Montenegro

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Crna Gora
Црна Гора

Montenegro
Flagge Montenegros
Wappen Montenegros
Flagge Wappen
Amtssprache Montenegrinisch
regional auch Serbisch, Bosnisch, Albanisch, Kroatisch
Hauptstadt Podgorica
Staatsform parlamentarische Republik
Regierungssystem parlamentarische Demokratie
Staatsoberhaupt Staatspräsident Filip Vujanović
Regierungschef Premierminister Milo Đukanović
Fläche 13.812 km²
Einwohnerzahl 625.266 (April 2011)[1]
Bevölkerungsdichte 48,7 Einwohner pro km²
Bevölkerungs­entwicklung 0,226 %[2] pro Jahr
Bruttoinlandsprodukt
  • Total (nominal)
  • Total (KKP)
  • BIP/Einw. (nominal)
  • BIP/Einw. (KKP)
2014: [3]
Human Development Index 0,789 (51.)[4]
Währung Euro (unilateral als Fremdwährung übernommen, nicht an der Europäischen Währungsunion beteiligt)
Unabhängigkeit 13. Juli 1878
(vom Osmanischen Reich)

3. Juni 2006
(von Serbien und Montenegro)

Nationalhymne Oj svijetla majska zoro
Nationalfeiertag 13. Juli (Unabhängigkeitsbestätigung durch den Berliner Kongress 1878)
Zeitzone UTC+1 MEZ
UTC+2 MESZ (März bis Oktober)
Kfz-Kennzeichen MNE
ISO 3166 ME, MNE, 499
Internet-TLD .me
Telefonvorwahl +382
Österreich Belgien Bulgarien Republik Zypern Tschechien Deutschland Dänemark Dänemark Estland Spanien Finnland Frankreich Frankreich Vereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Griechenland Griechenland Ungarn Irland Italien Italien Italien Litauen Luxemburg Lettland Niederlande Polen Portugal Rumänien Schweden Slowenien Slowakei Island Montenegro Mazedonien Kroatien Türkei Türkei Malta Serbien Grönland Färöer Norwegen Norwegen Isle of Man Guernsey Jersey Andorra Monaco Schweiz Liechtenstein Vatikanstadt San Marino Albanien Kosovo Bosnien und Herzegowina Moldawien Weißrussland Russland Ukraine Autonome Republik Krim Kasachstan Abchasien Südossetien Georgien Aserbaidschan Aserbaidschan Armenien Iran Libanon Syrien Israel Jordanien Saudi-Arabien Irak Russland Tunesien Algerien MarokkoMontenegro in Europe.svg
Über dieses Bild

Montenegro (serbokroatisch Црна Гора/Crna Gora [’t͡sr̩naː ’ɡɔra]; albanisch Mali i Zi) ist eine Republik an der südöstlichen Adriaküste in Südosteuropa. Sie grenzt an Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Albanien sowie an Kosovo. Nachdem Montenegro nahezu 90 Jahre zu Jugoslawien gehört hatte, wurde es am 3. Juni 2006 erneut unabhängig.

Der Balkanstaat ist mit etwa 625.000 Einwohnern und einer Fläche von 13.812 Quadratkilometern einer der kleineren Staaten Europas – flächenmäßig etwas kleiner als Schleswig-Holstein. Die Hauptstadt ist Podgorica. Hauptwirtschaftszweig ist der Tourismus an der montenegrinischen Küste.

Montenegro ist Mitglied der Vereinten Nationen, der WTO, der OSZE und des Europarates. Zudem ist Montenegro Beitrittskandidat der Europäischen Union.

Land[Bearbeiten]

Etymologie[Bearbeiten]

Montenegro, vom Venetischen „montagna negra“,[5] bedeutet „Schwarzer Berg“. Die Selbstbezeichnung Crna Gora kann „schwarzes Gebirge“, „schwarzes bewaldetes Gebirge“ oder „schwarzer Wald“ bedeuten. Im Österreich-Ungarn des 19. Jahrhunderts sagte man auch Schwarzenberg.

Geographie[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geographie Montenegros
Oro-mediterrane Stufe am glazial überprägten Pazua Kamm (Velje leto) im Orjen. Lebensraum für Krim-Pfingstrose und Orjen-Schwertlilie.
Montane Tannen-Buchen- und subalpine Ahorn-Buchenwälder der Bijela gora. Im linksseitigen Vordergrund Schwarzkiefer
Eine Betonie der Illyrischen Florenprovinz im sub-adriatischen Orjen (zu Betonica serotina s.l.)

Montenegro ist ein im europäischen Vergleich relativ dünn besiedeltes waldreiches Gebirgsland im südöstlichen Teil des Dinarischen Gebirges. Die unzugänglichen Hochgebirge werden oftmals durch steile abweisende Canyons zerteilt. Darunter gilt die Tara-Schlucht als tiefste Schlucht Europas. Daher ist nur das durch zahlreiche Verbreiterungen geprägte Tal des Lims dichter besiedelt.

Nur im Südosten wird Montenegro durch Niederungen geprägt. In der Kryptodepression des Skutarisees und der Niederung der unteren Morača und Cijevna liegen die fruchtbarsten Gebiete Montenegros. Hier wird unter anderem der landestypische Rotwein Vranac angebaut.

Besondere Bedeutung haben die zahlreichen Poljen. Das Polje von Nikšić ist, durch die Gewinnung von Hydroenergie aus Stauseen, das größte und am dichtesten besiedelte. Neben den typisch mitteleuropäisch geprägten Buchen-, Tannen- und Fichtenwäldern Zentralmontenegros, die insbesondere mit ihrem Baumreichtum zu den Artenreichsten Wäldern Europas zählen (u. a. finden sich in den Bergwäldern Montenegro die endemisch-reliktischen Baumarten Griechischer Ahorn, Schlangenhaut-Kiefer, Rumelische Kiefer und Baum-Hasel) sind auch mediterrane Hartlaubwälder mit Stein- und Mazedonischer Eiche vertreten. Am Skutarisee finden sich typische Auwälder mit Stieleichen und Weichholzauen. Die Urwälder der Nationalparks am Durmitor sowie Biogradsko jezero in der Belasica sind Rückzugs- und Lebensraum für Großraubtiere wie Wolf, Braunbär und Luchs.

Das Land lässt sich von Südwest nach Nordost in drei hauptsächliche Landschaftsräume gliedern:

  • die steil abfallende und durch Buchten (z. B. Bucht von Kotor) gegliederte Steil-Küste am Mittelmeer (Adria) mit den historischen mediterranen Küstenorten
  • das karge und wasserlose Karsthochplateau Altmontenegros (Rudine, Banjani und die Katunska nahija mit dem höchsten Küstengebirge Dalmatiens, dem Orjen mit dem Zubački kabao (1894 m) sowie dem Lovćen). Hier bieten nur wenige Poljen etwas landwirtschaftlich nutzbaren Boden (Grahovo, Cetinje),
  • sowie das durch Canyons (Tara-Canyon, Piva-Canyon) tief zentralte, abweisende nordmontenegrinische Hochgebirgsland. Hier befinden sich die höchsten Erhebungen Montenegros und des gesamten Dinarischen Gebirges das Prokletijemassiv mit der höchsten Erhebung des Landes, dem Zla Kolata (2534 m) sowie das Durmitor-Massiv mit dem Bobotov Kuk (2522 m). Als einzigem Gebirge der Balkanhalbinsel halten sich im Durmitor (Gletscher Debeli namet) und insbesondere im Prokletije (Jezerce Spitze, Zla Kolata, Karanfil) noch ganzjährig zahlreiche Firnfelder und kleinere Gletscher (maximal bis 350 m lang und 300 ha Ausdehnung).[6][7] In den pleistozänen Kaltphasen war Montenegro das am stärksten vergletscherte Gebiet Südeuropas. Neue Quartärforschungen zu geologischen Ereignissen während der Eiszeit in den Südostdinariden haben eine schon früher vermutete massive Vergletscherung Montenegros während der Mindel-Eiszeit belegt.[8] Selbst im subadriatischen Orjen wurde für die Mindel Epoche ein Eisschild von bis zu 400 m Mächtigkeit und das Vorhandensein zahlreicher Auslassgletscher die bis zum Rand der Bucht von Kotor an der Adriaküste reichten, belegt.[9] Als Ergebnis der Großvergletscherung sind die Hochgebirge Montenegros in typischer Weise von Formen der Glazialmorphologie wie Glazialseen, Moränen, Trogtälern, Steilwänden und Karlingen geprägt. Bis heute sind sie auch ein Rückzugsgebiet der Eiszeitflora wie den eiszeitlichen Relikten Silberwurz (Dryas octopetala) und Edelweiß (Leontopodium alpinum). Das Vorkommen von Dryas wurde selbst noch auf der Bijela gora unweit der Adriaküste belegt, in dem sonst überwiegend mediterrane Hochgebirgspflanzen vorgetroffen werden.[10]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Verteilung der Ethnien nach Gemeinden 2011

Die Bevölkerung Montenegros ist wie die vieler Staaten Südosteuropas multiethnisch.

Bei der Volkszählung 2011 bezeichneten sich 278.865 Personen oder 44,98 % der Bevölkerung als Montenegriner, 178.110 oder 28,73 % als Serben, 53.605 oder 8,65 % als Bosniaken, 30.439 oder 4,91 % als Albaner, 20.537 oder 3,31 % als Muslime (im ethnischen Sinn), 6251 oder 1,01 % als Roma und Sinti, 6021 oder 0,97 % als Kroaten und 47.513 oder 7,68 % gaben eine andere oder keine Nationalität an bzw. gaben gar keine Daten an.[11]

Die Serben stellen die Bevölkerungsmehrheit besonders in Gebieten im Norden Montenegros sowie an der Grenze zu Bosnien und Herzegowina. Die Bosniaken bzw. Muslime leben vor allem im Nordosten, um Plav und Rožaje.

Eine weitere Minderheit bilden die Albaner, die vor allem in den Gebieten längs der Grenze zu Albanien und zum Kosovo leben. In der Gemeinde Ulcinj stellen sie die Bevölkerungsmehrheit mit 71 Prozent (Volkszählung 2011).

Des Weiteren leben in Montenegro Heimatvertriebene, die in der Volkszählung nicht berücksichtigt sind, weil sie den Flüchtlingsstatus haben. Dabei handelt es sich um 6.926 meist serbische Flüchtlinge aus Bosnien und Herzegowina und 16.137 Flüchtlinge aus dem Kosovo (meist Roma und Serben).[12]

Sprachen[Bearbeiten]

Die Amtssprachen Montenegros sind laut der Verfassung[13] vom 19. Oktober 2007 Montenegrinisch, Serbisch, Bosnisch, Albanisch und Kroatisch. Artikel 11 des am 11. Mai 2006[14] verabschiedeten Minderheitengesetzes erlaubt dagegen die Verwendung von Minderheitensprachen als Amtssprachen nur in Gemeinden, in denen die betreffende Minderheit die Bevölkerungsmehrheit oder einen bedeutenden Teil der Bevölkerung stellt, was den montenegrinischen Behörden einen gewissen Spielraum bietet.[15] Das 2002 beschlossene Minderheitengesetz des Staatenbundes Serbien und Montenegro schrieb dagegen vor, dass der Anteil einer Minderheit an der Gesamtbevölkerung einer Gemeinde mindestens 15 Prozent nach der letzten Volkszählung betragen müsse, um ihre Sprache als Amtssprache auf Gemeindeebene anzuerkennen.[16]

Sowohl das lateinische als auch das kyrillische Alphabet sind in Gebrauch. Besonders in den touristischen Küstenregionen wird die kyrillische zunehmend von der lateinischen Schrift abgelöst.

Hinsichtlich des Namens der Sprache gibt es ebenso wie hinsichtlich der Nationalitätenbezeichnung unterschiedliche Meinungen unter der Bevölkerung. In der Volkszählung von 2011 gaben 42,9 Prozent der Bevölkerung Serbisch und 37,0 Prozent Montenegrinisch als ihre Muttersprache an. Bosnisch und Albanisch machten als Muttersprache je 5,3 Prozent aus.[11]

Religionen[Bearbeiten]

72 Prozent[17] der Einwohner Montenegros gehören der serbisch-orthodoxen Kirche an, deren Metropolit Amfilohije Radović ist.[18] (→ Liste der Bischöfe von Montenegro) Daneben existiert noch die 1993 gegründete ökumenisch und von der orthodoxen Kirche kanonisch nicht anerkannte autokephale Kirche Montenegros. Neben den orthodoxen Gläubigen gibt es eine rund 16 Prozent der Bevölkerung umfassende muslimisch-sunnitische Minderheit und vor allem in den Küstenstädten einige Tausend Katholiken, vorwiegend Kroaten und Albaner. Die Angehörigen verschiedener protestantischer Gemeinschaften zählen jeweils weniger als 1000 Mitglieder. Seit Anfang 2012 gilt das Judentum als vierte offizielle Religion des Landes. Es gibt eine jüdische Gemeinde mit etwa zweihundert Mitgliedern.[19]

Geschichte[Bearbeiten]

Montenegro im Jahre 1862
Hauptartikel: Geschichte Montenegros

Als Fürstentum und Königreich[Bearbeiten]

Vom Ende des 15. Jahrhunderts an residierten in Cetinje die Fürsten aus der Familie Crnojević und seit 1516 die Fürstbischöfe (Vladikas), welche bis Mitte des 19. Jahrhunderts jeweils geistliches und weltliches Oberhaupt der Montenegriner waren. Große Teile des Gebiets des heutigen Montenegro gehörten bis 1878 zumindest formal zum Osmanischen Reich. Mit den Beschlüssen des Berliner Kongresses wurde Montenegro ein international anerkanntes unabhängiges Fürstentum, welches 1910 in ein Königreich überführt wurde. Der seit 1860 als Fürst regierende König Nikola I. war bei Beginn des Ersten Weltkriegs im Sommer 1914 auf Seiten Serbiens und damit der Entente. Es folgte die Besetzung Montenegros durch die österreichisch-ungarische Armee Anfang 1916.

Feldzug in Montenegro

Teil Jugoslawiens[Bearbeiten]

Hauptartikel: Königreich Jugoslawien

Als die Mittelmächte im Herbst 1918 zusammenbrachen und der Erste Weltkrieg endete, wurde der König durch Beschluss der Nationalversammlung im November 1918 gestürzt und Montenegro als Teil der Banschaft Zeta in das neu entstandene Königreich Jugoslawien eingegliedert. Im Zweiten Weltkrieg wurde Montenegro nach der militärischen Zerschlagung Jugoslawiens durch deutsche Truppen ab 1941 als italienischer Marionettenstaat Unabhängiger Staat Montenegro wiedererrichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Montenegro (jetzt unter Einschluss des Gebietes um die Bucht von Kotor, aber ohne das ab 1913 kurzzeitig zu Montenegro gehörende Gebiet um die Stadt Peć im Kosovo) eine der sechs Teilrepubliken der Sozialistischen Bundesrepublik Jugoslawien.

Weg zur Unabhängigkeit[Bearbeiten]

Ja (rot), Nein (blau), Mehrheit auf Gemeindeebene Referendum 2006

Das im Jahr 1992 nach dem Austritt Kroatiens und Sloweniens aus dem Staatsverbund abgehaltene Referendum über den zukünftigen Status Montenegros entschied über den Verbleib Montenegros in der Bundesrepublik Jugoslawien. Dabei sprachen sich 95,65 % oder 266.273 Wähler für einen Verbleib in Jugoslawien und 3,14 % oder 8.755 Wähler für eine Loslösung aus. Die Wahlbeteiligung lag bei 66,04 % oder 278.382  von insgesamt 421.529 Wahlberechtigten.[20]

Nach den Jugoslawienkriegen in den 1990er Jahren wuchsen die Differenzen zwischen Montenegro und Serbien, weil die Bevölkerung Montenegros die Isolation und die Last des Krieges nicht mehr mittragen wollte. Die Regierung des seit Anfang der 1990er Jahre regierenden Premiers Đukanović strebte eine Ablösung von Serbien an. Nur auf Druck der Europäischen Union sah Montenegro 2002 noch einmal von der Sezession ab und einigte sich mit Serbien auf die Gründung eines losen Verbundes zweier eigenständiger Staaten namens Serbien und Montenegro.

Mit Bezug auf die Jugoslawienkriege hat sich der damalige montenegrinische Präsident Milo Đukanović mehrmals für die Teilnahme montenegrinischer Soldaten am Kroatienkrieg entschuldigt. Im Jahr 2005 wurden erste Zahlungen als Entschädigung für Plünderungen und Verwüstungen in Kroatien vereinbart (siehe auch: Internationale Konflikte der Nachfolgestaaten Jugoslawiens).

Am 21. Mai 2006 wurde schließlich eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit des Staates Montenegro abgehalten. Darauf hatten sich die Regierung und die Opposition nach längerem Streit geeinigt. Zuletzt nahmen beide den Vorschlag der EU an, der eine 55-Prozent-Mehrheit der Wahlbeteiligten bei einer Wahlbeteiligung von mindestens 50 Prozent für eine Unabhängigkeit erforderlich machte. Bei einer Wahlbeteiligung von 86,39 % oder 419.240 von insgesamt 485.280 im Jahr 2006 eingetragenen Wahlberechtigten wurde die notwendige 55-Prozent-Mehrheit mit einem Ergebnis von 55,49 % (230.661) knapp überschritten. 44,51 % oder 185.002 votierten mit Nein und waren für den Verbleib Montenegros an der Seite von Serbien in der Staatenunion Serbien und Montenegro.[21]

Wahlbeobachter der OSZE bezeichneten die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Ablauf des Referendums als „weitgehend übereinstimmend mit internationalen Standards für Wahlvorgänge“. Die Opposition bemängelte jedoch, dass das Wahlrecht mit dem Hauptwohnsitz des potenziellen Wählers verknüpft war, wodurch etwa 250.000 Montenegriner mit ständigem Wohnsitz in Serbien vom Referendum ausgeschlossen waren, bei insgesamt lediglich 484.718 registrierten Wählern.

Kroatien und die UNO gratulierten bereits am Tag nach der entscheidenden Wahl Montenegro zur Unabhängigkeit. Am 3. Juni 2006 wurde diese durch die Unabhängigkeitserklärung des montenegrinischen Parlaments vollzogen.[22] Die Republik Serbien erkannte als Rechtsnachfolgestaat von Serbien und Montenegro am 15. Juni 2006 Montenegro als unabhängigen Staat an, bereits am 5. Juni 2006 hatte sich Serbien selbst formal für unabhängig erklärt.

Der Orjen, das höchste Küstengebirge der Dinariden
Wanderweg im Karstgebirge zwischen Cetinje und Kotor
Weingarten nahe dem Skutarisee

Weg zur euro-atlantischen Integration[Bearbeiten]

Seit der Unabhängigkeit bemüht sich Montenegro um die Aufnahme in die Europäische Union. Als erster Schritt wurde dazu am 15. Oktober 2007 ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) mit der EU unterzeichnet. Am 15. Dezember 2008 wurde offiziell die Bewerbung um eine EU-Mitgliedschaft durch den montenegrinischen Premierminister Milo Đukanović in Brüssel eingereicht.[23] Nachdem im November 2010 die Europäische Kommission Grünes Licht bzgl. des Kandidatenstatus des Landes gegeben hatte, stimmten am 17. Dezember 2010 die europäischen Staats- und Regierungschefs zu, Montenegro den Kandidatenstatus zu verleihen. In ihrem jährlichen Fortschrittsbericht zu den Kandidatenländern vom 12. Oktober 2011 schlug die EU-Kommission vor, Beitrittsverhandlungen mit Montenegro aufzunehmen. Für einen EU-Beitritt müsste Montenegro jedoch seine Reformen vorantreiben, die Pressefreiheit stärken und sich um bessere Zusammenarbeit in der Balkan-Region bemühen. Insbesondere der Status des Kosovo müsse einheitlich bewertet werden.[24] Am 26. Juni 2012 wurde schlussendlich die Aufnahme konkreter Beitrittsverhandlungen durch den zuständigen EU-Kommissar angekündigt, die drei Tage später offiziell aufgenommen wurden.[25][26]

Außerdem bemüht sich Montenegro um Aufnahme in die NATO. Auf dem Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der NATO-Mitgliedstaaten im April 2008 in Bukarest wurde die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit Montenegro beschlossen[27] und am 3. Dezember 2009 erklärten die Außenminister der NATO-Mitgliedstaaten bei ihrem Treffen in Brüssel Montenegro offiziell zum Beitrittskandidaten, nannten jedoch noch kein mögliches Beitrittsdatum.[28] Die NATO hat auf ihrem Gipfeltreffen in Wales erklärt, spätestens Ende 2015 über einen Beitritt zu entscheiden.[29]

Politik[Bearbeiten]

Wahlen[Bearbeiten]

Aus den vorgezogenen Parlamentswahlen im Oktober 2002 ging das Bündnis „Demokratische Liste für ein europäisches Montenegro“, welches von der regierenden Demokratischen Partei der Sozialisten Montenegros (DPS) angeführt wurde, als Sieger hervor. Es erhielt knapp 48 % der Stimmen und damit die absolute Mehrheit der Sitze im Parlament von Montenegro. Die Sozialistische Volkspartei (SNP), die sich für die Beibehaltung des Staatsbündnisses mit Serbien aussprach, kam mit ihrem Bündnis „Koalition für Veränderungen“ auf gut 38 %.

Am 12. Juli 2004 beschloss die montenegrinische Regierung die bisherige Flagge Montenegros durch eine traditionelle auszutauschen, sowie die Einführung der neuen Nationalhymne Oj svijetla majska zoro. Der Text der neuen Hymne, der für Kontroversen sorgt, stammt von Sekula Drljević und wurde 1937 verfasst.

Spitzenpolitiker der regierenden Partei DPS plädierten seit langem für die Unabhängigkeit Montenegros, was von Serbien und der Europäischen Union abgelehnt wurde. Auf massiven Druck der EU kam im Jahre 2003 eine Einigung zustande, der zufolge Montenegro bis 2006 in einem gemeinsamen Staatenbund mit Serbien verbleiben sollte, dann aber eine Volksabstimmung über die Auflösung des Staatenbundes abhalten könne.

Am 10. September 2006 fanden die ersten Parlamentswahlen nach der Unabhängigkeitserklärung statt, die die Koalition von DPS (33 Sitze, Demokratische Partei der Sozialisten)/SDP (fünf Sitze, Sozialdemokratische Partei)/BP (drei Sitze, Bosniakische Partei)/LDP (drei Sitze, albanische Partei) mit 44 der insgesamt 80 Parlamentssitze für sich entscheiden konnte. Auf die Oppositionsparteien entfielen: Serbische Liste mit SNS (Serbische Volkspartei), SRS (Serbische Radikale Partei, Vojislav Šešelj), DSJ (Demokratische Einheitspartei) und NSS CG (Volkssozialistische Partei Montenegros) zwölf Parlamentssitze. SNP (Sozialistische Volkspartei) acht Sitze, Listenvereinigung NS (Volkspartei) und DSS (Demokratisch-Serbische Partei) drei Sitze, PZP (Bewegung für Veränderungen) – Nebojša Medojević elf Sitze, Demokratischer Bund der Montenegriner und Albanische Alternative verfügen über jeweils einen Sitz. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 70 %.[30]

Am 19. Oktober 2007 wurde erstmals seit 1905 wieder eine Verfassung für einen unabhängigen montenegrinischen Staat beschlossen und drei Tage darauf feierlich verkündet. Ihr Beschluss war einer der wichtigsten Punkte, die dem Balkanstaat von europäischer Seite für eine weiterführende Integration in die euro-atlantischen Strukturen auferlegt worden war. Sie regelt nicht nur den Gebrauch der Amtssprachen, sondern entflechtet auch die Probleme um die doppelte Staatsangehörigkeit der Bewohner zu Montenegro bzw. Serbien.

Am 6. April 2008 fanden die ersten Präsidentschaftswahlen seit der Unabhängigkeit statt. Wahlsieger wurde der bisherige Amtsinhaber Filip Vujanović. Er wurde am 7. April 2013 wiedergewählt.

Präsidenten[Bearbeiten]

(Amtssitz in Cetinje)

Premierminister[Bearbeiten]

  • Milo Đukanović (1991 bis Februar 1998)
  • Filip Vujanović (Februar 1998 bis April 2002)
  • Milo Đukanović (April 2002 bis November 2006)
  • Željko Šturanović (November 2006 bis Februar 2008)
  • Milo Đukanović (Februar 2008 bis Dezember 2010)
  • Igor Lukšić (Dezember 2010 bis Dezember 2012)
  • Milo Đukanović (seit Dezember 2012)

Sicherheit[Bearbeiten]

Militär[Bearbeiten]

Die Montenegrinischen Streitkräfte bestehen aus der Armee, der Marine und der Luftwaffe. Die Montenegrinische Armee ist im Mai 2006 aus dem in Podgorica stationierten Armeekorps der gemeinsamen Serbisch-Montenegrinischen Armee hervorgegangen. Die gemeinsame Marine wurde von Montenegro übernommen, soll aber zu einer kleinen Küstenwache reduziert werden. Die Montenegrinische Armee verfügt über 61 T-55 Panzer, die aus Kostengründen stillgelegt worden sind, und ca. 300 Artilleriegeschütze. Die Personalstärke liegt bei 6500, weitere Kürzungen sind zu erwarten.[31] Die deutsche Bundeswehr bildet u. a. auch montenegrinisches Militär aus.

Polizei[Bearbeiten]

Die Polizei Montenegros wurde mit dem Zerfall Jugoslawiens durch die montenegrinische Regierung zu einem paramilitärischen Ersatzheer ausgebaut. Die Zahl der Polizisten war noch im Frühjahr 1999 von 10.000 auf 15.000 Mann erhöht worden. Heute hat die von einer Polizeidirektion (Uprava policije) in Podgorica geleitete Zivilpolizei in Montenegro ca. 5200 Mitarbeiter.[32]

Kriminalität[Bearbeiten]

Montenegro galt seit den 1990er Jahren unter anderem als Zentrum des internationalen Zigarettenschmuggels. Die Opposition sieht in den Verwicklungen des ehemaligen Ministerpräsidenten Ðukanović in den Schmuggel einen Grund für dessen Unabhängigkeitskampagne.[33] Diesbezüglich stellte sich der Premier Montenegros Milo Đukanović nach seinem erneuten Amtsantritt Ende März 2008 freiwillig den ermittelnden Beamten in Bari in Italien. Die Befragung umfasste etwa 80 Fragen. Eine Einigung mit dem Gericht in Bari, die der freiwilligen Beantwortung der Fragen durch Đukanović vorausgegangen war, verhindert die Veröffentlichung des Inhalts der Befragung. Die Befragung hätte schon im Sommer zuvor im Jahr 2007 stattfinden sollen, wurde jedoch erst Ende März nach der Wiederernennung Milo Đukanović’ zum Premier, nachdem sein Parteikollege wegen Krankheit nach nur einem Jahr ausscheiden musste, durchgeführt.[34]

Noch heute beschäftigen Montenegro zunehmend Schmuggel von Narkotika, Zigaretten, Waffen, Menschen, gestohlene Fahrzeuge aus der EU und unaufgeklärte Auftragsmorde der organisierten Kriminalität. Ein Beispiel hierfür ist der unaufgeklärte Mord an Duško Jovanović, Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung Dan, der in der Nacht vom 24. auf den 25. Mai 2004 erschossen wurde. Die Verhandlung gegen einen Hauptverdächtigen wurde Ende 2006 aus Mangel an Beweisen ausgesetzt.

Im Zusammenhang mit der Ermordung von Duško Jovanović sowie der Ermordung der hohen Polizeifunktionäre Goran Žugić und Darko Beli Rapopović wurde der leitende Untersuchungsbeamte Slavoljub Šćekić am 30. August 2005 ermordet. Ermittlungen führten bisher zu keiner Spur, eine Anklage gegen denselben Verdächtigen wie im Mordfall Duško Jovanović wurde mangels Beweisen fallengelassen.[35]

Weiterhin bemängeln die EU und andere internationale Organisationen die erdrückende Korruption im zudem für das kleine Land unverhältnismäßig sehr großen, seit den 1990er Jahren nicht restrukturierten Staatsapparat.[36]

Am 11. September 2006 meldeten die Medien die zwei Tage zuvor in der Polizeiaktion Adlerflug (Orlov let) erfolgte Verhaftung von Mitgliedern einer terroristischen und kriminellen Organisation, die ebenso in Albanien und dem Kosovo operierte, in der mehrheitlich von Albanern bewohnten Gemeinde Tuzi. Den 15 verhafteten, überwiegend albanischstämmigen mutmaßlichen Terroristen wird aktuell der Prozess wegen versuchter terroristischer Anschläge auf staatliche und zivile Ziele in der Region um Tuzi gemacht. Unter den Verhafteten waren ethnische Montenegriner und Kroaten ebenso wie albanischstämmige US-Staatsbürger. Neben den Verhaftungen wurde in mehreren Verstecken in Höhlen und Erdgruben in der Gemeinde Tuzi ein erhebliches Kontingent an Handfeuerwaffen, Handgranaten, Panzerfäusten, Antipanzerminen, ebenso wie ein sehr großer Munitionsvorrat verschiedenster Kaliber sichergestellt.[37]

2010 wurde der Unterschlupf für den Drogenhändler Darko Šarić, welcher in Serbien flüchtig ist, ausgehoben.

Menschenrechte[Bearbeiten]

Die Organisierte Kriminalität stellt das größte Menschenrechtsproblem in Montenegro dar.

Als Montenegro der Status eines offiziellen EU-Beitrittskandidaten 2010 verliehen wurde, wies die Europäische Kommission darauf hin, es bestehe weiterhin die Notwendigkeit, das organisierte Verbrechen zu bekämpfen, die Situation der Vertriebenen zu verbessern und das Recht auf freie Meinungsäußerung zu gewährleisten. Amnesty International schätze die Menschenrechtslage 2011 immer noch als problematisch ein: Journalisten und einige Nichtregierungsorganisationen (NGO) waren von Einschüchterungen betroffen. Angehörigen der Roma werden nach wie vor soziale und wirtschaftliche Rechte vorenthalten. Allerdings sei die strafrechtliche Verfolgung von Kriegsverbrechen im Gange.

Recht auf freie Meinungsäußerung[Bearbeiten]

Journalisten und einige NGOs waren und sind laut Amnesty International Drohungen und Einschüchterungsversuchen ausgesetzt. 2010 strengten Regierungsvertreter Verleumdungsklagen gegen Journalisten an, die zu hohen Geldstrafen führten. In einigen Fällen lagen diese über der gesetzlichen Höchstgrenze von 14.000 Euro. Im Juni 2010 wurden Ergänzungen zum Gesetz über die Informationsfreiheit von der Regierung eingebracht. Diese schränken nach Ansicht von NGOs und Journalisten sowohl das Recht auf freie Meinungsäußerung als auch den Zugang zu Informationen ein.

Im Oktober 2010 lehnte es die Generalstaatsanwältin ab, die Menschenrechtsorganisation Human Rights Action über den Fortgang von 14 strafrechtlichen Verfahren zu informieren, nach denen die Organisation sich erkundigt hatte. Dazu zählten auch die Morddrohungen gegen Aleksandar Zekovic, einem Mitglied des Komitees zur Kontrolle der Polizei durch die Bürger.

Minderheitenschutz[Bearbeiten]

Angehörigen der Roma werden soziale und wirtschaftliche Rechte vorenthalten. Da angemessene Unterkünfte fehlten, leben viele von ihnen unter prekären Bedingungen. Im Oktober 2010 kamen zwei Roma-Mädchen in einer provisorischen Siedlung auf einer Müllkippe bei Lovanja ums Leben, als ihr aus Dachpappe gebautes Haus Feuer fing.

Im Juli 2010 wurde ein Antidiskriminierungsgesetz verabschiedet, das unter anderem Klauseln zum Schutz von Homosexuellen, Bisexuellen und Transgender-Personen enthält. Das Gesetz war Ende 2010 noch nicht in Kraft getreten.[38]

Administrative Gliederung[Bearbeiten]

Montenegro ist in 21 (Groß-)Gemeinden (opštine, Sg. opština) gegliedert, wobei Nikšić nach Fläche und Podgorica nach Bevölkerung die größten sind.

Siehe auch: Liste der Gemeinden Montenegros

Größte Städte
  • Podgorica – Hauptstadt; 143.718 Einwohner (2008)
  • Nikšić – 58.649 Einwohner (2008)
  • Pljevlja – 21.337 Einwohner (2003)

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Dienstleistungsbranche erwirtschaftete 2011 mit 88 % den mit Abstand größten Anteil am BIP (bzw. 73 % der Beschäftigten), gefolgt von der Industrie mit 11 % (bzw. 23 %) und dem Agrarsektor mit 1 % (bzw. 6 % der Beschäftigten).

Zu den wichtigsten Bodenschätzen zählen Bauxit (Hauptexportgut), Eisenerz und Braunkohle; in der Industrie gehören die Tabak-, Aluminium- und Salzverarbeitung zu den bedeutenden Produktionszweigen. In der Agrarwirtschaft werden vor allem Gemüse, Getreide, Kartoffeln, Tabak, Wein, Zitrusfrüchte, Oliven und Feigen angebaut.

Haupthandelspartner (2013)
Ausfuhr nach Einfuhr von
Serbien 133.5 Mio. € Serbien 505.9 Mio. €
Kroatien 59.5 Mio. € Griechenland 149.8 Mio. €
Slowenien 36 Mio. € VR China 142.8 Mio. €
Quelle: MONSTAT 2014[39]
Haupthandelspartner (2010)
Ausfuhr nach Einfuhr von
Serbien 23 % Serbien 26 %
Griechenland 17 % Bosnien und Herzegowina 8 %
Italien 15 % Deutschland, Griechenland je 7 %
Bosnien 7 % Italien 6 %
Slowenien 6 % Kroatien 5 %
sonstige Länder 32 % sonstige Länder 41 %
EU-Staaten 56 % EU-Staaten 38 %
Quelle: Fischer Weltalmanach 2012
Die Hotelinsel Sveti Stefan

Tourismus[Bearbeiten]

Hauptartikel: Tourismus in Montenegro

Der Tourismus spielt in Montenegro eine entscheidende Rolle. 21 % des Bruttoinlandsproduktes werden durch ihn erwirtschaftet. Montenegro ist laut World Travel & Tourism Council (WTTC) weltweit seit Jahren unter den drei wachstumsstärksten Reiseländern.

Währung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Montenegro und der Euro

Im Jahr 1999 wurde als Währung die Deutsche Mark eingeführt. Im Zuge der Umstellung der Deutschen Mark auf den Euro wird seit 2002 als Landeswährung der Euro verwendet. Da das Land nicht an der Europäischen Währungsunion teilnimmt, hat es nicht das Recht, eigene Euromünzen zu prägen.

Ende 2005 wurden erstmals seit 1913 wieder eigene Briefmarken herausgegeben.

Staatshaushalt[Bearbeiten]

Die Staatsverschuldung betrug 2009 ca. 1,66 Mrd. US-$ oder 36 % des BIP.[40]

2011 betrug der Anteil der Staatsausgaben[41] (in % des BIP) folgender Bereiche:

Verkehr[Bearbeiten]

Infrastruktur Montenegros

Eisenbahn[Bearbeiten]

Durch Montenegro verläuft von Norden über Podgorica bis zum wichtigsten montenegrinischen Hafen Bar die für den Balkan wichtige Bahnstrecke Belgrad–Bar. Es handelt sich um eine überwiegend eingleisige Strecke, welche durchgehend elektrifiziert ist. Sie wurde erst im Jahre 1976 durchgehend in Betrieb genommen und gilt als eine der spektakulärsten Gebirgsbahnen mit zahlreichen Tunneln und Brücken, darunter mit dem Mala-Rijeka-Viadukt die mit 198 Metern Höhe über Grund höchste Eisenbahnbrücke Europas und zweithöchste der Welt. Außerdem führen zwei weitere Strecken von Podgorica aus nach Nikšić beziehungsweise über Shkodra nach Tirana (Albanien). Betreiber der montenegrinischen Eisenbahnen ist die Željeznica Crne Gore (ŽCG).

Flugverkehr[Bearbeiten]

Im Land existieren zwei internationale Flughäfen, der Flughafen Podgorica und der Flughafen Tivat. Die einzige in Montenegro beheimatete Linienfluggesellschaft ist Montenegro Airlines.

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Vignette für die ehemalige Eko Naknada

2005 wurde mit dem 4,1 Kilometer langen Sozina-Straßentunnel (mautpflichtig) eine wichtige Verbindung zwischen Podgorica und Sutomore (südliche Küstenregion zwischen Budva und Bar) geschaffen, womit die Fahrzeit um etwa eine halbe Stunde reduziert wurde (wobei die Anfahrt über die Küstenstraße durch Stauungen sehr zeitintensiv sein kann). Von einer ähnlichen Situation kann auch der Flughafen Tivat dank dem Vrmac-Tunnel profitieren. Diese zwei Projekte kommen vor allem dem Tourismus zugute, verbessern aber auch die Anbindung des Küstengebietes an die Hauptstadt Podgorica. Außerdem ist mit der Verige-Brücke eine Querung der Bucht von Kotor geplant.

Das Land verfügt noch über keine Autobahnen, es befinden sich aber drei Strecken in der Planungsphase, die Autobahn Bar–Boljare als Verbindung mit Serbien, die Autobahn Grahovo–Božaj als montenegrinischer Teil der Adriatisch-Ionischen Autobahn und die Autobahn Andrijevica–Čakor als Verbindung zum Kosovo. Außerdem sollen zwei Schnellstraßen-Verbindungen, die Schnellstraße Herceg Novi–Ulcinj und die Schnellstraße Plužine–Podgorica, verwirklicht werden.

Vom 15. Juli 2008 bis 31. Dezember 2011 war es nötig, die Umweltgebühr Eko Naknada in Form einer Vignette zu entrichten. Die Vignette für diese De-facto-Maut war zwölf Monate ab dem Kaufdatum gültig und kostete zum Beispiel für PKW 10 Euro.[42]

Kultur[Bearbeiten]

Petar Petrović-Njegoš

Als größter Dichter Montenegros wird immer wieder Fürst Petar II. Petrović-Njegoš genannt. Dieser wird mit einem Mausoleum auf dem Berg Lovćen bis heute hoch verehrt.

Sport[Bearbeiten]

Am 25. Januar 2007 wurde Montenegro als 53. Mitglied in den europäischen Fußballverband UEFA und am 31. Mai 2007 in die FIFA aufgenommen. Die Aufnahme in die Europäische Handballföderation erfolgte am 7. August 2006. Bei ihrer ersten Teilnahme an einer Europameisterschaft gewann die Wasserballnationalmannschaft in Málaga am 13. Juli 2008 nach Verlängerung mit 6:5 gegen Serbien den Titel.

Den ersten nennenswerten Titel auf europäischer Ebene gewann die Frauen-Handballnationalmannschaft am 16. Dezember 2012 bei der Europameisterschaft in Serbien. Im Finale bezwangen sie die jahrelang übermächtigen Norwegerinnen in der Verlängerung mit 34:31.

Siehe auch: Montenegrinische Fußballnationalmannschaft; Montenegrinische Männer-Handballnationalmannschaft

Seit vielen Jahren findet die Montenegrorundfahrt mit Teilnehmern aus vielen Ländern und dem montenegrinischen Team Profiline statt. Dieses Radrennen „Putevima Kralja Nikole“ bzw. „Paths of King Nikola“ ist das größte nationale Radsportereignis.

Feiertage[Bearbeiten]

Datum Bezeichnung Anmerkung
1. Januar Neujahr Neujahr nach dem Gregorianischen Kalender
6. Januar Orthodoxes Weihnachten Weihnachten (24. Dezember) nach dem Julianischen Kalender
7. Januar Orthodoxer Christtag Christtag (25. Dezember) nach dem Julianischen Kalender
14. Januar Orthodoxes Neujahr Neujahr nach dem Julianischen Kalender
3. Mai Orthodoxer Karfreitag Datum nur für 2013 (siehe Osterdatum)
5. Mai Orthodoxes Osterfest Datum nur für 2013 (siehe Osterdatum)
6. Mai Orthodoxer Ostermontag Datum nur für 2013 (siehe Osterdatum)
1. Mai Tag der Arbeit
9. Mai Tag des Sieges Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa 1945
21. Mai Unabhängigkeitstag Tag des Unabhängigkeitsreferendums 2006
13. Juli Tag der Eigenstaatlichkeit Nationalfeiertag

Literatur[Bearbeiten]

  • Paić, Scherb: Cèrnagora. Eine umfassende Schilderung des Landes und der Bewohner von Cèrnagora (Montenegro). Suppan, Agram 1851 (Digitalisat); Reprint: Kessinger 2010, ISBN 978-1-161-02939-0
  • Jens Becker, Achim Engelberg (Hrsg.): Montenegro im Umbruch. Reportagen und Essays. Westfälisches Dampfboot, Münster 2003, ISBN 3-89691-546-0
  • Walter Lukan et al.: Serbien und Montenegro. LIT, Münster 2006, ISBN 3-8258-9539-4
  • Elizabeth Roberts: Realm of the Black Mountain. A History of Montenegro. Ithaca 2007, ISBN 978-0-8014-4601-6
  • Reinhold Fleischhacker: Montenegro – das wiederentdeckte Paradies. Ein Reise-Almanach. USP, Oberhaching 2008, ISBN 978-3-937461-26-7
  • Katrin Boeckh: Serbien – Montenegro. Geschichte und Gegenwart. Pustet, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7917-2169-9

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. CIA – The World Factbook (Schätzung für Juli 2009, abgerufen am 24. August 2009)
  2. wolframalpha.com: Montenegro
  3. Schätzungen des International Monetary Fund: World Economic Outlook Database, Stand: Oktober 2014. Abgerufen am 26. November 2014.
  4. Human Development Report Office: Montenegro – Country Profile: Human Development Indicators, abgerufen am 25. Oktober 2014
  5. Gerhard Herm: Der Balkan. Das Pulverfaß Europas. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf / Wien / New York / Moskau, 1993, S. 275, ISBN 978-3-430-14445-2
  6. Hughes, P.D. (2007) Recent behaviour of the Debeli Namet glacier, Durmitor, Montenegro. Earth Surface Processes and Landforms, 32, 1593-1602.
  7. Phil Hughes: Twenty-first Century Glaciers and Climate in the Prokletije Mountains, Albania. Arctic, Antarctic, and Alpine Research, Vol. 41, No. 4, 2009, pp. 455–459.
  8. •Hughes, P.D., Woodward, J.C., van Calsteren, P.C. and Thomas, L.E. "The Glacial History of the Dinaric Alps, Montenegro." Quaternary Science Reviews 30, no. 23-24(2011) : 3393-3412. eScholarID:130308 | DOI:10.1016/j.quascirev.2011.08.016
  9. Hughes, P.D., Woodward, J.C., van Calsteren, P.C., Thomas, L.E. and Adamson, K. "Pleistocene ice caps on the coastal mountains of the Adriatic Sea." Quaternary Science Reviews 29, no. 27-28(2010) : 3690-3708. eScholarID:87178 | DOI:10.1016/j.quascirev.2010.06.032
  10. Christian Bräuchler & Pavle Cikovac: Vegetational diversity in a hyper-karstic, hyper-humid oro-mediterranean Environment. In proceeding of: 40th Anniversary Conference of the Ecological Society of Germany, Austria and Switzerland, Volume: 40, Page 405-430, Held at Justus Liebig Universität Gießen, The future of Biodiversity, 8/2010. (online:academia.edu)
  11. a b Statistisches Amt der Republik Montenegro (montenegrinisch)
  12. Länderinformationen des Auswärtigen Amtes zu Montenegro
  13. Verfassung Montenegros, Website des montenegrinischen Parlaments (montenegrinisch, serbisch, bosnisch, kroatisch; PDF; 171 kB)
  14. U Skupštini RCG usvojen Zakon o manjinskim pravima i slobodama: Pressemitteilung der montenegrinischen Regierung zum Minderheitengesetz (montenegrinisch)
  15. Youth Initiative for Human Rights: Minderheiten in Montenegro: Gesetzgebung und Praxis Seite 8 (serbisch)
  16. Serbisch-Montenegrinisches Minderheitengesetz von 2002 (Version vom 23. Juli 2007 im Internet Archive) (serbisch)
  17. Auswärtiges Amt: Religion und andere Daten zu Montenegro
  18. Mitropolija Crnogorsko Primorska der Serbisch-Orthodoxen Kirche
  19. Artikel über das Judentum in Montenegro Jüdische Allgemeine vom 3. Mai 2012
  20. Referendum 1992 Montenegro
  21. Publikation zum Referendum 2006
  22. Wortlaut der Unabhängigkeitserklärung vom 3. Juni 2006, Montenegrina: Digitalna biblioteka crnogorske kulture i nasljeda
  23. FAZ: EU-Kommission: Montenegro bewirbt sich um EU-Mitgliedschaft (15. Dezember 2008)
  24. Erweiterung: Serbien und Montenegro rücken näher. Europäische Kommission, abgerufen am 12. Oktober 2011.
  25. FAZ: EU verhandelt mit Montenegro EU verhandelt mit Montenegro
  26. Kurier: Außenminister Montenegros zurückgetreten
  27. DW-World: NATO-Gipfel beschließt nur kleine neue Erweiterungsrunde (14. Dezember 2009)
  28. Sueddeutsche: Montenegro näher an Nato (14. Dezember 2009)
  29. Erklärung des NATO-Gipfels in Newport
  30. Parteien im Parlament Montenegros seit 2006
  31. Serbianna.com: Montenegrin army begins destroying its tanks (engl.)
  32. Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa: Länderprofil Montenegros (engl.)
  33. Schnellboote voller Schmuggelzigaretten FAZ, 15. Mai 2006
  34. B92.net: Đukanović questioned by investigators in Bari (engl.)
  35. Voice of America: Načelnik Uprave za opšti kriminalitet crnogorskog MUP Slavoljub Šćekić ubijen ispred porodične kuće u Podgorici (30. August 2005, serbisch)
  36. FAZ: Nach der Wahl in Montenegro: Der Doppelpartner (gesichtet Dez. 2008)
  37. Onlinezeitung Danas: Akcija crnogorske policije dan pred izbore: Uhapšeni osumnjičeni za terorizam (11. September 2006, serbisch)
  38. Amnesty International: AMNESTY REPORT 2011 Montenegro
  39. http://www.monstat.org/cg/page.php?id=171&pageid=171
  40. KfW (Seite nicht mehr vorhanden, 2. Oktober 2013)
  41. Factfish: Montenegro - Statistiken und Daten
  42. Montenegro: „Öko-Maut“ abgeschafft (ExpatNews)

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Montenegro – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Montenegro

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Montenegro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Montenegro – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikinews: Montenegro – in den Nachrichten
 Wikisource: Montenegro – Quellen und Volltexte
 Wikivoyage: Montenegro – Reiseführer

42.76666666666719.216666666667Koordinaten: 43° N, 19° O