Jack Nicholson

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Jack Nicholson bei der Filmpremiere von „Das Beste kommt zum Schluss“ (2008)

John Joseph (Jack) Nicholson (* 22. April 1937 in New York) ist ein US-amerikanischer Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur und Produzent. Er zählt zu den bekanntesten und vielseitigsten Darstellern der Gegenwart. Mit drei Oscars (zwei als Bester Hauptdarsteller- 1975/Einer flog übers Kuckucksnest und 1997/Besser geht's nicht - und einem als Bester Nebendarsteller - 1984/Zeit der Zärtlichkeit) sowie insgesamt zwölf Oscar-Nominierungen ist er auch einer der erfolgreichsten Schauspieler Hollywoods.

Leben[Bearbeiten]

Jugend und Ausbildung[Bearbeiten]

Jack Nicholson wuchs ohne Vater auf. Er entstammt mütterlicherseits einer Familie mit irischen, englischen und deutschen Wurzeln,[1] wobei sich die Familie selber stets als irischstämmig bezeichnete.[2] Da seine Mutter June bei der Entbindung erst 17 Jahre alt war, gab sich Großmutter Ethel an ihrer Stelle als Jacks Mutter aus, um dem Ansehen ihrer Tochter nicht zu schaden. June übernahm die Rolle der älteren Schwester. Erst 1974 erfuhr Nicholson die wahren Familienverhältnisse. Seinen mutmaßlichen Vater, den italienischstämmigen Schauspieler Don Furcillo († 1997), hat er nie gesehen.

Den Entschluss, Schauspieler zu werden, fasste er schon als kleiner Junge. Er engagierte sich in der Theatergruppe seiner Schule und galt schon bald als Klassen-Clown. Zu seinen Kindheitsfreunden zählte auch der Schauspieler Danny DeVito, mit dem er in Einer flog über das Kuckucksnest (1975) zu sehen ist. Nach dem Abschluss der Manasquan High School verließ er 1954 seinen Heimatort Neptune, New Jersey, und folgte seiner Mutter June nach Hollywood. Dort arbeitete er als Botenjunge für die Trickfilmabteilung von MGM.

Ende der 1950er Jahre nahm Nicholson Schauspielunterricht bei Jeff Corey. Zu seinen Kommilitonen gehörten Richard Chamberlain und James Coburn. 1958 traf er den Produzenten Roger Corman, der ihn für seinen Film Schrei, Baby-Killer besetzte. Auch in den folgenden Jahren war Nicholson hauptsächlich für Corman tätig und trat in B-Movies wie Kleiner Laden voller Schrecken, Der Rabe – Duell der Zauberer, The Terror – Schloß des Schreckens (auch sein Regiedebüt) oder Die wilde Jagd auf. Häufig spielte er einen jugendlichen Rebellen. 1962 heiratete er die Schauspielerin Sandra Knight, 1963 kam seine erste Tochter Jennifer zur Welt. Im selben Jahr starb seine Mutter June an Krebs. Die Ehe mit Sandra Knight wurde 1966 geschieden. Jack Nicholson hat insgesamt fünf Kinder mit vier verschiedenen Frauen.

Hollywood-Karriere[Bearbeiten]

Mitte der 1960er Jahre versuchte sich Nicholson als Autor, schrieb u. a. das Drehbuch für The Trip. Bei der Verfilmung durch Roger Corman lernte er 1967 Peter Fonda und Dennis Hopper kennen. Bei deren Umsetzung des Roadmovies Easy Rider (1969) war Nicholson zunächst nur als ausführender Produzent beteiligt – auf Bitten Hoppers hatte er den Kontakt mit der Produktionsfirma BBS hergestellt. Als Rip Torn, der ursprünglich den betrunkenen Anwalt spielen sollte, die Produktion noch vor Beginn der Dreharbeiten verließ, erklärte sich Nicholson jedoch bereit, die Rolle zu übernehmen. Der Kultfilm der Hippie-Generation und Klassiker der New-Hollywood-Bewegung machte Nicholson so über Nacht berühmt und brachte ihm die erste Oscar-Nominierung ein. Die zweite folgte dann nur ein Jahr später für Five Easy Pieces – Ein Mann sucht sich selbst.

In den 1970er Jahren stieg Nicholson zum Superstar auf. Mittlerweile geschieden, feierte er mit Hopper, Fonda, Roman Polański und seinem besten Freund Warren Beatty wilde Drogen- und Sexpartys. Nach zwei weiteren Nominierungen (Das letzte Kommando, 1973, und Roman Polańskis Chinatown, 1974) erhielt er 1975 für Einer flog über das Kuckucksnest von Miloš Forman seinen ersten Oscar.

Nach mehreren Misserfolgen drehte Nicholson 1980 mit der Regie-Legende Stanley Kubrick den Horror-Klassiker Shining, in dem er einen wahnsinnigen Schriftsteller verkörpert. Eine Liebesszene mit Jessica Lange in Wenn der Postmann zweimal klingelt sorgte 1981 für einen Skandal. Im gleichen Jahr wurde seine zweite Tochter Honey geboren. Die Mutter war das dänische Model Winnie Hollman. Doch Nicholson war schon seit mehreren Jahren mit der Schauspielerin Anjelica Huston zusammen.

Für Zeit der Zärtlichkeit wurde er 1983 erneut mit dem Oscar ausgezeichnet. In der Fortsetzung Jahre der Zärtlichkeit übernahm er 1996 einen Gastauftritt. Die Comic-Verfilmung Batman, in der er den Bösewicht Joker spielte, wurde zu einem seiner größten finanziellen Erfolge. Dank einer vereinbarten Beteiligung am Gewinn nahm er über 60 Millionen Dollar ein.

Jack Nicholson 2002 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes

Kurze Zeit später trennte sich Anjelica Huston von Nicholson, als sie erfuhr, dass die Kellnerin Rebecca Broussard eine Tochter von ihm erwartete. Er gab ihr den Namen seiner Tante Lorraine. 1992 kam sein Sohn Raymond zur Welt. Von 1999 bis 2001 lebte Nicholson mit der Schauspielerin Lara Flynn Boyle zusammen.

Auf der Leinwand war er in den 1990er Jahren u.a. in Eine Frage der Ehre, Wolf – Das Tier im Manne und Mars Attacks! zu sehen. Seine Darstellung eines egoistischen Menschenhassers in Besser geht’s nicht brachte ihm 1998 den dritten Oscar ein, den er dem 1998 verstorbenen Schauspieler J. T. Walsh widmete. Zu Nicholsons jüngsten Projekten zählen About Schmidt sowie die Komödien Die Wutprobe und Was das Herz begehrt, in dem er sein Image als Frauenheld und Sex-Idol auf den Arm nimmt.

2006 übernahm er neben Leonardo DiCaprio, Matt Damon und Mark Wahlberg eine Hauptrolle in dem Thriller Departed – Unter Feinden. In Rob Reiners 2007 veröffentlichten Film Das Beste kommt zum Schluss spielten er und Morgan Freeman zwei todkranke Patienten, die sich in der ihnen noch verbleibenden Zeit ihre letzten Wünsche erfüllen.

Deutsche Synchronstimmen[Bearbeiten]

Ab Mitte der 1980er Jahre wurde Jack Nicholson auf Deutsch von dem Synchronsprecher Joachim Kerzel gesprochen. Davor waren es Hansjörg Felmy (z. B. in Chinatown), Jörg Pleva (Shining), Erik Schumann (z. B. in Die Ehre der Prizzis) und Manfred Schott (z. B. in Einer flog über das Kuckucksnest).

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Darsteller (Film)
Darsteller (Fernsehen)
  • 1957: Tales of Wells Fargo (Episode „The Washburn Girl“)
  • 1958: Bronco (Episode „The Equalizer“)
  • 1959: Mr. Lucky (Episode „Operation“)
  • 1959: Hawaiian Eye (Episode „Total Eclipse“)
  • 1960: The Andy Griffith Show
  • 1961: Dr. Kildare (Episoden: „A Lost Patient“, „What Happended to All the Sunshine and Roses?“, „The Taste of Crow“, „Out of a Concrete Tower“)
  • 1964: Voyage to the Bottom of the Sea
  • 1980: Making Of „The Shining“
  • 1983: Salute to John Huston
  • 1985: Live Aid
  • 1995: Salute to Steven Spielberg
  • 1996: Salute to Clint Eastwood
  • 1999: Salute to Dustin Hoffman
  • 2000: Hollywood rocks the Movies 1955–1970
  • 2000–2005: Biography
  • 2002: Entertainment Tonight
  • 2007–2010: Entertainment Tonight
  • 2009: Song of the Shattered
  • 2010: America Lost and Found: The BBS Story
  • 2010: AFI Life Achievement Award: A Tribute to Mike Nichols
  • 2010: Cinémas
Drehbuchautor
  • 1963: Thunder Island
  • 1964: Flight to Fury
  • 1965: Ride in the Whirlwind
  • 1967: The Trip
  • 1968: Head
Regie
Produzent
  • 1965: Ritt im Wirbelwind (Ride in the Whirlwind)
  • 1967: Das Schießen (The Shooting)
  • 1968: Head
  • 1971: Drive He Said
  • 2009: I Am But a Fool

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Insgesamt wurde Nicholson bislang (Stand: Mai 2012) mit mehr als siebzig Filmpreisen ausgezeichnet, hinzu kommen mehr als fünfzig weitere Nominierungen. Er ist neben Gary Cooper und Daniel Day-Lewis der erfolgreichste männliche Schauspieler bei den Oscars und konnte bislang als einziger Darsteller in drei aufeinanderfolgenden Jahrzehnten einen Oscar gewinnen. 1997 erhielt Nicholson einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame.

Literatur[Bearbeiten]

  • Meinolf Zurhorst, Lothar Just: Jack Nicholson. Seine Filme – sein Leben. Heyne-Filmbibliothek, Nr. 52, Heyne, München 1983, ISBN 3-453-86052-7
  • Adolf Heinzlmeier: Jack Nicholson. Hollywoods Wolf im Schafspelz. Lübbe, Bergisch Gladbach 1991, ISBN 3-404-61192-6
  • Patrick McGilligan: Jack’s life. Jack Nicholson, eine Biografie (Originaltitel Jack’s life). Henschel-Verlag, Berlin 1994, ISBN 3-89487-205-5
  • John Parker: Jack Nicholson. Mehr Clown als Macho (Originaltitel The joker’s wild). Heyne-Filmbibliothek, Nr. 219, Heyne, München 1995, ISBN 3-453-09004-7
  • Edward Douglas: Jack Nicholson – der große Verführer (Originaltitel Jack – the great seducer). Heyne, München 2005, ISBN 3-453-12052-3
  • Bernd Zywietz: The Two Jacks. Das doppelbödige Spiel des frühen Jack Nicholson. In: Film-Konzepte 14: Hollywoods Rebellen Marlon Brando, Jack Nicholson, Sean Penn. Nr. 4 / 2009, München: edition text + kritik, S. 31–485, ISBN 3-86916-002-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jack Nicholson – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Interviews

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Info auf irishcentral.com
  2. Roger Ebert: Interview with Jack Nicholson. In: Chicago Sun-Times, 27. November 1983. Abgerufen am 16. Februar 2007.