Redepflicht und Schweigefluss. Zur Gestalt, Bedeutung und Funktion von Günther Ueckers Bibliophilen Werken. Dissertation, Universität zu Köln, Mainz 2006, ISBN 978-3-931876-62-3.
  • Günther Uecker: Ein Gespräch anläßlich seiner Ausstellung in der Galerie Eigen+Art, Leipzig, in: Art Position, Bd. 2 (1990), 10, S. 10–11.
  • Günther Uecker, Alexander Tolnay: Günther Uecker. Hatje Cantz Verlag, 2005, ISBN 3-7757-1584-3.
  • Günther Uecker, Volkhard Knigge, Jürgen M. Pietsch: Ein Steinmal in Buchenwald, hrsg. vom Politischen Club Colonia (PCC) und der Gedenkstätte Buchenwald. Edition Akanthus, Spröda 1999, ISBN 3-00-006012-X.
  • Günther Uecker. Zwanzig Kapitel. Mit Beiträgen von Wulf Herzogenrath, Dieter Honisch, Britta Schmitz, Alexander Tolnay, Stephan von Wiese und Kazuhiro Yamamoto. Neuer Berliner Kunstverein/Hatje Cantz Verlag, Ostfildern-Ruit 2005, ISBN 3-7757-1584-3.
  • Günther Uecker: letter to China; works on paper, Geuer und Breckner, Düsseldorf 2006, ISBN 3-939452-01-7.
  • Dorothea van der Koelen und und Martin van der Koelen (Hrsg.): Günther Uecker. Opus Liber. Verzeichnis der Bibliophilen Bücher und Werke 1960–2005 (mit einem Vorwort von Günther Uecker), Chorus-Verlag für Kunst und Wissenschaft, Mainz 2007, ISBN 978-3-931876-66-1.
  • Theo Rommerskirchen: Günther Uecker. In: viva signatur si! Remagen-Rolandseck 2005, ISBN 3-926943-85-8.
  • Günther Uecker: Handlungen, Geuer & Breckner, Düsseldorf 2010, ISBN 978-3-939452-11-9.
  • Eckhard Hollmann, Jürgen Krieger (Hrsg.): Günther Uecker: Geschriebene Bilder, JOVIS Verlag Berlin 2011, ISBN 978-3-86859-178-1.
  • Heinz-Norbert Jocks: Das Ohr am Tatort, Heinz-Norbert Jocks im Gespräch mit Gotthard Graubner, Heinz Mack, Roman Opalka, Otto Piene und Günther Uecker. Hatje Cantz, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7757-2509-5.

Film[Bearbeiten]

  • 2009 „Works On Paper“ über Günther Uecker, Michael Kluth
  • 2013 „Verletzung – Verbindung“, über Günther Ueckers Ausstellung im TMOCA in Teheran, Iran

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Günther Uecker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Interview mit der Welt vom 31. Mai 2012 zum Schlüsselerlebnis (für die Nagelkunst) bei Kriegsende
  2. Vita bei Guggenheim-Museum
  3. Vita bei Guggenheim
  4. Welt-Interwiev
  5. „Gartenstadt Atlantic“, berlin.de, 20. März 2006
  6. Kulturportal Deutschland - Archiv: Nachrichten aus der Kulturpolitik vom 18. Oktober 2001 (abgerufen am 8. Oktober 2012)
  7. Schirn-Magazin: Die schleifende Zeit, www.schirn-magazin.de, abgerufen am 20. Oktober 2011

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Die Angaben hierzu gehen auseinander. Einige Quellen geben 1953 an, so zum Beispiel die Berliner Zeitung. Unter anderem bei einem Interview mit der Welt wird 1955 vertreten. Die Seite der Bundeszentrale für politische Bildung ordnet seinen Weggang nach 1954 ein.