Lettische Streitkräfte

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Lettische Streitkräfte (lett: Latvijas Bruņotie spēki) bezeichnete das Militär der Republik Lettland vom 11. Juli 1919 bis zum 29. Juni 1940. Daneben existierten teilweise gleichzeitig auch lettische Formationen anderer Staatsgebilde. Die heutige Armee führt die Bezeichnung Lettische Nationale Streitkräfte (Latvijas Nacionālie bruņotie spēki).

Geschichte[Bearbeiten]

Im Ersten Weltkrieg wurden im russischen Kaiserreich 1915 erstmals rein lettische Kampfverbände aufgestellt: die sogenannten Lettischen Schützen. Die meisten dieser Truppen gingen nach der Oktoberrevolution zu den Bolschewisten über und waren an verschiedenen Fronten im Bürgerkrieg eingesetzt. Im Januar 1919 wurde aus den roten lettischen Schützen und der sogenannten Internationalen Division die Sowjetlettische Armee gebildet. Nach dem Verlust des Staatsgebietes begann nach dem Frieden von Riga die Demobilisation der roten lettischen Verbände.

Die am 18. November 1918 ausgerufene Republik Lettland bildete mit deutscher, estnischer und alliierter Hilfe ebenfalls Kampftruppen, die am 10. Juli 1919 zur Armee Lettlands zusammengefasst wurden. Im Herbst 1919 konnten sich diese Truppen gegen Freikorps unter von der Goltz und Bermont-Avalov sowie die sowjetlettischen Kräfte durchsetzen. 1922 wurde das 1918 entstandene Ministerium für Sicherheit in Kriegsministerium umbenannt. Der Befreiungskrieg endete am 11. August 1920. Während der Zeit der Unabhängigkeit hatte die Armee Lettlands einen Bestand von vier Divisionen.

Lettland wurde 1940 ohne Gegenwehr von der Sowjetunion besetzt und als Lettische SSR eingegliedert. Die lettische Armee wurde als 24. territoriales Korps in die Rote Armee eingegliedert. Im Deutsch-Sowjetischen Krieg bestanden zwei Divisionen der Roten Armee aus Letten: die 201. Schützendivision (später in 43. Gardedivision umbenannt) und die 308. Schützendivision.

1941 wurden nach der deutschen Besetzung Lettlands, 1941 lettische Freiwillige aufgerufen, sich dem deutschen Kampf gegen die Sowjetunion anzuschließen. Später unterlagen alle lettischen Männer der Wehrpflicht und dienten in deutschen oder lettischen Verbänden. Der Sammelbegriff für alle im Rahmen der Waffen-SS, Polizei und Luftwaffe aufgestellten lettischen Verbände war Lettische Legion. Insgesamt standen ca. 160.000 Letten während des Krieges in deutschen Diensten.

Siehe auch: Lettische SS-Verbände, 15. Waffen-Grenadier-Division der SS (lettische Nr. 1) und 19. Waffen-Grenadier-Division der SS (lettische Nr. 2).

1991 gewann Lettland seine Unabhängigkeit als demokratischer Staat zurück. Dänemark, Norwegen, die Vereinigten Staaten und Großbritannien halfen beim Aufbau der lettischen nationalen Streitkräfte, deren Strategie zunächst ganz auf die Landesverteidigung ausgerichtet war. Die allgemeine Wehrpflicht führte Lettland 1992 ein. Seit 1994 nahm das Land am NATO-Programm Partnerschaft für den Frieden teil. NAF Soldaten nehmen an internationalen Einsätzen seit 1996 teil. Im September 1998 bauten die russischen Truppen ihre letzte Militäreinrichtung in Lettland, die Radarstation in Skrunda, ab. Seit 2004 ist Lettland NATO-Mitglied. 2005 fand die letzte Einberufung von Wehrpflichtigen statt. Seit dem 1. Januar 2007 basiert die lettische Armee völlig auf Werkverträgen. Das multinationale Korps Nordost der NATO wurde durch die Eingliederung von Brigaden der drei baltischen Staaten verstärkt und heißt jetzt "Baltic Corps".[1]

Quellen[Bearbeiten]

  1. International Institute for Strategic Studies: The Military Balance. 2002