Wesselin Topalow
| Topalow 2012 in Wijk aan Zee | |
| Name | Wesselin Topalow |
| Schreibweisen | Veselin Topalov (FIDE)
Веселин Топалов (bulgarisch) |
| Land | |
| Geboren | 15. März 1975 Russe, Bulgarien |
| Titel | Internationaler Meister (1989) Großmeister (1992) |
| Aktuelle Elo-Zahl | 2793 (Mai 2013) |
| Beste Elo-Zahl | 2813 (Oktober 2006, Juli 2009) |
| Karteikarte bei der FIDE (englisch) | |
Wesselin Topalow (bulgarisch Веселин Топалов, wiss. Transliteration Veselin Topalov; * 15. März 1975 in Russe) ist ein bulgarischer Großmeister im Schach und war von Oktober 2005 bis Oktober 2006 FIDE-Weltmeister.
Inhaltsverzeichnis |
Leben und Karriere [Bearbeiten]
Jugend und Aufstieg [Bearbeiten]
Topalows Vater Alexander war Ökonom, seine Mutter Sneschina Ärztin. Im Alter von 7 Jahren erlernte Wesselin Topalow Schach und machte außergewöhnlich schnell Fortschritte. Sein erster Trainer war Dimitar Sinabow, ab 1987 dann Petko Tanassow.
1989 gewann Topalow die U14-Weltmeisterschaft in Aguadilla, Puerto Rico. 1992 wurde er Großmeister. Im November 1992 fuhr er mit seinem Manager Silvio Danailow nach Spanien und spielte dort zahlreiche Turniere, dabei legten sie über 25.000 Kilometer zurück.[1] Seit Mitte der 1990er-Jahre zählt er zu den Super-Großmeistern und ist dank seines kompromisslosen Kampfstils ein gern gesehener Teilnehmer bei den gegenwärtigen Top-Turnieren der Schachwelt. Seine längste Erfolgsserie hatte er im Jahre 1996, als er in Madrid (1.-2.), Amsterdam (1.-2.), León (1.-2.), Nowgorod (1.), Wien (1.-3.) und Dos Hermanas (1.-3.) siegte. 2002 gelangte er im Dortmunder Braingames-Kandidatenturnier in das Finalmatch, in dem er Péter Lékó mit 1,5:2,5 (+1, -2, =1) unterlag. Eine der meistkommentierten Partien überhaupt ist seine Annahme von Kasparovs Turmopfer 1999 in Wijk aan Zee.
Äußerst erfolgreich verlief für Topalow das Jahr 2005: im Januar belegte er in Wijk aan Zee den alleinigen 3. Platz, hinter Péter Lékó und Viswanathan Anand, und besiegte den amtierenden Weltmeister Wladimir Kramnik mit den schwarzen Steinen in 20 Zügen. Einen Monat später gelang ihm einer der größten Erfolge in seiner Karriere, als er das "Wimbledon" des Schachs, das Turnier in Linares, gewann (geteilt mit Garri Kasparow, den er in der letzten Runde schlug). Im Mai 2005 setzte er seine Siegesserie fort und gewann das M-Tel Masters in Sofia mit einem Punkt Vorsprung auf Viswanathan Anand. Ihm gelang hier zum zweiten Mal in diesem Jahr ein Sieg mit den schwarzen Steinen gegen Wladimir Kramnik.
Weltmeister der FIDE 2005 [Bearbeiten]
→ Hauptartikel: FIDE-Weltmeisterschaft 2005
Mit seinem Sieg beim WM-Turnier der FIDE im argentinischen San Luis 2005 erreichte er den bisherigen Höhepunkt seiner Karriere. Er zählte zu den Favoriten auf den Titel und gewann das Turnier in souveräner Manier. Durch seinen im ersten Durchgang des doppelrundigen Turniers erzielten Vorsprung (er gewann im ersten Durchgang 6 Partien und machte ein Remis) stand er bereits eine Runde vor Schluss als Sieger fest und wurde ohne Niederlage neuer FIDE-Weltmeister. Er wurde 2005 mit dem Schach-Oscar ausgezeichnet.
Vereinigungskampf 2006 [Bearbeiten]
Nach Beendigung des Turniers von San Luis ließ Topalow durch seinen Manager Danailow verlauten, dass er zu einem Wettkampf (allerdings nicht um den WM-Titel) gegen den klassischen Schachweltmeister, Wladimir Kramnik, bereit sei. Kramnik seinerseits bot Topalow einen Titelvereinigungskampf an. Dieser fand im September-Oktober 2006 in Elista statt. Nachdem es nach dem letzten regulären Spiel 6:6 unentschieden stand, konnte Kramnik sich in den anschließenden Schnellschach-Tiebreaks mit 2,5:1,5 durchsetzen und wurde damit unumstrittener Schachweltmeister.
Weitere Erfolge 2006-2008 [Bearbeiten]
Einen großen Erfolg konnte Topalow im Januar 2006 feiern, als er das Spitzenturnier Corus Wijk aan Zee zusammen mit Viswanathan Anand gewann. Im April gewann er in Bukarest einen Wettkampf gegen den Europameister Liviu-Dieter Nisipeanu mit 3:1, im Mai erneut das M-Tel Masters in Sofia. Nach einem schwachen Turnier in Hoogeveen, Ende des Jahres 2006, konnte er zu Beginn des Jahres 2007, gemeinsamen mit Lewon Aronjan und Teymur Rəcəbov, beim sehr stark besetzten Großmeister-Turnier in Wijk aan Zee den Sieg erringen. Im November 2007 gewann er ein doppelrundiges Turnier der Kategorie 19 (sechs Teilnehmer, Elo-Schnitt 2701) im spanischen Vitoria-Gasteiz. Mit 7 Punkten aus 10 Partien platzierte er sich nach einem Endspurt mit drei Siegen in den letzten drei Runden mit 1,5 Zählern vor Ruslan Ponomarjow. Im September 2008 gewann er in Bilbao das Final Chess Masters, ein doppelrundiges Turnier der Kategorie 21. Im Dezember gewann er das Turnier Pearl Spring in Nanjing mit 7 Punkten aus 10 Partien.
Kampf um den WM-Titel 2010 [Bearbeiten]
Im Kampf um den WM-Titel war Topalow als Sieger der FIDE-Weltmeisterschaft 2005 für das Kandidatenfinale qualifiziert. Dieses fand vom 16. bis zum 26. Februar 2009 in Sofia gegen Gata Kamsky statt. Topalow konnte es vorzeitig mit 4,5:2,5 (+3, -1, =3) Punkten für sich entscheiden.[2] Der WM-Kampf gegen den amtierenden Schachweltmeister Viswanathan Anand fand vom 24. April bis zum 13. Mai 2010 ebenfalls in Sofia statt, wo Topalow mit 5,5:6,5 unterlag.[3]
Im Kandidatenturnier 2011 zur WM 2012 schied er im Viertelfinale gegen Kamsky aus (1,5:2,5).
Elozahl [Bearbeiten]
Topalows aktuelle (September 2012) Elo-Zahl beträgt 2793, damit liegt er auf Position 12 der Weltrangliste des Weltschachverbands FIDE.[4]
Stil [Bearbeiten]
Topalow gilt als kompromissloser Kämpfer, der sich am Brett in einen „Fanatiker mit feurigen Augen“[5] verwandelt. Seine Stärke ist das Mittelspiel: Er ist ein guter Rechner und bevorzugt zweischneidige Stellungen, in denen er über die Initiative verfügt. In der Eröffnung spielt er bevorzugt aggressive Varianten, mit denen er Druck auf seine Gegner ausüben kann. Dabei profitiert er von seiner guten Vorbereitung, bei der er von seinem Sekundanten Iwan Tscheparinow unterstützt wird.
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| Stellung nach dem 11. Zug von Schwarz |
Bekannt ist Topalow auch für seine Qualitätsopfer. In der Defensive hat er dagegen Schwächen, außerdem unterlaufen ihm für einen Spieler seiner Klasse verhältnismäßig viele einfache Fehler. Ein Beispiel dafür ist die 10. Matchpartie gegen Kramnik 2006. In vielen Turnieren startet er schlecht, kommt dann aber noch in Fahrt und hat einen starken Schlussspurt.
Eine aufsehenerregende Neuerung, die charakteristisch für seinen dynamischen Stil ist, spielte er beim Corus-Schachturnier im Januar 2008 gegen Kramnik. In der nebenstehenden Theoriestellung, die zuvor bereits vielfach in der Großmeisterpraxis vorkam, war der Zug 12. Se5xd7 allgemein üblich. Kramnik wollte ihn bereits auf seinem Partieformular notieren, als Topalow nach seinem Springer griff. Dieser brachte jedoch das unerwartete Opfer 12. Se5xf7 !? und erhielt in der Folge einen starken Angriff gegen den schwarzen König. Obwohl die Korrektheit des Opfers noch nicht endgültig analytisch geklärt ist, konnte Kramnik am Brett die entstehenden Probleme nicht lösen und verlor die Partie nach 45 Zügen. Für die ersten 40 Züge benötigte Topalow lediglich eine Stunde Bedenkzeit, was für seine gute Vorbereitung spricht. Die Diagrammstellung war am 24. Januar 2008 auf der Titelseite der Frankfurter Allgemeinen Zeitung abgebildet.
Liste der Turnierergebnisse (ohne Schnellschach) [Bearbeiten]
| Turnier | Ort | Ergebnis/Punktezahl | Rang |
|---|---|---|---|
| 1989 | |||
| U14-Weltmeisterschaft | Aguadilla (Puerto Rico) | ? | 1. Platz |
| 1992 | |||
| Terrassa (Katalonien, Spanien) | 6,5/9 | 1. Platz | |
| 1993 | |||
| Madrid (Spanien) | 6,5/9 | 2. Platz | |
| 1994 | |||
| Las Palmas (Spanien) | 5,5/9 | 3. Platz | |
| 1995 | |||
| Polanica-Zdrój (Polen) | 7,5/11 | 1. Platz | |
| Elenite (Bulgarien) | 6/9 | 1. Platz | |
| Belgrad (Jugoslawien, heute Serbien) | 6/11 | 4. Platz | |
| 1996 | |||
| Amsterdam (Niederlande) | 6,5/9 | 1. Platz | |
| Dos Hermanas (Spanien) | 6/9 | 3. Platz | |
| Madrid | 6,5/9 | 1. Platz | |
| León (Spanien) | 3,5/6 | 1. Platz | |
| 1997 | |||
| Madrid | 6,5/9 | 1. Platz | |
| Dortmund | 5,5/9 | 3. Platz | |
| 2001 | |||
| Sarajevo (Bosnien-Herzegowina) | 6/9 | 2. Platz | |
| Dortmund | 6,5/10 | 2. Platz | |
| 2002 | |||
| Cannes (Frankreich) | 6/9 | 1. Platz | |
| 2003 | |||
| Leon | 4/8 | 2. Platz | |
| Benidorm (Spanien) | 7/10 | 1. Platz | |
| 2004 | |||
| FIDE Weltmeisterschaft | 11,5/16 | 3. Platz | |
| 2005 | |||
| Linares | 8/12 | 1. Platz | |
| Sofia (Bulgarien) | 6,5/10 | 1. Platz | |
| FIDE Weltmeisterschaft | San Luis (Argentinien) | 10/14 | 1. Platz (Topalow wird FIDE-Weltmeister) |
| 2006 | |||
| Corus-Schachturnier | Wijk aan Zee (Niederlande) | 9/13 | 1. Platz |
| Linares und Morelia (Mexiko) | 8/14 | 3. Platz | |
| M-Tel Masters | Sofia (Bulgarien) | 6,5/10 | 1. Platz |
| Weltmeisterschaftskampf gegen Wladimir Kramnik | Elista (Kalmückien, Russland) | 5/11 (+2, -3, =6) | 6-6 unentschieden, dabei ein kampfloser Gewinn, dann 2,5-1,5 im Schnellschach-Tiebreak für Kramnik |
| 10th Essent Hoogeveen | Niederlande | 2,5/6 (+2, -3, =1) | 3. Platz |
| 2007 | |||
| Corus-Schachturnier | Wijk aan Zee (Niederlande) | 8,5/13 | 1. Platz |
| M-Tel Masters | Sofia (Bulgarien) | 5,5/10 | 1. Platz |
| „Chess Champions League“-Turnier | Vitoria-Gasteiz (Spanien) | 7/10 | 1. Platz |
| 2008 | |||
| Corus-Schachturnier | Wijk aan Zee (Niederlande) | 6/13 | 9. Platz |
| M-Tel Masters | Sofia (Bulgarien) | 6,5/10 | 2. Platz |
| „Final Chess Masters“-Turnier | Bilbao (Spanien) | 6,5/10 | 1. Platz |
| Pearl Spring Chess Tournament | Nanjing (China) | 7/10 | 1. Platz |
| 2012 | |||
| 1. Turnier FIDE Grand Prix 2012–2013 | London (Großbritannien) | 7/11 | 1. Platz (geteilt mit Boris Gelfand und Şəhriyar Məmmədyarov) |
Partien [Bearbeiten]
- Kasparow – Topalow, Wijk aan Zee 1999
- Beim Corus-Schachturnier 2008 opferte Wesselin Topalow in der Moskauer Variante überraschend seinen Springer. Dieser Moment wurde am 24. Januar 2008 auf der Titelseite der Frankfurter Allgemeine Zeitung abgebildet.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Turnierseite Final Chess Masters Bilbao
- ↑ Topalov defeats Kamsky to win Match, Fide am 27. Februar 2009
- ↑ Presidential Board meeting 1st quarter 2009 Fide am 9. März 2009
- ↑ Die Spieler mit den aktuell 100 höchsten Elo-Bewertungen der FIDE
- ↑ Jewgeni Barejew und Ilja Lewitow: From London to Elista. New in Chess, Alkmaar 2007, S. 308
Weblinks [Bearbeiten]
- Wesselin Topalow beim Weltschachbund FIDE (englisch)
- FIDE 2005 World Championship Chess rounds
- Wesselin Topalows Schachpartien auf chessgames.com (englisch)
- Turnierseite des Halbfinalmatches Topalov - Kamsky, Februar 2009 in Sofia (englisch)
| Klassische Weltmeister seit 1886 |
Wilhelm Steinitz | Emanuel Lasker | José Raúl Capablanca | Alexander Aljechin | Max Euwe | Michail Botwinnik | Wassili Smyslow | Michail Tal | Tigran Petrosjan | Boris Spasski | Robert James Fischer | Anatoli Karpow | Garri Kasparow | Wladimir Kramnik | Viswanathan Anand |
|
|---|---|---|
| FIDE-Weltmeister 1993–2006 |
Anatoli Karpow | Alexander Chalifman | Viswanathan Anand | Ruslan Ponomarjow | Rustam Kasimjanov | Wesselin Topalow |
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Balinow | Boschkow | Chatalbashev | Deltschew | Dimitrow | Dontschew | Drentschew | Ermenkow | Genow | Ki. Georgiew | Kr. Georgiew | W. Georgiew | G. Grigorow | Inkjow | Iotow | Janew | Kolew | Lukow | Nikolow | Ninow | Padewski | Petkow | Petrow | Poptschew | Radulow | Rusew | L. Spassow | W. Spassow | Spiridonow | Stefanowa | Todorow | Topalow | Tscheparinow | Wasilew | Welikow
Verstorbene Großmeister
Bobozow | Kirow | Radulski | Tringow
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Topalow, Wesselin |
| ALTERNATIVNAMEN | Topalov, Veselin |
| KURZBESCHREIBUNG | bulgarischer Schachspieler |
| GEBURTSDATUM | 15. März 1975 |
| GEBURTSORT | Russe (Stadt) |