Dalia Grybauskaitė

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Dalia Grybauskaitė (2014)

Dalia Grybauskaitė [daˈlʲæ grʲiːbausˈkaitʲeː] (* 1. März 1956 in Vilnius, Litauische SSR, Sowjetunion) ist eine litauische Politikerin. Sie war bis Mai 2009 als Kommissarin für Finanzplanung und Haushalt der Europäischen Union zuständig. Bei den Wahlen am 17. Mai 2009 wurde sie als erste Frau in das Amt des litauischen Staatspräsidenten gewählt. Am 25. Mai 2014 wurde sie für weitere fünf Jahre wiedergewählt.[1]

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten]

Die Tochter eines ehemaligen NKWD-Mitarbeiters[2] und einer Verkäuferin[3] absolvierte die Salomėja-Nėris-Mittelschule in der Altstadt von Vilnius. Dalia Grybauskaitė arbeitete zunächst ein Jahr in der „Kader-Abteilung“ (etwa: Personalabteilung) der Litauischen Nationalphilharmonie, ehe sie 1976 als Arbeiterin und Laborantin an die Pelzfabrik Rotfront nach Leningrad (heute St. Petersburg) ging. Mit dem Abschluss in Politischer Ökonomie (Volkswirtschaftslehre) im Abendstudium an der Staatlichen Leningrader Universität trat sie 1983 der KPdSU bei, kehrte nach Litauen zurück und übernahm die Leitung des Kabinetts für Landwirtschaft an der Parteihochschule Vilnius. Sie unterrichtete dort bis 1990 Wirtschaftswissenschaften. Parallel konnte sie 1988 ihren Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften an der Universität in Moskau erwerben.

Mit dem gesellschaftlichen Umbruch in Litauen wurde sie als Mitarbeiterin am Wirtschaftsinstitut 1991 mit der Ausarbeitung des Wirtschaftsprogramms der Regierung beauftragt. Im selben Jahr absolvierte sie ein Spezialprogramm für Regierungsmitglieder an der Georgetown University in Washington, D.C.

Politische Laufbahn im unabhängigen Litauen[Bearbeiten]

Nach dem Eintritt in die konservative litauische Regierung 1991 wurde sie bald Abteilungsleiterin im Außenhandelsministerium, im Jahr 1993 dann im Außenministerium. Sie wurde Chefunterhändlerin für das Freihandelsabkommen mit der EU und war 1994 bis 1995 an der litauischen Vertretung bei der EU. Nach dem Regierungswechsel wurde sie 1996 (bis 1999) an die litauische Botschaft in den Vereinigten Staaten versetzt, bis sie nach dem erneuten Wahlsieg der konservativ-liberalen Parteien stellvertretende Finanzministerin (1999) und stellvertretende Außenministerin (2000) wurde. Auch nach dem Ende der bürgerlichen Koalition ging ihr politischer Aufstieg weiter: in der neuen, sozialdemokratisch geprägten Regierung von Algirdas Brazauskas wurde sie 2001 Finanzministerin (bis zu ihrer Ernennung als EU-Kommissarin am 4. Mai 2004).

EU-Kommissarin[Bearbeiten]

Ab dem 1. Mai 2004 bekleidete sie zusammen mit der Luxemburgerin Viviane Reding das Amt des Bildung- und Kulturkommissars. In der Kommission Barroso I, die sich von November 2004 bis Februar 2010 im Amt befand, war sie für Finanzen und Haushalt zuständig. Dieses Amt gab sie jedoch nach ihrer Wahl zur litauischen Staatspräsidentin auf. Ihr Nachfolger wurde der bisherige litauische Finanzminister Algirdas Šemeta.[4]

Litauische Staatspräsidentin[Bearbeiten]

Im Februar 2009 erklärte Dalia Grybauskaitė ihre Kandidatur für das Amt des litauischen Staatspräsidenten. Diese Kandidatur war allseits erwartet und von vielen Seiten der litauischen Gesellschaft befürwortet worden.[5] Trotz eines Rückgangs in den Meinungsumfragen kurz vor der Wahl[6] konnte sie die Abstimmung mit großem Vorsprung für sich entscheiden und wurde bereits im ersten Wahlgang am 17. Mai 2009 mit 68,2 % der Stimmen zur Nachfolgerin von Valdas Adamkus im Amt des Staatspräsidenten gewählt.[7] Am 12. Juli 2009 wurde sie feierlich in ihr Amt eingeführt.[8] Bei der Präsidentschaftswahl in Litauen 2014 setzte sie sich in der Stichwahl gegen den Abgeordneten des Europäischen Parlaments Zigmantas Balčytis durch und begann am 12. Juli 2014 ihre zweite Amtszeit.

Privatleben und Sprachkenntnisse[Bearbeiten]

Dalia Grybauskaitė, die einen schwarzen Gürtel in der Kampfsportart Karate besitzt, ist ledig und kinderlos.[3]

Neben Litauisch spricht sie Englisch, Russisch, Französisch und Polnisch.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Grybauskaitė mit Lech Kaczyński im August 2009

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dalia Grybauskaitė – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dalia Grybauskaite gewinnt Präsidentenwahl in Litauen, www.suedostschweiz.ch, 26. Mai 2014
  2. „Ekspertai.eu“ turimi dokumentai rodo, kad prezidentės tėvelis Polikarpas Grybauskas tarnavo NKVD
  3. a b Dalia Grybauskaitė. In: Internationales Biographisches Archiv 31/2009 vom 28. Juli 2009, ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 47/2012 (abgerufen via Munzinger Online).
  4. EurActiv, 19. Juni 2009: Litauischer Finanzminister übernimmt Sitz in der EU-Kommission
  5. ausführliche Analyse zu Grybauskaitės Wahlchancen, Artikel in Lietuvos rytas, 26. Februar 2009 (litauisch)
  6. Grybauskaitė führt Meinungsumfragen klar an, Nachricht auf delfi.lt, 13. Mai 2009 (litauisch)
  7. Ergebnisse auf der Website der litauischen Wahlkommission
  8. Präsident der Republik Litauen
  9. Karlspreis für Dalia Grybauskaite. In: die tageszeitung, 8. Dezember 2012.