Manfred Günther (Psychologe)

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Manfred Günther

Manfred Günther (* 1948 in Bochum) ist ein deutscher Schulpsychologe und Sozialarbeitswissenschaftler.

Leben und Leistungen[Bearbeiten]

Lernen

Manfred Günther stammt aus einer Bergleute-Familie im Ruhrgebiets und machte 1968 am Wittener Jungengymnasium Abitur. Nach dem Studium der Philosophie, Publizistik bei Kurt Koszyk und Psychologie in Bochum sowie mit Abschluss bei Klaus Holzkamp und Eva Jaeggi in Berlin ergänzte er ein Lehramtsstudium (Arbeitslehre/Wirtschaft) mit Abschluss an der PH Berlin. Berufsbegleitend eignete er sich zunächst VT und Self Management bei Frederick Kanfer an, studierte von 1984 bis 1987 Gesundheitswissenschaften mit Abschluss beim Team um Dieter Kleiber und ergänzte von 1999 bis 2001 eine Ausbildung zum Mediator.[1][2]

Günther lebt in Berlin-Lichterfelde und auf La Palma.

Berufspraxis

1977 wurde Manfred Günther therapeutischer Leiter in einem heilpädagogischen Heim der Diakonie. In den Jahren 1977-1980 errichtete Grundschulrektor Schroeder mit Günther in Lichterfelde eines der ersten Schulersatzprojekte West-Berlins. 1979 tauschte sich der Schulpsychologe mit Howard W. Polsky aus, entdeckte Sam Ferrainolas Glen Mills Schools nahe Philadelphia[3] und hospitierte 1980 in der Bridge Over Troubled Waters sowie in der Robert White School, Boston[4] Im Rahmen von Dienstreisen erkundete er weitere psychosoziale Projekte in verschiedenen Ländern.

Ab 1982 gestaltete Günther über 18 Jahre mit JOKER eine psychosoziale Konzept-Jugend(rechts)beratung mit Wohnprojekt für junge Volljährige im Zentrum West-Berlins.[5] 1986 prägte er den Begriff der Jugendhilfestation, gründete und leitete bis 1997 den Landesarbeitskreis Jugendberatung und Wohnen, um nach einer Weiterbildung zum KLR kurzzeitig Co-Chair des Leistungszentrums für Psychologische und Medizinische Dienste zu werden. Als Interessenvertreter von Heranwachsenden lieferte Manfred Günther 1989 einen Entwurf zum § 41 Sozialgesetzbuch VIII sowie 1994 weitere Positionen, die in das von Thomas Krüger politisch verantwortete Berliner Ausführungsgesetz zum KJHG eingingen. Er publizierte neben kleinen Monografien ca. 30 Zeitschriftenaufsätze, zahlreiche Buchrezensionen – zuletzt die fachöffentlich kontrovers diskutierte Polemik gegen Andreas Müllers "Schluss mit der Sozialromantik"[6] und auch die jährlich neue Liste 'Taschengeld für Kinder und Jugendliche'.[7][8][9] Medien wie der SFB, FaB 'Hallo Berlin', SAT1, N 24 'Deutschland akut!' und zuletzt das ZDF-Morgenmagazin[10] bezogen ihn ein zu Expertenauftritten.

Zum nebenberuflichen Engagement gehörten Vorträge, Coachings sowie Workshops - so für die BAG-Katholische Jugendsozialarbeit,[11] für das Bündnis Demokratie Jetzt, auf dem Deutschen Jugendhilfetag 2004 in Osnabrück, für die Friedrich-Ebert-Stiftung, für das Haus Schweinfurthstraße,[12] für die DPWV-Büroleiter der fünf neuen Bundesländer, das LISUM B.-B., für NeUhland, UnderstandingBus DVJJ und Tönstör[13] sowie von 2012-14 die Online-Beratung.

Das Kultusministerium Brandenburg beauftragte Manfred Günther mit der Entwicklung des Curriculums Zertifikatskurse Jugendsozialarbeit.[14]

Nach der Amoktat von Erfurt wechselte Günther wegen eines Expertisenauftrags der Ministerpräsidentenkonferenz[15] in das zwischen Bundesjustiz- und Innenministerium wirkende Deutsche Forum für Kriminalprävention, gewann Herbert Scheithauer für die Mitarbeit, war dort auch Redenschreiber von Rudolf Egg und Gesprächsleiter des Bundes-AK Jugendsozialarbeit – Polizei[16] sowie der Bund-Länder-AG Häusliche Gewalt und Schule.

Von 2007-2013 arbeitete Günther in Berlin als Notfallpsychologe[17] – zuständig für den Brennpunkt-Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg.

Manfred Günther ist weiterhin tätig als Autor, Coach und Dozent.

Lehrtätigkeit

Günther erhielt bislang etwa 50 Dozentenaufträge; seit 1975 war er regelmäßig Lehrbeauftragter an verschiedenen Fachhochschulen, Universitäten und Akademien freier Träger, darunter Pädagogische Hochschule Berlin, Technische Universität Berlin, von 1979-1995 Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik/Alice-Salomon-Hochschule Berlin, Burckhardthaus der Caritas, CJD-Akademie, von 1991-2013 in den Häusern 'Schweinfurthstraße' und 'Am Rupenhorn', Sozialpädagogisches Fortbildungswerk Brandenburg (heute fusioniert: SFBB im Jagdschloss Glienicke)[18] ; JAW-Referat Qualifizierung; 1999-2002 Freie Universität Berlin, Akademie für Sozialberufe Berlin, Verwaltungsakademie Berlin, Humboldt Universität Berlin (Institut für Rehabilitationswissenschaften) und seit 2011 an der Hochschule Magdeburg-Stendal.

Zu seinen Themen gehören Handlungskompetenz, therapeutische Konzepte und -Techniken, Versorgungsstrukturen, Gewaltpräventions- und Kriseninterventionsmethoden sowie vor allem Berufspraxis bezogenes Jugendhilferecht.

Politik[Bearbeiten]

Manfred Günther hatte als 17-Jähriger 1966 den Kriegsdienst verweigert und war 1969 Gründungsmitglied des u.a. von Detlef Thierig organisierten „Republikanischen Clubs“ in seiner Heimatstadt Witten. Nach der Umsiedlung nach West-Berlin wurde er zunächst Mitglied der RotZeps; später wandte er sich aus Protest gegen den Putsch in Chile[19] dem Realsozialismus zu. Verantwortlich organisierte er in Folge die Kampagne gegen Regelanfrage und Berufsverbote im Lehrkörper der PH Berlin. Seine eurokommunistischen Positionen, auch Diskussionen mit Jan Vogeler und die Wolf Biermann-Ausbürgerung brachten ihn zur Oppositionsgruppe „Die Klarheit“. In Folge suchte er sich wie Annette Schwarzenau eine neue politische Heimat, wurde 1983 Mitglied der AL Berlins und gründete dort u.a. mit Jasenka Villbrandt den „Jugendhilfebereich“. Im Rahmen eines achtmonatigen Sonderurlaubs arbeitete er 1990 in einer Solidar-Brigade der ÖTV in Massaya/Nicaragua. Wegen zunehmender Differenzen mit Funktionsträgern der Bewegung Bündnis90/Die Grünen ist der Psychologe seit 2005 nicht mehr parteipolitisch unterwegs.

Mitgliedschaften

Schriften[Bearbeiten]

Aufsätze (Auswahl)

Erhebungen

  • (mit Kurt Kersten): Jugend in Wilmersdorf 1984. Eine empirische Studie zum Zeitbewußtsein, Freizeit- und Problemverhalten der Jugendlichen im Bezirk, BA Wilmersdorf v. Berlin, Abt. Jugend, 1985
  • Psychodiagnostik, ambulante Therapie und Unterbringung in heilpädagogischen oder klinischen Einrichtungen. Eine Untersuchung über Indikationsprobleme bei Jugendlichen mit psychischen Störungen in psychosozialen Diensten Berlin 1986
  • (mit Sebastian Braunert): Zur Situation der Erziehungs- und Familienberatungsstellen in Deutschland. Rahmenbedingungen, Prävention, Kooperation, Bonn 2005[21]

Monografien

Literatur (Rezensionen)

  • zum Buch Jugendliche im Berliner Psychodschungel siehe: Britta Grashorn Odysse für ‚Auffällige‘, in Blickpunkt 1/2 1989 oder Manfred Liebel in: sozial Extra, September 1989 oder Albrecht Müller-Schöll in: Sozialpädagogik H 5, 1988 sowie Ursula Lang in: Berliner Lehrerzeitung H. 10, 1988 und Ed Koch in: Paper Press v. 19. September 1988; weitere Rezensionen erschienen in: Soziale Arbeit (37. Jg.) April 4/ 1988 sowie in: FU-Info 6/ 1988
  • zum Aufsatz Alternative Konzepte für 'nichtbeschulbare' und delinquente Jugendliche in den USA siehe: Jasmin Mamier in: DJI (Hrsg.): Expertise Glen Mills, München 2002, S. 215 (PDF; 1,1 MB)
  • zur Broschüre Rechte junger Menschen siehe: Annebel Ugrinsky, in: Jugendhilfe 35 (1997) oder Paper Press vom 16. Juni 1997
  • zum Buch Fast alles was Jugendlichen Recht ist siehe: Bache, Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe / www.jugendhilfeportal.de
  • zum Aufsatz Primärprävention und Erziehungskompetenz siehe: Comenius-Institut, FIS www.fachportal-paedagogik.de
  • zum Aufsatz Beziehungen zwischen Jugendsozialarbeit und Polizei siehe DJI, FIS (2006/1) www.fachportal-paedagogik.de/fis_bildung/suche/fis_set.html?
  • zum Lexikon Wörterbuch Jugend - Alter siehe: Peter F. Appenheimer Erziehung zur Demokratie ist Gewaltprävention in: Forum Kriminalprävention 1/ 2011 oder Buch-Tipp des Monats in: Jugendhilfe H. 6/ 2010 sowie Dorothea Dohms in: 'Socialnet' Rezensionen, 15. April 2011[22]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Manfred Günther – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ausbildung bei Mechthild Eisfeld im Freiburger Projekt Mediation
  2. Günther im Berliner Bündnis für außergerichtliche Konfliktbeilegung
  3. vgl. dazu seinen Aufsatz Alternative Konzepte für 'nichtbeschulbare' und delinquente Jugendliche in den USA
  4. vgl. Günther, M. und Ulbrich, T.: Die Robert-White-School, in: Sozialpädagogik (23) 1981
  5. 'Die historischen Joker-Konzeptionen', abgerufen am 27. Februar 2011 (.pdf; 174 kB)
  6. Artikel in der Jugendhilfe Heft 6/ 2013, S. 470 ff
  7. Väterzeit.de: Wofür ist das Taschengeld? gesehen am 14. Februar 2012
  8. Berliner Morgenpost: Taschengeld … gesehen am 14. Februar 2012
  9. Psychologe.de postet Günthers Taschengeld-Empfehlungen auf Facebook
  10. Suche nach ZDF-Interview: Bar oder mit Karte (20. September 2012) in der ZDFmediathek, abgerufen am 31. Januar 2013 (offline)
  11. Vortrag zu "Vernetzung" in Bonn (PDF; 199 kB)
  12. Der Vortrag Das neue AG KJHG Berlin wurde wg. der Nachfrage 4-mal im Saal präsentiert
  13. Seite des preisgekrönten schweizer Projekts
  14. Curriculum 'Jugendsozialarbeit', gesehen auf manfred.guenther.de am 2. Juni 2010 (.pdf; 90 kB)
  15. zum MPK-Beschluss Ächtung von Gewalt und Stärkung der Erziehungskraft von Familie und Schule, Kurzfassung der Unterrichtung (.pdf; 63 kB) gesehen auf dji.de am 29. November 2011
  16. vgl. Bericht des Arbeitskreises 'Förderung von Vernetzung und Kooperation insbesondere durch Aus-, Fort- und Weiterbildung am Beispiel von Polizei und Jugendsozialarbeit in der Gewaltprävention', gesehen auf kriminalpraevention.de am 22. Mai 2010 (.pdf; 160 kB)
  17. Angst vor möglichem Amoklauf, gesehen auf welt.de am 12. Mai 2010
  18. SFBB-Jahresprogramm 2013 - S.168, 173, abgerufen am 14. Februar 2013
  19. vgl. Günther, M., Jahn, J. u. Karin Röhrbein: Chile – revolutionärer Prozess und Imperialismus; in: Konsequent 14, 1973
  20. Die Rolle und Wirkung des Sports in der Kinder- und Jugendgewaltprävention, abgerufen am 11. September 2010 auf kriminalpraevention.de (.pdf; 169 kB)
  21. Erhebung zur Situation der Erziehungs- und Familienberatungsstellen gesehen am 22. Mai 2010 auf kriminalpraevention.de (.pdf; 2,5 MB)
  22. Dohms rezensiert das Wörterbuch im 'Socialnet' (online) Datum des Zugriffs 9. Januar 2012