Olympique Lyon (Frauenfußball)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Olympique Lyon
logo
Voller Name Olympique Lyonnais Féminin
Gegründet 2004
Stadion Plaine des Jeux de Gerland Lyon
Plätze 2500
Präsident Paul Piemontese
Trainer Patrice Lair
Homepage www.olweb.fr/
Liga Division 1 Féminine
2012/13 1. Platz
Heim
Auswärts

Die Frauenfußballabteilung des französischen Fußballvereins Olympique Lyon (offiziell Olympique Lyonnais) ist 2004 aus der 1970 gegründeten Frauenmannschaft des FC Lyon hervorgegangen. Olympiques Frauen sind aktueller Titelverteidiger der Division 1 Féminine.

Geschichte der Abteilung[Bearbeiten]

1970 gründete der FC Lyon eine Frauenmannschaft. Diese gewann viermal die Landesmeisterschaft und zweimal den französischen Pokal. Im Sommer 2004 wechselte die Abteilung zu Olympique Lyon. Unter dem neuen Namen wurde die Mannschaft dreimal in Folge Vizepokalsieger. 2007 wurden die Frauen von Olympique erstmals Landesmeisterinnen; nachdem sie 2008 den Doublé gewonnen haben, entwickelte sich in der französischen Liga ein ähnlicher Alleingang der Olympique-Frauen, wie ihn die Männer im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends vorzuweisen hatten. Im europäischen Meisterwettbewerb erreichten die Lyonnaises 2008 und 2009 das Semifinale und 2010 erstmals das Endspiel. Dieses verloren sie allerdings gegen Turbine Potsdam mit 6:7 im Elfmeterschießen. Anschließend wurde Trainer Farid Benstiti, der die Frauenelf bereits seit 2001, zunächst beim FC und dann bei Olympique, betreut hatte, von Patrice Lair abgelöst.

Am 26. Mai 2011 gewann Olympique Lyon Féminin ihren ersten internationalen Titel mit dem Gewinn der Champions League gegen Turbine Potsdam.[1] Nur drei Tage danach schlossen die Frauen die Division 1 mit ihrer fünften Meisterschaft in Folge und einem bisher in Frankreich unerreichten Ergebnis ab: 22 Siege in den 22 Punktspielen dieser Saison bei einem Torverhältnis von 106:6. In der Saison 2011/12 setzten sie sich im französischen Pokalfinale mit 2:1 gegen HSC Montpellier durch; die Meisterschaft der Division 1 – wenn auch diesmal mit nur 19 Saisonsiegen und erst am letzten Spieltag im „Endspiel“ bei Juvisy FCF – gewannen sie mit einem Torverhältnis von 119:3. In der Champions League 2011/12 trafen Lyons Frauen bereits im Halbfinale auf Turbine Potsdam und zogen zum dritten Mal in Folge in das Endspiel ein, in dem sie diesmal den 1. FFC Frankfurt mit 2:0 besiegten und somit den Triplé gewannen.[2]. Mit jeweils 9 Toren wurden Camille Abily und Eugénie Le Sommer Torschützenköniginnen des Turniers. Ein Jahr später unterlag Lyon allerdings bei seiner vierten Endspielteilnahme in Folge den Frauen des VfL Wolfsburg mit 0:1. Bis zu diesem Spiel war OL in 95 Pflichtspielen hintereinander unbesiegt geblieben.[3]

Fünf Spielerinnen wurden in allen vier europäischen Finals eingesetzt: Sarah Bouhaddi, Lara Dickenmann, Amandine Henry, Louisa Nécib und Wendie Renard. Diese fünf und dazu die sowohl 2011 als auch 2012 eingesetzten Camille Abily, Sonia Bompastor, Eugénie Le Sommer, Lotta Schelin und Sabrina Viguier haben somit bisher zwei CL-Titel gewonnen. Spielerinnen von Olympique stellen inzwischen auch einen wichtigen Teil der französischen Nationalelf. In deren endgültigem (21er-)Aufgebot für die Weltmeisterschaftsendrunde 2011 beispielsweise standen zehn Frauen von OL, darunter etliche langjährige Internationale mit 50 oder mehr A-Spielen. Mit zwölf Spielerinnen in verschiedenen Nationalmannschaften stellte Olympique zudem die meisten Spielerinnen aller Vereine für die WM.[4]

Die Frauenabteilung, die auch 2012/13 unter der Leitung von Paul Piemontese steht, der diese Funktion zuvor zudem bereits seit 1988 beim FC Lyon ausgeübt hatte, verfügte in der Saison 2010/11 über ein Budget von fünf Millionen Euro.[5] In der Saison 2012/13 betrug der Saisonetat allerdings nur noch rund 3,5 Mio. Euro; damit war Olympique in Frankreich erstmals nicht mehr Spitzenreiter bei den finanziellen Möglichkeiten, weil Paris Saint-Germain noch eine Million Euro mehr ausgeben konnte.[6] Dafür kann Lyon sich auf seine gute Nachwuchsarbeit stützen; so zählten mit Cindy Perrault, Noémi Carage, Delphine Cascarino und Ghoutia Karchouni vier junge Frauen des Vereins zu der französischen U-17-Nationalelf, die die B-Jugend-Weltmeisterschaft im Oktober 2012 gewann.[7]

Im Mai 2013 beherrschte OL noch in anderer Hinsicht die sportlichen Schlagzeilen in Frankreich. Zum einen beendeten sie die französische Meisterschaft mit ihrem siebten Titel in Folge, wobei sie sämtliche 22 Spiele gewannen. Im Halbfinale des Landespokals hatten die Frauen sich im Elfmeterschießen mit 6:5 gegen den HSC Montpellier durchgesetzt, allerdings nur dank einer Fehlentscheidung der Schiedsrichterin, die einem korrekt erzielten Strafstoßtreffer von Montpelliers Rumi Utsugi – der Ball war vom Pfosten an den Rücken der Torhüterin und von dort aus ins Tor geprallt – die Anerkennung verweigerte. Schon kurz nach dem Ende dieser Partie forderten beide Vereinsvorstände gemeinsam vom französischen Verband die Wiederholung des Halbfinals; Montpelliers Einspruch wurde allerdings zurückgewiesen, weil er formell „nicht unmittelbar nach der Schiedsrichterentscheidung, sondern erst nach Beendigung des Elfmeterschießens und somit zu spät eingelegt worden“ war.[8] Anschließend schlug Olympique erneut eine Spielwiederholung vor, um „Sportsgeist und Fair-play zu bewahren“. Dem stimmte der Verband zu, sodass Lyon drei Tage vor dem Endspiel noch einmal in Montpellier antrat,[9] sich dabei deutlich durchsetzte und anschließend auch den Pokal gewann.

Die aktuelle Saison 2013/14[Bearbeiten]

Spielerinnenkader[Bearbeiten]

Nummer Name Geburtsdatum Debüt Einsätze Tore
Tor
16 Pauline Peyraud-Magnin 17.03.1992 2013 5 0
26 Sarah Bouhaddi 17.10.1986 2009 78 0
Abwehr
3 Wendie Renard 20.07.1990 2006 127 31
17 Corine Petit 05.10.1983 2008 93 11
20 Sabrina Viguier 04.01.1981 2010 60 1
 ? Mélissa Plaza 28.07.1988 2013 14 0
 ? Saki Kumagai 17.10.1990 2013 19 3
 ? Noémie Carage 09.09.1996 - 0 0
Mittelfeld
4 Makan Mouchou Traoré 27.06.1993 2011 8 0
6 Amandine Henry 28.09.1989 2007 100 24
7 Megan Rapinoe 07.05.1985 2013 14 5
10 Louisa Nécib 23.01.1987 2007 138 55
15 Élise Bussaglia 24.09.1985 2012 30 7
21 Lara Dickenmann 27.11.1985 2008 97 47
23 Camille Abily 05.12.1984 2006 137 94
25 Amel Majri 25.01.1993 2010 27 2
 ? Eve Perisset 24.12.1994 2013 6 0
Angriff
8 Lotta Schelin 27.02.1984 2008 99 95
9 Eugénie Le Sommer 18.05.1989 2010 80 74
12 Élodie Thomis 13.08.1986 2007 121 66
 ? Lucie Pingeon 13.01.1996 - 0 0
24 Laëtitia Tonazzi 31.01.1981 2012 38 32

Stand: Saisonende 2013/14

Wechsel zur Saison 2013/14
Zugänge Abgänge

Verlauf Saison 2012/13[Bearbeiten]

Vor Saisonbeginn hatte der Gesamtverein auch der Frauenabteilung eine Kostenreduzierung verordnet, in deren Folge unter anderem die Verträge von Shirley Cruz Traña und Sandrine Dusang, zwei langjährigen „Eckpfeilern“ der Erfolgsgeschichte von Olympiques Frauen, nicht mehr verlängert wurden.
Im November 2012 gewann OL ein Freundschaftsturnier in Japan (Mobcast Cup) gegen eine australische und zwei einheimische Vereinsmannschaften, das der japanische Fußballverband zukünftig gerne zur offiziellen FIFA-Klubweltmeisterschaft analog dem entsprechenden Männerwettbewerb aufgewertet sehen möchte.[10]
Drei Spieltage vor Saisonende gewann das Team mit 10 Punkten Vorsprung auf Platz zwei die siebte Meisterschaft in Folge.

Erfolge[Bearbeiten]

  • Französischer Meister: 2007, 2008, 2009, 2010, 2011, 2012, 2013
  • Französischer Pokalsieger: 2008, 2012, 2013
  • Champions-League-Sieger: 2011, 2012 (2010 und 2013 Finalist)

Statistik[Bearbeiten]

Saison Liga Platz S U N Tore Punkte Erfolgreichste Torschützin Coupe de France féminine UEFA Women's Champions League
2004/05 Division 1 Féminine 3. 14 4 4 50:20 69 Séverine Creuzet-Laplantes (13) Finalist nicht qualifiziert
2005/06 Division 1 Féminine 3. 10 8 4 34:12 60 Sandrine Brétigny (11) Finalist nicht qualifiziert
2006/07 Division 1 Féminine 1. 20 1 1 116:9 83 Sandrine Brétigny (42) Finalist nicht qualifiziert
2007/08 Division 1 Féminine 1. 18 4 0 93:4 80 Sandrine Brétigny (25) Sieger Halbfinale
2008/09 Division 1 Féminine 1. 21 1 0 114:11 86 Kátia (27) Halbfinale Halbfinale
2009/10 Division 1 Féminine 1. 18 2 2 93:11 78 Kátia (17) Halbfinale Zweiter
2010/11 Division 1 Féminine 1. 22 0 0 106:6 88 Sandrine Brétigny (19) Viertelfinale Sieger
2011/12 Division 1 Féminine 1. 19 3 0 119:3 82 Eugénie Le Sommer (22) Sieger Sieger
2012/13 Division 1 Féminine 1. 22 0 0 132:5 88 Lotta Schelin (24) Sieger Zweiter
2013/14 Division 1 Féminine 1. 21 0 1 95:12 85 Eugénie Le Sommer (15)
Laëtitia Tonazzi (15)
Sieger Achtelfinale

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen und Nachweise[Bearbeiten]

  1. Classy Lyon take women's title from Potsdam, UEFA, 26. Mai 2011
  2. siehe den Artikel „Und eine und zwei und drei Trophäen für Lyon“ vom 2. Juni 2012 bei francefootball.fr
  3. Frauenfußball: VfL Wolfsburg feiert Champions-League-Sieg (abgerufen am 23. Mai 2013)
  4. FIFA: Die fünf Zahlen des Tages (Abgerufen am 23. Juni 2011)
  5. France Football vom 21. Juni 2011, S. 15
  6. France Football vom 11. September 2012, S. 14
  7. siehe den französischen U-17-WM-Kader auf der Seite des Fußballverbands FFF
  8. France Football vom 21. Mai 2013, S. 11
  9. siehe die Pressemitteilung vom 24. Mai 2013 auf olweb.fr
  10. siehe die Meldung bei L’Équipe vom 25. November 2012