Ulrichstein

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Stadt Ulrichstein, für weitere Bedeutungen von Ulrichstein siehe Ulrichstein (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Ulrichstein
Ulrichstein
Deutschlandkarte, Position der Stadt Ulrichstein hervorgehoben
50.5833333333339.2614Koordinaten: 50° 35′ N, 9° 12′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Gießen
Landkreis: Vogelsbergkreis
Höhe: 614 m ü. NHN
Fläche: 65,61 km²
Einwohner: 3014 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 46 Einwohner je km²
Postleitzahl: 35327
Vorwahl: 06645
Kfz-Kennzeichen: VB
Gemeindeschlüssel: 06 5 35 018
Stadtgliederung: 9 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktstraße 28–32
35327 Ulrichstein
Webpräsenz: www.ulrichstein.de
Bürgermeister: Edwin Schneider (parteilos)
Lage der Stadt Ulrichstein im Vogelsbergkreis
Antrifttal Alsfeld Grebenau Schlitz (Vogelsbergkreis) Kirtorf Homberg (Ohm) Mücke (Hessen) Gemünden (Felda) Romrod Schwalmtal (Hessen) Lauterbach (Hessen) Wartenberg (Hessen) Feldatal Lautertal (Vogelsberg) Ulrichstein Herbstein Schotten (Stadt) Grebenhain Freiensteinau Landkreis Marburg-Biedenkopf Schwalm-Eder-Kreis Landkreis Hersfeld-Rotenburg Landkreis Fulda Wetteraukreis Main-Kinzig-KreisKarte
Über dieses Bild

Ulrichstein ist eine kleine Stadt im Vogelsbergkreis in Hessen (Deutschland) und ein staatlich anerkannter Erholungsort.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Ulrichstein liegt im Vogelsberg auf 559 Metern Höhe, der Schlossberg mit einer Höhe von 614 Metern ist der höchste Punkt Ulrichsteins. Damit ist Ulrichstein Hessens höchstgelegene Stadt. Es ist ein anerkannter Luftkurort und liegt in unmittelbarer Nähe des Naturschutzgebiets Hoherodskopf. Unmittelbar nordwestlich der Ortslage von Ulrichstein befindet sich die Quelle des Flusses Ohm.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Ulrichstein grenzt im Norden an die Gemeinde Feldatal, im Osten an die Gemeinde Lautertal, im Süden an die Stadt Schotten, im Südwesten an die Stadt Laubach (Landkreis Gießen), sowie im Westen an die Gemeinde Mücke.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadtteile sind seit der Gebietsreform in Hessen 1972:

Geschichte[Bearbeiten]

Die Burg

Seinen Ursprung hat der Ort in der heute nur noch als Ruine erhaltenen Burganlage auf einem über 600 m hohen Basaltkegel, die im Kern aus dem 12. Jahrhundert stammt. Die Besitzverhältnisse im 12. und 13. Jahrhundert sind unklar, möglicherweise gelangte die Burg über Büdingen und Breuberg an die Landgrafschaft Hessen. Fest steht, dass in einer Urkunde von 1296 der Wald von Ulrichstein als Besitz Heinrich I. ausgewiesen ist. Im 14. Jahrhundert kam dieser Besitz als Lehen an die Herren von Eisenbach, die die Burg stark befestigten und ausbauten. 1347 erhielt Ulrichstein Stadtrecht durch Ludwig den Bayern.

Den Eisenbachern folgten die Riedesel als landgräfliche Erbmarschalle und Rentamtmänner. Sie trieben den „Zehnten“ ein und nahmen bis zum Ende des Alten Reiches auch die Gerichtsbarkeit wahr.

Ulrichstein – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655

Ein Stadtbrand 1763 vernichtete die mittelalterliche Bausubstanz bis auf wenige Ausnahmen (Burg-Vorwerk und Haus Pebler, Ulrich-Mull-Straße). Während der Befreiungskriege soll einer Tafel am Gemeindegasthof zufolge Gebhard Leberecht von Blücher im Oktober 1813 Aufenthalt in Ulrichstein genommen haben. Im Wiener Kongress kam Ulrichstein zur Provinz Oberhessen des Großherzogtums Hessen. Die Burg war funktionslos geworden und konnte nicht mehr unterhalten werden; 1826 wurde sie abgebrochen.

In den Jahren 1991 bis 2005 nahm ein lokaler gemeinnütziger Förderverein umfangreiche Restaurierungsarbeiten und touristische Dokumentationen an der Burgruine vor.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 31. Dezember 1971 schlossen sich im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bisherige Stadt Ulrichstein, die Gemeinden Kölzenhain und Rebgeshain aus dem Landkreis Lauterbach sowie die Gemeinden Bobenhausen II, Helpershain, Ober-Seibertenrod, Unter-Seibertenrod, Feldkrücken und Wohnfeld aus dem Landkreis Alsfeld zu einer neuen Gemeinde zusammen, der heutigen Stadt Ulrichstein.[2]

Politik[Bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:[3]

Gemeindewahl in
Ulrichstein 2011
 %
60
50
40
30
20
10
0
53,0 %
33,6 %
10,3 %
3,1 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
+5,7 %p
-6,1 %p
-2,8 %p
+3,1 %p
Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 53,0 12 47,3 11
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 33,6 8 39,7 9
F.D.P./FWG Freie Demokratische Partei / Freie Wählergemeinschaft 10,3 2 13,1 3
AK Alternative Kraft 3,1 1
Gesamt 100,0 23 100,0 23
Wahlbeteiligung in % 58,3 57,6

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister von Ulrichstein ist seit dem 1. Dezember 2011 der parteilose Edwin Schneider, der die Nachfolge des aus gesundheitlichen Gründen ausgeschiedenen Rathauschefs Erwin Horst antrat. Schneider setzte sich bei der Direktwahl am 6. November 2011 im ersten Wahlgang gegen 4 Mitbewerber durch.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Evangelische Kirche
  • Blickfang der Gemeinde ist der von Weitem sichtbare Schlossberg Ulrichstein mit Burgruine und Kriegsgräberstätte für in- und ausländische Kriegsopfer. Unterhalb des Bergs liegen zwei zum Burgkomplex gehörende Basaltgebäude, das Zollhaus und die Zehntscheuer, die von 1464 datieren und die ältesten der Stadt konstituieren. Hier wurden Wegzoll und Zehnter eingetrieben.
  • Rund um die Schlossruine Ulrichstein wurde der Vogelsberggarten angelegt.
  • Die evangelische Kirche (1861), einschiffig mit Chorapsis und schlankem Turm, vereinigt neogotische und neobarocke Stilelemente. Sie ersetzte einen Vorgängerbau. Der flach gedeckte Innenraum weist eine reich ornamentierte Empore und ein Chorgewölbe im spätgotischen Stil auf.
  • Ein Museum mit Antiquitäten ist in blauen Schindeln errichtet.
  • Beim ehemaligen Amtsgericht von 1838 – beige Schindeln und Fachwerk – neben dem Dorfbrunnen mit Pumpe stehen zwei historische Linden: Die Friedenslinde von 1870/71 und die Bismarck-Linde, gepflanzt zum 80. Geburtstag des Reichskanzlers 1895.
  • An die ehemalige jüdische Gemeinde Ulrichsteins erinnern die ehemalige Synagoge (1847), Judenbad und Judenbackhaus (1849) sowie ein jüdischer Friedhof.
  • Insgesamt charakterisieren farbige Schindelbauweise und Fachwerk – auch beides in Kombination – zahlreiche Gebäude in Ulrichstein. Dies gilt auch für die Kirchen in den umliegenden Ortsteilen Bobenhausen, Ober- und Unter-Seibertenrod.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Größere Gewerbe- oder Industriebetriebe gibt es in Ulrichstein nicht. Die Kleinstadt setzt auf eine für moderaten Naherholungs- und Individualtourismus geeignete Infrastruktur. Neben zwei Hotels mit regionaler und italienischer Gastronomie gibt es eine Reihe von Pensionen, Privatunterkünften, Ferienwohnungen sowie einen Ferienpark. Zudem gibt es viele Wochenendhäuser, welche meist Eigentümer aus dem Rhein-Main-Gebiet haben.

Windenergie[Bearbeiten]

Windkraftanlage der Stadt Ulrichstein

Hauptartikel: Windparks in Ulrichstein

Auch überregional bekannt ist Ulrichstein mittlerweile durch seine vielen Windkraftanlagen. Aufgrund seiner Lage im Hohen Vogelsberg mit seinen windexponierten Kämmen bestehen hier gute Voraussetzungen für die Nutzung der Windenergie. Der erste Windpark im Stadtgebiet wurde 1994 auf der 558 m hohen Platte oberhalb des Stadtteils Ober-Seibertenrod errichtet. Dieser gehörte gleichzeitig zu den ersten kommerziellen Windparks in Hessen. Betreiber war (und ist) eine Zweckgesellschaft der hessenEnergie GmbH, die seit 2002 wiederum zur OVAG gehört und mittlerweile noch weitere Windparks im Stadtgebiet betreibt.

Im Juli 1996 nahm Ulrichstein den ersten kommunalen Windpark Deutschlands in Betrieb, ebenfalls im Gebiet Auf der Platte. Insgesamt entstanden bis heute drei kommunale Windparks, die in Kooperation mit der hessenEnergie durch die Stadtwerke Ulrichstein als kommunaler Eigenbetrieb geführt werden. Anders als bei Windparks externer Investoren stehen bei diesem Betreiberkonzept sämtliche Einnahmen dem Haushalt der Stadt unmittelbar zur Verfügung. Weiterhin existieren einige Bürger-Windkraftanlagen. Zum ältesten Windpark Auf der Platte gehört auch ein Windenergie-Lehrpfad, der auf mehreren Hinweistafeln über die Nutzung der Windenergie informiert.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Hugo Hepding (* 7. September 1858 in Ulrichstein, † 24. September 1959 in Gießen), deutscher Klassischer Philologe, Volkskundler und Bibliothekar.
  • Wolfgang Gerhardt (* 31. Dezember 1943 in Helpershain), hessischer Politiker (FDP) und Bundesvorsitzender der FDP 1995-2001.
  • Matthias Beltz (* 31. Januar 1945 in Wohnfeld, † 27. März 2002 in Frankfurt am Main), deutscher Kabarettist und freier Autor.

Literatur[Bearbeiten]

  • Reinhard Thomas: Ulrichstein. Burg und Stadt, Lauterbach 1989

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 367.
  3. Endgültiges Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011, Ulrichstein, Hessisches Statistisches Landesamt. Abgerufen am 11. April 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ulrichstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien