Marine der Volksrepublik China

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Flagge der Seestreitkräfte

Die Marine der Volksrepublik China (chinesisch 中國人民解放軍海軍 / 中国人民解放军海军Pinyin Zhōngguó Rénmín Jiěfàngjūn Hǎijūn, englisch People's Liberation Army Navy, abgek.: PLAN) ist Teil der chinesischen Volksbefreiungsarmee. Sie verfügt über 215.000 Mann und ist in drei Flotten gegliedert.

Die Bedeutung des Seehandels, der Seefahrt und der Seeverteidigung für China[Bearbeiten]

Chinas wichtigste Ölversorgungswege auf See (Quelle: DoD)

China besitzt wohl derzeit schon die zweitgrößte Kriegsmarine der Welt und den größten zivilen maritimen Sektor. 2006 erzeugten die maritimen Industrien des Landes geschätzte zehn Prozent seines Bruttoinlandprodukts (270 Mrd. US-Dollar), ein signifikanter Zuwachs im Vergleich zu 2005. Im Jahr 2020 könnte sich dieser Anteil auf eine Billion US-Dollar erhöhen. China hat 14.500 Kilometer Küsten, beansprucht vier Millionen Quadratkilometer Meeresfläche (zum Vergleich: Die Landesfläche beträgt knapp 9,6 Mio. km²)[1] und betreibt über 1400 Häfen. Nach Südkorea und Japan ist es die drittgrößte Schiffsbaunation und will bis 2015 die führende werden, nähert sich dabei auch qualitativ wichtigen Schiffbaunationen wie den USA und Russland an.[2] Nach einigen Statistiken hat China mehr Seefahrer, Tiefseeflotten und Hochseefischereischiffe als jedes andere Land. Sieben Meeresuniversitäten bzw. -fachschulen und 18 berufsbildende maritime Institute sorgen (Stand: 2006) für die Ausbildung der chinesischen Seeleute. „Diese seegestützte Wirtschaftsrevolution hängt zunehmend von der maritimen Sicherheit des Heimatlandes ab. China verfügt über fünf der zehn weltgrößten Häfen, gemessen am Umschlag; 2005 liefen Schiffe 1,5 Millionen Mal chinesische Häfen an.” (Andrew S. Erickson, a.a.O.) – Vgl. Wirtschaft der Volksrepublik China.

Zudem ist China abhängig von Importen auf dem Seeweg, insbesondere von den Öllieferungen, die zu 80 Prozent durch die Straße von Malakka kommen und erhebt Ansprüche auf das Ost- und Südchinesische Meer.[3]

Oberkommando[Bearbeiten]

Oberkommandierender ist derzeit (Stand: Anfang 2008) General Wu Shengli, der im August 2006 zum Nachfolger von Admiral Shi Yunsheng ernannt worden war. Ebenfalls 2006 war Shis Stellvertreter Wang Shouye wegen Korruptionsvorwürfen sowohl aus der PLAN als auch aus dem Nationalen Volkskongress der VR China ausgeschlossen worden.[4] – Im Herbst 2007 folgte ein umfangreiches Revirement in den Führungskadern der gesamten chinesischen Streitkräfte.[5][6]

Gliederung[Bearbeiten]

Die Nordflotte operiert im Gelben Meer. Ihr Hauptquartier befindet sich in Qingdao (der früheren deutschen Kolonie Tsingtau). Weitere wichtige Stützpunkte sind Xiaopingdao und Lüshunkou.

Die Ostflotte ist für das südliche Gelbe Meer und das Ostchinesische Meer zuständig. Das Hauptquartier ist Ningbo, weitere Stützpunkte sind Shanghai und Fujian.

Operationsgebiet der Südflotte ist das Südchinesische Meer. Ihre Zentrale befindet sich in Zhanjiang, große Stützpunkte bei Yulin (Sanya) auf der Insel Hainan und in Guangzhou. Bei der Südflotte handelt es sich um die bedeutendste der regionalen Gliederungen. Sie wird von einem Vizeadmiral geführt (im Gegensatz zu Konteradmirälen bei den beiden anderen Flotten). Zudem sind ihr die modernsten Schiffe zugeordnet.

Strategie und Operationsfähigkeit[Bearbeiten]

Die Marine der Volksbefreiungsarmee steht im Mittelpunkt der Modernisierungs-Anstrengungen: China braucht sie, um seinen Anspruch als Regionalmacht geltend zu machen - und mehr noch, um Taiwan drohen zu können. Die Seestreitkräfte entwickeln sich derzeit über den bisher an die Küstengewässer gebundenen Einsatzmöglichkeiten deutlich hinaus. Die Fähigkeit zu Hochsee-Operationen wächst. 2002 unternahm ein chinesischer Marineverband erstmals eine Fahrt um die ganze Welt. US-Verteidigungsexperten gehen davon aus, dass die PLAN derzeit für kurze Zeit Seegebiete in bis zu 400 Seemeilen Entfernung von der chinesischen Küste kontrollieren kann.

Seit 2008 ist Chinas Marine im Rahmen der multinationalen Pirateriebekämpfung permanent im Indischen Ozean mit min. einem und max. drei Schiffen, teilweise auch mit Spezialkräften an Bord präsent[7][8] und kooperiert in diesem Rahmen auch mit der NATO und den USA (Stand Februar 2013).[9][10] Mittlerweile hält Chinas Marine zur Vorbereitung auf weiter entfernte Operationen regelmäßig Manöver im westlichen Pazifik ab und unternimmt Hafenbesuche in Ländern wie Australien.[11][12] Zusammen mit dem deutlich aggressiveren Auftreten Ende 2012/Anfang 2013 im Konflikt um die Senkaku/Diaoyu-Inseln veranschaulicht dies einen Strategiewechsel Chinas hin zu dem Ziel, auf offener See und weiter entfernt von den eigenen Küsten militärische Überlegenheit herstellen oder eigene Interesse durchsetzen zu können.[13]

Die angestrebte Ausdehnung des Operationsraumes der PLAN nach Angaben des China Report 2006 des US-Verteidigungsministeriums

Für die Verteidigung gegen einen seeseitigen Angriff, auch während eines eigenen Vorgehens gegen Taiwan, spielt das Konzept der beiden Inselketten eine Rolle. US-Analysen zufolge will die Volksbefreiungsarmee innerhalb der zweiten Inselkette gegnerische Überwasserschiffe durch den Einsatz von konventionell bestücken Mittelstreckenraketen des Typs CSS-5 bekämpfen, wobei die geringe Größe der Ziele große Herausforderungen an die Zielerfassung und Steuerung der Raketen stellt. Innerhalb der ersten Inselkette sollen Seeminen, Marschflugkörper, Über- und Unterwasserschiffe eingesetzt werden.

Ausrüstung[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste von Schiffen der Marine der Volksrepublik China

Marineinfanteristen der Volksbefreiungsarmee (See)

Dem US-Verteidigungsministerium zufolge verfügt die Marine der Volksbefreiungsarmee 2010 über rund 75 größere Überwassereinheiten (davon 25 Zerstörer und 49 Fregatten), mehr als 60 U-Boote (54 diesel- und sechs nuklearbetriebene), 65 mittelgroße und schwere sowie rund 160 kleine Landungsschiffe, 65 Minenleger sowie rund 230 kleinere Küstenschutz- und Patrouillenboote, davon rund 85 mit Raketen bewaffnet. Dazu kommen 160 Logistik- und Transportschiffe. Es existieren Strukturen, die eine Nutzung der zivilen Flotte für militärische Zwecke, insbesondere den Transport von Bodeneinheiten und Versorgungsgütern, ermöglichen.

Der Kauf neuer Zerstörer und konventionell angetriebener U-Boote sowie der schrittweise Ersatz der im Lande gebauten Zerstörer, Fregatten und Schnellboote ist geplant, wobei der Akzent auf eine starke Bewaffnung der Einheiten mit neuen Seeziel- und Marschflugkörpern gesetzt wird. Die großen Überwassereinheiten befinden sich im Vergleich zu U- und Schnellbooten in einem relativ langsam voranschreitenden Modernisierungsprogramm.

Die chinesischen Atom-U-Boote werden in Werften am Golf von Bohai gebaut, die konventionellen U-Boote in Wuhan und im kleinen Umfang in Shanghai. Überwassereinheiten werden vor allem in Dalian, Shanghai und Guangzhou gebaut. Die Produktionskapazitäten dieser Werften sind in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich gewachsen.

US-Einschätzungen zufolge erreichte der umfangreiche Marinestützpunkt Sanya auf der Insel Hainan, der zum Teil unterirdisch angelegt ist und U-Boote sowie Überwasserschiffe beherbergt im Verlauf des Jahres 2010 weitgehende Einsatzbereitschaft.

In der Gesamtzahl von 215.000 Angehörigen der Marine sind 40.000 Wehrpflichtige, 26.000 Mitglieder der Marinefliegereinheiten und 10.000 Marineinfanteristen enthalten.

Stationierung der chinesischen Marineverbände

Kriegsschiffe[Bearbeiten]

Flugzeugträger[Bearbeiten]

Die Volksrepublik China stellte 2012 ihren ersten Flugzeugträger in Dienst, arbeitet an einem zweiten und plant mindestens zwei weitere.[14]

1985 erwarb eine chinesische Firma den australischen Flugzeugträger Melbourne, der unter regem Interesse der chinesischen Marine abgewrackt wurde. 1998 erwarb China zwei und 2000 einen weiteren Flugzeugträger der ehemaligen Sowjetmarine. Diese drei Einheiten waren bzw. sind jedoch nicht gefechtsfähig und dienten bzw. dienen vermutlich der Entwicklung eigener Flugzeugträger. Hier ist insbesondere die 1998 gekaufte Warjag, ein nicht fertig gebauter Träger der Kusnezow-Klasse, hervorzuheben, an dem seit 2004 umfangreiche Instandsetzungsarbeiten in der Schiffswerft von Dalian durchgeführt worden sind. Die Verwendung des Schiffes war zu diesem Zeitpunkt unklar. In Frage kam neben einem regulären Flottenbetrieb auch die Rolle als Schulschiff oder schlicht als Studienobjekt.

In China wurde dem US-Verteidigungsministerium zufolge 2010 die Ausbildung von 50 Piloten für Starts und Landungen auf Flugzeugträgern begonnen, allerdings hatte China 2009 bereits Ausbildungshilfe von Brasilien auf dem Träger Sao Paulo erhalten.[15]

Im Januar 2011 wurde bestätigt, dass die Warjag tatsächlich der erste Flugzeugträger Chinas werden solle. Erneuert, aufgerüstet und fertiggestellt lief er am 10. August 2011 zu einer ersten Probefahrt aus.[16] Am 25. September 2012 wurde das Schiff unter dem Namen Liaoning offiziell in Dienst gestellt.[17] Auf Basis der mit der Liaoning gewonnenen Erfahrungen arbeitet China an selbstentwickelten/-gebauten Flugzeugträgern. Amerikanische und deutsche Schätzungen gehen davon aus, dass China vor 2020 zwei konventionell getriebene STOBAR-Flugzeugträger nach Vorbild der Liaoning und vor 2030 nukleargetriebene CATOBAR-Flugzeugträger in Dienst stellen könnte.[18][19] Anfang 2014 wurde offiziell bestätigt, dass China an einem zweiten Flugzeugträger arbeite und mindestens vier solcher Schiffe nutzen wolle.

Fregatten und Zerstörer[Bearbeiten]

Derzeit sollen sich noch 16 Zerstörer der Luda-Klasse (Typ 051) im Dienst befinden, die bis 1991 gebaut wurden. Seitdem folgten zwei Schiffe der Luhu- (Typ 052), eines der Luhai- (051B), zwei der Luyang-I- (052B) und zwei der Luyang-II-Klasse (052C).

Der 1994 in Dienst gestellte Zerstörer Harbin (DD 112), Type 052, (NATO Code: Luhu-Klasse)

Zwei von Russland erworbene Lenkwaffenzerstörer der Sowremenny-Klasse wurden 2004/05 in Dienst gestellt, zwei weitere mit noch einmal verbesserten Luftabwehr- und Marschflugkörpersystemen folgten 2006. 2005 wurde mit der Luzhou-Klasse (Typ 051C) die neueste größere Überwasser-Einheit in Dienst gestellt, von der derzeit zwei Schiffe im Einsatz sind. Dabei handelt es sich um einen Flugabwehr-Waffenträger, der Chinas Schwäche auf diesem Sektor ausgleichen soll. Sie sind mit der Marine-Variante des russischen SA-20 Gargoyle-Flugabwehrsystems und einem Tombstone-Radarsystem bestückt. In ähnliche Richtung deuten die beiden im Bau befindlichen eigenen Lenkwaffenzerstörer, wobei die Luyang I stark an das Sovremennyy-Vorbild angelehnt ist und vor allem SA-17-Grizzly-Flugabwehrraketen trägt und die Luyang II mit chinesischen Eigenproduktionen (HQ-9) ausgerüstet werden soll.

Die Fregatten-Flotte setzt sich aus älteren Schiffen der Jianghu-Klasse und einer Reihe neuerer Jiangwei-Fregatten zusammen. Die modernsten Einheiten sind vier Schiffe vom Typ Jiangwei I (Typ 053G H2G), zehn Jiangwei II (053H3), zwei Jiangkai I (054) und acht Jinagkai II (054A). Sie sind seit 2008 ausgerüstet mit dem Flugabwehr-System mittlerer Reichweite Hai Hong Qi-16 (HHQ-16), eine Weiterentwicklung der russischen Buk M1 (NATO-Code: SA-N-12 Grizzly).

Der Lenkwaffenzerstörer Shenzhen (DDG 167) der VBA beim Besuch des US-Marinestützpunktes Arpra auf Guam am 25. Oktober 2003.

Schnellboote[Bearbeiten]

Bei dem möglicherweise erstmals 2005 in Dienst gestellten Raketen-Schnellboot der Houbei-Klasse (Typ 022) handelt es sich um den weltweit ersten auf Kampfhandlungen ausgelegten Motorkatamaran. Die Bewaffnung besteht aus Seezielflugkörpern YJ-83 und einer AK-630-Flugabwehrkanone. Die Boote sollen eine Geschwindigkeit von bis zu 45 Knoten erreichen. Heute sollen sich bis zu 60 dieser Boote im Einsatz befinden. Vermutlich sind sie für küstennahe Einsätze vorgesehen. Zudem gibt es Berichte über Verhandlungen zum Kauf von bis zu 30 Raketen-Schnellbooten der Molnija-Klasse von Russland, die mit SS-N-22-Raketen bewaffnet sind.

Die chinesische Marine verfügt über eine große Vielfalt von Seeminen, jedoch über zahlreiche veraltete Modelle und über sehr begrenzte Möglichkeiten zur Verlegung aus der Luft. Die wenigen modernen Typen dieser Waffengattung sind vor allem zum Einsatz gegen U-Boote gedacht. 2005 und 2006 wurde jeweils das erste Boot zweier neuer Minensuchboot-Klassen, Wozang und Wochi, fertiggestellt. Inzwischen sollen bereits fünf Wochi-Boote an die Truppe übergeben worden sein.

Versorger[Bearbeiten]

Ende 2008 wurde das Lazarettschiff "Heping Fangzhou" der Anwei-Klasse mit 10.000 Tonnen Verdrängung in Dienst gestellt. Es soll neben seiner militärischen Funktion auch über erhöhte Kapazitäten für humanitäre Operationen verfügen.

2002 und 2003 hatte jeweils ein Versorgungsschiff der neuen Fuchi-Klasse seinen Stapellauf, die insbesondere für die Versorgung in großer Entfernung vom Heimatland gedacht sind. 2006 war das erste Schiff der kleineren Danjao-Klasse fertiggestellt, das vermutlich vor allem im Südchinesischen Meer operieren soll. Im Januar 2013 wurde ein Tanker der Qiandaohu-Klasse (Typ 903) in Dienst gestellt, der Kriegsschiffe weit entfernt von chinesischen Häfen versorgen kann.[20]

Seezielflugkörper[Bearbeiten]

Derzeit verfügt die chinesische Marine über zahlreiche verschiedene Typen von Seezielflugkörpern. Viele davon wurden importiert und sind inzwischen teilweise veraltet. Zu den neueren Importmodellen im chinesischen Arsenal zählen SS-N-27 und SS-N-22. Die Serienproduktion eigener Seezielflugkörper ist angelaufen. Eine dieser Eigenentwicklungen, eine C-802 beschädigte im Libanonkrieg 2006 eine israelische Korvette schwer. Weitere Bezeichnungen für chinesische Seezielflugkörper lauten YJ-62, YJ-82 (CSS-N-8) und YJ-83. Zu ihnen sind kaum Details bekannt. Die Entwicklung scheint sich auf das Modell YJ-62 zu konzentrieren. Dessen Reichweite wurde in der Variante YJ-62 für den Küstenseinsatz auf 150 Nautische Meilen erhöht.

Im Entwicklungsstadium befinden sich Steuersysteme und Gefechtsköpfe, die ballistische Raketen zum Einsatz gegen Schiffe befähigen sollen. Diese Flugkörper befinden sich allerdings nicht im Arsenal der Marine, sondern der strategischen Raketentruppe.

U-Boote[Bearbeiten]

Die U-Boot-Flotte befindet sich derzeit im Brennpunkt der Marinemodernisierung und besteht bereits zur Hälfte aus Booten moderner Bauart. Das letzte von neun Booten der Ming-Klasse (Typ 035) wurde 2002 an die Truppe übergeben. 13 dieselgetriebenen U-Boote der Song-Klasse (Typ 039) sollen derzeit im Dienst stehen. 2006 wurde die Produktion dieser Boote eingestellt. Ihre wichtigste Neuerung ist die Fähigkeit, im getauchten Zustand Marschflugkörper zur Bekämpfung von Seezielen abzufeuern. 2006 wurde das erste U-Boot der Yuan-Klasse (Typ 041) in Dienst gestellt; inzwischen sollen vier im Dienst sein. Das US-Verteidigungsministerium geht davon aus, dass der Bau von 15 weiteren Yuan-Booten geplant ist. Ebenfalls 2006 begann die Auslieferung eines neuen Typs von Atom-U-Booten der Shang-Klasse (Typ 093), der die alte Han-Klasse (noch vier im Dienst) ersetzen wird. Bis Ende 2007 waren zwei Shang-U-Boote im Einsatz. Nach US-Schätzungen wurden 2005 und 2006 Aufträge für den Bau von 17 U-Booten erteilt. Die neueren Boote sollen auf den Abschuss der Marschflugkörper Yj-82 und CH-SS-NX-13 in der Lage sein. Nach US-Erkenntnissen sind diese Lenkwaffen allerdings weiterhin in der Entwicklungsphase.

Nachdem in den 90er Jahren insgesamt vier U-Boote der russischen Kilo-Klasse erworben wurden, erfolgte 2002 eine Nachbestellung acht weiterer Boote. Alle Einheiten sind bis Ende 2006 ausgeliefert worden. Bis Ende 2007 sollen zehn Kilo-Boote einsatzbereit sein. Ihre Hauptwaffe ist der Seezielflugkörper SS-N-22. Die neueren Kilo-Boote sind mit SS-N-27 Sizzler ausgestattet.

Vom Typ 094 (Jin-Klasse) wurden bisher drei in Bau befindliche Boote sowie ein fertiges an Kaianlagen der Insel Hainan gesichtet. Es handelt sich um Atomwaffenträger mit zwölf JL-2 Submarine Launched Ballistic Missiles, die eine Reichweite von 7200 Kilometern erreichen. Sie dienen als Nachfolger der in der Praxiserprobung gescheiterten Xia-Klasse. Das erste Jin-Boot wurde vermutlich Ende 2007 in Dienst gestellt. Auch ein zweites soll inzwischen fertig sein. Ob es sich im aktiven Dienst befindet, ist fraglich.

Von 1981 bis 2006 hat die US-Marine durchschnittlich 2,4 Patrouillenfahrten chinesischer U-Boote pro Jahr registriert.

Landungsschiffe[Bearbeiten]

Besonders bedrohlich für Taiwan sind die rund 160 Landungsboote und 76 größeren Amphibienfahrzeuge. Westlichen Schätzungen zufolge kann diese Landungsflotte eine komplette Infanteriedivision auf Taiwan landen. Ende 2006 wurde das erste Groß-Landungsschiff vom "Typ 071" (Juzaho-Klasse) zu Wasser gelassen und befindet sich im Endausbau. Schätzungsweise kann dieser Schiffstyp bis zu 20.000 Tonnen Fracht oder 800 Soldaten und 50 Panzerfahrzeuge transportieren. Zudem sollen auf Deck bis zu sechs Hubschrauber und im Heck des Schiffs ein Luftkissen-Landungsboot untergebracht werden.

Marineflieger[Bearbeiten]

Die chinesischen Marineflieger verfügen britischen Schätzungen zufolge über 792 Kampfflugzeuge, darunter 346 Abfangjäger (vor allem Shenyang J-8 und Chengdu J-7), 296 Jagdbomber (vor allem Mikojan-Gurewitsch MiG-19/J-6 sowie 36 JH-7 und 24 Suchoi Su-30-Mkk2) und 130 strategische Bomber (H-5 und Xian H-6). Dazu kommen Hubschrauber, Aufklärungs-, Transport- und Tankflugzeuge. Jeder der drei Flottenbezirke verfügt über zwei Jägerdivisionen der Marineflieger.

China verhandelte mit der russischen Staatsfirma Rosoboronexport über den Kauf von bis zu 48 Suchoi Su-33, modernen Kampfflugzeugen, die von Russland auf Flugzeugträgern eingesetzt werden. Russland verkündete im März 2009, diesen Vertrag aus Sorge um chinesische Plagiate nicht zustandekommen zu lassen. Russland will im Jahre 2006 entdeckt haben, dass China die Su-27 für den Export nachbaue.[21] Die Marine der Volksrepublik benötigt diese Flugzeuge, für den 67.000 Bruttoregistertonnen schweren Flugzeugträger Liaoning und ihre selbstgebauten Flugzeugträger (s. Abschnitt Flugzeugträger).

Schwächen der chinesischen Marine[Bearbeiten]

Chinas Marine wird von allen Teilstreitkräften am stärksten durch die veraltete Kommunikationstechnik gehemmt und verfügt trotz aller Modernisierungsbemühungen bisher kaum über Abwehrwaffen gegen Marschflugkörper sowie nur über eingeschränkte U-Boot- und Flugabwehrfähigkeiten. Die Kommunikation soll durch den Einsatz eines französischen Kommunikationssystems verbessert werden, das dem Nato-System Link 11 ähnelt, aber vor 2010 kaum funktionsfähig war. Sowohl die Flotten Taiwans als auch die Japans sind ihr derzeit, jedenfalls in letzterem Fall, noch deutlich überlegen. Nach wie vor dominiert bei der Marine der Volksrepublik Quantität deutlich über Qualität und die wesentliche Herausforderung für die kommenden Jahre dürfte in der Änderung dieses Verhältnisses liegen.

Internationale Operationen[Bearbeiten]

Ebenso wie andere Staaten und Staatenbünde geht China seit Ende 2008 militärisch gegen die Piraterie vor der Küste Somalias vor. Dabei handelt es sich um die erste Kampfoperation der chinesischen Marine außerhalb der eigenen Küstengewässer seit dem 15. Jahrhundert. Beteiligt sind nach dem inzwischen dritten Austausch der teilnehmenden Schiffe die Fregatten "Zhoushan" und "Xuzhou" sowie das Versorgungsschiff "Qiandaohu" mit insgesamt rund 800 Mann Besatzung, darunter 70 Mann, die speziell für den Kampf gegen Piraten ausgebildet und ausgerüstet sind. Kommandeur des Verbands ist Konteradmiral Du Jingcheng. Der Verband soll in erster Linie dem Schutz chinesischer Schiffe sowie von Schiffen des UN-Welternährungsprogramms dienen und nur auf Anfrage die Einheiten anderer Staaten unterstützen. Er ist nicht in die "Task Force" integriert, in der die meisten anderen Nationen gegen die Piraten vorgehen.

Die Somalia-Operation wird ebenso wie die zunehmende Anzahl von Besuchen in fremden Häfen, vermehrten Manövern mit anderen Nationen und einer aggressiveren Patrouillentätigkeit (beispielsweise ein Zwischenfall mit der USNS Impeccable (T-AGOS-23) im Jahr 2009) als Zeichen dafür gesehen, dass die chinesische Regierung ihre Marine zunehmend als Akteur über weitere Entfernungen versteht.

Am 19. Oktober 2012 waren nach Angaben der amtlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua elf Schiffe, acht Flugzeuge und mehrere Hubschrauber während eines Manövers vor den Diaoyu-Inseln im Einsatz. Konkret handelte es sich dabei um die modernen Raketenzerstörer Shijiazhuang (Bugnummer 116, Type 051C Luzhou-Klasse), die Harbin (112, Type 052 Luhu-Klasse), die Fregatte Mianyang (528) (Jiangwei-Klasse) und die erst im Juni 2012 in Dienst gestellte Fregatte Jancheng (546) (Typ 054A, NATO-Codename: Jiangkai II) sowie das Nachschubschiff Hongzehu (881), und das U-Boot-Bergungsschiff Changxingdao (861). Hinzu kam ein neues U-Boot-Bergungsschiff mit der Nummer 864.[22]

Seit 2012 begann die chinesische Marine auf freundschaftlicher Basis mit Hafenbesuchen im Mittelmeer und im Atlantik. Ziel dieser Besuche sind engere Beziehungen zu den, von den Schiffen angelaufenen Staaten.[23] Da Chinas strategische und wirtschaftliche Interessen in der Arktis, im Nord- und im Südatlantik zunehmen, wird ein Ausbau der chinesischen Marinepräsenz im atlantischen Raum langfristig für vorstellbar gehalten.[24]

Literatur[Bearbeiten]

Zeitschriftenartikel[Bearbeiten]

  • Andrew S. Erickson: New U.S. Maritime Strategy: Initial Chinese Responses. In: China Security, Vol. 3, No. 4, Autumn 2007, S. 40–61 (World Security Institute) – Online: [1] (PDF, 410 kB)
  • Lijun Sheng: China's Rising Sea Power: The PLA Navy's Submarine Challenge (review). In: Contemporary Southeast Asia: A Journal of International and Strategic Affairs - Volume 28, Number 3, December 2006, S. 528–530 (Institute of Southeast Asian Studies) – Online-Bezug: [2]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Marine der Volksrepublik China – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Studien[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1.  Françoise Hauser,Volker Häring: China: Erkundungen im Reich der Mitte. Trescher Verlag, 2010, ISBN 978-3-89794-145-8, S. 20., eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  2. Gabe Collins, Andrew Erickson: U.S. Navy Take Notice: China is Becoming a World-Class Military Shipbuilder. The Diplomat Magazine, abgerufen am 1. Februar 2013.
  3. Hauke Friederichs, Steffen Richter: Das große Machtspiel auf dem Pazifik, Zeit online vom 12. August 2011, abgerufen am 12. August 2011.
  4. Former navy deputy commander stripped of NPC post (Xinhua, 29. Juni 2006)
  5. Fong Tak-ho: China reshuffle sends message to Taiwan (Asia Times Online, 2. Oktober 2007)
  6. Gang Chen u. a.: China's Politics in 2007: Power Consolidation, Personnel Change and Policy Reorientation (The University of Nottingham – China Policy Institute, 2. Januar 2008 – PDF, 25 S., 344 kB)
  7. Kamerling, Susanne; Van der Putten, Frans-Paul (2011), An Overseas Naval Presence without Overseas Bases: China’s Counter-piracy Operation in the Gulf of Aden, IN: Journal of Current Chinese Affairs, Vol. 40, Nr. 4, S. 119–146.
  8. Kostecka, Daniel J. (2012): Places and Bases: The Chinese Navy’s Emerging Support Network in the Indian Ocean, IN: Naval War College Review, Vol. 64, Nr. 1, S. 59–78.
  9. Defense News: Chinese, U.S. Ships Conduct Joint Anti-Piracy Drill. Abgerufen am 1. Februar 2013.
  10. MaritimeSecurity.Asia: NATO and China: Cooperation off the Horn of Africa. Abgerufen am 1. Februar 2013.
  11. Caroline Henshaw: Sydney Hosts Rare Chinese Naval Visit. The Wall Street Journal, abgerufen am 1. Februar 2013.
  12. Tang Danlu: Chinese navy depart for West Pacific training. Xinhua, abgerufen am 1. Februar 2013.
  13. The Economist: Dangerous shoals. Abgerufen am 1. Februar 2013.
  14. Kurzmeldung, sueddeutsche.de, 20. Januar 2014, abgerufen am 20. Januar 2014
  15. Russel Hsiao: PLAN Officers to Train on Brazilian Aircraft Carrier. Hg.: The Jamestown Foundation, 2009, Zugriff am 1. Februar 2013, (online)
  16. Erster chinesischer Flugzeugträger geht auf Probefahrt, FAZ online vom 10. August 2011, abgerufen am 12. August 2011.
  17. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatErster Flugzeugträger verstärkt Chinas Marine. Abgerufen am 25. September 2012.
  18. Li, Nan; Weuve, Christopher (2010): China´s Aircraft Carries Ambitions, IN: Naval War College Review, Vol. 63, Nr. 1, S. 13ff.
  19. Felix F. Seidler: Maritime Machtverschiebungen im Indo-Pazifischen Raum: Geopolitische und strategische Trends, S. 5. Institut für Sicherheitspolitik CAU Kiel, abgerufen am 1. Februar 2013 (PDF; 590 kB).
  20. David Axe: This Simple Ship Could Let the Chinese Navy Circle the Globe. Danger Room, abgerufen am 1. Februar 2013.
  21. o. V.: Russian-Chinese Su-33 fighter deal collapses, in: Defence Talk Online, 11. März 2009. Zugriff am 12. März 2009.
  22. http://www.berlinerumschau.com/news.php?id=65226&title=China+entsendet+erstmals+Kriegsschiffe+zu+Senkaku+%2F+Diaoyu-Inseln&storyid=1001350389814
  23. Chinese navy concludes visit to Morocco. China Daily, 14. April 2013, abgerufen am 14. April 2013.
  24. Felix F. Seidler: Will China’s Navy Soon Be Operating in the Atlantic? Center for International Maritime Security, 8. Februar 2013, abgerufen am 15. April 2013.