Naturpark

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Eingangs-Situation eines Naturparks

Ein Naturpark (Mehrzahl: Naturparks, Naturparke, in der Schweiz Naturpärke) ist ein geschützter, durch langfristiges Einwirken, Nutzen und Bewirtschaften entstandener Landschaftsraum. Diese wertvolle Kulturlandschaft soll in ihrer heutigen Form bewahrt und gleichzeitig touristisch vermarktet werden.

Naturparks unterliegen in den meisten Staaten einem gesetzlich reglementierten Gebietsschutz, der Teil des Naturschutzrechts ist.

Info-Punkt für Naturschutz und Umweltbildung
Alpensteinbock in einem französischen "parc naturel régional"

Internationale Naturparks[Bearbeiten]

Als erster internationaler Naturpark in Europa wurde im Jahr 1932 der heutige Pieniny-Nationalpark gemeinsam von Polen und der Slowakei gegründet.[1]

  • Europäische Naturparks: Staatenübergreifende Pläne und Aktionen werden unter Europarc verfolgt.
  • Protected Area Network of Parks (PANPark), Zertifizierungen durch das vom WWF initiierte Netzwerk welche auf eine Kombination von Wildniskonzept und touristischem Angebot ausgerichtet sind

Deutschland[Bearbeiten]

Der Naturpark gehört zu den Möglichkeiten des gebietsbezogenen Naturschutzes, den das Bundesnaturschutzgesetz heute (BNatSchG) bereitstellt. Der Naturschützer und Unternehmer Alfred Toepfer stellte am 6. Juni 1956 in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn auf der Jahresversammlung des Vereins Naturschutzpark das vom Verein gemeinsam mit der Zentralstelle für Naturschutz und Landschaftspflege und anderen Institutionen entwickelte Programm zur Einrichtung von (zunächst) 25 Naturparks in Westdeutschland vor (in Anwesenheit von Bundespräsident Theodor Heuss und von Bundesminister Heinrich Lübke). Fünf Prozent der Fläche der alten Bundesrepublik sollten so vor größeren Schädigungen bewahrt werden.

Definition von Naturparks in Deutschland[Bearbeiten]

Die Definition der Kategorie Naturpark erfolgt durch Bundesrecht (§ 27 BNatSchG). Einzelheiten, vor allem hinsichtlich der Ausweisung, Feststellung oder Anerkennung als Naturpark, variieren in den einzelnen Bundesländern nach Maßgabe des dortigen Naturschutzrechts. In § 27 BNatSchG wird festgelegt, dass Naturparks einheitlich zu entwickelnde und zu pflegende, großräumige Gebiete und auf überwiegender Fläche Landschafts- oder Naturschutzgebiete sind, eine große Arten- und Biotopenvielfalt und eine durch vielfältige Nutzungen geprägte Landschaft aufweisen.

In Naturparks wird eine dauerhaft umweltgerechte Landnutzung angestrebt, und sie sollen wegen ihrer landschaftlichen Voraussetzungen besonders für die Erholung und für nachhaltigen Tourismus geeignet sein.

Die zugrunde liegende Idee ist ein Schutz durch Nutzung, deshalb ist die Akzeptanz und die Beteiligung der Bevölkerung am Schutz der Kulturlandschaft und Natur sehr wichtig. Dabei sollen der Schutz der Natur und die Bedürfnisse von Erholungssuchenden so verknüpft werden, dass beide Seiten davon profitieren: nachhaltiger Tourismus mit Respekt vor dem Wert der Natur und Landschaft stehen im Vordergrund.

Grundsätzlich sind hier alle Handlungen, Eingriffe und Vorhaben verboten, die dem Schutzzweck zuwiderlaufen.

Naturparks sind bei der Bauleitplanung zu berücksichtigen und müssen in Bebauungsplänen dargestellt und beachtet werden. Man spricht hier von einer nachrichtlichen Übernahme. Sie sind verbindlich und können nicht etwa aufgrund eines übergeordneten Allgemeinwohls in der Abwägung überwunden werden.

Die Träger von Naturparks sind oftmals Vereine oder kommunale Zweckverbände.

Die deutschen Naturparks sind im Verband Deutscher Naturparke zusammengefasst.

In Deutschland bestehen 104 Naturparke[2], die etwa 25 % der Landesflächen einnehmen. Sie stellen einen wichtigen Baustein im Naturschutz dar und helfen, die landschaftlichen Schönheiten, Kulturlandschaften und seltenen Arten und Biotope zu erhalten und auch späteren Generationen zugänglich zu machen. Eine komplette Aufstellung der Gebiete mit Kurzbeschreibung findet sich in der Liste der Naturparks in Deutschland.

Jahr der Naturparke[Bearbeiten]

Das Jahr 2006 wurde anlässlich des 50. Jahrestages der Idee Naturpark zum Jahr der Naturparke erklärt. Bundespräsident Horst Köhler übernahm dafür die Schirmherrschaft. Das Jahr stand unter dem Motto Natürlich Naturparke.

Österreich[Bearbeiten]

Übersichtskarte der Österreichischen Naturparks

Derzeit gibt es in Österreich 48 Naturparks mit einer Gesamtfläche von rund 500.000 ha (Stand April 2010). Sie werden jährlich von annähernd 20 Millionen Interessierten besucht.[3] Das Prädikat Naturpark wird von den jeweiligen Landesregierungen verliehen. Um diese Auszeichnung zu erreichen, müssen die vier Säulen eines Naturparks erfüllt werden.

4-Säulen-Modell der Österreichischen Naturparke[Bearbeiten]

Die Österreichischen Naturparke haben vier Funktionen zu erfüllen – Schutz, Erholung, Bildung und Regionalentwicklung. Die Herausforderung – und gleichzeitig wichtig im Sinne von Unterscheidung zu anderen Regionen – ist, diese Funktionen gleichrangig miteinander zu entwickeln.

Schutz: Ziel ist, den Naturraum durch nachhaltige Nutzung in seiner Vielfalt und Schönheit zu sichern und die durch Jahrhunderte geprägte Kulturlandschaft zu erhalten durch:

  • Besucherlenkung
  • Naturkundliche Informationen
  • Sanfte Mobilität
  • Schutzgebietsmanagement
  • Forschungsprojekte
  • Vertragsnaturschutz

Erholung: Ziel ist, dem Schutzgebiet und dem Landschaftscharakter entsprechend attraktive und gepflegte Erholungseinrichtungen anzubieten durch:

  • Wanderwege
  • Rad- und Reitwege
  • Rast- und Ruheplätze
  • Naturnahe Erlebnisspielplätze
  • Familienfreundlichkeit und Barrierefreiheit
  • Gesunde Luft und Ruhe

Bildung: Ziel ist, durch interaktive Formen des Naturbegreifens und -erlebens Natur, Kultur und deren Zusammenhänge im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung erlebbar zu machen:

  • Themenwege
  • Erlebnisführungen
  • Informationszentren
  • Informationsmaterialien
  • Naturparkschulen
  • Naturpark-Kindergärten
  • Zielgruppenspezifische Angebote
  • Seminare, Kurse, Ausstellungen
  • Brauchtumspflege

Regionalentwicklung: Ziel ist, über den Naturpark Impulse für eine regionale Entwicklung zu setzen, um damit die Wertschöpfung zu erhöhen sowie die Lebensqualität der Bevölkerung zu sichern durch:

  • Zusammenarbeit Naturschutz, Landwirtschaft, Tourismus, Gewerbe und Kultur
  • Arbeitsplätze durch Naturparke
  • Sozial- und umweltverträglichen Tourismus
  • Naturparkprodukte nach definierten Kriterien
  • Naturpark-Gaststätten

4-Säulen-Modell der Österreichischen Naturparke

Verband der Naturparke Österreichs (VNÖ)[Bearbeiten]

1995 schlossen sich alle österreichischen Naturparke zum „Verband der Naturparke Österreichs (VNÖ)“ als gemeinsamer Interessensvertretung zusammen. Unter dem Dach dieses Verbandes entwickeln sich die Naturparke seither gemeinsam zu Modellregionen für nachhaltige Entwicklung. Die wichtigste Zielsetzung des Verbandes ist eine österreichweit koordinierte Weiterentwicklung der Naturparkidee.

Die wesentlichen Aufgaben des VNÖ:

  • Vertretung der Österreichischen Naturparke
  • Durchführung gemeinsamer Marketingaktivitäten
  • Einrichtung einer Informationsstelle für allgemeine Anfragen sowie für die Presse
  • Organisation unterschiedlichster Veranstaltungen
  • Durchführung von Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen
  • Durchführung von Beschäftigungsprojekten
  • Durchführung von Modellprojekten
  • Aufbau von Nationalen und internationalen Kooperationen

Liste der Naturparks in Österreich[Bearbeiten]

Der grenzüberschreitende Vorarlberger Naturpark Nagelfluhkette ist kein naturschutzrechtliches Instrument, sondern kommunale Selbstverpflichtung, und darum auch nicht Mitglied im VNÖ.

Schweiz: Regionale Naturpärke[Bearbeiten]

In der Schweiz ist die Errichtung von Regionalen Naturpärken durch das Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz (NHG) gesetzlich geregelt. Regionale Naturpärke sind eine von drei durch das NHG definierten Kategorien. Daneben sind Nationalpärke und Naturerlebnispärke vorgesehen. Diese beiden Parktypen sehen strenge Schutzzonen im Park vor, während derartige Kernzonen in Regionalen Naturpärken nicht existieren. Letztere fokussieren vielmehr auf die gleichwertige Förderung von Naturschutz und regionaler Wirtschaft. In der Verordnung über die Pärke von nationaler Bedeutung (Pärkeverordnung, PäV) des Bundes sind nähere Bestimmungen enthalten, so etwa in Art. 20: Zur Erhaltung und Aufwertung der Qualität von Natur und Landschaft sind im Regionalen Naturpark: […] d. bestehende Beeinträchtigungen des Landschafts- und Ortsbildes durch Bauten, Anlagen und Nutzungen bei sich bietender Gelegenheit zu vermindern oder zu beheben.

Da das NHG erst 2007 entsprechend revidiert wurde, gibt es in der Schweiz noch kaum Regionale Naturpärke. Betroffene Kantone können aufgrund ihrer Kantonshoheit eine Gesetzesänderung vornehmen, die die Bildung eines Naturparks erlaubt. Anschliessend kann die Gemeindeversammlung kraft ihrer Gemeindeautonomie über einen eventuellen Beitritt einer Gemeinde zu einem Parkverein und damit zu einem Naturpark abstimmen. In den Statuten der Parkvereine ist keine demokratische Mitbestimmung durch die Stimmbürger der Gemeinden vorgesehen. Die Mitgliedschaft im Parkverein ist frühestens nach zehn Jahren kündbar.

Seit August 2010 existierten drei Pärke mit dem Label „Regionaler Naturpark von nationaler Bedeutung“:[4]

Eine Reihe weiterer Projekte sind mit dem Label „Kandidatur“ ausgezeichnet und streben das Parklabel an. Eine Aufstellung der Gebiete mit Kurzbeschreibung findet sich im Artikel Park von nationaler Bedeutung.

Italien[Bearbeiten]

Südtirol hat sieben Naturparks und Anteil an einem Nationalpark

Frankreich[Bearbeiten]

Logo des Naturparks der Nordvogesen
Übersicht über die parcs naturels régional (in Grün)

In Frankreich heißen die Naturparks parc naturel régional. Im grenznahen Raum (zu Deutschland und der Schweiz), im Elsass und in Lothringen gibt es drei davon, zwei im Mittelgebirge der Vogesen: den Regionalen Naturpark Ballons des Vosges mit den Hochvogesen (Belchen) im Zentrum und in den Nordvogesen den Regionalen Naturpark Vosges du Nord, der an die deutsche Grenze reicht (Rheinland-Pfalz) und dort an den bis zur Geologie gleichgearteten deutschen Naturpark Pfälzerwald anschließt, mit dem er 1998 zu einem grenzüberschreitenden UNESCO-Biosphärenreservat Pfälzerwald-Vosges du Nord zusammengefasst wurde. Der dritte, der Regionale Naturpark Lothringen, liegt im Zentrum Lothringens, im Bereich der lothringischen Seen (pays des étangs) das zum Teil im Département Moselle im Bereich der traditionellen Lage der Sprachgrenze liegt.

Daneben finden sich französische Naturgebiete und Landschaften von europäischer Bedeutung in regionalen Naturparks wie die Camargue und die Alpilles in der Provence, den Lauf des Verdon in den provenzalischen Seealpen, die Vulkane der Auvergne und die Ardèche im Zentralmassiv, die korsische Hochgebirgswelt oder die Steilküsten, Wälder und Heiden im Landesinneren der westlichen Bretagne (Aremorika).

Siehe auch: Liste der regionalen Naturparks in Frankreich

Kroatien[Bearbeiten]

In Kroatien gibt es insgesamt acht Nationalparks und zehn Naturparks. Unter Naturparkschutz stehen die folgenden Gebiete:

Slowenien[Bearbeiten]

In Slowenien fasst man nach Gesetz zur Erhaltung der Natur 1999 unter dem Begriff ‚Naturpark‘ (slowenisch zavarovani park) „großflächige Schutzgebiete“ zusammen (Art. 67). Das umfasst 44 Gebiete:[6]

Spanien[Bearbeiten]

In Spanien werden Naturparks (Parque Natural, Parc Natural) durch die jeweilige Autonome Gemeinschaft festgelegt und verwaltet, z. B.:

Ungarn[Bearbeiten]

Es gab keine Qualifikation:

Weitere Länder[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Naturpark – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Naturparks – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nationalpark Pieniny abgerufen am 1. Juni 2010
  2. VDN - Verband Deutscher Naturparke e.V.. Abgerufen am 28. Juni 2014.
  3. Touristische Potenziale der Österreichischen Naturparks, 2009
  4. Website des Netzwerks Schweizer Pärke
  5. Website des Naturparks Thal
  6. Mladenka del Negro: Schutzgebiete in Slowenien – unter besonderer Berücksichtigung des Alpenraums. Österreichische Akademie der Wissenschaften, 2009; siehe sl:Seznam zavarovanih parkov v Sloveniji, slowen. Wikipedia