Robert Evans (Filmproduzent)

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Robert Evans im Juli 2012

Robert Evans, ursprünglich Robert J. Shapera, Spitzname The Kid (* 29. Juni 1930 in New York), ist ein US-amerikanischer Filmproduzent, Schauspieler und Moderator.

In den 1960er und 1970er Jahren zählte er zu den erfolgreichsten Filmproduzenten (Rosemaries Baby, Love Story, Der Pate).

Leben und Werk[Bearbeiten]

Evans wuchs als Kind jüdischer Eltern im West End von New York auf. Sein Vater hatte eine gutgehende Zahnarztpraxis in Harlem, seine Mutter stammte aus einer wohlhabenden Familie. Er hatte noch einen älteren Bruder und eine jüngere Schwester. Irgendwann beschloss der Vater, die gesamte Familie Shapera nach dem Geburtsnamen seiner Mutter in Evans umzubenennen, was in den USA namensrechtlich möglich ist.

Schon als Kind wollte Robert Evans, der sehr gut Stimmen imitieren konnte, Schauspieler werden. Bereits als 12-Jähriger bekam er eine Sprechrolle als Nazi-Offizier in einer Radioproduktion. Als 14-Jähriger war er fester Mitarbeiter der in den 1940er Jahren populären Radioshow Let´s Pretend.

Nach seinem Highschool-Abschluss zog er zunächst nach Miami Beach und wurde Discjockey in einem großen Hotel. Eine Zeitlang war er für die Modefirma seines Bruders Charles tätig und richtete u. a. eine Boutique in Hollywood ein. Durch Zufall lernte er die einflussreiche Schauspielerin Norma Shearer kennen, Witwe des verstorbenen Hollywood-Tycoons Irving Thalberg. Sie erkannte in dem jungen Evans eine gewisse Ähnlichkeit mit ihrem früh verstorbenen Mann und vermittelte ihm 1957 die Rolle in dessen Filmbiografie, Der Mann mit den tausend Gesichtern (The Man of Thousand Faces; Regie: Joseph Pevney) an der Seite von Hollywoodstar James Cagney als Lon Chaney. Der Film wurde allerdings ein Flop und Evans erhielt für seine Darstellung vernichtende Kritiken.

Dennoch schaffte er es mit Hilfe einflussreicher Freunde im selben Jahr erneut, eine ausgebaute Nebenrolle in einem A-Film zu erhalten. In Zwischen Madrid und Paris (The Sun Also Rises) unter der Regie von Henry King nach dem Roman Fiesta von Ernest Hemingway spannte er als Stierkämpfer Pedro Romero Tyrone Power dessen Geliebte Ava Gardner aus. Der Film war zwar sehr erfolgreich, brachte The Kid (wie ihn Studioboss Darryl F. Zanuck wegen seines „Milchgesichts“ getauft hatte) jedoch als Schauspieler nicht weiter.

Nach ein paar weiteren unbedeutenden Rollen beendete er seine Schauspielerlaufbahn. Er wandte sich der Filmproduktion zu und dies mit sehr großem Erfolg. In den 1960er Jahren wurde er Vizepräsident von Paramount Pictures und war verantwortlich für die Produktion zahlreicher Großprojekte. Während der 1970er Jahre führte er die Paramount auf der Skala der zehn finanziell erfolgreichsten Studios in Hollywood vom neunten Rang auf den ersten Platz. Unter seiner Ägide entstanden Blockbuster und Kultfilme wie Rosemaries Baby (1968), Love Story (1970), Harold und Maude (1971), Der Pate (1972), Der große Gatsby (1974), Chinatown (1974), Der Marathon-Mann (1976). Und durch seine finanzielle Beteiligung wurde Evans ein reicher Mann.

In den 1980er Jahren begann sein Stern in Hollywood zu sinken. Nach gigantischen finanziellen Verlusten 1984 durch Coppolas Film Cotton Club mit Richard Gere in der Hauptrolle musste Evans Paramount verlassen. Danach arbeitete er nur mäßig erfolgreich als freier Produzent. In den 1990er Jahren holte ihn sein ehemaliger Mitarbeiter Stanley Jaffe – inzwischen Chef von Paramount – zurück, so dass er einige Projekte realisieren konnte: er produzierte u.a. Sliver - Gier der Augen (1993) mit Sharon Stone, Schlaflos in New York (1999) mit Steve Martin und Goldie Hawn sowie Wie werde ich ihn los – in 10 Tagen? (2003) mit Kate Hudson, die alle zumindest Achtungserfolge wurden. Auch 2006 war er noch mit mehreren Filmprojekten beschäftigt.

Die 1994 von Evans veröffentlichte Autobiografie The Kid Stays in the Picture (deutsch: Abgerechnet wird zum Schluss, 1995 bei vgs, Köln, erschienen) wurde in den USA ein Bestseller und 2002 ebenfalls erfolgreich zu einem Dokumentarfilm gleichen Titels verarbeitet, der mehrere Preise erhielt. Evans gab darin einen höchst interessanten Einblick in die „Traumfabrik“, teilte gegen Kollegen aus und berichtete über sein Leben voller Höhen und Tiefen. Buch und Film bescherten dem exzentrischen Hollywood-Veteranen ein spätes Comeback vor allem als Selbstdarsteller. 2003 lief die von ihm konzipierte und gesprochene schräge Comic-Serie Kid Notorious, in der Evans in bizarre Abenteuer à la James Bond verwickelt war, im US-amerikanischen Fernsehen. Diese wurde allerdings nach einer Staffel eingestellt. Derzeit läuft eine Radioshow mit dem Titel In Bed with Robert Evans.

Privat sorgte der umtriebige Evans vor allem durch zahllose Affairen mit Starlets und Stars stets für Schlagzeilen. Zu seinen „Eroberungen“, mit denen er meist nur wenige Wochen liiert war, gehörten Grace Kelly, Ava Gardner, Lana Turner, Soraya, Joan Collins und Lois Chiles. In den 1970er Jahren hatte er eine längere Beziehung mit der norwegischen Schauspielerin Liv Ullmann.

Bis zum Jahr 2005 war Evans insgesamt sieben Mal verheiratet, aber keine seiner Ehen dauerte mehr als drei Jahre. Seine erste Ehe mit Sharon Hugueny hielt von 1961 bis 1962. Nach seiner ersten Scheidung war er von 1963 bis 1965 mit Camilla Sparv verheiratet und von 1969 bis 1972 mit Ali MacGraw, die er mit dem Film Love Story zum Star machte. Mit ihr hat er einen Sohn, Joshua Evans, der ebenfalls im Filmgeschäft als Filmproduzent und Drehbuchautor tätig ist. Von 1977 bis 1978 war er mit der bekannten Sportjournalistin und ehemaligen Miss America, Phyllis George, verheiratet. 1998 ging er eine bizarre Kurzehe mit Denver-Clan-Star Catherine Oxenberg ein.[1] Evans' Ehe mit Oxenberg wurde allerdings schon nach neun Tagen aufgehoben.[2] Anschließend war er von 2002 bis 2004 mit Leslie Ann Woodward verheiratet und mit Victoria White von 2005 bis 2006, die er im August 2005 kurz nach seinem 75. Geburtstag in Mexiko heiratete. Sie reichte allerdings schon am 16. Juni 2006 „wegen unüberbrückbarer Differenzen“ die Scheidung ein. In Brett Morgens Verfilmung der Autobiografie The Kid Stays in the Picture von Ali MacGraw wird auch ausführlich auf Evans' Beziehungen eingegangen.[3][1]

In den 1980er Jahren sorgten vor allem Drogenprobleme, Aufenthalte in Gefängnissen und Psychiatrie, Mafia-Kontakte sowie die – unbewiesene – Verwicklung in einen Mordfall immer wieder für Negativschlagzeilen des einstigen Tycoons. Inzwischen ist es ruhiger um ihn geworden.

Robert Evans zählt einige Hollywood-Größen wie Jack Nicholson, Warren Beatty und Robert Hoffmann sowie den französischen Filmstar Alain Delon zu seinen persönlichen Freunden.

Werke[Bearbeiten]

  • Abgerechnet wird zum Schluss. Ein Hollywood-Tycoon erinnert sich. vgs, Köln 1994 (englischer Originaltitel: The Kid Stays in the Picture. Hyperion, New York 1994)

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

als Schauspieler[Bearbeiten]

  • 1957: Der Mann mit den tausend Gesichtern (Man of a Thousand Faces)
  • 1957: Zwischen Madrid und Paris (The Sun Also Rises)
  • 1958: Der Killer mit der sanften Stimme (The Fiend Who Walked the West)
  • 2002: The Kid Stays in the Picture (Dokumentarfilm, als er selbst)
  • 2003: Kid Notorious (Stimme)

als Produzent[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Archerd, Army. „Evans and Oxenberg saying ‘I do.’“ Variety, Juli 1998, abgerufen am 9. September 2008
  2. Archerd, Army. „Evans and Oxenberg untie knot.“ Variety, Juli 1998, abgerufen am 9. September 2008
  3. People magazine, „Divorce No. 7 for Producer Robert Evans“, 19. Juni 2006