Ólafur Elíasson

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Olafur Eliasson)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ólafur Elíasson, Aufnahme aus dem Film The Future of Art (2010)
Dufttunnel, Wolfsburg 2000
Umschreibung, 2004, München
Glasfassade Bühnenfenster, 2005, München
The New York City Waterfalls, 2008
Yellow Fog, Wien 2008
Your natural yellow daylight, 2010, Düsseldorf, K 20
Your rainbow panorama auf dem Dach des ARoS Aarhus Kunstmuseum, Aarhus, Dänemark, 2011
Blick auf Aarhus aus Your rainbow panorama
Blick auf Aarhus aus Your rainbow panorama

Ólafur Elíasson (* 5. Februar 1967 in Kopenhagen)[1] ist ein dänischer Künstler isländischer Herkunft. Er lebt in Berlin und Kopenhagen. Er beschäftigt sich vornehmlich mit physikalischen Phänomenen in der Natur (wie Licht und Wasser, Bewegung und Reflexion).

Leben und Werk[Bearbeiten]

Ólafur Elíasson verbrachte seine Kindheit in Hafnarfjörður, Island. Er studierte von 1989 bis 1995 an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen. Schon während des Studiums lernte er in Köln die Galeristen Tim Neuger und Burkhard Riemschneider kennen und stellte bei ihnen in Berlin aus. 1994 zog er aufgrund dieser Kontakte nach Berlin.[2] Im Juli 2006 erhielt Elíasson einen Ruf der Universität der Künste (UdK) in Berlin, an der er im Jahr 2009 das Institut für Raumexperimente gründete.[3]

Er betreibt ein Studio in einem ehemaligen Berliner Fabrikgebäude auf dem Pfefferberg, wo etwa 40–50 Mitarbeiter seine Entwürfe umsetzen. Die Lehrveranstaltungen für die Universität der Künste führt er in seinen eigenen Räumen durch.[2]

Erste Werke von Ólafur Elíasson bestehen aus oszillierenden elektrischen Ventilatoren, die von der Decke hängen. Der Ventilator aus dem Jahr 1997 schwingt beispielsweise vor und zurück und dreht sich dabei um seine eigene Achse. Breitere Bekanntheit erreichte der Künstler mit einem ähnlichen Projekt im Jahr 1998, als er auf der Berlin Biennale 1998 einen Ventilator im Postfuhramt ausstellte.[4]

In dem Projekt Green River (1998 bis 2001) färbte er das Wasser von Flüssen an verschiedenen Orten der Welt mit einem ungiftigen Farbstoff ein. Die Reaktionen der vorher nicht informierten Öffentlichkeit wurden dabei Teil des Kunstwerks.

Im Rahmen des EXPO-Projekts Garten-Landschaft OWL schuf er einen Dufttunnel aus stark duftenden Pflanzenarten im Botanischen Garten Gütersloh.

2004 und 2005 schuf er Projekte in München. Für die neue Deutschland-Zentrale einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft entwarf er ein Auf und Ab zweier einander in Doppelhelix-Form umkreisender Treppen mit dem Titel Umschreibung. Im folgenden Jahr schuf er mit Unterstützung eines Glasherstellers eine Glasfassade für das Probengebäude der bayerischen Staatsoper mit dem Namen Bühnenfenster.[5] Auf 300 m² erlaubt sie sowohl Spiegelungen als auch Transparenz in Verbindung mit zwei gefärbten Schichten, sie schließt so den Marstallplatz im Süden ab und reflektiert die Aktivitäten auf dem Platz in der Höhe.[6]

Das Projekt light lab ist eine mehrteilige Lichtinstallation, die speziell für das Dach des Neuen Portikus in Frankfurt am Main konzipiert wurde. Im April 2006 wurde die erste Installation aus der Reihe präsentiert – ein Lichtbogen, der die Anmutung einer aufgehenden Sonne hatte.

Ólafur Elíasson hatte im Juni 2008 vier große künstliche Wasserfälle rund um die Südwestspitze Manhattans installiert (unter der Brooklyn Bridge, an der Stadtautobahn FDR Drive, einen hinter Lagerhallen an der Uferpromenade von Brooklyn und den vierten vor Governors Island). Geschätzte 13.100.000.000 Liter stürzten 110 Tage lang von 7 Uhr morgens bis 22 Uhr abends von Gerüsten in den East River. Der Energieverbrauch für den Wasserkreislauf soll durch Kredithandel mit Windenergie kompensiert worden sein. Das Projekt entstand in einer Kollaboration zwischen der Stadtverwaltung, dem Künstler und dem „Public Art Fund“.[7]

Yellow fog von Ólafur Elíasson ist eine Intervention im öffentlichen Raum, die im Oktober 2008 an der Fassade des Hauptgebäudes der Österreichischen Elektrizitätswirtschafts-AG in Wien auf Initiative der unternehmenseigenen Sammlung Verbund installiert wurde. Täglich zur Abenddämmerung wird die Fassade für eine Stunde in gelben Nebel getaucht. Dadurch soll der historische Platz Am Hof zu einer Bühne mitten in der Stadt werden, auf der ein Spiel aus Licht, Nebel und Wind entsteht. Durch den fließenden Übergang zwischen dem Gebäude, dem Gehsteig und dem Platz soll die Wahrnehmung des urbanen Raums verändert werden. Darüber hinaus thematisiert Yellow fog den Übergang vom Tag zur Nacht und macht auf die Veränderung des Tagesrhythmus aufmerksam. Ólafur Elíasson macht nicht nur den abstrakten Begriff des Raums, sondern auch die technischen Voraussetzungen der Intervention sichtbar. Dafür wurde ein 48 Meter langes Gitter entlang der Fassade in den Gehsteig eingelassen. Darunter sind die 32 Leuchtstoffröhren sichtbar, die das spezifische, vom Künstler genau abgestimmte gelbe Licht erzeugen.[8] Yellow fog wurde bereits zehn Jahre zuvor 1998 an der Fassade des Jewish Museum in New York für die temporäre Ausstellung Light x Eight: The Hanukkah Project installiert.

2011 wurde das Konzerthaus Harpa in Reykjavík eröffnet, dessen Fassade Ólafur Elíasson, inspiriert von den unterschiedlichen Lichtstimmungen seiner Heimatinsel, entworfen hatte. Sie besteht aus einer wabenartigen Struktur aus dichroitischem Glas, das je nach Wetter auf die wechselnden Tageslichtfarben reagiert.

Im Mai 2012 wurde er als neues Mitglied in die Akademie der Künste in Berlin berufen, deren Wahl er annahm. Schon zur Eröffnungsausstellung des Neubaus der Akademie am Pariser Platz im Jahr 2005 hatte er eine Lichtinstallation ausgestellt. Eine aktive Mitgliedschaft setzt voraus, dass Künstler aktiv an den Aufgaben der Akademie mitwirken, sodass Ólafur Elíasson zukünftig weitere Präsenz in der Akademie zeigen wird.[9]

Im Mai 2013 wurde der Neubau des Lenbachhauses in München eröffnet, in dessen Eingangsbereich eine Lichtskulptur „Wirbelwerk“ des Künstlers von der Decke hängt.

Im Sommer 2013 brachte Elíasson ein Stück des Vatnajökull-Gletschers zur Ausstellung EXPO 1: New York am MoMA PS1 in New York, um auf die Auswirkungen der globalen Erwärmung hinzuweisen.[10]

Projekt „Little Sun“[Bearbeiten]

Eine kleine gelbe LED-Lampe aus Plastik - Kleine Sonne - Little Sun - deren Akkus durch PV gespeist werden, soll bis 2020 50 Millionen mal verkauft werden und Licht all den Menschen brigen, die heute noch ohne Stromanschluss leben müssen.[11] Sein Entwurf wurde 2012 in der Tate Gallery of Modern Art, London[12] ausgestellt. Die Lampe ist auch in Europa für etwa 20 bis 30 Euro erhältlich. Mit dem Tageslicht aufgeladen, leuchtet die kleine Lampe entweder 5 Stunden voll oder 10 Stunden mit halber Kraft.

Ehrungen[Bearbeiten]

1997 erhielt Ólafur Elíasson den Bremer Kunstpreis und 2004 die Eckersberg-Medaille. Im Juni 2006 erhielt er den österreichischen Friedrich-Kiesler-Preis für hervorragende Leistungen im Bereich der Architektur und der Künste, die den experimentellen und innovativen Auffassungen Friedrich Kieslers und seiner Theorie der „correlated arts“ entsprechen. Im September 2006 bekam er den mit 500.000 DKK dotierten Kulturpreis des dänischen Kronprinzenpaares und im Mai 2007 den mit 70.000 Euro dotierten Joan-Miró-Preis überreicht. Im Oktober 2013 erhielt er den Goslarer Kaiserring.[13] 2013 erhält er zusammen mit dem dänischen Architekten Henning Larsen den Mies-van-der-Rohe-Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur für ihr Konzerthaus Harpa in der isländischen Hauptstadt Reykjavík. Der Preis gilt als der renommierteste europäische Architekturpreis und ist mit 60.000 Euro dotiert.[14]

Am 24. Juni 2013 besuchte der Präsident der Republik Island, Ólafur Ragnar Grímsson, im Rahmen eines Staatsbesuchs in Deutschland Ólafur Elíassons Studio in Berlin.[15] [16]

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jessica Morgan (Hrsg.): Olafur Eliasson. Your only real thing is time. Hatje Cantz, Ostfildern 2001, ISBN 0-7148-4036-X.
  • Madeleine Grynsztejn et al.: Olafur Eliasson. Phaidon, London 2002, ISBN 0-7148-4036-X.
  • Anne Schloen: Olafur Eliasson: Nichts ist schwerer zu wissen, als was wir eigentlich sehen, in: Künstler. Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, Ausgabe 58, Heft 11, München 2002 ISSN 0934-1730.
  • Gitte Ørskou (Hrsg.): Olafur Eliasson – the blind pavilion. Hatje Cantz, Ostfildern 2003, ISBN 3-7757-1377-8.
  • Gijs van Tuyl: Olafur Eliasson, Your lighthouse. Arbeiten mit Licht 1991–2004. Hatje Cantz, Ostfildern 2004. ISBN 3-7757-1440-5
  • Olafur Eliasson, Kjetil Thorsen: Serpentine Gallery Pavilion 2007. Serpentine Gallery, London 2007, ISBN 978-3-03778-116-6.
  • Shigeru Ban, Olafur Eliasson, Peter Geimer, Friedrich Kittler: Reflexion und Abbild. gta, Zürich 2007. ISBN 978-3-85676-208-7.
  • Held Together with Water – Kunst aus der Sammlung Verbund. Hatje Cantz, Ostfildern 2007, ISBN 978-3-7757-1952-0.
  • Daniel Birnbaum (Hrsg.): Olafur Eliasson – Innen Stadt Außen, Gropius Bau, Berlin 2010, ISBN 978-3-86560-765-2.

Film[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ólafur Elíasson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. whoswho.de 5. Februar 1967
  2. a b Aureliana Sorrento: Kunst im öffentlichen Raum – Die Zeit der Städte, Frankfurter Rundschau vom 17. März 2010
  3. Biographische Informationen zu den neuen Mitgliedern (PDF; 180 kB), Akademie der Künste, Pressemitteilung 18. Juni 2012
  4. Künstler-Porträt - Synthetische Naturbilder vom dänischen Naturburschen, kunstmarkt.com, Zugriff am 19. Juli 2012
  5. Enthüllung der Installation "Bühnenfenster" von Olafur Eliasson. Bayerische Staatsoper, 28. Juli 2005, abgerufen am 28. Juni 2013.
  6. Objektbericht Ausgabe 4/2007 – Probengebäude der Bayerischen Staatsoper München. Schott AG, archiviert vom Original am 6. Dezember 2008, abgerufen am 28. Juni 2013.
  7. Jordan Mejias: „Olafur Eliassons Wasserfälle. Dies ist euer Kunstwerk!“, FAZ vom 28. Juni 2008
  8. Yellow Fog, ORF OE1 vom 9. Oktober 2008
  9. Neue Mitglieder der Akademie der Künste Akademie der Künste, Pressemitteilung 18. Juni 2012
  10. Rena Silverman: Europe's Largest Glacier Comes to New York. In: National Geographic, 29. Juni 2013. Abgerufen am 13. April 2014.
  11. Olafur Eliassons Lampe „Little Sun“ Spirituelle Sonne, funktionale Sonne in FAZ vom 14. Juli 2012
  12. Tate Modern: Little Sun
  13. Der Kaiserring geht an den Dänen Olafur Eliasson. Goslarsche Zeitung, 11. Januar 2013
  14. Pressemeldung EU-Kommission, Abgerufen am 30. April 2013.
  15. Olafur-Gipfel auf dem Pfefferberg, Berliner Zeitung, 25. Juni 2013, abgerufen am 27. Juni 2013.
  16. Staatsbesuch ganz ohne Ausnahmezustand, Tagesspiegel Online, 25. Juni 2013, abgerufen am 27. Juni 2013.
  17. ZKM: Surroundings Surrounded
  18. Tate Modern: The Weather Project
  19. Kunstmuseum Wolfsburg: Your Lighthouse. Arbeiten mit Licht 1991–2004
  20. ZIL: Reflektierender Korridor – Entwurf zum Stoppen des freien Falls
  21. Den Niagarafällen so nah. SZ vom 3. Juli 2008 (mit Bildstrecke)
  22. Hamburger Kunsthalle: Kinderzimmer
  23. Tate Modern: Little Sun
  24. LENTOS Kunstmuseum Linz: Offizielle Webseite
  25. Louisiana Museum of Modern Art: [1], 20.8.2014 - 4.1.2015
Island Anmerkung zu isländischen Personennamen: Isländer werden mit dem Vornamen oder mit Vor- und Nachnamen, jedoch nicht allein mit dem Nachnamen bezeichnet. Weiterführende Informationen finden sich unter Isländischer Personenname.