Lettische Nationale Streitkräfte

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Lettische Streitkräfte)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Flag of Latvia.svg Nationale Streitkräfte Lettlands
Nacionālie bruņotie spēki
Coat of Arms of Latvian National Armed Forces.svg
Führung
Oberbefehlshaber: Andris Bērziņš
Verteidigungsminister: Raimonds Vējonis
Militärischer Befehlshaber: Generalleutnant Raimonds Graube
Sitz des Hauptquartiers: Riga
Militärische Stärke
Aktive Soldaten: 5.000 (2011)[1]
Wehrpflicht: Ja
Wehrtauglichkeitsalter: 18 Jahre
Haushalt
Militärbudget: 289 Mio. $ (2011) [1]
Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 1,0 % (2011) [1]
Geschichte
Gründung: 24. Dezember 1994

Die Lettischen Nationalen Streitkräfte (lettisch Nacionālie bruņotie spēki, kurz NBS) sind die bewaffneten Streitkräfte der Republik Lettland. Sie unterstehen dem lettischen Verteidigungsministerium (lettisch Aizsardzības ministrija).

Geschichte[Bearbeiten]

Die Zeit zwischen 1918 und 1940[Bearbeiten]

Im Ersten Weltkrieg wurden im russischen Kaiserreich 1915 erstmals rein lettische Kampfverbände aufgestellt: die sogenannten Lettischen Schützen. Die meisten dieser Truppen gingen nach der Oktoberrevolution zu den Bolschewisten über und kämpften im Russischen Bürgerkrieg. Im Januar 1919 wurde aus den roten lettischen Schützen und der Internationalen Division die Sowjetlettische Armee gebildet. Nach dem Verlust des Staatsgebietes und dem Friede von Riga (1920) wurden die roten lettischen Verbände demobilisiert.

Die am 18. November 1918 ausgerufene Republik Lettland bildete mit deutscher, estnischer und alliierter Hilfe ebenfalls Kampftruppen, die am 10. Juli 1919 zur Armee Lettlands zusammengefasst wurden. Diese vom 11. Juli 1919 bis zum 29. Juni 1940 existierende Armee wurde offiziell als Lettische Streitkräfte (lettisch Latvijas Bruņotie spēki) bezeichnete. Im Herbst 1919 konnten sich diese Truppen gegen Freikorps unter Rüdiger v. der Goltz und Pawel Michailowitsch Bermondt-Awaloff sowie gegen die sowjetlettischen Kräfte durchsetzen. Der Befreiungskrieg endete am 11. August 1920. Während der Zeit der Unabhängigkeit hatte die Armee Lettlands einen Bestand von vier Divisionen. Das 1918 entstandene Ministerium für Sicherheit wurde 1922 in Kriegsministerium umbenannt.

Lettische SSR & 2. Weltkrieg[Bearbeiten]

Lettland wurde 1940 ohne Gegenwehr von der Sowjetunion besetzt und als Lettische Sozialistische Sowjetrepublik eingegliedert. Die lettische Armee wurde als 24. territoriales Korps in die Rote Armee eingegliedert. Im Deutsch-Sowjetischen Krieg bestanden zwei Divisionen der Roten Armee aus Letten: die 201. Schützendivision (später in 43. Gardedivision umbenannt) und die 308. Schützendivision.

Nach der deutschen Besetzung Lettlands wurden 1941 Ausländische Freiwillige der Waffen-SS aufgerufen, sich dem deutschen Kampf gegen die Sowjetunion anzuschließen. Später unterlagen alle lettischen Männer der Wehrpflicht und dienten in deutschen oder lettischen Verbänden. Der Sammelbegriff für alle im Rahmen der Waffen-SS, Polizei und Luftwaffe aufgestellten lettischen Verbände war Lettische Legion. Insgesamt standen ca. 160.000 Letten während des Krieges in deutschen Diensten.

Feldwebel der Ehrengarde (2014)

Die Zeit seit 1991[Bearbeiten]

Die insgesamt vergleichsweise noch kleinen Streitkräfte befinden sich seit der Unabhängigkeit Lettlands 1991 im Aufbau und werden seit 1999 gezielt umstrukturiert. Dies wurde durch den Beitritt Lettlands zur NATO im Jahre 2004 beschleunigt.

Im Jahr 1991 gewann Lettland seine Unabhängigkeit als demokratischer Staat zurück. Dänemark, Norwegen, die Vereinigten Staaten und Großbritannien halfen beim Aufbau der lettischen nationalen Streitkräfte, deren Strategie zunächst ganz auf die Landesverteidigung ausgerichtet war. Die allgemeine Wehrpflicht wurde 1992 eingeführt. Seit 1994 nahm das Land am NATO-Programm Partnerschaft für den Frieden teil. NAF Soldaten nehmen an internationalen Einsätzen seit 1996 teil. Im September 1998 bauten die russischen Truppen die Radarstation in Skrunda als ihre letzte Militäreinrichtung in Lettland ab. Seit 2004 ist Lettland NATO-Mitglied. 2005 wurden die letzten Wehrpflichtigen einberufen. Seit dem 1. Januar 2007 basiert die lettische Armee völlig auf Werkverträgen. Das Multinationale Korps Nord-Ost der NATO wurde durch die Eingliederung von Brigaden der drei baltischen Staaten verstärkt.[2]

Befehlshaber der Streitkräfte[Bearbeiten]

Folgende Personen waren im Laufe der Jahre die militärischen Oberbefehlshaber der Lettischen Streitkräfte:[3]

Name Dienstzeit Beginn Dienstzeit Ende
Dāvis Sīmansons 10. Juli 1919 16. Oktober 1919
Jānis Balodis 16. Oktober 1919 1. April 1921
Martin Peniķis 1. April 1921 23. Februar 1924
Pēteris Radziņš 23. Februar 1924 25. April 1928
Martin Peniķis 25. April 1928 14. November 1934
Krišjānis Berķis 14. November 1934 20. Juni 1940
Dainis Turlais 29. Januar 1992 25. Oktober 1994
Juris Dalbiņš 25. Oktober 1994 8. Juni 1998
Juris Eihmanis 25. Juni 1998 10. Dezember 1998
Raimonds Graube 1. Februar 1999 31. Januar 2003
Gaidis Andrejs Zeibots 1. Februar 2003 6. Juli 2006
Juris Maklakovs 6. Juli 2006 5. Juli 2010
Raimonds Graube seit 6. Juli 2010

Organisation[Bearbeiten]

Gliederung[Bearbeiten]

Die Lettischen Streitkräfte bestehen aus den Teilstreitkräften

An paramilitärischen Kräften gibt es außerdem die Grenzwache. Deren 3.500 Mitgliedern unterstehen dem Innenministerium.

Kooperationen mit Estland & Litauen[Bearbeiten]

Die Luftwaffe betreibt mit den baltischen Nachbarn das Luftraumüberwachungssystem BaltNet. Die Einrichtungen und Ressourcen der Seestreitkräfte Litauens, Lettlands und Estlands werden im Rahmen von BALTRON gemeinsam genutzt. BALTBAT ist die gemeinsame Infanterieabteilung der drei Länder, innerhalb der NATO Response Forces.

Ausrüstung und Mannschaftszahlen[Bearbeiten]

Ausrüstung[Bearbeiten]

Mannschaftszahlen[Bearbeiten]

  • Armee: 4.300
  • Marine: 930
  • Luftwaffe: 270
  • Nationalgarde: zehn Bataillone mit mehr als 11.000 Reservisten.

Teilnahme an internationalen Missionen[Bearbeiten]

Die Lettischen Nationalen Streitkräfte beteiligten sich bei folgenden Auslandseinsätzen:

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lettische Nationale Streitkräfte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Financial and Economic Data Relating to NATO Defence. Press Release PR/CP(2012)047. In: NATO Public Diplomacy Division. 13. April 2012, abgerufen am 14. März 2013 (PDF, 99kB).
  2. International Institute for Strategic Studies: The Military Balance, 2002.
  3. Latvijas armijas komandieri (lettisch)