Karlspreis

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Dieser Artikel behandelt den Internationalen Karlspreis zu Aachen; zum gleichnamigen Preis der Sudetendeutschen Landsmannschaft siehe Europäischer Karlspreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft.
Das Aachener Rathaus, Verleihungsort des Karlspreises
Oberbürgermeister Linden bei der Verleihung 2000 mit Bill Clinton. Im Hintergrund weitere Preisträger, darunter Juan Carlos I., Václav Havel und Simone Veil.

Der Karlspreis, ursprünglich Internationaler Karlspreis der Stadt Aachen, seit 1988 Internationaler Karlspreis zu Aachen, wird seit 1950 alljährlich in Aachen für Verdienste um Europa und die europäische Einigung verliehen. Der Karlspreis ist ein Ehrenpreis. Er besteht aus einer von den Mitgliedern des Karlspreisdirektoriums unterzeichneten Urkunde und einer Medaille. Die Vorderseite der Medaille zeigt das Bildnis Karls des Großen auf seinem Thron, eine Darstellung des ältesten erhaltenen Stadtsiegels Aachens aus dem frühen 12. Jahrhundert. Auf der Rückseite steht der Name des Preisträgers und ein ihm gewidmeter Text. Bis 2007 war der Preis zusätzlich mit einer Summe von 5000 Euro versehen. Seit 2008 kommt diese dem Karlspreis für die Jugend zugute.

Verleihungsmodus[Bearbeiten]

Der Preis wurde nach Karl dem Großen benannt, der als eine das kollektive europäische Geschichtsbewusstsein prägende Persönlichkeit gilt und im Frühmittelalter als „Vater Europas“ gelobt wurde. Ende des achten Jahrhunderts wählte er Aachen zu seiner Königspfalz. Durch die Namenswahl sollte nach der Vorstellung des Initiators Kurt Pfeiffer eine Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft geschlagen werden.[1]

Die Auswahl des Preisträgers trifft das Direktorium der Karlspreisgesellschaft. Mitglieder kraft Amtes sind der Oberbürgermeister der Stadt Aachen, der Dompropst in Aachen und dem Rektor der RWTH Aachen. Weitere Mitglieder sind Vertreter der im Rat der Stadt Aachen vertretenen Fraktionen, vom Direktorium benannte Mitgliedern sowie gewählte Mitglieder und Vertreter der Stiftung. Vorschläge für die Preisträger werden nicht nur aus dem Direktorium und der Stiftung, sondern auch von Personen und Institutionen außerhalb dieser Gremien eingebracht. Externe Vorschläge werden genauso behandelt wie interne Vorschläge.

Die Verleihung findet traditionell am Feiertag Christi Himmelfahrt im Krönungssaal des Rathauses der Stadt Aachen statt. In einer feierlichen Zeremonie werden Urkunde und Medaille überreicht. Weitere Elemente dieser Zeremonie sind die Laudatio, die Rede des Preisträgers, die Aufführung des Hymnus Urbs Aquensis und der Europahymne. Die Zeremonie wird live von WDR-Fernsehen übertragen.[2] Am Tag der Verleihung findet außerdem auf dem Aachener Katschhof ein Bürgerfest statt. Eingebettet ist die Verleihung in ein umfangreiches, mehrwöchiges Rahmenprogramm mit Vorträgen, Diskussionen und kulturellen Beiträgen, die die aktuelle Lage Europas, die jeweiligen Preisträger und deren Herkunftsland thematisieren.[3]

Im Jahr 2010 setzte sich auf Initiative der ehemaligen Ratsfrau und Bürgermeisterin Meike Thüllen (FDP) ein Bürgerforum dafür ein, dass die unter Verschluss gehaltenen Akten über die Auswahl der Kandidaten und die Entscheidung über die Vergabe des Aachener Karlspreises, die älter als 30 Jahre sind, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, um somit auch ihre wissenschaftliche Auswertung ermöglichen zu können.[4] In der Ausgabe der Aachener Nachrichten und Aachener Zeitung vom 29. April 2013 wird der Sprecher des Direktoriums, Dr. Jürgen Linden, mit der Aussage zitiert, dass das Direktorium jeweils im Einzelfall über Anträge auf Einsichtnahme entscheiden wird.

Träger[Bearbeiten]

Die Idee des Karlspreises geht auf den Aachener Kaufmann Kurt Pfeiffer zurück, der sie am 19. Dezember 1949 in einem Vortrag[5] bei der „Corona Legentium Aquensis“ in Aachen vorstellte. In kurzer Zeit versammelte Pfeiffer wichtige Aachener Persönlichkeiten zur Proklamation des Karlspreises der Stadt Aachen. Unterzeichnet wurde diese neben Pfeiffer von Oberbürgermeister Albert Maas, Oberstadtdirektor Albert Servais und Bürgermeister Ludwig Kuhnen, Bischof Johannes Joseph van der Velden, dem RWTH-Rektor Wilhelm Müller und den Peter Mennicken und Franz Krauß, dem Präsidenten der deutsch-belgisch-luxemburgischen Handelskammer in Köln Hermann Heusch und weiteren Vertretern der Wirtschaft wie dem niederländischen Direktor der Philips-Werke Carel Nieuwenhuijsen, dem luxemburgischen Generaldirektor der Vereinigten Glaswerke Jean Louis Schrader und dem Tuchfabrikanten Erasmus Schlapp.

Am 14. März 1950 wurde die Gesellschaft zur Verleihung des Internationalen Karlspreises der Stadt Aachen (Karlspreisgesellschaft) gegründet. Die zwölf Unterzeichner der Proklamation bildeten das erste Karlspreisdirektorium. Sie erklärten, der Preis solle fortan jährlich „Persönlichkeiten verliehen“ werden, „die den Gedanken der abendländischen Einigung in politischer, wirtschaftlicher und geistiger Beziehung gefördert haben“. Die Karlspreisgesellschaft ist seit 1987 in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins verfasst und führt den Namen Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen e.V. Seit 1997 existiert daneben die Stiftung Internationaler Karlspreis zu Aachen, die den Gedanken der europäischen Einigung fördern soll sowie den Karlspreis ideell und materiell unterstützt.

Jugendpreis[Bearbeiten]

Seit 2008 wird von der Karlspreisstiftung, gemeinsam mit dem Europäischen Parlament, auch ein Karlspreis für die Jugend vergeben, der das europäische Engagement von Jugendlichen und jungen Erwachsenen würdigt und vorbildliche Jugendprojekte auszeichnet.[6] 2013 wurde das spanische Projekt Europe on Track (Europa auf dem Weg) ausgezeichnet: Studierende befragen junge Leute nach ihren Hoffnungen und Erwartungen bezüglich Europa.

Eurolog[Bearbeiten]

Ab 2013 wird im offiziellen Rahmenprogramm der Karlspreisverleihung im Schloss Zweibrüggen jährlich der Eurolog als Europagespräch mit EU-Bürgern, EU-Politikern und Eurokraten durchgeführt. Initiator ist Hartmut Urban; Veranstalter der Bürgermeister von Übach-Palenberg, Wolfgang Jungnitsch.[7]

Kritik und Proteste[Bearbeiten]

Grundsätzlich kritisiert wird die Berufung auf den Namensgeber Karl den Großen, der im Nachhinein den Beinamen „Sachsenschlächter“ erhielt.[8] Die Bezeichnung „Sachsenschlächter“ bezieht sich wesentlich auf das Blutgericht von Verden, ein angebliches Massaker an 4500 heidnischen Sachsen während der Sachsenkriege, das in der Forschung sehr unterschiedlich bewertet wurde und wird. Der Begriff Sachsenschlächter wurde Anfang des 20. Jahrhunderts auch von Vertretern der völkischen Bewegung benutzt, um die heidnischen Sachsen als letzte Bastion des germanischen Widerstands gegen die Unterwerfung unter das von Karl vertretene „welsche“ Christentum darzustellen.

Bei ihrer Namenswahl bezogen sich die Gründer des Karlspreises auf die kulturelle Bedeutung Karls des Großen, mit dem der kulturelle Niedergang während der Wirren der Völkerwanderung beendet und umgekehrt wurde. Hier wirkt Karl der Große bis heute nach, indem er auf der Grundlage der lateinischen Sprache und Schriftkultur, der antiken Überlieferung und des Christentums eine kulturelle Überformung seines Machtbereiches herbeiführte, welche die Entwicklung Europas zu einem bei allen regionalen Unterschieden vergleichsweise einheitlichen Kulturraum in die Wege geleitet hat, die bis heute Bestand hat und Europa von anderen Erdteilen unterscheidet.

Mit Bezug auf einen Bericht des US-Nachrichtenoffiziers Saul Kussiel Padover wurden sowohl in einer amerikanischen[9] als auch einer britischen[10] Pressemitteilung die Idee des Karlspreises wegen der Mitgliedschaft Pfeiffers in der NSDAP und fünf weiteren NS-Organisationen sowie den ebenfalls NS-belasteten Mitgliedern des ersten Karlspreisdirektoriums, Oberstadtdirektor und Bürgermeister Albert Servais und Hochschulprofessor Peter Mennicken, in Frage gestellt und dieser Preis zusätzlich auch als vermeintliche und nicht angebrachte „Mystifizierung“ Karls des Großen, seiner Politik und seines Reiches interpretiert. Beide Dokumente gehen auf die gleiche Quelle zurück, den englischen EU-Kritiker Rodney Atkinson, der auch die Website Free Nations betreibt.

Gegen die in diesen Dokumenten aufgestellten Theorien sprechen die Biografien der Gründer des Karlspreises. Einige von ihnen waren erklärte Gegner der Nationalsozialisten, viele hatten während der nationalsozialistischen Herrschaft Probleme und Konflikte mit den damaligen Machthabern, wurden verfolgt und auch inhaftiert.

Kritik wurde wiederholt an der Vergabepraxis des Direktoriums laut: Konservative Politiker würden deutlich stärker berücksichtigt. Der Name des sozialdemokratischen Bundeskanzlers und Friedensnobelpreisträgers Willy Brandt sei für die damalige Mehrheit der Jury ein „rotes Tuch“ und nicht verhandelbar gewesen.[11] Bemerkenswert ist auch, dass Brandts Nachfolger im Amt, der noch lebende Helmut Schmidt bisher als Preisträger übergangen wurde.[12] Dagegen erhielten - bis auf die kurzzeitig regierenden Kanzler Ludwig Erhard und Kurt Georg Kiesinger - alle christdemokratischen Bundeskanzler den Karlspreis (eingeschlossen die amtierende Kanzlerin Merkel). Den Preisträgern Tony Blair (1999), Bill Clinton (2000) und Javier Solana (2007) wurde vorgehalten, sie seien die Hauptverantwortlichen der Luftangriffe gegen Jugoslawien.

Häufig wurden die Verleihungen von Demonstrationen begleitet. Auf Kritik - u.a. von linken Gruppen - stößt immer wieder die Auswahl der Preisträger, wie auch die Institution Karlspreis selbst. Unter den Ausgewählten befanden sich etwa 1984 das ehemalige NSDAP-Mitglied Bundespräsident Karl Carstens und 1987 der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger, zu dessen Amtszeit sowohl die Ausweitung des Vietnamkrieges als auch der von US-Geheimdiensten unterstützte Putsch gegen die Regierung Chiles unter Salvador Allende durchgeführt wurden. Aus Protest gegen die Preisvergabe an Kissinger traten die Stadträte von SPD und Grünen aus dem Direktorium des Karlspreises aus.

Seit 1990 sind wieder Vertreter beider Fraktionen im Karlspreisdirektorium vertreten, nachdem der Name in Internationaler Karlspreis zu Aachen verändert wurde und die Gründungsproklamation durch eine gemeinsame Erklärung des Rates der Stadt Aachen und Karlspreisgesellschaft ergänzt worden war.[13] In diese Erklärung fanden die seit 1989 veränderte politische Situation in Europa, die Rolle Europas im Nord-Süd-Gegensatz und das Thema Schutz der Umwelt Eingang.

Preisträger[Bearbeiten]

Die Geschichte des Karlspreises spiegelt die Geschichte des europäischen Einigungsprozesses seit Ende des 2. Weltkrieges wider. Die ersten Preisträger waren die „berühmtesten Namen des politischen Nachkiegs-Europas“[14], die Gründerväter der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, es folgten die Hoffnungsträger der Erweiterungen nach Süden und Norden, die Verantwortlichen für die europäischen demokratischen Institutionen, die Akteure der Wende im Osten Europas und der Wiedervereinigung von Ost und West und Impulsgeber auf kultureller und sozialer Ebene.[15]

Jahr Preisträger Medailleninschrift Anmerkungen Bild
1950 Richard Nikolaus Graf von Coudenhove-Kalergi In Würdigung seiner Lebensarbeit für ein geeintes Europa Graf Coudenhove-Kalergica. 1926
1951 Hendrik Brugmans Dem mutigen Wegbereiter eines geeinten Europa
1952 Alcide De Gasperi Dem Staatsmann und Europäer Alcide de Gasperi Alcide de Gaspari auf einer westdeutschen Briefmarke, 1968
1953 Jean Monnet Dem Schöpfer der ersten souveränen übernationalen europäischen Institution Jean Monnet auf einer westdeutschen Briefmarke, 1977
1954 Konrad Adenauer Dem kraftvollen Förderer eines einigen Europa Konrad Adenauer 1952
1955 Winston Churchill Hüter menschlicher Freiheit – Mahner der europäischen Jugend Churchill war Preisträger des Jahres 1955, konnte ihn aber erst 1956 entgegennehmen Winston Churchill, 1944
1957 Paul-Henri Spaak Verdienst um Europas Einigung und Sicherheit Verleihung an Paul-Henri Spaak, 1957
1958 Robert Schuman Für die Einheit Europas Robert Schumann, 1949
1959 George C. Marshall Für Verdienst um Wiederaufbau und Einigung Europas George C. Marshall, 1946
1960 Joseph Bech Für Verdienste um Europa Joseph Bech, 1967
1961 Walter Hallstein Neues Europa freiwilliger Bindung Walter Hallstein, 1957
1963 Edward Heath Einordnung und Festigkeit in Europäischer Zukunft Edward Heath
1964 Antonio Segni Für Einheit und Freiheit Europas Antonio Segni
1966 Jens Otto Krag Für die Einheit Europas Jens Otto Krag
1967 Joseph Luns Einsatz für Europa Joseph Antoine Marie Hubert Luns
1969 Kommission der europäischen Gemeinschaften Gemeinschaften in Anerkennung ihrer hohen Verdienste um die Europäische Einigung Europaflagge
1970 François Seydoux de Clausonne Freiheit durch Einheit
1972 Roy Jenkins Bekenntnis zu Europa Roy Jenkins
1973 Salvador de Madariaga Ein Leben für Europa – Freiheit, Ethik, Mut Salvador de Madariaga y Rojo
1976 Leo Tindemans Abendländische Klarheit und Verantwortung Leo Tindemans, 2006
1977 Walter Scheel Für Europa und den Frieden der Welt Walter Scheel
1978 Konstantinos Karamanlis Freiheit und Wohlfahrt in enger Bindung Konstantinos Karamanlis
1979 Emilio Colombo Ein Leben für Europa
1981 Simone Veil Für ein demokratisches Europa Simone Veil
1982 König Juan Carlos I. von Spanien Für Einheit und Menschenwürde König Juan Carlos I. von Spanien
1984 Karl Carstens Raum des Rechtes und des Friedens Karl Carstens, 1973
1986 Das Volk von Luxemburg Vorbild und Beharrlichkeit auf dem Weg zur Einheit Europas Flagge Luxemburgs
1987 Henry Kissinger Für Partnerschaft und Frieden "Henry Kissingers Name ist das Symbol der Politik der Entspannung, des Friedens, der Abrüstung und der Partnerschaft." [16] Die Verleihung führte zu Protesten in der Öffentlichkeit und im Direktorium. "Der Preisträger habe so die Begründung der Ratsherrn Bernhard Schlag (Grüne) und Peter Schmidt (SPD), schon 1957 ´die Idee vom auf Europa begrenzten Nuklearkrieg geboren und sich damit doch selbst diskreditiert´." [17] Henry Kissinger, 1975
1988 François Mitterrand und Helmut Kohl Für Französisch-Deutsche Freundschaft und Europas Zukunft François Mitterrand und Helmut Kohl, 1987
1989 Frère Roger Gleichnis der Gemeinschaft Frère Roger, 2006
1990 Gyula Horn Gesamteuropa – Von der Spaltung zur Einheit Gyula Horn bei der Preisverleihung
1991 Václav Havel Symbol der Verständigung in Europa Václav Havel
1992 Jacques Delors Baumeister des europäischen Binnenmarktes Jacques Delors
1993 Felipe González Streiter für Freiheit und Demokratie in Europa Felipe González
1994 Gro Harlem Brundtland Verantwortung Europas für die Welt Gro Harlem Brundtland (2007)
1995 Franz Vranitzky Europa wachsen neue Kräfte zu Franz Vranitzky
1996 Königin Beatrix der Niederlande Gute Nachbarschaft in Europa Beatrix der Niederlande
1997 Roman Herzog Unsere Vision heißt Europa Roman Herzog
1998 Bronisław Geremek Freiheit und Demokratie in Europa Bronisław Geremek (2006)
1999 Tony Blair Frieden und Zusammenwachsen in Europa In der Kosovo-Krise 1999 spielte Blair eine führende Rolle. Im Gegensatz zum Zögern der Tory-Regierung während des Bosnienkrieges forderte Blair ein klares Handeln der NATO gegenüber Slobodan Milošević. Er überzeugte US-Präsident Clinton, notfalls auch Bodentruppen im Kosovo einzusetzen. Auf einer Rede in Chicago, einen Monat nach Kriegsbeginn, legte er Grundzüge einer neuen Doktrin für die internationale Gemeinschaft fest. Die Verleihung des Karlspreises wurde allerdings (siehe Vorwort) vielfach als Rechtfertigung von Kriegshandlungen kritisiert Tony Blair
2000 Bill Clinton Partnerschaft für Freiheit, Demokratie und Frieden Der Aachener Oberbürgermeister Linden mit Karlspreisträger Clinton
2001 György Konrád Brückenbauer für Gerechtigkeit und Versöhnung in Europa György Konrád
2002 Der Euro Identifikation mit Europa Im Jahre 2002 wurde der Euro, die Währung der Europäischen Währungsunion, mit dem Internationalen Karlspreis zu Aachen ausgezeichnet, da er „wie kein anderer Integrationsschritt zuvor die Identifikation mit Europa befördert und damit einen entscheidenden, epochemachenden Beitrag zum Zusammenwachsen der Völkerfamilie leistet“. Angenommen wurde der Preis von Wim Duisenberg, dem damaligen Präsidenten der Europäischen Zentralbank. Eurozeichen
2003 Valéry Giscard d’Estaing Verfassung für ein Vereintes Europa Giscard d'Estaing erhielt den Preis für seine Verdienste um den Entwurf einer Europäischen Verfassung, die er als Präsident des Europäischen Konvents mit ausarbeitete. Valéry Giscard d’Estaing, 1978
2004 Johannes Paul II. Außerordentlicher Karlspreis Aachen. Papst Johannes Paul II. Europa des Friedens Am 24. März 2004 wurde in Rom der Außerordentliche Internationale Karlspreis zu Aachen an Papst Johannes Paul II. in Würdigung seines Wirkens für die Einheit Europas, die Wahrung seiner Werte und die Botschaft des Friedens verliehen. Johannes Paul II.
2004 Pat Cox Erweiterung und Demokratisierung der Europäischen Union Am 20. Mai 2004 wurde er in Aachen mit dem Karlspreis ausgezeichnet. Das Karlspreis-Direktorium würdigt damit seine Verdienste um die EU-Erweiterung und Demokratisierung der Europäischen Union. Pat Cox (Aufnahme von 2009)
2005 Carlo Azeglio Ciampi Europa der Werte Der Italiener wird für seine Verdienste um Europa ausgezeichnet. Ciampi hat den Preis am 5. Mai im Krönungssaal des Aachener Rathauses entgegengenommen. Carlo Azeglio Ciampi
2006 Jean-Claude Juncker Motor für Europa Mit Glaubwürdigkeit, Kompetenz und Leidenschaft sei er Motor und Vordenker des Integrationsprozesses, begründete das Karlspreis-Direktorium die Wahl. Jean-Claude Juncker einen Tag vor der Preisverleihung bei einer Rede in Aachen
2007 Javier Solana Frieden in Europa – Frieden in der Welt Solana erhielt am 17. Mai 2007 für „herausragendes Engagement für einen substanziellen Beitrag Europas zu einer sicheren und gerechteren Welt“ den Karlspreis. Jean-Claude Trichet und Javier Solana (rechts)
2008 Angela Merkel Europa gelingt gemeinsam Der deutschen Bundeskanzlerin wurde am 1. Mai 2008 der Preis „für ihre Verdienste um die Weiterentwicklung der Europäischen Union“ verliehen. Nicolas Sarkozy, der Präsident Frankreichs und zukünftige EU-Vorsitzende, hielt die Laudatio zu Ehren Angela Merkels, er würdigte das Verhältnis der Franzosen zu Deutschland und Europa.[18] Oberbürgermeister Linden (rechts) mit Angela Merkel
2009 Andrea Riccardi Frieden, Solidarität und Menschenwürde Gründer der Gemeinschaft Sant’Egidio. Das Direktorium für den Karlspreis würdigte neben den zahlreichen Verdiensten insbesondere das herausragende Beispiel zivilgesellschaftlichen Engagements für ein menschliches und – innerhalb wie außerhalb seiner Grenzen – solidarisches Europa, für die Verständigung von Völkern, Kulturen und Religionen und für eine friedlichere und gerechtere Welt.[19] Andrea Riccardi einen Tag vor der Preisverleihung
2010 Donald Tusk[20] Überzeugender und überzeugter Europäer Der polnische Ministerpräsident wurde am 13. Mai 2010 unter anderem für „den besonderen Einsatz […] für die Ratifizierung des Lissaboner Vertrags durch die Republik Polen“ geehrt.[21] Die deutsche Bundeskanzlerin und frühere Preisträgerin Angela Merkel würdigte Tusk in ihrer Laudatio als großen Europäer.[22] Donald Tusk
2011 Jean-Claude Trichet[23] Stabilität und Vertrauen für Europa Verdienste um die Stabilisierung des Euroraums in der Finanzkrise Jean-Claude Trichet
2012 Wolfgang Schäuble Für die Einheit Europas Für seine „herausragenden Verdienste um die Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas und seiner Rolle als Ideengeber und wichtiger Akteur bei nahezu allen Integrationsfortschritten in den vergangenen drei Jahrzehnten und in Anerkennung seiner bedeutenden Beiträge zur Stabilisierung der Währungsunion und zur Vertiefung des Einigungsprozesses“.[24] Wolfgang Schäuble
2013 Dalia Grybauskaitė Aufbruch im Nordosten Europas Für „[...] eine der herausragenden Persönlichkeiten der baltischen Region in Würdigung ihrer bedeutenden Verdienste um eine vertiefte Integration der Europäischen Union und die Bewältigung der aktuellen Krise.“[25] Dalia Grybauskaitė
2014 Herman Van Rompuy „In Würdigung seiner bedeutenden Verdienste als Mittler und Konsensbildner und zugleich als wichtiger Impulsgeber der europäischen Einigung.“... „Pragmatisch und handlungsstark, mit großer Integrität und Integrationskraft leistet er durch die Ausfüllung dieses neu geschaffenen Amtes (gemeint ist Präsident des Europäischen Rates) einen maßgeblichen Beitrag zur Konsolidierung und Weiterentwicklung des Vereinten Europas.“ [26] Herman Van Rompuy (2012)

Außerordentlicher Preisträger[Bearbeiten]

Am 24. März 2004 wurde zum bisher einzigen Mal ein außerordentlicher Karlspreis an Papst Johannes Paul II. verliehen (siehe oben).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Franco Bettin (Hrsg.): 50 Jahre internationaler Karlspreis zu Aachen. Monschau 2000
  • Harald Kästner (Hrsg.): Die Karlspreisträger und ihre europäischen Reden. Bonn 1983
  • Heinz Kundolf: Die Gedenk-Medaillen auf den Internationalen Karlspreis zu Aachen, Jahresgabe der Aachener Münzfreunde. Aachen 1996
  • Helmut Reuther (Hrsg.): Der internationale Karlspreis zu Aachen. Zeugnis europäischer Geschichte. Symbol europäischer Einigung. Bonn 1993
  • Sabine Schulz: Der Aachener Karlspreis. Aachen 1988

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Karlspreis – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karl der Große und der Internationale Karlspreis. Stiftung Internationaler Karlspreis zu Aachen, abgerufen am 11. Mai 2013.
  2. Internationaler Karlspreis zu Aachen 2013
  3. Karlspreis Rahmenprogramm
  4. Meike Thüllen macht Dampf in Sachen Karlspreis-Akten, in: Aachener Nachrichten vom 26. Mai 2010
  5. Vortrag von Kurt Pfeiffer gehalten am 19. Dezember 1949 in der Corona Legentium Aquensis##, Aachen
  6. Jugendprojekte: Jetzt bewerben für den Europäischen Jugend-Karlspreis. Website des Europaparlaments, 17. November 2008
  7. Aachener Nachrichten vom 11. April 2013: Erster Eurolog im Schloss Zweibrüggen: Keine Loblieder für die EU.
  8. Zeitung für Aachen, Meldung vom 16. April 2007.
  9. Rodney Atkinson: Responses: The Totalitarian Founders of the E.U. In: Chronicles, A Magazine of American Culture, 18. März 2008 (englisch).
  10. Blair’s Charlemagne Prize created by Nazis., In: home.freeuk.net, 11. Dezember 2003 (englisch).
  11. 25. Dezember 2009 – Vor 60 Jahren: Internationaler Karlspreis zu Aachen gestiftet. Die abendländische Kultur retten. In: WDR.de, 25. September 2009.
  12.  Kron’ und Ehre. In: Der Spiegel. Nr. 13, 1987, S. 125–127 (online).
  13. Erklärung des Rates der Stadt Aachen und der Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen e. V. im Jahre 1990. In: karlspreis.de, 14. November 1990.
  14. [Paul Henri Spaak, Karlspreisträger 1957, in seine Dankesrede 1957]
  15. Die europapolitische Wirkung des Karlspreises
  16. Aus der Rede des damaligen Aachener Oberbürgermeister Kurt Malangre bei der Verleihung [1].
  17. Der Spiegel, 13/1987 [2]..
  18. Rede des Präsidenten der Französischen Republik Nicolas Sarkozy im deutschen Text bei www.karlspreis.de und als Video bei www.elysee.fr (FLV; 213 MB) am 1. Mai 2008
  19. http://www.karlspreis.de/preistraeger/2009/begruendung.html
  20. Karlspreis 2010 für polnischen Premier Tusk. In: AZ-Web.de, 16. Januar 2010
  21. aachen.de: Rahmenprogramm 2010 (PDF; 1,9 MB)
  22. vgl. Aachener Karlspreis für Donald Tusk bei dw-world.de, 13. Mai 2010 (aufgerufen am 13. Mai 2010)
  23. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Aachener Karlspreis 2011 geht an Trichet, 4. Dezember 2010.
  24. Begründung bei karlspreis.de, abgerufen am 10. Dezember 2011.
  25. Begründung bei karlspreis.de (abgerufen am 9. Mai 2013).
  26. Begründung bei karlspreis.de (abgerufen am 24. März 2014).