Judit Polgár

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Judit Polgar.jpg
Judit Polgár, Mainz 2008
Name Judit Polgár
Schreibweisen Judit Polgar (FIDE)
Land UngarnUngarn Ungarn
Geboren 23. Juli 1976
Budapest, Ungarn
Titel Internationaler Meister (1988)
Großmeister (1992)
Aktuelle Elo-Zahl 2675 (Oktober 2014)
Beste Elo-Zahl 2735 (Juli 2005)
Karteikarte bei der FIDE (englisch)

Judit Polgár [ˈjudit ˈpolgaːr] (* 23. Juli 1976 in Budapest) ist eine ungarische Schachspielerin, die 2014 ihren Rückzug aus dem Spitzenschach verkündete.

Leben[Bearbeiten]

Sie wurde schon sehr früh von ihrem Vater László Polgár gefördert und schachlich trainiert. 1988 und 1990 gewann sie, jeweils als einziges Mädchen im Teilnehmerfeld, die Juniorenweltmeisterschaft in den Altersklassen U12 und U14 (1990 in Fond du Lac vor Jemelin)[1]. Anfang 1992 verlieh ihr die FIDE den Titel eines Großmeisters der Männer. Die letzte dazu erforderliche Norm hatte sie im Alter von 15 Jahren und 4 Monaten erzielt. Sie verbesserte damit den Rekord von Bobby Fischer um einen Monat.[2]

Judit Polgár (links im Bild) und Zsófia Polgár auf der Schacholympiade 1988 in Thessaloniki / Griechenland

Judit Polgár gewann mit ihren Schwestern und Ildikó Mádl zweimal Mannschafts-Gold bei der Schacholympiade der Frauen – in Thessaloniki 1988 und in Novi Sad 1990, jeweils vor der Sowjetunion. In der Einzelwertung erhielt sie ebenfalls zweimal Gold.[3] 1988 hatte die 12-jährige Judit den maßgeblichen Anteil mit 12,5 Punkten aus 13 Partien.[4] Neben der Teilnahme an den Schacholympiaden der Frauen hat sie nur einmal bei einem weiteren Frauenturnier gespielt: Mit zehn Jahren gewann sie die Bronzemedaille bei der U-16 Mädchenweltmeisterschaft im Jahre 1986 in Río Gallegos.[5]

Im Gegensatz zu ihren Schwestern Zsuzsa und Zsófia nimmt sie seitdem nicht mehr an Frauenturnieren teil, sondern spielt – als erste Frau überhaupt – faktisch ausschließlich gegen Männer.

1994 wurde sie erstmals zum Weltklasseturnier von Linares eingeladen. Seit der Schacholympiade 1994 in Moskau war sie bei sechs Schacholympiaden Mitglied der ungarischen Nationalmannschaft der Herren. 2002 in Bled errang sie mit ihrem Team eine Silber- und in der Einzelwertung eine Bronzemedaille.[6] In der ungarischen Mannschaftsmeisterschaft spielt sie für Aquaprofit Nagykanizsai Tungsram Sakk-Klub Budapest.

Bereits 1993 schlug sie Exweltmeister Anatoli Karpow in einer Schnellpartie, 2002 gelang ihr dies erstmals auch gegen Garri Kasparow. Der Weltklassespieler Nigel Short, der bereits mehrmals gegen sie verlor, sagte über Polgár: „Sie ist ein Killer und riecht das Matt schon 20 Züge im Voraus“.

Bei der Schachweltmeisterschaft der FIDE 1999 in Las Vegas gelangte sie bis ins Viertelfinale und verlor dort gegen den späteren Sieger Alexander Chalifman. 2001 kam sie bei der Europameisterschaft in Ohrid auf den geteilten dritten Platz, schied allerdings bei der Weltmeisterschaft in Moskau bereits in der zweiten Runde gegen Vadim Milov aus.

Nach einer Babypause nahm sie 2005 am achtköpfigen Finalturnier der FIDE-WM in San Luis teil. Als erste Frau der Geschichte spielte sie damit direkt in einem Bewerb um den Schachweltmeistertitel der FIDE. Sie belegte mit 4,5 von 14 Punkten den letzten Platz, es gelang ihr jedoch ein Sieg über den amtierenden Titelträger Rustam Kasimjanov.

Im Oktober 2006 kam sie beim Großmeisterturnier in Hoogeveen mit 4,5 Punkten aus 6 Partien auf den geteilten ersten Platz mit Şəhriyar Məmmədyarov, und ließ dabei Vizeweltmeister Wesselin Topalow, den sie in zwei Partien besiegte, hinter sich.

Beim Kandidatenturnier 2007 scheiterte sie in der ersten Runde mit 2,5:3,5 an Jewgeni Barejew.

Anfang 2003 überschritt ihre Elo-Zahl erstmals die 2700er-Marke, ab der man als Super-Großmeister gilt.

Judit Polgár gewann in November 2010 das Schnellschachturnier Ajedrez UNAM Quadrangular 2010 Final in Mexiko-Stadt. Nach der ersten verlorenen Partie schlug sie Wassyl Iwantschuk 2,5:1,5 und im Finale besiegte sie Wesselin Topalow überlegen 3,5:0.5.[7]

Im April 2011 errang Judit Polgar als erste Frau in der Schachgeschichte eine Medaille bei einer offiziellen offenen Meisterschaft. Sie gewann bei der Schach-Europameisterschaft im französischen Aix-les-Bains die Bronzemedaille und erreichte dabei wie der russische Europameister Wladimir Potkin 8,5 Punkte aus 11 Partien.[8] Aktuell (Februar 2013) beträgt ihre Elo-Zahl 2696, damit liegt sie auf Platz 55 der allgemeinen FIDE-Weltrangliste und führt mit über 100 Punkten Vorsprung die der Frauen an.

Am 13. August 2014 gab sie in der Londoner Zeitung The Times ihren Rückzug aus dem Spitzenschach bekannt.[9]

Sie ist mit dem Tierarzt Gusztáv Font verheiratet und hat zwei Kinder.

Partiebeispiel[Bearbeiten]

Ivan Sokolov – Judit Polgár[10]
Hoogeveen 2006
Solid white.svg a b c d e f g h Solid white.svg
8 a8 b8 c8 d8 e8 f8 g8 h8 8
7 a7 b7 c7 d7 e7 f7 g7 h7 7
6 a6 b6 c6 d6 e6 f6 g6 h6 6
5 a5 b5 c5 d5 e5 f5 g5 h5 5
4 a4 b4 c4 d4 e4 f4 g4 h4 4
3 a3 b3 c3 d3 e3 f3 g3 h3 3
2 a2 b2 c2 d2 e2 f2 g2 h2 2
1 a1 b1 c1 d1 e1 f1 g1 h1 1
a b c d e f g h
Schwarz am Zug




Die Stellung von Weiß scheint uneinnehmbar, aber Polgár gewinnt durch eine schöne Kombination. Der weiße Läufer auf e4 ist zweimal angegriffen, aber keiner der beiden schwarzen Türme kann ihn nehmen: Der Turm e8 nicht wegen des Matts durch Df8 und der Turm g4 nicht, weil die schwarze Dame dann vom Bauern g3 geschlagen werden könnte. Polgár nahm den Läufer mit der Dame.

1. … Tg4xg3+!! 2. f2xg3 Dh4xe4

Polgár hat zwar die Qualität gegeben, aber Schwarz kontrolliert nun die weißen Felder am Königsflügel und der weiße König ist daher relativ schutzlos. Die Stellung ist für Sokolov verloren.
3. Td1-d2 De4-f3 4. Kg1-h2 Df3-h5+
Zeitgewinn.
5. Kh2-g1 Dh5-f3 6. Kg1-h2 Lc8-f5
Nach Le4 ist das Mattnetz eng geknüpft.
7. e3-e4 Lf5xe4 8. Te1xe4 Df3xe4 9. d4-d5 Sa5-c4

Sokolov gab auf.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tolle Erfolge bei Jugend-WM in USA. JugendSchach Ausgabe 6/1990, S. 19-23 (Bericht, Tabellen, Foto und Partien)
  2. Willy Iclicki: FIDE Golden book 1924-2002. Euroadria, Slovenia, 2002, S. 81
  3. WOMEN’S CHESS OLYMPIADS – Polgár, Judit (Hungary) auf Olimpbase (englisch)
  4. Olympiasieger mit nur zwölf Jahren. Schach-Echo-Verlag, JugendSchach Ausgabe Dezember/88, S. 13 bis 14 (Bericht, Partien und Bild der Polgar-Schwestern).
  5. Chessbase Megabase 2011
  6. MEN’S CHESS OLYMPIADS – Polgár, Judit (Hungary) auf Olimpbase (englisch)
  7. Ajedrez UNAM Quadrangular 2010 (Zugriff am 22. November 2010)
  8. Ergebnistabelle (pdf; 117 kB)
  9. Frederic Friedel: Judit Polgar to retire from competitive chess. ChessBase.com, 13. August 2014
  10. Die ganze Partie online [1]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Judit Polgár – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien